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Thema: Rezensionen Film

Blau ist eine warme Farbe

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SaschaSalamander 15.01.2014, 21.44 | (0/0) Kommentare | PL

Mama

Ein Movie von Guilermo del Toro. >DON´T BE AFRAID OF THE DARK< konnte mich weniger überzeugen, PANS LABYRINTH und DAS WAISENHAUS dagegen hatten mich schwer begeistert. Weitere Titel von ihm zu nennen, würde zu weit führen, er ist einfach einer der Großen im Filmgeschäft. Und besonders liegt ihm das Spiel mit der Psyche seiner Zuschauer, ...

MAMA erzählt von zwei Kindern. Der Vater wollte in einer einsamen Waldhütte erst die Kinder, dann sich töten, doch ein Wesen namens "Mama" hat dies verhindert. Und nun kümmert sich Mama um die Kinder, versorgt sie. Bis die verwilderten, abgemagerten Mädchen eines Tages gefunden werden. Der Bruder des verschwundenen Vaters hatte lange nach seinen Nichten gesucht und nimmt sie nun zu sich. Obwohl die Kinder stets von Mama erzählen, halten der betreuende Psychologe und der Onkel sie weiterhin für eine Fantasiefigur. Doch Mama ist sehr real, und sie will ihre Kinder mit aller Gewalt zurückhaben, sie gegen alle Menschen verteidigen, die sie ihr wegnehmen könnten ...

Mmmmmh, endlich mal wieder ein Horrorfilm der guten Sorte. Wenn man zuviel davon gesehen hat, wird man wirklich sehr wählerisch. Doch MAMA konnte uns wieder absolut überzeugen, sowohl von den Schauspielern wie auch der Atmosphäre, dem Storyaufbau und der Untermalung. Der Film erinnert im Stil sehr an japanischen Horror, sei es das Einfärben der Wände, die Verwendung von Haaren als grusligen Objekten, grusligen Gestalten wie auch die Art der Spannungserzeugung, während eigentlich gar nichts passiert und man doch auf den nächsten schaurigen Effekt wartet. 

Horror ist oft eine Ermessenssache. Wer Blut und Gewalt möchte, wer Jumpscares braucht und erschreckt werden will, der ist hier falsch. Aber wer Wert legt auf eine sich stetig steigernde Anspannung, schaurige Momente die nicht durch einen Schockeffekt aufgelöst werden sondern lauernd ausharren, dunkle geheimnisvolle Wesen und eine packende Story, der ist hier genau richtig. 



SaschaSalamander 12.12.2013, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

Auf den Spuren des Marsupilami

Keine Rezension, aber ich muss wenigstens kurz auf den Film aufmerksam machen. Man hat hier einfach zu wenig davon gehört, und das finde ich schade, denn er hat wirklich ein paar Fans verdient und ist es wert, hier erwähnt zu werden. 

Ich schätze, viele von meinen Lesern kennen die Abenteuer des Marsupilami, Spin-Off bzw Teil der frankobelgischen Comics um Spirou und Fantasio. Es gibt eigene Comics zu diesem niedlichen Tierchen, auch eine Zeichentrickserie, und seit 2012 auch einen Realfilm. Dessen Handlung ist ziemlich simpel: 

Klappentext: Reporter Dan Geraldo könnte mal wieder einen Quotenhit vertragen, sonst gibt die neue Direktorin seinen Sendeplatz einem anderen. Im lateinamerikanischen Palumbien soll eine kryptozoologische Rarität der Entdeckung harren. Weil das Marsupilami unendlich alt werden soll und auf Schätzen hockt, interessieren sich neben allerhand anderen Gaunern auch die Kosmetikindustrie und der autoritäre Staatschef dafür. Der Reporter und sein einheimischer Führer, der liebenswerte Trickdieb Pablito, geraten prompt in allerhand Turbulenzen.

Wirklich grandios ist die Umsetzung der Handlung nicht. Was aber hervorragend umgesetzt wurde ist der comicartige Stil und der entsprechende Humor. Stellenweise ziemlich albern, sehr viel Slapstick, aber gleichzeitig mit soviel Wärme dargestellt, dass man über manchen billigen Gag hinwegsieht und einfach nur kindlich offen lachen kann. Unrealistische Soundeinspielungen, verrückte Superkräfte, witzige Kampfszenen, Erwachsene die sich zum Affen machen und Kinder die weit vernünftiger sind als die Großen. Und inmitten von allem das Marsupilami, das SO niedlich aussieht, dass man es einfach nur dauerknuddeln möchte. 

