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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Horror

Amadeus 04 - Faustus

Das aktuelle Cover der Mozart-Reihe hat als Wiedererkennungswert den Aufbau mit Schrift, Bild und Mozart-Portrait. Wenn man diesmal jedoch genau hinsieht, erschrickt man bei FAUSTUS: es mag ja Mozart sein, aber so wirklich gesund sieht er nicht mehr aus. Ich bin gespannt, ob sich nun das Gesicht des Komponisten von Folge zu Folge verändert bis hin zum Totenschädel, oder ob dies einfach nur die neue Covergestaltung bleibt.

Zum Inhalt: Mozarts Freund Justus Resch hat eine Anstellung beim Anatomen Marschall bekommen. Doch schon nach kurzer Zeit wird dieser auf grauenvolle Weise getötet gesplattert. Die beiden versuchen den Fall aufzuklären und geraten in eine blutige Verschwörung.

Wie das Cover schon verheißt, ist die aktuelle Folge sehr düster. Was zu Beginn der Reihe als Mystery verkauft wurde, möchte ich hier schon als Horror einstufen und eine Altersfreigabe empfehlen. Es rollen Köpfe, Gedärme werden herausgefetzt, und auch sonst geht man nicht gerade zimperlich zu Werke, inhaltlich wie sprachlich. Aber man darf keinesfalls erwarten, dass es sich auf Splatter-Niveau abspielt! Im Gegenteil, FAUSTUS verbindet geschickt Religion, Wissenschaft, Philosophie, historisch reale Bezüge, europäisches Kulturgut mit einer unglaublich dicht gewobenen Fiktion, die ihresgleichen sucht.

Trotzdem, so düster AMADEUS auch ist, ein wenig Humor gehört dazu. Zu Beginn gibt es wieder viele Plänkeleien und derben Späße zwischen den Protagonisten, und wie für die damalige Zeit und diese Serie üblich werden vulgäre Begriffe nicht geschönt. Es tut gut, einfach mal richtig unanständig zu lachen, und dafür bietet Mozart allen Grund. Man denke etwa an seine Lieder - mir sind einige seiner ursprünglichen Kanons und Texte bekannt, aber sehr viele Hörer dürften überrascht sein, plötzlich den Originaltext zu hören. Und bevor jemand sagt, das sei erfunden - nope, Mozart war wirklich ein kleines großes Ferkel ;-)

Nicht nur hinsichtlich Musik und Humor - es gibt Anspielungen und Verweise auf die unterschiedlichsten Bereiche (etwa der Name des Pudels ließ mich schmunzeln, oder die Gegenüberstellung von Teufeln und Mönchen, da kommt ein gewisser Aha-Effekt, den ich liebe. Einfache Story kann jeder, aber clever eingestreute Symbolik, Nambensgebung und Anspielungen sind etwas Besonderes).

FAUSTUS bietet einen Bezug zur Reihe, indem eine Figur der ersten Folge WOLFERL wieder auftritt (und für einige bösen Spottsprüche Mozarts sorgt). Auf das überraschende Ende des zweiten Teils ROSIGNOLO wird allerdings kein Bezug genommen. Dafür wird ein neuer Handlungsfaden gewoben, der nicht minder spannend ist. Wie viele Folgen auch immer es geben wird, inzwischen ist die Rahmenhandlung recht aufwändig, und ich bin sehr gespannt, wie man all die Fäden zusammenführen will.

Musikuntermalung, Geräusche, Zusammenschnitt, alles bildet eine Einheit, ich sah die Handlung wie einen Film vor mir. Und ich finde sogar, dass die Serie das Potential zu einer Verfilmung hätte, die mit düsteren historischen Titeln mithalten kann (auch, wenn ich natürlich nicht den Hörplaneten an Umberto Eco messen möchte, drängen sich mir in Atmosphäre und Inhalt immer häufiger Gedanken um DER NAME DER ROSE auf, und die Bilder in meinem Kopf sehen ähnlich aus).

Was mir in dieser Folge besonders auffiel: es ist faszinierend, wieviel traumatische Erlebnisse unsere Serienhelden erleiden. Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Toten die Lady gesehen hat. Die drei ??? haben schon allerhand Grusliges, Schockierendes erlebt. Von John Sinclair und all den Dämonen ganz zu schweigen. Würde ich diese Dinge erleben, könnte man mich sabbernd mit eingenässten Hosen in der Ecke sitzen sehen, wie ich hysterisch vor mich hinkichere. Naja, dafür sind es Serienhelden, das verzeiht man und stört sich nicht daran. Aber AMADEUS ist da anders. Die Helden leiden unter den Geschehen, und die Ereignisse ziehen nicht schadlos an ihnen vorbei - das ist etwas Neues, und das finde ich positiv überraschend.

Alles in Allem: Wir Horrorfans sind keine hirnlosen Zombies, die man mit billiger Action abspeisen kann. Und nur, weil ich Kultur liebe und genieße, bin ich bitte nicht langweilig und spießig. Amadeus schafft es, junge Erwachsene anzusprechen, die mehr wollen als "entweder - oder". Eine Reihe, die sowohl den Intellekt anspricht als auch das Bedürfnis nach Action, Splatter und eben einfach Unterhaltung. Mehr davon bitte!

