SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Horror

Böser kleiner Junge

Eine Kurzgeschichte von Stephen King, die der Autor als Dank für den herzlichen Empfang bei seiner Europareise zuerst einmal nur auf Deutsch und Französisch veröffentlicht. Halte ich ja eher für einen Marketing-Gag, aber die Geste dahinter ist trotzdem irgendwie nett (was will ein Autor wie King seinen Lesern auch schenken. Die Erstveröffentlichung in einem Land ist da schon etwas Besonderes)

Er ist zum Tode verurteilt, bisher hat er geschwiegen. Jetzt, als er nichts mehr zu verlieren hat, erzählt er seinem Anwalt nun endlich, was wirklich geschehen war und was dazu führte, dass er den Mord beging. 

Die Geschichte ist relativ kurz, ich hatte sie in knapp 20 Minuten gemütlich gelesen. Auf das große "wann passiert jetzt was" habe ich nicht weiter gewartet, denn ich weiß, dass es bei King weniger um Action geht als vielmehr das Grauen hinter den alltäglichen Dingen. Das wird hier bald offenbar. Was es mit dem kleinen Kind auf sich hat, das ihn erstmals in seiner Schulzeit belästigte, werde ich natürlich nicht näher ausführen. Doch schon bei der zweiten Begegnung ist dem Leser klar: hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. 

Das Ende ist abzusehen und wenig überraschend, ganz im Stil des großen Meisters offen. Das Grauen geht weiter! 

Es ist kein Glanzlicht unter den Geschichten und Büchern Kings, aber für zwischendurch ist es eine nette kleine Story, die zwar nicht unbedingt gruselt aber angenehm unterhält und für kurze Momente ein wenig schauern lässt, ganz ohne Blut und Gewalt. Perfekt als Gute-Nacht-Lektüre, wenn man allein zu Hause ist und einen wohldosierten Grusel möchte, nach dem man trotzdem einschlafen kann ;-)

6,5 von 10 Lunchboxen

SaschaSalamander 26.05.2014, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL

Paranormal Activity 04

paranormal04_1.jpgVORAB

Als Fan der Paranormal Activity - Reihe mussten wir uns natürlich auch den vierten Teil ansehen. Meine Erwartungen waren der Reihe entsprechend: jede Menge guter Grusel mit viel Gänsehaut und Sich-aneinander-Festkrallen. Mal stärkere, mal schwächere Teile in der Reihe, aber insgesamt immer ein Garant für einen schaurigen Abend.


REIHE 1-3 UND TOKYO

Womit die Reihe punktet: es ist im Grunde immer die gleiche Handlung, ein Geist / Dämon ist im Haus, die Anzeichen häufen sich, jemand stellt eine Kamera auf, die Aktivitäten werden schlimmer, und am Ende wird es kurz aber heftig brutal. Der >erste Teil< spielte in einem verwinkelten Haus und hatte eine normale Stativkamera, gelegentlich Handkamera, Protagonisten ein Pärchen. Der zweite war insofern neu, als er die Vorgeschichte erzählte und mehrere Kameras im Haus aufgebaut wurden, es spielte in einer Familie mit Baby. Der >dritte Teil< - meiner Ansicht nach bisheriges Highlight der Serie - geht noch weiter in die Vergangenheit, eine Familie mit zwei Kindern, alles beobachtet durch Stativ- und Drehkameras. >TOKYO NIGHTS< spielt in Japan, ist eine Art Spin-Off und verbindet die amerikanische Story mit typischen japanischen Horrorelementen und präsentiert dem Zuschauer zwei gleichzeitige Kameras, sodass man zwei Handlungen parallel verfolgen kann.

Insgesamt ist es zwar ein billig produzierter Film mit ein wenig Geisterspuk, aber die Hintergründe sind dennoch gut umgesetzt, mit den Protagonisten kann man sehr gut mitfühlen, sie sind so normal wie der Zuschauer auch. Er besticht dadurch, dass er weniger billige Schockmomente präsentiert als vielmehr ein Gruseln erzeugt, das im Kopf des Zuschauers entsteht: man beobachtet minutenlang den Bildschirm, nichts passiert, jeden Moment rechnet man mit einer Bewegung, und so steigt der Adrenalinpegel ständig an. Eine kurze, kleine Erlösung (hier ein Schatten, dort wackelt eine Lampe, dort klappert etwas oder fällt herunter), aber so ganz wird das Adrenalin nie abgebaut, bis es den Zuschauer am Ende fast zerreißt. DAS ist Paranormal Activity.


TEIL 4 HANDLUNG

Alex kommuniziert mit ihrem Freund Ben viel über Videochat am Laptop. Bald zieht eine alleinerziehende Mutter (Katie) mit ihrem Sohn Robbie in die Nachbarschaft. Der Kleine verhält sich sonderbar. Und als die Mutter dann ins Krankenhaus muss, nehmen Alex´ Eltern das Kind für diese Zeit bei sich auf. Mit Robbie ziehen auch seltsame Ereignisse in dem Haus ein, Alex fürchtet sich. Ben installiert in der Wohnung mit Hilfe der Laptops heimlich Kameras, um alles zu beobachten. Der Spuk wird schlimmer, die Eltern nehmen es nicht ernst, und schlussendlich - wie wir es von allen Teilen kennen und ich ohne Spoiler verkünden kann - eskaliert es natürlich und endet in einem kurzen aber brutalen Gemetzel.


TEIL 4 BESONDERHEITEN

Der vierte Teil hat uns leider sehr, sehr enttäuscht. Aber erst zu dem, worin der vierte Teil sich in die Tradition einreiht und sich an Besonderheiten ausweist. Denn wie gesagt, jeder Teil hat etwas Neues, von Kameraführung über Setting, damit es nicht langweilig wird für den Zuschauer:

Waren bisher junge Erwachsene oder gar Familien mit Kindern die Protagonisten, sind es hier Jugendliche. Zwar wohnt Alex bei ihren Eltern und hat auch einen kleinen Bruder, aber sie entspricht doch sehr dem Teenie-Slasher-Vorbild anderer Filme. Blond, große Kulleräuglein, natürlich noch Jungfrau. Ein Freund, der gerne würde aber sich ihr zuliebe zurückhält und es immer wieder probiert. Die Eltern agieren nur am Rande, der kleine Bruder und Robbie sind schon wichtiger.

