SaschaSalamander
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Statistik KW 35

GELESEN / GEHÖRT
1 - Alice vs Wunderland (C v Aster)
1 - Mindnapping 14 - Blutstern (AudioNarchie)
1 - Lady Bedfort 66 - Die Providence-Verschw (Hörplanet)
1 - Sag beim Abschied leise Blödmann (U Herwig)
2 - Tuwinesische Geschichten (G Tschinag)
2 - Geschichten, die der Seele guttun (J Kornfield)
2 - Homosexualität bei den Simpsons ((E i h Panhuis) 


GESEHEN
1 - Final Destination 3
2 - Dr Who Staffel 3
2 - Sponge Bob Staffel 1
2 - Twin Peaks Staffel 2


NEUZUGÄNGE
Enders (L Price)
Der letzte Regen (A Michaelis)
Die geheime Reise der Mariposa (A Michaelis)
Das Ender der Sterne, wie Big Hig sie kannte (P Heller)
Das Geheimnis des 12. Kontinents (A Michaelis)



ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - teilweise
3 - abgebrochen

SaschaSalamander 01.09.2013, 20.38| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Alice vs Wunderland

Erster Satz:
Es war weitgehend ein Morgen wie jeder andere auch.

Letzter Satz:
Jungs brauchten eben manchmal ein wenig länger

aus: Christian von Aster: Alice vs Wunderland; Edition Unbuch 2013


SaschaSalamander 30.08.2013, 13.28| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Doggie Bags

Dieses Bento hat er letzten Dienstag für mich zubereitet, damit ich am Mittwoch gut versorgt bin. Gefüllte Weinblätter, Thunfisch in Gemüsesauce, ausgestochene Salatgurke. Dazu Toast (ausgestochen zu Hundeknochen) und von ihm selbstgemachte Bruschetta. 



Das untere Bento ist schon etwas älter, das habe ich für ihn zubereitet. Während ich Brot gelegentlich futtere, ist er ein Brotjunkie. Brot, dann ist er glücklich. Also bekam er ausnahmsweise mal ein absolutes Brot-Bento. Ordentlich dick belegt (ich weiß nicht mehr, was es war, aber vermutlich Wurst, Käse, Salat, Gürkchen und Sauce). Dazu Tomaten, Salatgurke. Und Käse zur Deko. 



Wie man sieht - Ausstecher sind vielseitig, ob nun Brot, Toast, Käse, Wurst, Gemüse, sie sind einfach vielseitig einsetzbar und immer wieder neu kreativ ;-)

SaschaSalamander 29.08.2013, 14.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bento Galerie

Porterville 11 - Der Hudson-Code

Nur kurz, nachdem der zehnte Band erschien, wurde nun auch Teil 11 veröffentlicht, DER HUDSON CODE. Protagonist ist diesmal Howard K Brenner, und man erfährt hier, dass er nicht nur doppeltes sondern mehrfaches Spiel spielt. Es wird diesmal ziemlich verwirrend, die Intrigen und Lügen PORTERVILLEs werden wunderbar aufgedeckt. 

Autor ist Raimon "Gabriel Burns" Weber, über den ich nach mehreren Beschreibungen hier im Blog nichts mehr weiter ausführen möchte. Ich mag seine Romane, seine Hörspiele und auch seine Anteile bei der Psychothriller GmbH. Man kann sie allen ans Herz legen, die gerne Thriller lesen, die nicht auf Gewalt und Action fußen sondern geschickt inszenierte Settings und jede Menge Mindfuck bevorzugen.

Die Geschichte ist im Vergleich zum Rest der Serie dieses Mal ziemlich "abgefuckt", heruntergekommen, stellenweise sehr eklig. Aber auf eine Weise, die richtig Spaß macht zu lesen, da all die entsprechenden Momente voller Blut, Drogen und Sex gekonnt in Szene gesetzt werden. Man verzieht angewidert das Gesicht, möchte gar nicht weiterlesen und rast dann doch ungebremst über die Seiten, weil man mehr davon will. Sehr gelungen, denn normalerweise verleiten entsprechende Beschreibungen mich eher, ein Buch beiseite zu legen, weil ich auf derartige Effekthascherei gut verzichten kann. Hier jedoch dient es nicht dem Effekt, sondern der Darstellung der aktuellen Situation in der inzwischen von Korruption und Verrat regierten Stadt. 