Was für mich einen ganz großen Reiz des Filmes ausmacht, ist die Animation und die optisch gewaltige Darstellung. Sowohl die Requisite als auch die Kostüme wurden mit viel Aufwand inszeniert, die Macher haben viel Liebe in die Details gesteckt, seien es nun die für die Reportage gefakten wie auch die echten Kostüme der Paja, die Kulisse im Regenwald, die Statuetten, die Städte. Von der CGI, der Computergrafik, ganz zu schweigen. Die Haare sind einzeln zu erkennen und so realgetreu animiert, dass man das Tier, wäre es nicht so quietschgelb und overcute, für echt halten könnte. 

AUF DEN SPUREN DES MARSUPILAMI hätte es verdient, in Deutschland etwas bekannter zu sein. Neben vielen anderen Comicverfilmungen kann es bedenkenlos bestehen und hat das Original sehr schön umgesetzt. Albern und verrückt, aber so liebenswert und herzlich, wie ich schon lange keinen Film in diesem Genre mehr gesehen habe ... 


SaschaSalamander 19.09.2013, 09.13 | (0/0) Kommentare | PL

Schräge Bettgesellen

Vincent hat nach der Scheidung Probleme mit der Steuerbehörde. Als er liest, dass gleichgeschlechtliche Paare eine Steuerbefreiung erhalten sollen, hat er eine vermeintlich geniale Idee: er will seinen Kumpel und langjährigen Freund Ralph heiraten. Dieser ist verständlicherweise wenig davon angetan. Aber was tut man nicht alles für seinen besten Freund ... der Versuch, es in dem verschlafenen, konservativen Örtchen Yakandandah geheimzuhalten, misslingt. Und dann kommt auch noch ein Prüfer, der kontrollieren soll, ob es eine echte Beziehung ist oder sich um Betrug handelt. Da ist guter Rat teuer - wie soll man so schnell plötzlich schwul werden? 

Mit Paul Hogan und Michael Caton hat man zwei wirklich hervorragende Schauspieler gewählt, die das Dilemma sehr gut verkörpern. Zwei ordentliche, maskuline Kerle, bärbeißig und raubeinig, sympathisch in ihrer brummigen Art. Hier wird viel mit Äußerlichkeiten und Klischees gespielt, doch sie werden nicht plakativ aufgezeigt sondern oft subtil unterwandert und ins Gegenteil verkehrt. Je schwuler die beiden sein wollen, desto aufgesetzter wirkt alles, und desto deutlicher wird dem Zuschauer, dass genau das es eigentlich gar nicht sein kann. Männerfreundschaften erscheinen in einem neuen Licht, und am Ende wird plötzlich klar, worauf es eigentlich ankommt. 

Ein Schenkelklopfer ist SCHRÄGE BETTGESELLEN nicht, es veranlasst eher zum Schmunzeln, manchmal hintergründig manchmal direkt. Sätze wie "schwul wie ein Sack voller Schmetterlinge" oder "schlimm ist nicht, dass ich für schwul gehalten werde, sondern dass die Leute glauben, ich wäre mit DIR zusammen" sorgen für Lachen nicht über sondern mit den Beteiligten. 

Inhaltlich ist die Story sogar recht vorhersehbar, die Komödie ist klassisch aufgebaut. Aber das stört nicht, es ist eben eine angenehm leichte Unterhaltung. Ein Film über Liebe, den Zusammenhalt eines Dorfes und vor allem den Kern echter Freundschaft. 

Wertung: 6 von 10 Plüschteddies

(Anmerkung: und wieder zeigt dieser Film, dass die Bewertung nicht unbedingt aussagekräftig ist. Es ist kein Highlight, man hätte mehr daraus machen können, er bleibt deutlich unter seinen Möglichkeiten, mehr war nicht drin. Trotzdem hat die DVD es sofort in mein Regal geschafft. Obwohl er simpel und vorhersehbar ist, obwohl er nicht wirklich Tiefgang hat, der Film hat einfach Charme. Es ist nett, ihn mehrfach zu sehen, nicht wegen der Story sondern wegen der sympathischen Charaktere und des angenehm stillen Humors)

SaschaSalamander 03.09.2013, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL

Parada

VORAB

Es ist schon etwas her, dass ich diesen Film sah. Außerdem muss ich zugeben, dass ich mich nicht so ganz an eine Rezi zu diesem Film herantraue. Er hat einen sehr ernsten Hintergrund, und es ist ein Film, der viel über die soziale und politische Situation Serbiens, Bosniens, des Kosovo enthält. Da habe ich irgendwie das Gefühl, dass alles, was ich sage, irgendwie nicht wirklich der Sache gerecht werden könnte. Daher meine Meinung dazu und der Vermerk, dass der Film eine Tiefe besitzt, die man wohl nur erfassen kann, wenn man sich intensiv mit der Thematik Gleichstellung sowie der Geschichte dieser Länder auseinandersetzt. 