Was die Kamera betrifft, bin ich zwiegespalten: Videochat am Laptop aufgezeichnet. Und der Sensor einer Xbox, der mit seinen grünen Punkten wirklich tolle Effekte erzeugt und auch einigen Grusel erzeugt. Nette Idee, innovativ und ungewöhnlich. Tolle Bilder. Aber für meinen Geschmack schon etwas zuviel Product Placement von Apple über Xbox, Google und Co. Scheint, als hätte man das günstige Budget diesmal zusätzlich reduziert und jede Menge Sponsorengelder eingeheimst.

Bisher waren die Häuser recht verwinkelt und wurden gut in Szene gesetzt, sodass man sich oft fragte "was mag wohl hinter der nächsten Ecke lauern". Das wurde hier komplett versäumt. Das Haus hätte einige Winkel geboten, die aber nicht genutzt wurden. Es gab immer nur die gleichen Einstellungen, und diese haben alles komplett ins taghelle Licht gerückt. Dadurch gab es wenig Überraschungen, es war alles sehr plakativ.

Viele Einstellungen spielten am Tag. Kam bei den anderen Filmen auch vor, wurde aber genutzt, um die Filme der Nacht zuvor anzusehen. Was hier komplett fehlte: es wurde zwar sehr viel am Tage gedreht, aber Ben und Alex haben sich die Videos nie angesehen, nie ausgewertet oder den Eltern gezeigt. Wenn tagsüber mitten im Bild eine Lampe wackelt, entsteht wenig Grusel, baut sich kein Adrenalin auf.

Während die anderen Teile alle mit der Story zusammenhingen und von Mal zu Mal mehr offenbart haben (besonders der dritte Teil war sehr vielversprechend), wirkt die Story im vierten Teil wie ein Alibi billig zusammengeschustert. Anhand vieler Rezensionen im Netz erkenne ich, dass scheinbar auch sehr viele Fehlinterpretationen aufgrund der schlecht dargestellten Handlung geschehen sind. Das hat für mich nichts mit "mystisch, wird noch aufgeklärt werden" zu tun, sondern mit schlechtem Storytelling. Inhaltlich gesehen ist der vierte Teil ein klarer Rückschritt.


GRUSEL

Wie schon angeduetet, baut sich im vierten Teil kaum Grusel auf. Vielleicht für absolute Film-Neulinge. Aber für Horrorfans und Anhänger der Paranormal-Reihe eine herbe Enttäuschung. Durch die Tagszenen und da man das meiste schon vorausahnt, gibt es einfach keine Überraschungen. Zu platt, zu billig. Und wenn sich kurz ein wenig Adrenalin aufbaut, wird es durch einen simplen Schockmoment sofort wieder abgebaut.

Daran, dass man das Konzept der Filme kennt, liegt es nicht. Denn mit Freunden habe ich einige Teile der Reihe bereits ein zweites oder gar drittes Mal angesehen. Und noch immer sitze ich zitternd mit Gänsehaut auf dem Sofa, obwohl ich die Story schon kenne und weiß, wie der Horror funktioniert. Der vierte schafft es dagegen nicht einmal beim ersten Ansehen, Grusel zu erzeugen (nagut, ich bin fair: alleine um Mitternacht im dunklen Zimmer mit 5.1 Sound könnte er es unter Umständen schaffen. Aber ein guter Film schafft es auch bei einer Gruppe abends um 19 Uhr).


PLOTHOLES, LOGIKFEHLER

Zugegeben, Paranormal Activity ist jetzt nicht gerade eine Reihe, die durch Logik und ausgefeilte Story besticht. Trotzdem ist sie insgesamt nachvollziehbar. Und auch, wenn ich hier und da mal den Kopf schüttelte, konnte ich es doch akzeptieren und habe das Filmvergnügen vor die Storylöcher gesetzt. Aber der vierte Teil lässt mich schmerzvoll aufjaulen:

Dass die Kids anfangs filmen, ist für mich völlig an den Haaren herbeigezogen. Sie finden es spooky, dass ein Kind, welches plötzlich ohne Mutter in einem fremden Haus übernachtet, nachts in das Bett eines Erwachsenen steigt, um nicht alleine zu schlafen. Wie gruslig! (ich finde es eher gruslig, dass die Erwachsenen ihm das nicht von sich aus angeboten haben und sich besser um das eingeschüchterte Kind kümmern). Und klar, wer würde nicht mit einem Laptop nachts durch die Gegend wandern, um etwas zu filmen. Zumal die Kamera dann auch noch das Bild der festen Kamera zeigt statt des Videochats. Die Bilder, die hier gezeigt wurden, toppen die unlogischen Kameraperspektiven der bisherigen Filme um Längen. Dann nehmen die Kids jede Menge gutes Filmmaterial auf, aber nichts davon wird ausgewertet. Alex sagt den Eltern zwar "es geht etwas Schauriges vor sich", aber sie zeigt ihnen nicht die Videos. Das führt zu einigen lebensbedrohlichen Situationen, aber natürlich glaubt man ihr nicht. Auch die Eltern sind völlig irrational. Da verschwindet ein Messer, keiner macht sich Gedanken. Und als es dann plötzlich von oben herab herunterfällt und den Mann fast tötet, winkt die Frau einfach ab, ach, Messer fallen eben gelegentlich mal von der Decke, kommt in allen guten Haushalten mal vor.

Der Schluss - nun, da möchte ich nicht spoilern, aber er wirkt komplett aus dem Zusammenhang der Serie gerissen. Ich frage mich, wie sie DAS erklären wollen. Das wirkt völlig überzogen und billig, so als hätte man mit Gewalt versucht, da noch irgendetwas zu bringen, das die bisherigen Teile toppt. Leider misslungen.