Wertung: 4,9 von 5 Puppentheater


SaschaSalamander 18.03.2013, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 04 - Träume der Termiten

porterville04_termiten_1.jpgProtagonist der vierten Folge von PORTERVILLE ist Paul Higgins. Jedoch nicht der alte Higgins, den wir später kennenlernen (bzw in früheren Teilen der Reihe kennenlernten, allerdings als er bereits älter war. Herrjeh, DarksidePark bzw PorterVille sind gelegentlich recht kompliziert zu erklären mit seinen Zeitsprüngen und Zusammenhängen), sondern diesmal der junge Higgins, noch nicht einmal seine Doktorarbeit abgeschlossen hat, noch mit seiner schwangeren Freundin in Massachusetts lebend. Wir erfahren hier, mit welchen Versprechen und Methoden er als Mitarbeiter für Porterville angeworben wurde.

Autor ist diesmal John Beckmann, den ich schon in anderen Reihen zu schätzen gelernt habe. Er schrieb die ersten Folgen für >LADY BEDFORT<, war verantwortlich für eine spannende Episode >MINDNAPPING<, verfasste vier Teile des >DARKSIDE PARK<. Mir gefällt, dass seine Folgen häufig sehr "heimelig" und "beschaulich" wirken, sehr familiär und ruhig, ganz unaufgeregt. Dabei aber immer eine unterschwellige Bedrohung ausstrahlen. Harmlose alte Damen beim Kaffeeklatsch, Natur und Wildnis bei den Indianern, abseits gelegene Inselbewohner, das gemütliche kleine Örtchen Broughton, überall freundliche, arglose Menschen, doch der Blick hinter die Fassade verheißt Abgründe. Dabei zeigt Beckmann nur selten das ganze Ausmaß, überlässt sehr viel davon der Phantasie des Hörers bzw Lesers.  

Auch hier werden wieder mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Anfangs dachte ich "super, jetzt erfahren wir endlich mal mehr über die seltsame Fragereihe nach dem Geschmack von Pudelfleisch, träumenden Termiten und anderen Dingen". Aber klar, natürlich wurde nicht erklärt, was es mit den Fragen auf sich hat. Stattdessen frage ich mich nun zusätzlich, was in dem seltsamen Kubus geschah, inwiefern träumende Termiten von Belang für Porterville sind und wie zur Hölle bitte dieser komische Test mit den Hunden aussah (immerhin waren es keine Pudel)? Was auch immer Beckmann selbst beim Schreiben im Kopf hatte, meine Phantasie malt sich grauenvolle Dinge aus, ich schaudere wohlig bei dem Gedanken daran. Und freue mich bereits auf die nächste Folge, für die es auch hier im Prolog bereits wieder einen kleinen Vorgeschmack gab (meine Rezi ist kein Spoiler sondern die allererste Seite des Buches, keine Sorge *smile*)

Alles in allem - eine weitere spannende Folge, die mich absolut unbefriedigt zurücklässt und gerade deswegen absolut zufriedenstellte. Sorry, wenn das schräg klingt, aber anders kann man Porterville einfach nicht beschreiben. Süchte sind nicht wirklich  rational ;-)

SaschaSalamander 05.03.2013, 08.38 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 03 - Nach dem Sturm

porterville03_sturm_1.jpg>Simon X Rost< ist Autor der dritten Folge von PORTERVILLE. Er erzählt, was nach dem Fall des ehemaligen Bürgermeister Hudson geschehen ist: einige Männer wollen die Stadt wieder aufbauen, das Volk braucht eine starke und kompetente Führung. Doch während die anderen nach Macht streben und sich selbst Vorteile erschleichen und die Bürger dabei hungern lassen, plagt Jefferson Prey das schlechte Gewissen. Auf welche Seite wird er sich schlagen?

Während der Autor für den DARKSIDE PARK zwei actionreiche Geschichten um "harte Kerle" ablieferte, ist der Protagonist hier eher ein stiller Mensch, sehr gedankenvoll. Jeffrey beobachtet sehr viel, der Leser folgt seinen Gedanken rund um Führung, Macht, Verantwortung. NACH DEM STURM ist eine eher politische Folge - und dennoch ist es Simon hervorragend gelungen, sie spannungsreich zu gestalten, sodass ich den Kindle nicht beiseite legen konnte und wieder in einem einzigen Rutsch hindurchfliegen musste.

Es gelingt Simon beklemmend gut, eine Stadt nach dem Ausnahmezustand aufzuzeigen. Die Hoffnung der Bürger, der gemeinsame Wunsch nach Änderung und Besserung, zugleich aber die Entkräftung des Volkes, das Sich-Verzehren nach ein klein wenig Luxus. In >Folge 01< erfuhr der Leser, wiesehr die Schere in der Gesellschaft auseinanderklafft, und in Folge 3 nun wird genauer erklärt, wie es dazu kam. Die Zeitsprünge machen die Handlung ziemlich komplex, und man muss sich als Leser oft genau verdeutlichen, wann und wo man sich gerade befindet.

Ebenfalls sehr schön finde ich, wie in dieser Folge immer mehr deutlich wird, dass die Autoren wirklich gemeinsam an einem großen Projekt arbeiten. Bereits in >Folge 2 - Die verlorene Kolonie< wurde Bezug genommen auf einzelne Episoden des Autors Raimon Weber aus dem DARKSIDE PARK. Und hier stellt sich nun heraus, dass der Prolog des (nein, verzeihung, Stop, ich möchte nicht spoilern. Aber es ist wirklich unglaublich schwer, etwas über PORTERVILLE zu schreiben, ohne sich immer auf andere Folgen zu beziehen). In Zeiten von Internet und Amazon, wo immer mehr Autoren sich anonym trollen, bekriegen und den Erfolg missgönnen, finde ich es einfach großartig, wenn einige von ihnen zeigen, dass sie auch zusammenarbeiten können, sich am Erfolg des anderen freuen und gemeinsame Projekte auf die Beine stellen. Der DARKSIDE PARK hatte ja sogar ein Crossover mit der Hörspielreihe >MINDNAPPING<.