INHALT

Limun ist ehemaliger Krimineller, leitet jetzt eine Sicherheitsfirma, und er möchte seine geliebte Pearl heiraten. Mirko ist Hochzeitsplaner, sein Freund Radmilo ist Tierarzt. Als der homophobe Limun nun von den Neigungen seines Hochzeitsplaners erfährt, reagiert er aggressiv und will alles über Bord werfen. Pearl geht mit Mirko einen Deal ein: wenn er die perfekte Hochzeit für sie und ihren Mann organisiert, wird Limun mit seinen Leuten die geplante Gay-Pride (bei uns Christopher-Street-Day) beschützen. Die Rechtsradikalen stehen schon in den Startlöchern, die Polizei weigert sich, so wenige Demonstranten gegen so viele Gegner zu verteidigen. Doch auch Limuns Gefolge springt ab. Wenn er seine Traumhochzeit haben will, bleibt ihm nur noch eines: gemeinsam mit Radmilo macht er sich auf in die Nachbarregionen, um sich dort mit ehemaligen Kriegsgegnern / -gefährten zusammenzuschließen und eine neue Truppe auf die Beine zu stellen. Eine Chance sieht er nicht, aber für die Liebe würde er alles tun ...


PERSÖNLICHE MEINUNG

Der Film ist eine Tragikomödie. Doch besonders am Anfang (und wie für das Genre üblich am Schluss) überwiegt der tragische Teil. Ich empfand es als äußerst hart. Wo diskriminiert werden kann, wird diskriminiert, der Film beginnt mit heftigem Mobbing in jeder Szene. Ob Ausländer, Homosexuelle, Dicke, Frauen, oder oder oder. Es tut regelrecht weh und berührt einen tief, für eine TragiKOMÖDIE eigentlich schon etwas zu tief. Später blieb das Lachen nur im Hals stecken, aber gerade zu Beginn gab es eigentlich nichts zu Lachen, man konnte nur mit offenem Mund zusehen, wie geschimpft und gemobbt wurde. Auch das soziale Elend der Protagonisten ist heftig anzusehen. 

Nach dem ersten Drittel erholt sich das etwas, der Film wird humorvoller, es gab viele witzige Einlagen. Sehr schön ist, dass keine Klischees bedient werden - der Film hat eher das Ziel zu zeigen, dass eigentlich alle gleich sind: sie würden alles für die Liebe tun, sie haben Träume und Ziele. Sie tanzen, lachen, haben Angst und spüren Schmerz. Und sie mögen Ben Hur. Eigentlich sind sie gar nicht so verschieden. 


FAZIT

Ein großartiger Film mit realem und ernstem Hintergrund. Ohne Humor wäre er in dieser Form nicht zu ertragen. So aber wird dem Zuschauer etwas nahegebracht, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Friedlich Miteinander, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Gesinnung oder Alter. 

***************************

Anmerkung: gerade in Hinblick auf die aktuelle Situation in Russland halte ich den Hinweis auf diesen Film sehr angebracht. Eigentlich war er ja in der "irgendwann mal posten" - Rubrik auf dem Vorratsspeicher gelandet, aber ich halte es momentan für sehr wichtig ...

SaschaSalamander 05.08.2013, 08.41 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

The Pet

Der reiche Philippe hatte einen Setter, dessen Loyalität und Zuneigung er nach dem  Tod des Tieres schmerzlich vermisst. Kein Mensch, kein Tier kann ihm dies jemals wieder entgegenbringen. Die Blumenverkäuferin Mary verliert ihre Katze, ihre Wohnung, ihren Freund. Philippe interessiert sich für sie, bietet ihr seine finanzielle Hilfe an. Er verlangt keine Gegenleistung. Aber er äußert die Bitte und das Angebot, dass Mary für zwei bis drei Tage sein menschliches Haustier sein solle. Ein Experiment für sie und ihn, denn er erkennt ihre Hingabe. Es klingt ungewöhnlich, doch Mary willigt ein, nicht nur wegen des Geldes sondern aus Zuneigung zu Philippe. Das Training als Hündchen ist hart, doch Mary findet Gefallen an ihrer Situation. Was sie nicht weiß: Philippe hat Verbindungen zu einem Ring von Menschenhändlern. Und diese zeigen plötzlich großes Interesse an dem Haustier ...

Ein Film, der im Genre schwer einzuordnen ist. Für einen Thriller ist die Handlung etwas zu ruhig und vorhersehbar, Nervenkitzel kommt trotz der Gefahrensituation nicht auf. Für Erotik gibt es viel nackte Haut, jedoch keinerlei sexuelle Andeutung geschweige denn Interaktion. Für ein Drama ist das Thema zwar ernst genug aufgearbeitet, hätte den Schwerpunkt aber anders verlagern müssen. Für einen Kunstfilm ist es nicht ganz ausreichend kunstvoll, trotz des angenehmen Soundtracks, der ausdrucksstarken Schauspieler und der grandiosen Landschaftsaufnahmen. Was der Film am Ende ist, muss wohl der Zuschauer für sich selbst entscheiden, und die Meinungen hierüber werden sehr stark auseinandergehen.