WAS FÜR DEN TEIL SPRICHT

Immerhin, es ist Teil der PA-Reihe. Es gab schächere und stärkere Teile, dies hier war bisher eindeutig der schwächste. Aber sollte die Reihe im fünften Teil einen guten Abschluss finden, gehört es eben einfach dazu. Außerdem ist die Idee mit dem Sensor wirklich klasse, das gefällt. Sie haben versucht, wieder etwas anderes zu machen. Und einige der Spukerscheinungen, Symbole und Elemente (Wasser ua) zeigen, dass die Macher sich tatsächlich mit dem Thema Spuk, Dämonologie usw befasst haben und nicht einfach nur sinnlos etwas zeigen.


PERSÖNLICHE MEINUNG

Zu viele amerikanische billige Klischees, die Protagonisten dumm und naiv, die Potentiale des FIlmes nicht ausgeschöpft. Für den deutschen Zuschauer wenig Identifikationsmöglichkeiten. Erst recht nicht für die eigentliche Zielgruppe, die ja doch etwas älter ist (es sei denn, man will nun das jüngere Publikum auf die Reihe aufmerksam machen. So etwas kann nur in die Hose gehen, wenn man zwei Zielgruppen bedienen will).

Die Macher haben nun zwei Möglichkeiten: entweder, sie schließen die Reihe gut ab und integrieren den eher schwachen Teil gut in die Handlung. Dann ist es eine gelungene Serie. Oder der nächste Teil wird noch unzusammenhängender und sorgt dafür, dass eine weitere an sich gute Reihe dem Kommerz zum Opfer fällt.


FAZIT

PARANORMAL ACTIVITY 4 ist eindeutig der bisher schwächste Teil der Reihe. Wenig Grusel, viele billige Schockmomente. Der Zuschauer wird als Melkkuh der Filmindustrie schamlos ausgenutzt. Es bleibt zu hoffen, dass man sich auf die eigentlichen Werte der Reihe besinnt und den Fans im Oktober 2013 einen guten Abschluss präsentiert.

SaschaSalamander 28.06.2013, 08.55 | (0/0) Kommentare | PL

Paranormal Activity - Tokyo Night

paranormaltokyo_1.jpgINHALT

Nach einem Unfall in den USA muss Haruka zurück nach Japan. Dort sitzt sie nun mit zwei gebrochenen Beinen, während ihr Bruder Koichi sich um sie und den Haushalt kümmert. Der Vater ist auf Geschäftsreise. Bald gehen merkwürdige Dinge vor, und Koichi beginnt in der Wohnung zu filmen, um den sonderbaren Vorkommnissen auf den Grund zu gehen. Sie rufen einen Priester, um gegen das Böse in der Wohnung vorzugehen, doch dies erzürnt den Geist noch mehr ...


EINORDNUNG IN DIE REIHE

Der Film ist kein offizieller Teil der PARANORMAL ACTIVITY - Reihe (>Teil 1< und >Teil 3< habe ich bereits rezensiert), sondern ein japanisches Spin-Off. Aber als Fan der Reihe sowie als Liebhaber des japanischen Horrors kam ich um diesen Teil natürlich nicht herum. Und ich muss sagen, dass er mir persönlich sogar enorm gut gefiel.


WAS GLEICH IST

Der Spuk beginnt langsam und wird dann immer gefährlicher von harmlosen bewegten Gegenständen hin zur Besessenheit eines Protagonisten. Und da die Geschichte quasi direkt an den ersten Teil anschließt, kann jeder Zuschauer sich natürlich denken, wie es enden wird. Die Handlung ist also weder eine Überraschung noch ein Twist. Und auch hier gibt es immer wieder einige Momente, in denen man sich fragt "ja, wer hält hier die Kamera, wo ist die befestigt?". Ich finde, man hätte die Idee des Found Footage wesentlich konsequenter umsetzen können statt Handkamera, fixe Überwachungskamera und Filmkamera zu vermischen (eine Schwäche, an der leider 95 Prozent aller Found Footage kranken. Aber ich sehe diese Film ja auch nicht wegen ihres Realismus *g*).


WAS ANDERS IST

Im ersten Teil war die Idee an sich, im zweiten Teil war es dann die Überwachungskamra in verschiedenen Räumen, im dritten Teil vor allem die auf dem Ventilator befestigte Rotation. Im Tokyo-Spin-Off ist das Besondere die Aufteilung in zwei Bilder. Gleichzeitig sieht der Zuschauer links die Schwester in ihrem Bett, rechts den Bruder. Stets ist die Frage, auf welchem der beiden Bilder etwas geschehen wird, das Auge springt von einem Bild zum anderen, stets die bange Frage, ob man gerade etwas verpasst. Zudem kann es geschehen, dass in beiden Bildern etwas geschieht, man die Handlung parallel verfolgt und doppelt gruselt.

Anders ist auch, dass es sich hier nicht um ein junges Paar handelt, sondern um Geschwister. Das gefällt mir, da einmal keine Beziehungskiste ausgepackt wird, sondern das typische Geplänkel zwischen Bruder und Schwester. Das ändert im Prinzip wenig an der Handlung, aber immerhin hat man sich bemüht, der an sich im Grunde gleichlaufenden Handlung ein wenig Variation zu verleihen.


JAPAN-VERSION DES HORRORS

Viele Gesten, die Einrichtung, das Essen, die Kleidung, Verhaltensweisen sind japanisch. Trotzdem sind sowohl die Wohnung als auch die Geschwister sehr westlich angehaucht. Gerade die Einrichtung der Wohnung, die Dekoration, die Kleidung zeigen, wie der Westen immer mehr Einfluss in Japan hält. Dadurch passt der Film sehr gut in die PARANORMAL-Reihe, da sich doch viele vertraute Elemente wiederfinden und der "Kulturschock" für den Zuschauer nicht allzu groß ist (nicht jeder mag bzw kennt Asia-Horror, was mich immer wieder erstaunt, da er für mich inzwischen eigentlich zum Alltag gehört).