PORTERVILLE macht süchtig nach MEHR! Aber jetzt heißt es sich gedulden bis zum ersten März, wenn TRÄUME DER TERMITEN von John Beckmann erscheinen, und kurz darauf geht es weiter mit DIE AKTE TORI, wieder von Raimon Weber. Nicht einmal eine Woche ... aber selbst ein paar Tage können eine gefühlte Ewigkeit sein! ;-)

SaschaSalamander 27.02.2013, 09.25 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 02 - Die verlorene Kolonie

porterville02_kolonie_1.jpgDie zweite Folge der Reihe PORTERVILLE handelt von Jeff Benchley, dem Sohn des Douglas Benchley aus >Porterville Steaks<. Jeff findet ein altes Dokument, welches Informationen über eine verlorene Kolonie beinhaltet. Er setzt alles daran, die Echtheit des Dokuments zu prüfen, und dabei kommt er etwas Unglaublichem auf die Spur ...

Während im DARKSIDE PARK alle Folgen zwar in unterschiedlichen Zeiten spielten, dabei aber immer in Porterville selbst, ist dies die erste Geschichte, welche den Ort verlässt und "draußen" spielt. Eine nahe Zukunft - mir gefiel vor allem, wie die Autorin dies realistisch und doch mit einem Hauch Sci-Fi beschrieb, sodass man immer das Gefühl hatte, so könne es demnächst tatsächlich aussehen. Spitzen wie die Fusion zwischen Google und der Finanzwelt fand ich recht amüsant (oder vielmehr erschrec kend, da gar nicht so abwegig), und mit vielen solcher kleinen Anspielungen und Nebenbeisätze konnte die Autorin bei mir ganz groß punkten.

Die Geschichte selbst ist etwas gemütlicher, denn da sie außerhalb Porterville spielt, fehlt natürlich die dunkle Bedrohung der Stadt, die Teenager schlagen sich eher mit üblichen Problemen untereinander herum. Im letzten Drittel zieht die Spannung dafür ziemlich stark an, und es werden immer mehr Bezüge zur ursprünglichen Serie offengelegt (wir erinnern uns: wie frustriert waren wir Fans, dass am Ende im "Nachwort" ein paar Fake-Hinweise eingestreut wurden, die nicht wirklich in der Serie erklärt wurden. Wer weiß - vielleicht erfahren wir in PORTERVILLE nun endlich, was es mit dem Flugzeug auf sich hatte?).

Einige Male war es wirklich zum Verzweifeln: die Lösung scheint auf der Hand zu liegen, sie wirkt greifbar, doch im letzten Moment entgleitet der Gedanke, und wieder stand ich da, wusste nichts. Diese Verzweiflung, diese Anspannung ist es, die beide Serien so reizvoll macht, und ich finde es gelungen, wie auch Anette Strohmeyer in genau diese Kerbe schlägt und sich perfekt als neue Autorin einfügt. Sie hat bei Psychothriller GmbH bereits die Reihe ONDRAGON veröffentlicht, die ich mir vor einiger Zeit auch schon auf den SuB gepackt habe.

Insgesamt eine Folge, die weniger auf Spannung anlegt als vielmehr auf neue Zusammenhängen und vor allem eine außergewöhnliche Perspektive von "draußen", die ganz neue Elemente in die Serie einbringt. 

SaschaSalamander 26.02.2013, 08.31 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 01 - Von Draußen

porterville01_drau__en_1.jpgEmily lebt bei ihrem Großvater in Porterville. Ihre Eltern starben, so wie nahezu alle anderen Menschen der mittleren Generation. Emily gehört zu den weniger priviligierten Bewohnern der Stadt, ist auch in ihrer Schule eher eine Außenseiterin. Zu allem Unglück ist sie verliebt in Jonathan, den Sohn des Bürgermeisters. Partnerschaften werden in Porterville vermittelt, sie entstehen nicht aus Liebe. Auch sonst hat sich einiges geändert, seit der Amtsperiode des alten Bürgermeister Hudson ist nun schon einige Zeit ins Land gegangen, und eine Menge hat sich geändert. Die Stadt wird regelmässig erschüttert von Erdbeben, und durch Risse gelangen Greybugs von draußen in die Stadt. Draußen lauert die Gefahr - und trotzdem wollen Jonathan und Emily nichts anderes, als das Geheimnis des "Draußen" zu erkunden ...

Bereits in der ersten Folge trifft man als Fan des DARKSIDE PARK auf alte Bekannte und deren später lebende Angehörige. Doch ich hatte nicht den Eindruck, dass man sich auf das Alte verlässt, sondern Raimon Weber baut hier in seinem ersten Beitrag bereits eine ganz eigene Geschichte auf. Porterville hat sich seit den Zeiten des ehemaligen Bürgermeister Hudson sehr verändert. Die Welt, in der Emily und Jonathan leben, wird sehr anschaulich geschildert, ohne sich in umständlichen Erklärungen zu verlieren. Wie nebenbei wird beschrieben, wie sich die Ernährung, das soziale Leben, die Schulbildung, ja das gesamte gesellschaftliche und politische System geändert hat.