Sicher ist: er ist mit sehr einfachen Mitteln gedreht, große Effekte oder ausgefeilte Dialoge darf man nicht erwarten. Das Drehbuch ist sehr simpel und vorhersehbar. Die Geschichte ist recht einfach konstruiert. Dennoch birgt der Film eine Tiefe, die ... nein, ich kann es schwer erklären. Ich formuliere es mal mit den Worten einer bekannten Internetseite: "Wer es weiß, der kann es nicht erklären! Wer es nicht weiss, der kann es nicht verstehen" ;-)

Es wird nichts erklärt, dafür sehr viel gezeigt. Was in den Protagonisten vorgeht, warum sie auf diese Weise agieren und was sie bewegt, das zu interpretieren obliegt dem Zuschauer. Und hier werden die Meinungen wohl stark auseinandergehen, werden die einen von einem grandiosen, emotionalem Film sprechen und die anderen von einem unlogischen, trivialen Machwerk.

Was ich sehr gelungen finde ist die Darstellung der Situation des "Haustieres": es wird gezeigt, wie sie sich einerseits von dem Gedanken und der Situation angezogen fühlt, andererseits jedoch darüber lacht, sich unsicher ist und es als Scherz abkanzelt, später verärgert reagiert und dennoch "das Spiel" weiterspielt. Auch, wenn kaum geredet wird, lassen sich die Emotionen sehr deutlich an ihren ausdrucksstarken Augen ablesen. Das Minenspiel der Protagonisten ist sehenswert und gelungen, die Musik unterstreicht unaufdringlich die jeweiligen Situationen. Obwohl Mary ab dem Zeitpunkt des Vertrages nackt ist, wirkt dies niemals pornographisch, sondern ästhetisch und ansprechend. Und, wie bereits erwähnt, hat ihre Nacktheit in diesem Fall keine explizit dargestellte erotische Komponente sondern dient der Verbildlichung ihres Status als Haustier. Erotik spielt sich hier nicht zwischen Körpern ab, sondern auf einer ästhetischen, emotionalen und sinnlichen Ebene.

Sehr schön ist in diesem Film der Umgang der Protagonisten miteinander. Die Zuneigung des "Tieres" zu seinem Herren, angedeutet in vielen liebevollen Gesten. Die Verantwortung und Zärtlichkeit des Herren zu seinem "Hund", begonnen bei seiner Wortwahl hin zu vielen kleinen Berührungen und Momenten sanfter Zweisamkeit. Der Umgang der beiden Bediensteten auf dem Anwesen mit Mary, welche sich fürsorglich um sie kümmern. Dazu im Gegenzug die Kaltherzigkeit der "Geschäftsfreunde" Philippes. Alles verpackt nicht in Dialoge und Worte sondern in kleine Momente, Fingerzeige, Andeutungen.

Die Verknüpfung des Themas des menschlichen Haustiers mit dem Thema Organhandel und moderne Sklaverei wirkt auf mich etwas künstlich. Ich frage mich, was der Zweck ist. Es könnte dazu dienen, den Gegensatz aufzuzeigen zwischen freiwilligen und erzwungenen Situationen (da manche Spielarten als kriminell betrachtet werden, obwohl sie in beiderseitigem Einvernehmen stattfinden). Es könnte auch dazu dienen, auf den realen Menschenhandel in verschiedenen Ländern der Erde hinzuweisen (darauf deutet vor allem der Abspann hin, in dem einzelne Länder und die aktuelle Situation genannt werden). Oder es dient dazu, der ruhigen, eher spannungsarmen Handlung ein wenig Würze zu verleihen, einen künstlichen Spannungsbogen zu erschaffen.

Sollte es dazu dienen, den Unterschied aufzuweisen - ich finde, die Freiwilligkeit wurde mehr als ausreichend klargestellt. Auf die Situation in anderen Ländern hinzuweisen - dafür hätte ich ein anderes Thema, einen anderen Film gewählt. Und der künstliche Spannungsbogen wirkt eher etwas aufgesetzt denn tatsächlich passend und führt zu einem Momenten, in denen ich ratlos den Kopf schüttelte.

Insgesamt ist THE PET ein wundervoll gestalteter Film, der jedoch nichts erklärt, nur zeigt. Sehr emotional, sehr eindringlich, sehr zärtlich. Etwas zu erklären und weitere Dialoge einzuflechten hätte die Stimmung des Werkes zerstört, nicht anders hätte man es verfilmen können. Leider führt das dazu, dass es wohl weiterhin ein Geheimtip bleiben wird, der abseits vom Mainstream darauf wartet, von Interessierten entdeckt zu werden ...