Mir gefällt japanischer Horror sehr. Was ich mag ist, dass er nicht so plakativ präsentiert wird wie im Amerikanischen, sondern etwas subtiler. Für Fans des amerikanischen Horros mag dies bedeuten, dass TOKYO NIGHTS langweiliger ist, weil scheinbar weniger passiert. Ich dagegen mag es, weil die Asiaten sehr viel mit Symbolen spielen. Auch die Rituale des Priesters sind optisch ansprechender, weil einfach für uns Europäer ungewohnt und neu. Was ich immer wieder faszinierend finde ist, wie es den Japanern gelingt, die langen Haare der Frauen in den Horror einzubinden. Inzwischen dürfte das nach RING, DARK WATER, JU-ON langsam ausgelutscht sein, aber ich finde es immer noch gruslig, wenn die Haare wirr ins Gesicht hängen, wenn etwas Unsichtbares daran zieht und wenn ein solches Gesicht plötzlisch ins Bild springt *schauder*. Mit noch weniger Effekten als in den vorherigen Teilen wurde wesentlich mehr Spannung und Horror erzeugt als in den amerikanischen Originalen.

Ansonsten ist der Horror wie gesagt oft sehr subtil. Während in den anderen Teilen der Reihe wesentlich mehr geschieht, deutet sich hier einiges anfangs eher an, der Horror spielt sich vor allem im Verborgenen ab, in der Vorstellung des Zuschauers, mit dessen Ängsten hier gespielt wird. Das Ende dann allerdings ein richtiger Schocker, sehr schön umgesetzt und für mich ein absolutes Highlight der Reihe. Nein, überrascht mich diese "Wendung" nicht, es war mir in dem Moment klar, als ich sah, dass sie mit gebrochenen Beinen im Bett sitzt, aber es war einfach genial umgesetzt, ich konnte kaum hinsehen und war doch gebannt, sosehr hat es mich schockiert, geekelt und fasziniert zugleich.


SYNCHRONISATION

Die Synchro fand ich allerdings schrecklich! Die Sprecher hat man nicht allzu gut gewählt, ich bin durch viele Asiafilme und Animes verwöhnt. Hier passen die Stimmen absolut nicht zu den Sprechern, auch die Übersetzung wirkt sehr gekünstelt auf mich und hat mich einige Male schmerzhaft das Gesicht verziehen lassen. In diesem Punkt hätte man sich auf jeden Fall sehr viel mehr Mühe geben müssen!


FAZIT

Wer die PARANORMAL ACTIVITY - Reihe mag, darf sich diesen Teil natürlich nicht entgehen lassen. Wer Asia-Horror liebt, ebenfalls nicht. Ob der Film dann gefällt oder nicht, das ist allerdings Geschmackssache. "Zigster Aufguss, ausgelutscht, vorhersehbar, passiert zu wenig" werden wohl die einen sagen. Ich gehöre zu den anderen, die trotz einiger Mängel sagen: "subtil, erschreckend, viel besser".

Wertung: 9 von 10 einsame, traurige Zierfische

SaschaSalamander 14.06.2013, 08.33 | (0/0) Kommentare | PL

Zwienacht

weber_zwienacht_1.jpgAUTOR

>Raimon Weber< kenne ich vor allem durch seine Drehbücher zu den Hörspielen des >DARKSIDE PARK< und >PORTERVILLE<, GABRIEL BURNS und >MINDNAPPING<. Er hat jedoch auch einige Romane geschrieben. Neugierig, wie ich bin, muss ich die natürlich alle irgendwann lesen. Da ZWIENACHT mich vom Inhalt her am meisten ansprach, habe ich also mit diesem begonnen.


INHALT

Nach einem peinlichen und für ihn unerklärlichen Vorfall zieht Richard, Bestsellerautor, in eine neue Stadt, er taucht unter und beginnt ein neues Leben. Doch abgesehen von seiner Schreibblockade leidet er plötzlich an Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Er sucht einen Psychiater auf und hofft sein Leben endlich wieder in geregelte Bahnen zu bringen. Dann ist da noch Maria, die freundliche Krankenschwester des mobilen Pflegedienstes und einige Nachbarn. Immer enger webt sich das Band, das sie verbindet und auf ein gemeinsames Ende zusteuern lässt. Doch was geht tatsächlich in diesem seltsamen Haus vor sich? Ist Richard krank, oder steckt mehr dahinter?


AUFBAU

Spannung baut sich hier auf drei Ebenen auf: im ersten Drittel strebt der Leser danach, mehr zu erfahren über die seltsamen Vorfälle, die zu Richards Umzug führten. Es passiert nicht wirklich etwas, der Autor führt gemütlich und mit Bedacht einzelne Figuren in den Roman ein, zeigt dem Leser - ganz typisch im Horrorgenre, absoluter Klassiker - eine alltägliche, scheinbar normale Welt mit einem etwas aus der Bahn geratenen Protagonisten. Kein Grund zur Sorge, alles in Ordnung, kleine Unregelmässigkeiten gibt es überall. Der Leser wiegt sich in Sicherheit, wäre da nicht die seltsame Vorgeschichte und die Frage, was es mit den einzelnen Charakteren auf sich hat ...

Dann im zweiten Drittel beginnt es langsam unheimlich zu werden. Lauter kleine Vorfälle, hier ein seltsames Geräusch, dort eine leicht verzerrte Wahrnehmung, dort eine komische Bemerkung, eine ungewöhnliche Beobachtung. Dinge liegen da und sind plötzlich weg, ein seltsamer Anruf. Dazu eine Szene, die recht eklig ist und vermutlich über bloße Einbildung hinausgeht. Aber wer zur Hölle tut so etwas? Die Fassade bröckelt, der Alltag bekommt - wie auch das Mauerwerk in Richards Wohnung - tiefe Risse. Der Leser bekommt eine Gänsehaut, schaltet abends kurz das Licht ein, bevor er ins Bad geht.

Und im letzten Drittel zieht Raimon Weber alle Register. Langsam kommt Licht in das Geschehen, die Charaktere finden zueinander, das Geschehen ist am Höhepunkt, der Leser rast nur so über die Seiten und kann das Buch nicht mehr beiseite legen. Man ekelt sich aber muss doch hinsehen, es ist grausig aber man will es nonstop lesen, und bitte nachts das Licht dauerhaft brennen lassen!