Im Grunde geschieht gar nicht viel, der Aufbau ist recht simpel: Emily wird vorgestellt, kurz darauf ihr Großvater. Einige Einblicke in den schulischen und privaten Alltag, dann ein Zusammentreffen mit dem Sohn des Bürgermeisters, ein heimliches Treffen, und dann eine unerwartete Wendung. Das Grauen lauert nicht im Sichtbaren, sondern hinter der Fassade. Natürlich endet die Folge wie zu erwarten mit einem Cliffhanger. Und logisch, die obligatorische Frage "Kennen Sie den Darkside Park" muss natürlich auch gestellt werden ;-)

Und wieder hat >Raimon Weber< geschafft, wofür ich ihn bewundere: ohne Blut und Gewalt hat er einen Thrill erzeugt, der mich gebannt lesen ließ, Gänsehaut auf den Armen und völlig versunken in einer anderen Welt, alles um mich herum vergessen. Und das, obwohl im Grunde nicht wirklich etwas Dramatisches geschehen war, nur Andeutungen, Gedanken und Ahnungen. Ich war so in dem Buch gefangen, dass ich es während des morgendlichen Pendelns rasend schnell verschlungen habe. Bei 98 Prozent (der Reader zeigt den Lesefortschritt) musste ich aussteigen. Das war mir egal, mein Kindle hat Licht, also kann ich auch morgens um 6.30 im Dunkeln lesen, während ich meinen Weg zur Arbeit laufe. Als Jugendliche habe ich das oft gemacht, inzwischen habe ich es mir abgewöhnt, während des Gehens zu lesen (aus vielen Gründen. Einer davon war eine Straßenlaterne *g*), aber an diesem Tag konnte ich nicht anders.

Die Protagonistin Emily ist sympathisch, man kann sich gut mit ihr identifzieren. Die anderen Charaktere werden eher skizzenhaft dargestellt. Das ist allerdings im DARKSIDE PARK üblich - ich gehe davon aus, dass man im Laufe der folgenden Episoden mehr über die nun kennengelernten Figuren erfahren wird, falls sie für die Handlung relevant sind.

Mit PORTERVILLE 01 - VON DRAUßEN hat Raimon Weber einen vielversprechenden Einstieg abgeliefert, der Fans auf eine weitere Lieblingsserie hoffen lässt. Eines ist sicher: ich werde keine Folge verpassen!

SaschaSalamander 22.02.2013, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville

Ich bin absolut begeistert! Endlich eine Weiterführung des >DARKSIDE PARK<. Was PORTERVILLE mit dem DARKSIDE PARK gemeinsam hat: "Projektleiter" (ich nenne ihn mal so) ist wieder Ivar Leon Menger, und verschiedene Autoren tragen in einzelnen Geschichten ihren Teil zum Gesamtwerk bei. Es wird mehrere Episoden geben, die jede für sich eine eigene Story erzählen, insgesamt jedoch ein Gesamtbild ergeben.

Kann man PORTERVILLE auch ohne Kenntnis des DARKSIDE PARK lesen? Ich kann es nicht beurteilen, aber ich denke schon. Natürlich stellen sich bereits in der ersten Folge sehr viele Fragen. Aber das gehört zur Serie dazu, genau das macht den Reiz aus: in jeder Episode erhält der Leser kleine Puzzlestücke, bis sich am Ende ein vollständiges Bild ergibt. Und daher denke ich, dass man gut bei PORTERVILLE einsteigen kann, ohne den DARKSIDE PARK zu kennen. Aber ich wette, wer PORTERVILLE mag, wird gar nicht anders können als süchtig nach dem Vorgänger zu greifen ...

Es tauchen wieder einige Personen auf, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Man muss nicht wissen, wer Martin Prey, Hudson, Douglas Benchley oder Sarah Freeman sind, um die Handlung um Emily, Jeffrey, Jonathan, Sato und Co zu verstehen. Aber es ist eine riesige Freude, wenn man den bekannten Namen wieder begegnet und einige Anspielungen auf vorherige Geschichten deuten kann.

Soviel jedenfalls nun mein erster Eindruck nach dem Lesen der ersten drei Geschichten. Ausführliche Rezensionen werden selbstverständlich folgen.

SaschaSalamander 21.02.2013, 14.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

MindNapping 12 - Die letzte Wahrheit

mindnapping12_wahrheit_1.jpgINHALT

Der Journalist Mabou Dlanga bekommt die einmalige Gelegenheit, den "Ort der letzten Wahrheit" aufzusuchen: ein geheimer Bunker, in dem das Apartheit-Regime grausame Dinge praktizierte. Der Organisator der Erkundungstour will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und das schreckliche Geschehen publik machen. Doch Dlanga wundert sich, dass neben ihm und anderen Fachleuten auch eine Seherin und ein Pfarrer anwesend sind? Bald treten Erscheinungen und Phänomene auf, und bald verschwindet der erste Teilnehmer der Gruppe ...


AUTOR

Raimon Weber ist unter den Hörspielautoren einer der Großen. Er trug drei Folgen zum >DARKSIDE PARK< bei, zeichnet sich verantwortlich für die Folge "DIE 9 MM ERBSCHAFT" hier bei MindNapping, war Autor der ersten 16 Folgen von Gabriel Burns, schrieb zuvor schon zweimal für MindNapping, auch für Terminal 3, Point Whitmark, Kommissar Dobranski, veröffentlichte einige Romane und ... warum stelle ich ihn eigentlich noch vor? Nur soviel: Was ich an seinen Geschichten mag, ist die fast körperlich spürbare Anspannung in seinen Werken, vor allem durch Andeutung und Auslassung vermag er seine Hörer / Leser zu fesseln.


THEMA

In dieser Folge geht es um das Wirken der Regierung in Zeiten der Apartheid. Eine perfekte Kulisse (ich habe den Gedanken, dass die Geschichte ebensogut vor dem Hintergrund der NS-Verbrechen hätte spielen können. Um dies jedoch abzuschwächen, könnte es nach Südafrika verlegt worden sein. Ich bin jedenfalls froh, dass es zur Abwechslung mal nicht das dritte Reich ist, sondern ein anderer Schauplatz. Aber vielleicht interpretiere ich da auch zuviel hinein).