SaschaSalamander 26.07.2013, 14.00 | (0/0) Kommentare | PL

Hotel Transsilvanien

Nachdem der Film HOTEL TRANSSILVANIEN schon so viele Bewertungen hat, wollte ich eigentlich gar nichts schreiben. Und eine lange, ausführliche, komplette Rezi werde ich auch nicht verfassen. Aber ein kleines Gegengewicht zu den begeisterten Stimmen möchte ich trotzdem verfassen. Auf Inhalt und Art des Films gehe ich nicht mehr näher ein, er dürfte bekannt sein, ansonsten kann man es überall ergoogeln ;-)

Vorab: nicht grundsätzlich schlecht, ich habe mich unterhalten, hier und da mal gelacht. Ich hatte meine Favoriten (Werwolfpapa und Blob), und die Zitate und Sprüche waren nicht übel. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken in all dem Gewusel. Die Animationen sind gelungen, und ich kann mir vorstellen, dass er in 3D wirklich genial gewesen wäre auf der Leinwand.

Trotzdem konnte der Film mich nicht so wirklich überzeugen. Mag sein, dass ich altmodisch bin, aber ich finde, dass Hektik und Tempo kein Ersatz für eine gut durchdachte Handlung sind. Und in Sachen Handlung habe ich einiges vermisst. Klar, sie existiert, aber sie ist sehr flach und vorhersehbar, hat kaum eine Botschaft und bleibt - für mich zumindest - nicht im Gedächtnis, der Film ist nach dem Sehen bereits vergessen, weil er nicht wirklich etwas transportiert.

Es gibt viele Momente, die ... hm, sind es Anspielungen und Reminiszenzen oder abgekupferte Szenen? Ich denke, beides. Denn natürlich machen die Anspielungen gerade für Filmfans und Horrorfreunde einen Großteil des Filmes aus. Dennoch hatte ich stets das Gefühl "kenn ich" - "weiß ich" - "erzähl mir was Neues". Nein, dieser Film hat das Genre definitiv nicht neu erfunden, dafür umso mehr alles aufgewärmt, was es bereits gab (wo ist die Grenze zwischen "Aufwärmen" und "Persiflieren"?).

Ein weiteres Problem für mich war, dass ich mit den Protagonisten nicht wirklich mitfieberte. Das Mädchen blieb mir zu farblos (es wird stellenweise Tiefe vermittelt, wo im Grunde nur Klischees ausgebreitet werden, sie ist beliebig ersetzbar), der Junge war mir gar unsympathisch, Dracula überzogen. Es lag zum Teil wirklich daran, dass vieles so drastisch übersteuert war, zu aufgesetzt, too much. Vielleicht bin ich zu alt für den Film?

Was die Musik betrifft - oh ja, ich bin scheinbar wirklich zu alt. Ich bin sicher, dass viele Kids begeistert sein werden, aber meinen Geschmack traf es nicht wirklich. Bin mehr ein Anhänger der "ich will am Ende des Films ´nen Ohrwurm haben" - Fraktion, und das war in diesem Tempo nicht mehr wirklich möglich für mich.

Ja, ich verstehe, warum der Film seine Fans hat. Und er wurde liebevoll animiert. Er ist auch lustig. Aber um mich zu wiederholen: Tempo und Animation können eine eine vorhersehbare, flache Handlung leider nicht wettmachen.

Müsste ich ihn werten, gäbe es rund 3 Sterne
5 für liebevolle Animation
4 für interessante Anspielungen
3 für Unterhaltung, Humor
2 für Vorhersehbarkeit, Klischees
2 für Story
1 für überdrehte Hektik

SaschaSalamander 24.07.2013, 08.29 | (0/0) Kommentare | PL

CJ7

cj7_1.jpgDickies Mutter ist gestorben, er lebt mit seinem Vater in ärmlichsten Verhältnissen, den meisten Teil des Lebensunterhaltes ergattert der Vater auf der Müllkippe, so etwa Kleidung. Er ist Wanderarbeiter und hat hohe Schulden bei seinem Arbeitgeber, der ihm bereits die Beerdigung der Frau, die Krankenbehandlungen und andere Dinge vorstreckte. Auch ermöglicht der Vater dem Sohn eine Eliteschule statt einer normalen Schule, denn sein Sohn soll es besser haben als er. Da ist die Schulbildung wichtiger als Spielzeug oder teures Essen, auch ein vergammelter Apfel ist noch genießbar, wenn man den braunen Teil wegschneidet. Doch Dickie wird in der Schule gehänselt wegen seiner billigen Schuhe. Er hat kein Spielzeug und hat nicht einmal ein richtiges Pausenbrot. Aber dafür hilft er anderen, wenn diese in Not sind und liebt seinen Vater über alles. Trotzdem gibt es oft Spannungen zwischen den beiden, der Sohn will mehr und der Vater ist überfordert.