Alles wirkt dieses Mal sehr unwirklich, sehr surreal, der Drogenrausch ist greifbar beschrieben, und die gesamt Folge wirkt wie durch einen Schleier, nach dessen Lüften all die hinterhältigen Machenschaften und Brutalitäten umso massiver auf den Leser einschlagen. 

Es gibt zwar eine Handlung, doch diese ist in Folge 11 recht knapp bemessen. Ein Großteil des Textes besteht in den Ansichten und Gedanken Brenners, seiner zum Teil verzerrten, zum Teil auch sehr klaren Wahrnehmung. Durch ihn erfährt man aus der Sicht eines Mitwissers mehr über die Führungsriege der Stadt und ihre Pläne. Wenn es nach mir ginge, hätte er ruhig noch 50 bis 100 Seiten weiter philosophieren können über die Herstellung von Milch, die Bekämpfung von Greybugs, die Pläne Eleanores, die Vorzüge der Insider gegenüber den normalen Bürgern, die Geheimnisse um Hudson und die frühere Verschwörung.

Einziger Wermutstropfen, den ich aber nicht Autor oder Verlag anlaste: langsam wird es mir mit all den Namen etwas zuviel. Der DARKSIDE PARK, PORTERVILLE - alte und neue Charaktere, manche tauchen in beiden auf, einige haben die Seiten gewechselt, andere spielen doppeltes und dreifaches Spiel. Langsam ist es kaum noch möglich, durchzublicken. Ich wünschte, ich hätte mir von der ersten Folge an ein Personenverzeichnis angelegt, aber damit konnte man als Einsteiger in die Serie natürlich nicht rechnen. Ich denke, dass es durch das fehlende Wissen, wer nun eigentlich wer ist, inzwischen recht schwer fällt, Zusammenhänge zu erkennen, die AHA-Effekte werden weniger, obwohl sie vermutlich noch immer vorhanden sind. 

Nach der letzten, eher etwas enttäuschenden Folge hat die Reihe mit dem HUDSON CODE wieder ordentlich angezogen, sodass das Warten auf Teil 12 umso schwerer fällt ;-)

SaschaSalamander 29.08.2013, 08.36| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Thriller, Deutsch, Tip, Reihe, Krimi,

Bento mit Brot und Salat

Zwei Bentos, am gleichen Tag gepackt. Keinerlei Aufwand, recht simpel, musste schnell gehen. Finde es aber trotzdem hüsch und appettitanregend :-)



Für mich gab es Brot (trocken, mir genügen die anderen Zutaten, auf Arbeit habe ich noch Saucen und Marmelade) mit Ei, Paprika und Tofu. 



Er bevorzugt die fleischlastigere Variante: Brot mit Schwarzwälder Schinken, dazu Frikadellen und etwas frischer Paprika. 

Der Käse ist übrigens nicht trocken oder schlecht an den dunkleren Rändern. Weiß jetzt nicht mehr, welche Sorte das war, aber es war irgend etwas gereiftes, Old Amsterdam oder etwas anderes Kräftiges. 

SaschaSalamander 28.08.2013, 17.16| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bento Galerie

Sag beim Abschied leise Blödmann

Erster Satz:
Das Schaf stand mitten auf dem Holzweg und sah sie beide erstaunt an.

Letzter Satz:
Aber das erzähle ich Dir irgendwann mal in Ruhe.

Letzter Satz Nachwort:
Die Bayreuther Festspiele haben bereits großes Interesse an den Texten vermeldet.