Wie auch der Journalist stellt sich der Hörer die Frage, was eine Seherin und ein Pfarrer in Mindnapping, das ja meist doch recht realistisch gehalten ist, verloren hat. Wie passt diese Folge in die Reihe? Doch bald wird klar, dass diese Folge nicht nur in die Reihe passt sondern wieder einmal ein Glanzstück wurde ...


AUFBAU

Im Prolog weiß der Zuhörer nicht, worum es geht, erst später wird dies klar. Dann zum Einstieg der Folge geht die Handlung eher langsam voran. Es werden die Charaktere alle vorgestellt, und dafür lässt der Autor sich gut Zeit. Obwohl in diesen Tracks wenig geschieht, muss man als Hörer dennoch sehr aufmerksam folgen, da die spätere Handlung zum Teil darauf basiert und nach und nach alles, was bisher geschah, sich nun zusammenfügt. Ein zweites Hören ist auf jeden Fall sinnvoll, um die Geschichte komplett zu erfassen.

Der Hauptteil dann ist etwas kürzer, die Spannung steigt drastisch an. Wo andere Blut, Horror und Grauen beim Namen nennen, genügen ihm Andeutungen. Wo andere den Tod und das Sterben in splatternden Effekten zelebrieren, genügt ihm die schlichte Aussage, dass jemand starb, er braucht solche billigen Stilmitteln nicht und verlässt sich ganz auf die Wirkung der Story.

Und dann natürlich ein Twist und das Ende, auch hier lässt er sich wieder Zeit, alles zu erklären, die Charaktere miteinander agieren zu lassen und das Geschehen rückwirkend zu beleuchten. Beim zweiten Hören erkennt man dann auch einige Hinweise bzw kann manche der Szenen mit dem Wissen um die "Auflösung" neu wahrnehmen. Zugegeben, das Ende ist ziemlich naheliegend, doch da ich während des Hörens sosehr im Bann der Geschichte war, kam ich einfach nicht von selbst drauf ;-)


SPRECHER

Gordon Piedesack macht seine Rolle als Erzähler hervorragend. Und auch, wenn ich sonst nicht so für Erzähler zu haben bin (ich bevorzuge es, wenn eine Geschichte ohne auskommt), passt er hier sehr gut in das Geschehen, ergänzt das Hörspiel durch seine markante Stimme.

Nana Spier, die ich lieber in softeren Rollen mag, konnte mich hier dennoch überzeugen. Till Hagen und Helmut Krauss, da muss ich gar nicht viel sagen, die spielen sowieso jeglicher Vergleiche. Mir fiel in diesem Hörspiel niemand auf, der nicht gepasst hätte oder der negativ aus der Gruppe der anderen Sprecher hervorgestochen wäre. Während manche Folgen aus MindNapping mit weniger auskommen, wurden hier recht viele Rollen verteilt, und sie werden weiterhin gesprochen von Peter Flechtner, Stefan Friedrich, Katja Brügger, Jaron Löwenberg, Oliver Böttcher, Peter Weis, Wolfgang Bahro und Patrick Holtheuer.


GERÄUSCHE, MUSIK

Die Stimmung des verschlossenen Bunkers kommt sehr gut beim Hörer an. Passend zu Weberes Geschichte werden keine großen Effekte aufgefahren. Dadurch wirken die eingesetzen Mittel umso intensiver, sodass Beklemmung und Enge drastisch spürbar werden. Die Musik nie aufdringlich, stets unauffällig im Hintergrund untermalt die Handlung und verstärkt mit ihrem treibenden Rhythmus die Spannung.


FAZIT

Beklemmend, düster und unheimlich. Wieder eine herausragende Folge Mindnapping. Die Serie schöpft von Mal zu Mal mehr ihr Potential aus, und ich bin gespannt, was bald an weiteren Highlights folgen wird.

Wertung: 9 von 10 Obsessionen

SaschaSalamander 28.01.2013, 09.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Sauna - Wash Your Sins

sauna_1.jpgNachdem ich SAUNA vor einigen Tagen gesehen habe, setzte ich mich sofort an den Rechner, notierte meine Gedanken und surfte im Netz nach weiteren Rezensionen. Der Filme hatte mich sehr beschäftigt, und ich wollte mehr darüber lesen, wie andere ihn empfunden hatten, was ihnen aufgefallen war und wie man ihn interpretieren könne. Eigentlich wollte ich unbedingt eine Rezension schreiben, aber ich habe nicht immer die Zeit dazu. Und manchmal, wenn ein Titel schon zwei, drei Wochen her ist, dann ist der Eindruck einfach nicht mehr frisch. Trotzdem, ich will Euch SAUNA unbedingt vorstellen. Also mal was ganz Ungewöhnliches: Ihr bekommt meine unsortierten Notizen und Gedankenfetzen.

Ich denke, wen die Gedanken neugierig auf mehr machen, für den ist der Film genau richtig. Wer sich denkt "na, damit kann ich doch garnix anfangen, was will sie mir mit diesen aneinandergereihten zusammenhanglosen Worten sagen", für den ist der Film nicht geeignet. Denn auch der Film ist eine Aneinanderreihung von Andeutungen, Schnipseln, Unklarheiten und Bildern. Momentaufnahmen, Gedankenfetzen. Der Zuschauer muss seine eigene Weise finden, den Film zu sehen und interpretieren, ansonsten wird er enttäuscht sein. Mit Horror hat dieser Film weniger zu tun als vielmehr mit einer symbolischen Auseinandersetzung über die unten genannten Themen und Dinge.