CHARAKTERE

Drei Protagonisten gibt es zu Beginn: Richard Gerling, der Hauptprotagonist. Billy, anfangs ein Fremder für den Leser. Und "den Reisenden", einen brutalen Serienmörder. Anfangs ist unklar, wie sie zusammen hängen. Billy und der Reisende bleiben lange im Dunkeln, über Richard erfährt man bald mehr. Was ihn antreibt, was ihn bewegt, das erfährt man recht schnell. Warum er jedoch so seltsam ist, das ist Teil der Kernfrage. Dadurch fällt es schwer, sich in eine der Figuren hineinzuversetzen, sie sind bewusst undeutlich gezeichnet. In ZWIENACHT ist man weniger ein Beteiligter als vielmehr ein Zuschauer in erster Reihe. So, wie die Charaktere sich untereinander beobachten, so beobachtet auch der Leser und muss schrittweise die Puzzleteile an die richtige Stelle setzen.

Eine Figur gibt es jedoch, die überdeutlich hervorsticht: Maria. Ich mochte sie vom ersten Moment, und sie wurde immer sympathischer, mit ihr habe ich mitgefiebert, gelitten, gezweifelt, gebangt. Sie ist der Lichtstrahl in dem ansonsten eher düsteren Setting.  


EIGENE MEINUNG

Hier bei ZWIENACHT saß an Ort und Stelle, das Buch ist rückblickend in sich absolut stimmig. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass eine der Figuren zwar die Spannung erhöhte und den obligatorischen Sex-Sells-Aspekt in den Thriller brachte, jedoch nicht wirklich etwas zur Handlung beitrug und somit für mich eher überflüssig war (aber das ist Geschmackssache. Ich kann mir vorstellen, dass andere Leser genau diese Figur besonders gelungen fanden). Und auch, wenn der Anfang der Atmosphäre dient und insgesamt sehr gut zum Aufbau passt, hatte ich die ersten 20 Prozent des Buches noch nicht wirklich das Gefühl "ich muss jetzt unbedingt sofort weiterlesen". Doch nachdem ich dann in die Handlung hineingefunden hatte, wurde es recht bald zum Pageturner.

Das Korrektorat - zugegeben, ich bin von der Psychothriller GmbH Besseres gewohnt, hier hat man ein paar Kleinigkeiten übersehen. Aber gut, es waren keine drastischen Fehler, man konnte flüssig darüber hinweglesen.

Trotz dieser beiden kleinen Anmerkungen - ich war absolut begeistert, nachdem ich das Buch abgeschlossen hatte. Was mir an Raimon Weber immer wieder gefällt: er versteht es, Spannung aufzubauen und mit Bildern zu arbeiten, die eher unterbewusst wirken. Viele kleine Symbole und Andeutungen, kurze Momente, Dialogfetzen, das passende Wetter, immer das richtige Wort. Horror im Oldschool - Style, wunderbar ruhig, subtil und unaufdringlich. Dann mal ein, zwei eklige oder derbe Momente, um den Leser so richtig wachzurütteln, aber sofort fährt er wieder herunter und deutet auf den Riss in der Fassade - als wolle er verschmitzt fragen "na, willst Du WIRKLICH wissen, was dahinter auf Dich lauert?" ...

Und was mir hier besonders gefällt: die Lösung ist schlüssig und klar, die Handlung sehr gut geplottet. Von Beginn an gibt es viele kleine Hinweise, und doch wusste ich bis zum letzten Moment nicht exakt, was nun hinter all den Vorfällen steckt. Es ist lange unklar, in welche Richtung sich ZWIENACHT entwickeln wird, ob es nun ein Mindfuck ist, ob übernatürliche Elemente im Spiel sind, ob jemand wahnsinnig wird, ob es blutig endet oder oder oder. Sehr, sehr oft wurde ich schon von anderen Autoren enttäuscht in diesem Genre. Hier jedoch wird alles sehr schön aufgelöst. So simpel und logisch, dass man sich fast schon fragt "wie, das war es jetzt"? Und DAS gefällt mir: so eine abgef*ckte, verdrehte Handlung und so eine simple Lösung. Genial! Darauf muss man als Autor erst einmal kommen.


FAZIT

Ein Roman, der mir außerordentlich gut gefallen hat, nachdem ich mich etwas eingelesen hatte. Raimon Weber versteht sein Handwerk und überzeugt die Leser mit eindringlichen Bildern und überzeugenden Plots.

Wertung: 7,5 von 10 blaue Schlieren

SaschaSalamander 12.06.2013, 09.16 | (0/0) Kommentare | PL

Amadeus 04 - Faustus

Das aktuelle Cover der Mozart-Reihe hat als Wiedererkennungswert den Aufbau mit Schrift, Bild und Mozart-Portrait. Wenn man diesmal jedoch genau hinsieht, erschrickt man bei FAUSTUS: es mag ja Mozart sein, aber so wirklich gesund sieht er nicht mehr aus. Ich bin gespannt, ob sich nun das Gesicht des Komponisten von Folge zu Folge verändert bis hin zum Totenschädel, oder ob dies einfach nur die neue Covergestaltung bleibt.

Zum Inhalt: Mozarts Freund Justus Resch hat eine Anstellung beim Anatomen Marschall bekommen. Doch schon nach kurzer Zeit wird dieser auf grauenvolle Weise getötet gesplattert. Die beiden versuchen den Fall aufzuklären und geraten in eine blutige Verschwörung.

Wie das Cover schon verheißt, ist die aktuelle Folge sehr düster. Was zu Beginn der Reihe als Mystery verkauft wurde, möchte ich hier schon als Horror einstufen und eine Altersfreigabe empfehlen. Es rollen Köpfe, Gedärme werden herausgefetzt, und auch sonst geht man nicht gerade zimperlich zu Werke, inhaltlich wie sprachlich. Aber man darf keinesfalls erwarten, dass es sich auf Splatter-Niveau abspielt! Im Gegenteil, FAUSTUS verbindet geschickt Religion, Wissenschaft, Philosophie, historisch reale Bezüge, europäisches Kulturgut mit einer unglaublich dicht gewobenen Fiktion, die ihresgleichen sucht.