Aus: Ulrike Herwig: Sag beim Abschied leise Blödmann; Marion von Schröder (Ullstein) 2013

SaschaSalamander 28.08.2013, 13.19| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Die Verratenen

Ria ist Teil eines Systems in den Sphären, und sie ist gut, gehört zu den Besten, ihre Zukunft sieht positiv aus. Doch dann belauscht sie ein Gespräch, in welchem jemand sie und ihren besten Freund sowie einige weiteren Studenten der Verschwörung bezichtigt und sie zu töten plant. Und dann wird plötzlich all ihnen das Privileg zuteil, den Anführer persönlich zu treffen. Doch Ria ist klar, dass das ein Trick ist, um sie alle zu töten. Sie fliehen und verlassen das System, treffen auf einen primitiven Clan und müssen erfahren, dass alles, was sie bisher für wahr und richtig hielten, eine große Lüge war. Und dann erfährt sie, dass einer unter ihnen ein Verräter sein soll. Wem soll sie nun trauen, wie soll es weitergehen?

Dystopien gibt es derzeit wie Sand am Meer. Von Trilogien ganz zu schweigen. Als es neu war, habe ich mich daraufgestürzt, inzwischen verdrehe ich genervt die Augen und sehe mir meistens nicht einmal mehr an, worum es überhaupt geht. Dies hier war eine Ausnahme, denn von der Autorin Poznanski habe ich bisher nur beste Unterhaltung gelesen: >EREBOS<, >SAECULUM<, >FÜNF<. Mit der Dystopie DIE VERRATENEN wagt sie sich in ein für sie neues Genre, und ich war neugierig auf die Umsetzung. 

Offen gesagt hatte ich wenig Hoffnung, einfach weil die Titel sich alle zusehr ähneln, und weil meistens noch irgendeine Romanze dazugepackt wird, am besten noch das Dilemma dass die Prota sich zwischen zweien entscheiden muss, alles rappelvoll mit wilder Action, die Welt eher Mittel zum Zweck der Story als wirklich gut ausgefeilt. Aber es gibt gelegentlich Ausnahmen, und Poznanski zählt definitiv dazu. Der Roman gehört zu den wenigen, die tatsächlich mit eigenen Ideen aufwarten können und mir gezeigt hat, warum ich dieses Genre damals so gerne gelesen habe. (Wie gesagt: "eigene" Ideen. Neu sind sie nicht unbedingt, dazu ist die Jugenddystopie inzwischen zu breitgetreten. Aber etwas Neues habe ich auch nicht erwartet).

Die Handlung wird erzählt aus der Sicht Rias. Der Leser / Hörer weiß nur, was auch sie weiß, sodass viele Fragen ungeklärt bleiben. Mag sein, dass manche vielleicht den Verräter ahnten, ich jedoch kam nicht darauf. Denn Ria ist recht intelligent, und dies spiegelt sich in dem Buch wieder, ihre Gedankengänge sind vernünftig und in sich schlüssig, sie beobachtet ihre Welt sehr aufmerksam, trotzdem bleibt Ihr manches verborgen. Mir war sie sehr sympathisch, ich konnte mich hervorragend in sie hineinversetzen. Dem Erzählstil entsprechend werden die anderen Charaktere aus ihrer Sicht beschrieben, sodass sie weniger intensiv dargestellt werden können. Dennoch bekommen auch sie jeweils Eigenheiten, Persönlichkeitsmerkmale, man kann sie sehr gut unterscheiden und weiß immer sofort, wen man vor sich hat, trotz der vielen Charaktere kam es für mich niemals zu Verwechslungen (was ungewöhnlich ist, bin echt gut darin, Namen ständig durcheinanderzubringen). 