INHALTSANGABE BEI AMAZON

Nach einem Vierteljahrhundert Krieg zwischen Russland und Finnland herrscht im frühen 16. Jahrhundert endlich Frieden, und eine vierköpfige Kommission aus Russen und Finnen marschiert durch die Provinz, um den frisch beschlossenen Grenzverlauf zu markieren. Die Brüder Knut und Erik, Vertreter Skandinaviens, haben Sorgen. Der eine fürchtet den Frieden, den anderen plagt das schlechte Gewissen wegen des letzten Kriegsverbrechens. Da trifft man auf ein Dorf im Sumpf, das auf keiner Karte verzeichnet ist. Dort steht eine Sauna, in der sich angeblich Sünden wegwaschen lassen.


MEINE NOTIZEN

- lässt sehr viele Fragen offen

- komplexe Zusammenhänge, viele Interpretationen möglich, philosophisch angehaucht, sehr psychologisch

- Spannung zwischen Brüdern und anderen Charakteren sehr gut dargestellt

- Bilder voller Symbole und Inhalte: Dreck, Sauberkeit, Blut, 73 Tote, 73 Einwohner, gesichtsloser Gegner, Schatten, Halluzination oder Wahrheit, Eingang Sauna offen oder geschlossen

- Gott, Vergebung, Hölle, Krieg, Friede

- Dorf gehört keinem Land an, liegt auf keiner Grenze. Verwischt die Grenze zwischen den Ländern, verwischt die Grenze zwischen Realität und Wahn, zwischen Diesseits und Jenseits

- Musik grandios, stört nie Dialoge oder Text, sparsam eingesetzt

- wenig Dialoge, man muss wg Dialekt oder Flüstern sehr genau hinhören

- Beeindruckende Bilder, Landschaften

- leise, fast schön

- Horroranteil: etwas Blut, schaurige Bilder (tote Tiere, Krieg). Horror eher psychologischer Natur (Halluzinationen, Angst, Verfolgungswahn, Kriegstrauma)

- weniger Horror, eher historisches Drama

SaschaSalamander 12.12.2012, 08.23 | (0/0) Kommentare | PL

Insidious

Weil es draußen dunkler wird, ist momentan die perfekte Zeit, sich in die Kissen zu kuscheln, die Decke über den Kopf zu ziehen und Filme zu gucken, die nur im Dunkeln Spaß machen. Hier also eine Rezension, die schon etwas älter ist und noch nicht von mir veröffentlicht wurde, sie müsste in etwa von Dezember 2011 oder Januar 2012 sein.

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VORGESCHICHTE

Früher habe ich unzählige Horrorfilme gesehen, inzwischen nur noch sehr selten. Meine Horrorphase ist vorbei - alles im Leben hat seine Zeit. Aber ab und zu gibt es einen Titel, der mich dann doch interessiert. In diesem Fall INSIDIOUS, der inhaltlich sehr interessant klang und mal wieder einen prima Filmabend versprach ohne Blut aber mit viel Gruseleffekten. Mein Freund liebt dieses Genre und war von PARANORMAL ACTIVITIES der gleichen Macher sehr angetan, also sahen wir uns INSIDIOUS nun gemeinsam an.

Ein Cover stelle ich nicht ein, weil es eben doch ein Gruselfilm ist und ich nicht möchte, dass ein empfindsamer Leser irgendwas sieht, das er nicht sehen möchte. Ich selbst mag solche Cover nicht. Die Filme sind okay, aber die Cover sind mir immer unangenehm. Ich hasse es, wenn ich eine Website öffne und mir ungefragt Trailer und Cover von Horrorfilmen entgegenhüpfen :-)


INHALT

Josh und Renai Lambert ziehen mit ihren drei Kindern um. Eines Tages fällt der älteste Sohn Dalton in ein Koma, die Ärzte können es sich nicht erklären. Bald darauf geschehen seltsame Dinge in dem Haus, Renai bekommt Angst, doch ihr Mann möchte ihr nicht glauben. Erst, als es sichtbare Beweise dafür gibt, dass etwas nicht stimmt, ist er bereit, mit der Familie umzuziehen. Doch der Spuk hört nicht auf, und Joshs Mutter rät dazu, sich Hilfe bei einem Medium zu holen.


CHARAKTERE

Für mich waren die Charaktere von Anfang an problematisch. Dies lag teilweise auch an den Dialogen, die ich sehr überzogen fand. So sagt die Mutter zu Beginn zum Beispiel "ich hatte Todesangst". Klar war die Situation gruselig, ließ sich aber noch problemlos rational erklären. Und so gibt es einige Formulierungen, etwa "all diese Dinge" oder "noch mehr Schicksalsschläge" an einer Stelle, als bisher "nur" der Sohn im Koma lag (und es klang, als hätte sie eben ihren Mann verloren, den Sohn im Koma, das Haus abgebrannt). Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass die Mutter ein bisschen arg überspannt und ein hysterisches Weib ist, wie sie wegen jeder kleinen Situation kreischend durch die Wohnung rannte oder wimmernd in der Ecke hockte.

Dadurch nervte es mich umso mehr, dass der Vater sich nicht wirklich um seine Frau kümmerte und sich statt dessen auf Arbeit verkroch statt bei ihr zu sein und ihr zu helfen. Diese ständige Flucht mag realistisch sein, wirkte im Film aber unpassend.