Trotzdem, so düster AMADEUS auch ist, ein wenig Humor gehört dazu. Zu Beginn gibt es wieder viele Plänkeleien und derben Späße zwischen den Protagonisten, und wie für die damalige Zeit und diese Serie üblich werden vulgäre Begriffe nicht geschönt. Es tut gut, einfach mal richtig unanständig zu lachen, und dafür bietet Mozart allen Grund. Man denke etwa an seine Lieder - mir sind einige seiner ursprünglichen Kanons und Texte bekannt, aber sehr viele Hörer dürften überrascht sein, plötzlich den Originaltext zu hören. Und bevor jemand sagt, das sei erfunden - nope, Mozart war wirklich ein kleines großes Ferkel ;-)

Nicht nur hinsichtlich Musik und Humor - es gibt Anspielungen und Verweise auf die unterschiedlichsten Bereiche (etwa der Name des Pudels ließ mich schmunzeln, oder die Gegenüberstellung von Teufeln und Mönchen, da kommt ein gewisser Aha-Effekt, den ich liebe. Einfache Story kann jeder, aber clever eingestreute Symbolik, Nambensgebung und Anspielungen sind etwas Besonderes).

FAUSTUS bietet einen Bezug zur Reihe, indem eine Figur der ersten Folge WOLFERL wieder auftritt (und für einige bösen Spottsprüche Mozarts sorgt). Auf das überraschende Ende des zweiten Teils ROSIGNOLO wird allerdings kein Bezug genommen. Dafür wird ein neuer Handlungsfaden gewoben, der nicht minder spannend ist. Wie viele Folgen auch immer es geben wird, inzwischen ist die Rahmenhandlung recht aufwändig, und ich bin sehr gespannt, wie man all die Fäden zusammenführen will.

Musikuntermalung, Geräusche, Zusammenschnitt, alles bildet eine Einheit, ich sah die Handlung wie einen Film vor mir. Und ich finde sogar, dass die Serie das Potential zu einer Verfilmung hätte, die mit düsteren historischen Titeln mithalten kann (auch, wenn ich natürlich nicht den Hörplaneten an Umberto Eco messen möchte, drängen sich mir in Atmosphäre und Inhalt immer häufiger Gedanken um DER NAME DER ROSE auf, und die Bilder in meinem Kopf sehen ähnlich aus).

Was mir in dieser Folge besonders auffiel: es ist faszinierend, wieviel traumatische Erlebnisse unsere Serienhelden erleiden. Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Toten die Lady gesehen hat. Die drei ??? haben schon allerhand Grusliges, Schockierendes erlebt. Von John Sinclair und all den Dämonen ganz zu schweigen. Würde ich diese Dinge erleben, könnte man mich sabbernd mit eingenässten Hosen in der Ecke sitzen sehen, wie ich hysterisch vor mich hinkichere. Naja, dafür sind es Serienhelden, das verzeiht man und stört sich nicht daran. Aber AMADEUS ist da anders. Die Helden leiden unter den Geschehen, und die Ereignisse ziehen nicht schadlos an ihnen vorbei - das ist etwas Neues, und das finde ich positiv überraschend.

Alles in Allem: Wir Horrorfans sind keine hirnlosen Zombies, die man mit billiger Action abspeisen kann. Und nur, weil ich Kultur liebe und genieße, bin ich bitte nicht langweilig und spießig. Amadeus schafft es, junge Erwachsene anzusprechen, die mehr wollen als "entweder - oder". Eine Reihe, die sowohl den Intellekt anspricht als auch das Bedürfnis nach Action, Splatter und eben einfach Unterhaltung. Mehr davon bitte!

Wertung: 4,9 von 5 Puppentheater


SaschaSalamander 18.03.2013, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 04 - Träume der Termiten

porterville04_termiten_1.jpgProtagonist der vierten Folge von PORTERVILLE ist Paul Higgins. Jedoch nicht der alte Higgins, den wir später kennenlernen (bzw in früheren Teilen der Reihe kennenlernten, allerdings als er bereits älter war. Herrjeh, DarksidePark bzw PorterVille sind gelegentlich recht kompliziert zu erklären mit seinen Zeitsprüngen und Zusammenhängen), sondern diesmal der junge Higgins, noch nicht einmal seine Doktorarbeit abgeschlossen hat, noch mit seiner schwangeren Freundin in Massachusetts lebend. Wir erfahren hier, mit welchen Versprechen und Methoden er als Mitarbeiter für Porterville angeworben wurde.

Autor ist diesmal John Beckmann, den ich schon in anderen Reihen zu schätzen gelernt habe. Er schrieb die ersten Folgen für >LADY BEDFORT<, war verantwortlich für eine spannende Episode >MINDNAPPING<, verfasste vier Teile des >DARKSIDE PARK<. Mir gefällt, dass seine Folgen häufig sehr "heimelig" und "beschaulich" wirken, sehr familiär und ruhig, ganz unaufgeregt. Dabei aber immer eine unterschwellige Bedrohung ausstrahlen. Harmlose alte Damen beim Kaffeeklatsch, Natur und Wildnis bei den Indianern, abseits gelegene Inselbewohner, das gemütliche kleine Örtchen Broughton, überall freundliche, arglose Menschen, doch der Blick hinter die Fassade verheißt Abgründe. Dabei zeigt Beckmann nur selten das ganze Ausmaß, überlässt sehr viel davon der Phantasie des Hörers bzw Lesers.  

Auch hier werden wieder mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Anfangs dachte ich "super, jetzt erfahren wir endlich mal mehr über die seltsame Fragereihe nach dem Geschmack von Pudelfleisch, träumenden Termiten und anderen Dingen". Aber klar, natürlich wurde nicht erklärt, was es mit den Fragen auf sich hat. Stattdessen frage ich mich nun zusätzlich, was in dem seltsamen Kubus geschah, inwiefern träumende Termiten von Belang für Porterville sind und wie zur Hölle bitte dieser komische Test mit den Hunden aussah (immerhin waren es keine Pudel)? Was auch immer Beckmann selbst beim Schreiben im Kopf hatte, meine Phantasie malt sich grauenvolle Dinge aus, ich schaudere wohlig bei dem Gedanken daran. Und freue mich bereits auf die nächste Folge, für die es auch hier im Prolog bereits wieder einen kleinen Vorgeschmack gab (meine Rezi ist kein Spoiler sondern die allererste Seite des Buches, keine Sorge *smile*)

Alles in allem - eine weitere spannende Folge, die mich absolut unbefriedigt zurücklässt und gerade deswegen absolut zufriedenstellte. Sorry, wenn das schräg klingt, aber anders kann man Porterville einfach nicht beschreiben. Süchte sind nicht wirklich  rational ;-)

SaschaSalamander 05.03.2013, 08.38 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 03 - Nach dem Sturm

porterville03_sturm_1.jpg>Simon X Rost< ist Autor der dritten Folge von PORTERVILLE. Er erzählt, was nach dem Fall des ehemaligen Bürgermeister Hudson geschehen ist: einige Männer wollen die Stadt wieder aufbauen, das Volk braucht eine starke und kompetente Führung. Doch während die anderen nach Macht streben und sich selbst Vorteile erschleichen und die Bürger dabei hungern lassen, plagt Jefferson Prey das schlechte Gewissen. Auf welche Seite wird er sich schlagen?