Es gelingt Poznanski, die zukünftige Welt ausführlich zu beschreiben. Erklärungen erspart sie dem Leser, dafür beschreibt sie die Dinge wie nebenbei so geschickt, dass sich aus der Handlung und dem Verhalten bereits der Sinn ergibt und die Dinge sich von selbst erklären. Sie hat sich vor dem Schreiben wohl ein sehr gutes Konzept erdacht, sah die Sphäre und die Clans sehr genau vor sich und gibt dies nun durch Ria an uns weiter. Manche Fragen bleiben ungeklärt, allerdings scheint mir dies keine Lücke zu sein sondern wird vermutlich in den späteren Bänden erklärt. 

Ebenfalls gelungen finde ich, dass die Handlung nicht mit effekthascherischer Action vollgepackt ist. Wer DIE VERRATENEN liest, sollte auf jeden Fall ein wenig Geduld mitbringen. Es geschieht sehr viel, die Handlung ist dicht, dennoch verläuft es insgesamt eher ruhig, die Handlung entwickelt sich Schritt für Schritt, explizite Höhepunkte gibt es nicht wirklich, selbst tragische oder inhaltlich actionreiche Momente werden ruhig und behutsam erzählt. Langweilig wird es dabei dennoch nicht, denn die Beschreibung des Lebens im Clan, die Kontakte der Jugendlichen untereinander, Rias ausführliche Gedankengänge, all das vermittelt ein spannendes Bild und lässt den Leser inniger und vor allem nachhaltiger mitempfinden.

Julia Nachtmann als Sprecherin ist zwar bekannt, ich selbst kann mich jedoch nicht erinnern, schon etwas von ihr gehört zu haben. Es war meine erste bewusste Begegnung mit ihr. Anfangs fiel es mir recht schwer, denn sie spricht sehr still, zwar nicht monoton aber mit wenig Auf- und Ab, wenig Emotion. Ich weiß nicht, ob es dem zu lesenden Text geschuldet war oder ob dies ihr natürlicher Stil ist. Es passt sehr gut zusammen, allerdings führt das gelegentlich doch dazu, dass man sich als Hörer gelegentlich in Gedanken verliert, vom Buch abdriftet. Es gelingt ihr nur schwer, den Hörer "zurückzuholen" mit ihrer Stimme. Doch, wie gesagt, sie passt sehr gut zur Person der Ria, und ihr Vortrag ist abgesehen von ein paar fehlenden Melodien angenehm. In den wenigen Szenen, die doch von Aufregung, Gefahr oder starker Emotion geprägt waren, hätte ich mir dennoch etwas mehr Beteiligung gewünscht.

Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band und bin gespannt, wie es für Ria und ihre Freunde weitergehen wird. Die Ausgangssituation hat sich nun grundlegend geändert, wodurch es ermöglicht wird, mit den bisherigen Charakteren ein in seiner Art völlig neues Buch zu schreiben, das den Leser mit anderen Konflikten konfrontiert als der erste Band. Also keine billige Fortsetzung der Verkaufszahlen wegen, sondern tatsächlich eine in mehreren Etappen zu erzählende Geschichte. Ich hoffe, dass der zweite Band mich ebenso fesseln wird wie der erste. Aber bei Poznanski habe ich da wenig Bedenken ;-)

SaschaSalamander 28.08.2013, 08.39| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Dystopie, Jugend, Tip,

Alice vs Wunderland

Bevor in den nächsten Tagen die Rezension folgt, hier schon ein paar erste Zitate. Voller Wortwitz, Sprachspiel, Hintersinn und herrlich schräger Logik :-)

Ronny versuchte, seinem Lächeln etwas mehr Mundwinkel zu geben. (S. 7)

Nach dem Verschwinden ihrer Tochter hatte Mrs Liddel sich, bevor sie den Tisch deckte, zwei Sherry lang Sorgen gemacht. (S. 25)

Dahinter fand sie nun in einem wohl irgendwie hochherrschaftlichen Zimmer die Herzogin. Die war vor allem daran zu erkennen, dass sie so aussah, wie Herzoginnen es gewöhnlich tun. Nämlich außerordentlich aristokrös. In ihrem Arm [...] eine dicke rote Katze mit Brille, von hochherzoglicher Hand halbherzig gekrault. (S. 46 f)