Die Schwiegermutter / Joshs Mutter allerdings mochte ich, sie war vernünftig und sehr gut dargestellt. Dafür waren dann das Medium und ihre zwei Helfer wieder ziemlich daneben und machten den Film am Ende leider zunichte. Es gibt wissenschaftliche Methoden, aber die beiden Nerds ziehen das wirklich in den Dreck und kommen mit Techniken und einem Äußeren, das einfach nur lächerlich ist. Ab diesem Teil habe ich mich gewissermaßen aus dem Film ausgeklinkt, weil er recht albern wurde. Auch die Erklärung des Mediums konnten den Film nicht retten. Anfangs klang es "realistisch" und gruselig, aber dann wurde es unfreiwillig komisch. Sowohl mein Freund als auch ich haben beide nur noch mit dem Kopf geschüttelt und waren enttäuscht, wie man aus der spannenden Grundlage den Film gegen Ende sosehr verhunzen konnte.


AUFBAU

Der Film beginnt langsam und träge, die ersten 20 Minuten gibt es nicht wirklich eine nennenswerte Handlung. Ab Minute 30 wird es dann etwas spannender, und der Mittelteil ist für 20 Minuten recht gut. Der Zuschauer hat das Gefühl, jetzt kommt der Film in Fahrt, jetzt kommt es bald zur Sache. Es stellt sich die erste Gänsehaut ein. Ich habe einige Male neben den Monitor geblickt statt auf den Bildschirm, aber es kam einfach nichts, das mich hätte erschrecken können. Und dann ab der Hälfte etwa wird es einfach nur noch albern. Hier und da ein netter Effekt, okay, aber aus dem Psychohorror wurde ein Horrorcomedy mit einem Dämon, der an Darth Maul aus Star Trek erinnert, zwei nerdigen Wissenschaftlern und einer Erklärung, über die ich nur den Kopf schütteln könnte (wenngleich das Thema an sich ein ernsthafter Film hätte werden können). Und der Abschluss war vorherzusehen, typische Ankündigung von Teil II.


GRUSELFAKTOR

Nach dem, was der Film versprach, hatte ich mir weit mehr erhofft. Wie gesagt, etwa 20 Minuten lang habe ich mich angenehm gegruselt, aber davor und danach war nichts davon zu spüren. Ich erwarte kein Blut, und ich brauche keine nervenzerfetzende Musik. Horror ist das, was sich in meinem Kopf abspielt. Schreckmomente, der Gedanke "oh Gott, was mag jetzt hinter der Tür sein" oder "oh nein, wenn sie jetzt den Schrank öffnet, wird etwas Schreckliches passieren". Aber es ist nichts passiert. Und wenn etwas passierte, dann war es harmlos. Nachdem ich erkannt hatte, dass die Ankündigungen der Schockeffekte keinen Schock zur Folge hatten, ließen sie mich relativ kalt, weil ich wusste, dass nichts passieren würde. Mag sein, dass sensiblere oder horrorunerfahrenere Zuschauer sich tatsächlich gruseln, aber wir beide empfanden die Effekte leider als billig und unfreiwillig komisch.


FAZIT

Der Film wirkt wie ein Aufguss aus typischen Horrorelementen um ein Gruselhaus und ein besessenes Kind. Er hat eine Menge Potential, das leider ungenutzt verschenkt wurde. Ein paar nette Momente gab es, doch die rechtfertigen meiner Ansicht nach nicht den Konsum des kompletten Filmes. Absolute Horrorjunkies werden ihren Gefallen daran finden. Wer wie ich nur ausgewählte Filme sieht und Qualität der Quantität vorzieht, der sollte sich lieber etwas anderes ansehen. Empfehlung: THE OTHERS, DER VERBOTENE SCHLÜSSEL, JU-ON, PARANORMAL ACTIVITIES und Co ...

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Anmerkung später: ich empfehle >DIE FRAU IN SCHWARZ< :-)

SaschaSalamander 09.11.2012, 16.44 | (0/0) Kommentare | PL

Atrocious

Diesen Film ohne Cover. Hervorstechende Augen auf einem Horrorcover mag ich nicht, und auch wenn ich hier teilweise Hardcore rezensiere, muss es nicht sein, dass dem zufälligen Gast, der eigentlich eine Kinderbuchrezi lesen will, unerwartet irgend etwas Grusliges ins Gesicht hüpft ;-)


INHALT

Christian und July machen mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder José Urlaub in einem alten Haus in Spanien. Weil sie gehört haben, dass dort ein Geist im angrenzenden Wald spuken soll, nehmen sie beide eine Handkamera mit und filmen die Umgebung. Eigentlich wurde ihnen das Betreten des Waldes verboten, aber hielten sie sich daran, gäbe es natürlich keinen Film. Und wie es sich für Found Footage gehört, findet die Polizei am Ende das Material und bringt somit Licht in eine schreckliche Tragödie.


GENRE

Langsam sollte ich das Thema Found Footage in meine Tag-Cloud einbauen, weil ich inzwischen schon recht viele Filme und Hörbücher zu diesem Thema genossen (bzw erlitten) habe. Aber es macht auch einfach Spaß, ich liebe es und sehe / höre es zwischendurch recht gerne.