Während der Autor für den DARKSIDE PARK zwei actionreiche Geschichten um "harte Kerle" ablieferte, ist der Protagonist hier eher ein stiller Mensch, sehr gedankenvoll. Jeffrey beobachtet sehr viel, der Leser folgt seinen Gedanken rund um Führung, Macht, Verantwortung. NACH DEM STURM ist eine eher politische Folge - und dennoch ist es Simon hervorragend gelungen, sie spannungsreich zu gestalten, sodass ich den Kindle nicht beiseite legen konnte und wieder in einem einzigen Rutsch hindurchfliegen musste.

Es gelingt Simon beklemmend gut, eine Stadt nach dem Ausnahmezustand aufzuzeigen. Die Hoffnung der Bürger, der gemeinsame Wunsch nach Änderung und Besserung, zugleich aber die Entkräftung des Volkes, das Sich-Verzehren nach ein klein wenig Luxus. In >Folge 01< erfuhr der Leser, wiesehr die Schere in der Gesellschaft auseinanderklafft, und in Folge 3 nun wird genauer erklärt, wie es dazu kam. Die Zeitsprünge machen die Handlung ziemlich komplex, und man muss sich als Leser oft genau verdeutlichen, wann und wo man sich gerade befindet.

Ebenfalls sehr schön finde ich, wie in dieser Folge immer mehr deutlich wird, dass die Autoren wirklich gemeinsam an einem großen Projekt arbeiten. Bereits in >Folge 2 - Die verlorene Kolonie< wurde Bezug genommen auf einzelne Episoden des Autors Raimon Weber aus dem DARKSIDE PARK. Und hier stellt sich nun heraus, dass der Prolog des (nein, verzeihung, Stop, ich möchte nicht spoilern. Aber es ist wirklich unglaublich schwer, etwas über PORTERVILLE zu schreiben, ohne sich immer auf andere Folgen zu beziehen). In Zeiten von Internet und Amazon, wo immer mehr Autoren sich anonym trollen, bekriegen und den Erfolg missgönnen, finde ich es einfach großartig, wenn einige von ihnen zeigen, dass sie auch zusammenarbeiten können, sich am Erfolg des anderen freuen und gemeinsame Projekte auf die Beine stellen. Der DARKSIDE PARK hatte ja sogar ein Crossover mit der Hörspielreihe >MINDNAPPING<.

PORTERVILLE macht süchtig nach MEHR! Aber jetzt heißt es sich gedulden bis zum ersten März, wenn TRÄUME DER TERMITEN von John Beckmann erscheinen, und kurz darauf geht es weiter mit DIE AKTE TORI, wieder von Raimon Weber. Nicht einmal eine Woche ... aber selbst ein paar Tage können eine gefühlte Ewigkeit sein! ;-)

SaschaSalamander 27.02.2013, 09.25 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 02 - Die verlorene Kolonie

porterville02_kolonie_1.jpgDie zweite Folge der Reihe PORTERVILLE handelt von Jeff Benchley, dem Sohn des Douglas Benchley aus >Porterville Steaks<. Jeff findet ein altes Dokument, welches Informationen über eine verlorene Kolonie beinhaltet. Er setzt alles daran, die Echtheit des Dokuments zu prüfen, und dabei kommt er etwas Unglaublichem auf die Spur ...

Während im DARKSIDE PARK alle Folgen zwar in unterschiedlichen Zeiten spielten, dabei aber immer in Porterville selbst, ist dies die erste Geschichte, welche den Ort verlässt und "draußen" spielt. Eine nahe Zukunft - mir gefiel vor allem, wie die Autorin dies realistisch und doch mit einem Hauch Sci-Fi beschrieb, sodass man immer das Gefühl hatte, so könne es demnächst tatsächlich aussehen. Spitzen wie die Fusion zwischen Google und der Finanzwelt fand ich recht amüsant (oder vielmehr erschrec kend, da gar nicht so abwegig), und mit vielen solcher kleinen Anspielungen und Nebenbeisätze konnte die Autorin bei mir ganz groß punkten.

Die Geschichte selbst ist etwas gemütlicher, denn da sie außerhalb Porterville spielt, fehlt natürlich die dunkle Bedrohung der Stadt, die Teenager schlagen sich eher mit üblichen Problemen untereinander herum. Im letzten Drittel zieht die Spannung dafür ziemlich stark an, und es werden immer mehr Bezüge zur ursprünglichen Serie offengelegt (wir erinnern uns: wie frustriert waren wir Fans, dass am Ende im "Nachwort" ein paar Fake-Hinweise eingestreut wurden, die nicht wirklich in der Serie erklärt wurden. Wer weiß - vielleicht erfahren wir in PORTERVILLE nun endlich, was es mit dem Flugzeug auf sich hatte?).

Einige Male war es wirklich zum Verzweifeln: die Lösung scheint auf der Hand zu liegen, sie wirkt greifbar, doch im letzten Moment entgleitet der Gedanke, und wieder stand ich da, wusste nichts. Diese Verzweiflung, diese Anspannung ist es, die beide Serien so reizvoll macht, und ich finde es gelungen, wie auch Anette Strohmeyer in genau diese Kerbe schlägt und sich perfekt als neue Autorin einfügt. Sie hat bei Psychothriller GmbH bereits die Reihe ONDRAGON veröffentlicht, die ich mir vor einiger Zeit auch schon auf den SuB gepackt habe.