"Dort, wo ich herkomme, was die Gegend um Cheshire ist, wo vor allem Anwälte wohnen, kennt man sich aus mit Verträgen". - "Und warum grinst Du die ganze Zeit?" - "Na, eben WEIL ich mich mit Verträgen auskenne". (S. 61)

"Möchten das Fräulein vielleicht ein Glas Wein?" [...] "Aber hier ist doch gar kein Wein" - "Hier ist ja auch kein Platz. Aber Du hast ihn Dir ja trotzdem genommen. Also schenk Dir ruhig ein Glas Wein ein." (S. 65)

"Den wievielten haben wir heute eigentlich?" [...] "Wenn Du es genau wissen willst, es ist der Tag, an dem mein Freund mich verlassen hat." - "Oh, schon? Na, da kannst Du mal sehen, da geht meine Uhr doch tatsächlich zwei Tage nach". (S. 67)

aus: Christian von Aster: Alice vs Wunderland; Edition Unbuch 2013



SaschaSalamander 27.08.2013, 14.29| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Zitate

Bento von DTAiko für mich

Diesmal habe ich haufenweise Bilder hochgeladen, die alle mit Brot sind. Bin nicht so der Brot-Fan, aber manchmal habe ich trotzdem Appettit. Und weil Brot sich ja optimal anbietet, es in den unterschiedlichsten Varianten zu präsentieren (hauptsache nicht normal, keine Stulle, die mag ich nicht), gibt es die nächsten Tage nun haufenweise Brotbentos :-)

Heute fange ich an mit einem Bento, das DTAiko für mich gezaubert hat. Sein allererstes Bento, das er jemals gemacht hat. Und ich finde, es ist wirklich hübsch geworden. Brot mit Brunch und Kräutern. Dazu Spieße mit Tomate, Gurke und Käse. 

Es wird doppelt so gut schmecken wie die, die ich sonst mache. Bin richtig happy, das erste Mal, dass nicht ich für andere gewerkelt habe sondern jemand für mich :-)


SaschaSalamander 27.08.2013, 08.42| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Bento Galerie

Nashville oder das Wolfsspiel

Svenja studiert Medizin in Tübingen. Beim Einzug in ihre neue Wohnung findet sie einen Jungen im Küchenschrank. Er macht einen Kopfstand, ist stumm und verhält sich sehr ungewöhnlich, bekommt gelegentlich Panikattacken und verschwindet nachts heimlich. Aber er bleibt erst einmal bei Svenja wohnen, sie gibt ihm nach dem Aufdruck auf seinem Shirt den Namen Nashville. Bald findet man in der Stadt eine Tote, sie war obdachlos, und Nashville scheint sie zu kennen. Er kennt auch weitere Obdachlose in der Stadt, und weitere Tote werden folgen ... 

Ich möchte nicht zuviel über den Inhalt verraten. Da das Gewicht sehr stark auf Atmosphäre und Erzählweise liegt und die Handlung nur ein Teil des Ganzen ist, würde alles Weitere zu weit vorgreifen. Allerdings denke ich, dass die Handlung dennoch relativ vorhersehbar ist, für erfahrene Leser bieten sich wenige Überraschungen. Doch die sind es auch nicht, auf die es hier ankommt. 

Worauf es bei Antonia Michaelis ankommt, das ist die Melancholie, die in ihren Worten schwingt. Das ist die dichte Atmosphäre, die man beim Lesen empfindet, nur selten kann ich so tief in die Welt eines Buches abtauchen wie bei ihr. Die Sätze sind kurz und prägnant, kein Wort für den Inhalt zuviel. Dafür umso verschwenderischer in der Beschreibung von Gefühlen, Farben, Stimmungen, Gedanken und Eindrücken. Man verliert sich in einem kunterbunten Gewirr aus Gedankenfetzen, bis man selbst ein Teil der Gedankenwelt Svenjas und ihrer Freunde ist. 