Eines Tages findet der Vater auf der Müllhalde einen seltsamen Ball und bringt ihm seinen Sohn nach Hause. Dieser Ball entpuppt sich als eine Art "Ei", in welchem ein außerirdisches Wesen ist, eine Art Hund. Dickie freut sich, hat er nun endlich einen Spielkameraden, der noch dazu über besondere Kräfte zu verfügen scheint! Vielleicht wird er ja endlich in der Schule angesehen?

Zuerst einmal verstehe ich nicht, warum man den Jungen "Dickie" nennt? Wenn ich für eine Rezension nicht weiß, wie ich einen Namen schreiben soll, sehe ich auf dem Cover nach, man spricht den Namen "Tschiaon-Dii", klar kann man das in unseren Buchstaben nicht korrekt wiedergeben, aber warum schreibt man dann statt dessen Dickie?

Aber gut, es soll ja um den Film gehen, nicht um den Namen. Und der Film war wirklich toll! Lustig, traurig, tragisch. Ein ungewöhnlicher Humor, stellenweise sehr strange. Wer Asiafilme mag und kennt, wird es ein wenig leichter haben und einzelne Szenen etwas anders interpretieren können. Aber auch ohne Asia-Kenner zu sein, wird man die gleichen Momente witzig finden und sich herrlich amüsieren.

Es ist ein Film für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, auch wenn natürlich jeder andere Inhalte für sich herausziehen wird. Ich finde es sehr schön gemacht, wie man sich mit jedem einzelnen der Charaktere sehr gut identifizieren kann. Sowohl mit dem kleinen Dickie, der einfach nur die Anerkennung seiner Mitschüler möchte und nicht versteht, warum sein Vater ihm nicht wenigstens den Spielzeughund kauft, der gerade so angesagt ist, als auch mit dem Vater, der auf Arbeit alles tut, sich sogar demütigen und beschimpfen lässt, nur um seinen Job zu behalten und wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen, um seinem Sohn wenigstens die Schule zu ermöglichen. Stellenweise zerreißt es einem beim Zusehen fast das Herz, und es gibt sehr viele traurige Momente.

Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. CJ7, wie der kleine Außerirdische genannt wird, ist wirklich klasse animiert. Biegsam, quetschbar, frech, einfach genial, er hat ein bisschen was von Flubber, nur weitaus niedlicher. Eine Stimme wie der Mix aus Gremlins und R2-D2, man kann gar nicht anders als den Kleinen zu mögen. Auch die Art und Weise seiner Fähigkeiten wird dem erwachsenen Zuschauer bald klar, wobei ich mit dem Ende dieser Art dann doch nicht gerechnet hatte.

Ich bin sicher, CJ7 liefe als Merchandise hervorragend, die Kids würden sich um dieses kleine Stofftier reißen! Wer hat als Kind nicht von einem kleinen Helfer geträumt, mit dem man bessere Noten schreibt, nicht mehr verprügelt wird und endlich Freunde findet? Dieser Film ist ein kleiner wahrgewordener Kindertraum, und es ist schade, dass er hier bei uns kaum bekannt ist, Asia-Kino läuft bei uns eben nicht so gut. Zu Unrecht, denn es gibt großartige Filme dort!

Der Hauptdarsteller und Regisseur ist Stephen Chow, er hat die bei uns etwas bekannteren Filme SHAOLIN SOCCERS und KUNG FU HUSTLE gedreht, letzterer einer meiner Favoriten dieser Genres. Chow hat auch einen ganze eigenen Humor, genannt >"Mo lei tau"<, daher fällt es mir eher schwer, CJ7 zu beschreiben, wenn jemand diesen Stil nicht kennt. Wie gesagt, ein Asiafan kennt es, ein Neuling wird verwundert sein (wie heißt es bei Mo lei tau: "was soll das?!?") aber trotzdem seinen Spaß haben.

Auf jeden Fall ist CJ7 ein Film, den ich absolut empfehle. Ohne Einschränkung. Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Actionfans, Dramafans, Sci-Fi-Freunden. Leuten, die Filme mit tiefer Message wollen genauso wie Leuten, die einfach nur stumpf abschalten wollen. Einer meiner filmischen Favoriten der letzten Monate!

SaschaSalamander 19.07.2013, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL

Paranormal Activity 04

paranormal04_1.jpgVORAB

Als Fan der Paranormal Activity - Reihe mussten wir uns natürlich auch den vierten Teil ansehen. Meine Erwartungen waren der Reihe entsprechend: jede Menge guter Grusel mit viel Gänsehaut und Sich-aneinander-Festkrallen. Mal stärkere, mal schwächere Teile in der Reihe, aber insgesamt immer ein Garant für einen schaurigen Abend.