Insgesamt eine Folge, die weniger auf Spannung anlegt als vielmehr auf neue Zusammenhängen und vor allem eine außergewöhnliche Perspektive von "draußen", die ganz neue Elemente in die Serie einbringt. 

SaschaSalamander 26.02.2013, 08.31 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 01 - Von Draußen

porterville01_drau__en_1.jpgEmily lebt bei ihrem Großvater in Porterville. Ihre Eltern starben, so wie nahezu alle anderen Menschen der mittleren Generation. Emily gehört zu den weniger priviligierten Bewohnern der Stadt, ist auch in ihrer Schule eher eine Außenseiterin. Zu allem Unglück ist sie verliebt in Jonathan, den Sohn des Bürgermeisters. Partnerschaften werden in Porterville vermittelt, sie entstehen nicht aus Liebe. Auch sonst hat sich einiges geändert, seit der Amtsperiode des alten Bürgermeister Hudson ist nun schon einige Zeit ins Land gegangen, und eine Menge hat sich geändert. Die Stadt wird regelmässig erschüttert von Erdbeben, und durch Risse gelangen Greybugs von draußen in die Stadt. Draußen lauert die Gefahr - und trotzdem wollen Jonathan und Emily nichts anderes, als das Geheimnis des "Draußen" zu erkunden ...

Bereits in der ersten Folge trifft man als Fan des DARKSIDE PARK auf alte Bekannte und deren später lebende Angehörige. Doch ich hatte nicht den Eindruck, dass man sich auf das Alte verlässt, sondern Raimon Weber baut hier in seinem ersten Beitrag bereits eine ganz eigene Geschichte auf. Porterville hat sich seit den Zeiten des ehemaligen Bürgermeister Hudson sehr verändert. Die Welt, in der Emily und Jonathan leben, wird sehr anschaulich geschildert, ohne sich in umständlichen Erklärungen zu verlieren. Wie nebenbei wird beschrieben, wie sich die Ernährung, das soziale Leben, die Schulbildung, ja das gesamte gesellschaftliche und politische System geändert hat.

Im Grunde geschieht gar nicht viel, der Aufbau ist recht simpel: Emily wird vorgestellt, kurz darauf ihr Großvater. Einige Einblicke in den schulischen und privaten Alltag, dann ein Zusammentreffen mit dem Sohn des Bürgermeisters, ein heimliches Treffen, und dann eine unerwartete Wendung. Das Grauen lauert nicht im Sichtbaren, sondern hinter der Fassade. Natürlich endet die Folge wie zu erwarten mit einem Cliffhanger. Und logisch, die obligatorische Frage "Kennen Sie den Darkside Park" muss natürlich auch gestellt werden ;-)

Und wieder hat >Raimon Weber< geschafft, wofür ich ihn bewundere: ohne Blut und Gewalt hat er einen Thrill erzeugt, der mich gebannt lesen ließ, Gänsehaut auf den Armen und völlig versunken in einer anderen Welt, alles um mich herum vergessen. Und das, obwohl im Grunde nicht wirklich etwas Dramatisches geschehen war, nur Andeutungen, Gedanken und Ahnungen. Ich war so in dem Buch gefangen, dass ich es während des morgendlichen Pendelns rasend schnell verschlungen habe. Bei 98 Prozent (der Reader zeigt den Lesefortschritt) musste ich aussteigen. Das war mir egal, mein Kindle hat Licht, also kann ich auch morgens um 6.30 im Dunkeln lesen, während ich meinen Weg zur Arbeit laufe. Als Jugendliche habe ich das oft gemacht, inzwischen habe ich es mir abgewöhnt, während des Gehens zu lesen (aus vielen Gründen. Einer davon war eine Straßenlaterne *g*), aber an diesem Tag konnte ich nicht anders.

Die Protagonistin Emily ist sympathisch, man kann sich gut mit ihr identifzieren. Die anderen Charaktere werden eher skizzenhaft dargestellt. Das ist allerdings im DARKSIDE PARK üblich - ich gehe davon aus, dass man im Laufe der folgenden Episoden mehr über die nun kennengelernten Figuren erfahren wird, falls sie für die Handlung relevant sind.

Mit PORTERVILLE 01 - VON DRAUßEN hat Raimon Weber einen vielversprechenden Einstieg abgeliefert, der Fans auf eine weitere Lieblingsserie hoffen lässt. Eines ist sicher: ich werde keine Folge verpassen!

SaschaSalamander 22.02.2013, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville

Ich bin absolut begeistert! Endlich eine Weiterführung des >DARKSIDE PARK<. Was PORTERVILLE mit dem DARKSIDE PARK gemeinsam hat: "Projektleiter" (ich nenne ihn mal so) ist wieder Ivar Leon Menger, und verschiedene Autoren tragen in einzelnen Geschichten ihren Teil zum Gesamtwerk bei. Es wird mehrere Episoden geben, die jede für sich eine eigene Story erzählen, insgesamt jedoch ein Gesamtbild ergeben.

Kann man PORTERVILLE auch ohne Kenntnis des DARKSIDE PARK lesen? Ich kann es nicht beurteilen, aber ich denke schon. Natürlich stellen sich bereits in der ersten Folge sehr viele Fragen. Aber das gehört zur Serie dazu, genau das macht den Reiz aus: in jeder Episode erhält der Leser kleine Puzzlestücke, bis sich am Ende ein vollständiges Bild ergibt. Und daher denke ich, dass man gut bei PORTERVILLE einsteigen kann, ohne den DARKSIDE PARK zu kennen. Aber ich wette, wer PORTERVILLE mag, wird gar nicht anders können als süchtig nach dem Vorgänger zu greifen ...

Es tauchen wieder einige Personen auf, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Man muss nicht wissen, wer Martin Prey, Hudson, Douglas Benchley oder Sarah Freeman sind, um die Handlung um Emily, Jeffrey, Jonathan, Sato und Co zu verstehen. Aber es ist eine riesige Freude, wenn man den bekannten Namen wieder begegnet und einige Anspielungen auf vorherige Geschichten deuten kann.

Soviel jedenfalls nun mein erster Eindruck nach dem Lesen der ersten drei Geschichten. Ausführliche Rezensionen werden selbstverständlich folgen.

SaschaSalamander 21.02.2013, 14.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL



 






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