Das klassische Merkmal ist natürlich entweder die fixierte Cam (wie in >PARANORMAL ACTIVITY<) oder eine getragene Kamera (wie in der Mutter aller FF - Filme BLAIR WITCH oder z.B. Nachfolger wie >FRANCISVILLE EXPERIMENT<, Cloverfield oder >TROLL HUNTER<. Hier spielt der Film mit der getragenen Kamera. Und es ist etwas, das ich einfach nicht begreife:


LAIENKAMERA

Ich bin ja ein Laie, was Kameraarbeit betrifft. Trotzdem bin ich, wenn ich etwas aufnehme, fähig, einigermaßen gerade, unverwackelte Bilder zu machen. Selbst wenn ich mich bewege und die Kamera trage, ist das Bild nicht so rucklig, dass der Zuschauer erbrechen muss. Außerdem halte ich die Kamera auf Objekte, die filmenswert sind anstatt Ausschnitte zu filmen, die völlig hirnrissig sind. Aber eher billig gemachte Found Footage erkennt man daran, dass sie glauben, Laien wären zu doof, ein Objekt in der Mitte des Bildes zu fixieren. Und so kommt es, dass Christian beim Kartenspiel einen Teil des Tisches und der Beine der Familie filmt statt die Gesichter der Spieler. Dass er seiner Mutter ständig auf die Brüste und der Schwester ständig auf den Hinter zoomt (es sei denn, das war Absicht, aber das wäre irgendwie krank). Dass er die Kamera beim Laufen meist auf den Boden hält statt nach vorne. Dass er die Kamera bereits einschaltet, noch bevor er sie auf einem Stativ befestigt hat, und somit auch das Geruckel und Gewackel, während man nur seinen Oberkörper und Hintern vor der Kamera herumhantieren sieht, und so weiter. Alles Dinge, die ein Laie kaum tun würde, wenn er kostbaren Speicherplatz und Akku sparen möchte.


DER REIZ DES FILMES

Trotzdem, auch wenn dieser Film extrem heftig ruckelt und völlig schwachsinnige Dinge gefilmt wurden - ATROCIOUS hat durchaus seinen Reiz. Der Regisseur versteht es hervorragend, schrittweise Grusel aufzubauen. Im Grunde passiert nichts, aber die Szenen bieten sich alle wunderbar für unzählige JumpScares an. Zu Beginn habe ich regelmässig auf die Leinwand geblickt und spürte immer mehr die Anspannung wachsen. Denn der Aufbau ist rundum gelungen:


AUFBAU

Gemütliches Beisammensein, Kennenlernen der Charaktere, Belanglosigkeiten, Urlaubsfeeling, Banales. Erstes Andeutungen einer Geistergeschichte, alle lachen. Dann das Betreten des Urlaubshauses, ein recht heruntergekommenes Gebäude, ein düsterer Keller. Tagsüber ein Besuch im verbotenen Wald, sich mal kurz verlaufen, daraus gelernt und Wegmarkierungen angebracht.  Dazwischen immer wieder einmal ein paar Nachtaufnahmen oder schaurige Momente, in denen nichts passiert, die aber für ordentlich Spannung sorgen. Später wieder im Wald, und dann beginnt so langsam der Horror bis hin zum ausführlichen Finale.


SCHWÄCHEN

Zugegeben, der Aufbau ist toll, aber auch hier gibt es Schwächen: wir beide fanden den Einstieg toll, sehr atmosphärisch, die Spannung wurde immer weiter hinausgezögert, die Nerven zum Zerreißen gespannt obwohl sehr lange nichts passierte. Je nachdem, welche Art Horror und Grusel man bevorzugt kann es allerdings auch sein, dass einem der Einstieg zu langweilig ist, man hätte ihn etwas raffen können. Und was das Ende betrifft - es ist fast durchweg Rennen durch den Wald mit einer auf den Boden oder schräg nach vorne gerichteten Kamera, ohne dass man etwas sieht. Über SEHR lange Zeit und sehr viele Minuten hinweg, das wurde dann recht bald ermüdend. Zumal in Situationen gefilmt wurde, wo normalerweise jeder vernünftige Mensch die Kamera ausschalten würde. Ich weiß, dann gäbe es dieses Genre nicht, aber in manchen Filmen wird es gut und realistisch eingebaut, hier empfand ich das Gefilmte teilweise als völlig daneben.


ZUSAMMENFASSUNG PRO CONTRA

Was mir also zusammenfassend gefiel: der Spannungsaufbau ist gelungen. Mit minimalsten Mitteln wurde ziemlich viel erreicht. Ich habe mehr neben die Leinwand geblickt als auf das Bild selbst (auf diese Weise vermeide ich einen Herzinfarkt, wenn ich einen JumpScare oder etwas extrem Grusliges erwarte), und es wirkt recht lange nach. Subtiler Horror, der sich bis auf wenige blutige Bilder vor allem im Kopf des Zuschauers abspielt.

Was weniger gefiel: das Filmen empfand ich in vielen Situationen als sehr unrealistisch, und das extreme Gewackel war auch bald anstrengend. Wir mussten auch sehr oft die Lautstärke des Filmes variieren, weil uns entweder die Ohren dröhnten oder wir kein Wort verstanden. Mit wenig Aufwand hätte man hier und da noch ein wenig mehr aus dem Film herausholen können.


FAZIT

Kein "Musst Du gesehen haben" - Knaller des Genres, aber durchaus ein interessanter Film für Freunde des Genres. Ohne große Effekte wird reichlich Spannung erzeugt nicht durch tatsächliche Aktionen oder Bilder sondern vor allem durch das eigene Kopfkino. Wer actionreiche Bilder sucht, Geister auf Videos sehen will oder konkrete Anhaltspunkte braucht, der ist hier falsch. Aber wer sich gut auf solche Filme einlassen kann und mit den Protagonisten mitgeht, der wird sich angenehm gruseln.

Wertung: 6 von 10 alte Skateboards

SaschaSalamander 23.10.2012, 09.34 | (0/0) Kommentare | PL



 






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