REIHE 1-3 UND TOKYO

Womit die Reihe punktet: es ist im Grunde immer die gleiche Handlung, ein Geist / Dämon ist im Haus, die Anzeichen häufen sich, jemand stellt eine Kamera auf, die Aktivitäten werden schlimmer, und am Ende wird es kurz aber heftig brutal. Der >erste Teil< spielte in einem verwinkelten Haus und hatte eine normale Stativkamera, gelegentlich Handkamera, Protagonisten ein Pärchen. Der zweite war insofern neu, als er die Vorgeschichte erzählte und mehrere Kameras im Haus aufgebaut wurden, es spielte in einer Familie mit Baby. Der >dritte Teil< - meiner Ansicht nach bisheriges Highlight der Serie - geht noch weiter in die Vergangenheit, eine Familie mit zwei Kindern, alles beobachtet durch Stativ- und Drehkameras. >TOKYO NIGHTS< spielt in Japan, ist eine Art Spin-Off und verbindet die amerikanische Story mit typischen japanischen Horrorelementen und präsentiert dem Zuschauer zwei gleichzeitige Kameras, sodass man zwei Handlungen parallel verfolgen kann.

Insgesamt ist es zwar ein billig produzierter Film mit ein wenig Geisterspuk, aber die Hintergründe sind dennoch gut umgesetzt, mit den Protagonisten kann man sehr gut mitfühlen, sie sind so normal wie der Zuschauer auch. Er besticht dadurch, dass er weniger billige Schockmomente präsentiert als vielmehr ein Gruseln erzeugt, das im Kopf des Zuschauers entsteht: man beobachtet minutenlang den Bildschirm, nichts passiert, jeden Moment rechnet man mit einer Bewegung, und so steigt der Adrenalinpegel ständig an. Eine kurze, kleine Erlösung (hier ein Schatten, dort wackelt eine Lampe, dort klappert etwas oder fällt herunter), aber so ganz wird das Adrenalin nie abgebaut, bis es den Zuschauer am Ende fast zerreißt. DAS ist Paranormal Activity.


TEIL 4 HANDLUNG

Alex kommuniziert mit ihrem Freund Ben viel über Videochat am Laptop. Bald zieht eine alleinerziehende Mutter (Katie) mit ihrem Sohn Robbie in die Nachbarschaft. Der Kleine verhält sich sonderbar. Und als die Mutter dann ins Krankenhaus muss, nehmen Alex´ Eltern das Kind für diese Zeit bei sich auf. Mit Robbie ziehen auch seltsame Ereignisse in dem Haus ein, Alex fürchtet sich. Ben installiert in der Wohnung mit Hilfe der Laptops heimlich Kameras, um alles zu beobachten. Der Spuk wird schlimmer, die Eltern nehmen es nicht ernst, und schlussendlich - wie wir es von allen Teilen kennen und ich ohne Spoiler verkünden kann - eskaliert es natürlich und endet in einem kurzen aber brutalen Gemetzel.


TEIL 4 BESONDERHEITEN

Der vierte Teil hat uns leider sehr, sehr enttäuscht. Aber erst zu dem, worin der vierte Teil sich in die Tradition einreiht und sich an Besonderheiten ausweist. Denn wie gesagt, jeder Teil hat etwas Neues, von Kameraführung über Setting, damit es nicht langweilig wird für den Zuschauer:

Waren bisher junge Erwachsene oder gar Familien mit Kindern die Protagonisten, sind es hier Jugendliche. Zwar wohnt Alex bei ihren Eltern und hat auch einen kleinen Bruder, aber sie entspricht doch sehr dem Teenie-Slasher-Vorbild anderer Filme. Blond, große Kulleräuglein, natürlich noch Jungfrau. Ein Freund, der gerne würde aber sich ihr zuliebe zurückhält und es immer wieder probiert. Die Eltern agieren nur am Rande, der kleine Bruder und Robbie sind schon wichtiger.

Was die Kamera betrifft, bin ich zwiegespalten: Videochat am Laptop aufgezeichnet. Und der Sensor einer Xbox, der mit seinen grünen Punkten wirklich tolle Effekte erzeugt und auch einigen Grusel erzeugt. Nette Idee, innovativ und ungewöhnlich. Tolle Bilder. Aber für meinen Geschmack schon etwas zuviel Product Placement von Apple über Xbox, Google und Co. Scheint, als hätte man das günstige Budget diesmal zusätzlich reduziert und jede Menge Sponsorengelder eingeheimst.

Bisher waren die Häuser recht verwinkelt und wurden gut in Szene gesetzt, sodass man sich oft fragte "was mag wohl hinter der nächsten Ecke lauern". Das wurde hier komplett versäumt. Das Haus hätte einige Winkel geboten, die aber nicht genutzt wurden. Es gab immer nur die gleichen Einstellungen, und diese haben alles komplett ins taghelle Licht gerückt. Dadurch gab es wenig Überraschungen, es war alles sehr plakativ.