Was bei Michaelis sonst ungesagt ist, spricht sie hier ganz deutlich aus: "auf dem Kopf", "verkehrt herum" und "zwischen den Zeilen". Das sind Begriffe, die sie immer wieder in verschiedenen Situationen verwendet, und diese Begriffe beschreiben einen Großteil ihrer Werke besser, als jeder Kritiker dies jemals tun könnte. Daher möchte ich mir weitere Erklärungen hierzu auch sparen ;-)

Ich mag es, wie die Autorin Spannung erzeugt, obwohl nur wenig passiert. Langsam, gemütlich und ruhig erzählend liest man von Mord, Obdachlosigkeit, Panikattacken. Aber auch von unerfüllbaren Idealen, zerplatzten Träumen, fremdgesteuerte Lebensplanung und Hilflosigkeit. Alle Themen werden sensibel geschildert, und es wird nachvollziehbar, wie auch völlig normale Menschen plötzlich obdachlos unter der Brücke schlafen, es könnte vielleicht jedem von uns passieren. Trotz der Dramatik ist das Buch auf seine Weise bunt, lebensfroh und sympathisch, ebenso wie die Charaktere, die sich immer wieder aufraffen und trotz der Widrigkeiten ihren Weg gehen. 

Charakterbeschreibungen sind eine große Stärke der Autorin. Oft lese ich, dass ihre Figuren unrealistisch seien, aber dem möchte ich widersprechen. Ja, sie verhalten sich ungewöhnlich, und ja sie handeln anders als viele Menschen es tun würden. Aber ich denke, sie handeln so, dass vor allem introvertierte Menschen sich sehr stark darin wiederfinden werden. Das unsinnige Handeln spiegelt die Unsinnigkeit des Lebens. Was man gerne tun würde widerspricht dem, was man eigentlich tun sollte, und um beidem gerecht zu werden, tun die Charaktere dann etwas ganz anderes, das am Ende als unbrauchbarer Anpassungsversuch scheitert. Genau das macht die Protagonisten für mich so sympathisch. Den Zugfütterer, den Idealisten, den Chaoten, den Jungen "zwischen den Zeilen", die perfekte Tochter, die Frau mit der Gitarre, den italienische Kater und all die anderen Originale. Sie sind mir ans Herz gewachsen wir es Romanfiguren sonst nur selten gelingt ... 

Da die Charaktere oft falsch (aber auch nachvollziehbar) handeln, stellen sich sehr viele moralischen und ethischen Fragen, die den Leser zum Nachdenken animieren. Oft habe ich mich gefragt, wie ich handeln würde, und ich fand keine Antwort. Es gibt Dinge, auf die gibt es keine Antwort. Und eine der wichtigsten Fragen des Buches lautet: "Was ist wichtiger - individuelle Freiheit oder eine Chance, am Leben zu bleiben?". Hand aufs Herz - was würdest Du antworten?

NASHVILLE ODER DAS WOLFSSPIEL wird angepriesen als Thriller. Gut, es geht auch um Morde und deren Aufklärung, und es gibt vereinzelt düstere Momente. Trotzdem möchte ich das Buch nur ungern als Thriller bezeichnen. Michaelis bewegt sich gerne außerhalb jeglicher Schubladen und Grenzen, sie schreibt Bücher fernab des definierbaren Mainstreams, daher ist es auch nicht möglich, es irgendwo konkret einzusortieren. Für den Handel leider ein Ding der Unmöglichkeit. Für die Leser aber hoffentlich ein Anreiz, so richtig neugierig zu werden ;-)

Zum Abschluss kann ich nur sagen, NASHVILLE hat mich begeistert. Obwohl es ein sehr ernstes Buch ist, fühlte ich mich nach dem Lesen froh, hoffnungsvoll. Ein Buch für alle, die gerne verkehrt herum denken, die Realität auf den Kopf stellen und zwischen den Zeilen lesen ...


SaschaSalamander 26.08.2013, 08.39| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Deutsch, Tip, Jugend,



 






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