Viele Einstellungen spielten am Tag. Kam bei den anderen Filmen auch vor, wurde aber genutzt, um die Filme der Nacht zuvor anzusehen. Was hier komplett fehlte: es wurde zwar sehr viel am Tage gedreht, aber Ben und Alex haben sich die Videos nie angesehen, nie ausgewertet oder den Eltern gezeigt. Wenn tagsüber mitten im Bild eine Lampe wackelt, entsteht wenig Grusel, baut sich kein Adrenalin auf.

Während die anderen Teile alle mit der Story zusammenhingen und von Mal zu Mal mehr offenbart haben (besonders der dritte Teil war sehr vielversprechend), wirkt die Story im vierten Teil wie ein Alibi billig zusammengeschustert. Anhand vieler Rezensionen im Netz erkenne ich, dass scheinbar auch sehr viele Fehlinterpretationen aufgrund der schlecht dargestellten Handlung geschehen sind. Das hat für mich nichts mit "mystisch, wird noch aufgeklärt werden" zu tun, sondern mit schlechtem Storytelling. Inhaltlich gesehen ist der vierte Teil ein klarer Rückschritt.


GRUSEL

Wie schon angeduetet, baut sich im vierten Teil kaum Grusel auf. Vielleicht für absolute Film-Neulinge. Aber für Horrorfans und Anhänger der Paranormal-Reihe eine herbe Enttäuschung. Durch die Tagszenen und da man das meiste schon vorausahnt, gibt es einfach keine Überraschungen. Zu platt, zu billig. Und wenn sich kurz ein wenig Adrenalin aufbaut, wird es durch einen simplen Schockmoment sofort wieder abgebaut.

Daran, dass man das Konzept der Filme kennt, liegt es nicht. Denn mit Freunden habe ich einige Teile der Reihe bereits ein zweites oder gar drittes Mal angesehen. Und noch immer sitze ich zitternd mit Gänsehaut auf dem Sofa, obwohl ich die Story schon kenne und weiß, wie der Horror funktioniert. Der vierte schafft es dagegen nicht einmal beim ersten Ansehen, Grusel zu erzeugen (nagut, ich bin fair: alleine um Mitternacht im dunklen Zimmer mit 5.1 Sound könnte er es unter Umständen schaffen. Aber ein guter Film schafft es auch bei einer Gruppe abends um 19 Uhr).


PLOTHOLES, LOGIKFEHLER

Zugegeben, Paranormal Activity ist jetzt nicht gerade eine Reihe, die durch Logik und ausgefeilte Story besticht. Trotzdem ist sie insgesamt nachvollziehbar. Und auch, wenn ich hier und da mal den Kopf schüttelte, konnte ich es doch akzeptieren und habe das Filmvergnügen vor die Storylöcher gesetzt. Aber der vierte Teil lässt mich schmerzvoll aufjaulen:

Dass die Kids anfangs filmen, ist für mich völlig an den Haaren herbeigezogen. Sie finden es spooky, dass ein Kind, welches plötzlich ohne Mutter in einem fremden Haus übernachtet, nachts in das Bett eines Erwachsenen steigt, um nicht alleine zu schlafen. Wie gruslig! (ich finde es eher gruslig, dass die Erwachsenen ihm das nicht von sich aus angeboten haben und sich besser um das eingeschüchterte Kind kümmern). Und klar, wer würde nicht mit einem Laptop nachts durch die Gegend wandern, um etwas zu filmen. Zumal die Kamera dann auch noch das Bild der festen Kamera zeigt statt des Videochats. Die Bilder, die hier gezeigt wurden, toppen die unlogischen Kameraperspektiven der bisherigen Filme um Längen. Dann nehmen die Kids jede Menge gutes Filmmaterial auf, aber nichts davon wird ausgewertet. Alex sagt den Eltern zwar "es geht etwas Schauriges vor sich", aber sie zeigt ihnen nicht die Videos. Das führt zu einigen lebensbedrohlichen Situationen, aber natürlich glaubt man ihr nicht. Auch die Eltern sind völlig irrational. Da verschwindet ein Messer, keiner macht sich Gedanken. Und als es dann plötzlich von oben herab herunterfällt und den Mann fast tötet, winkt die Frau einfach ab, ach, Messer fallen eben gelegentlich mal von der Decke, kommt in allen guten Haushalten mal vor.

Der Schluss - nun, da möchte ich nicht spoilern, aber er wirkt komplett aus dem Zusammenhang der Serie gerissen. Ich frage mich, wie sie DAS erklären wollen. Das wirkt völlig überzogen und billig, so als hätte man mit Gewalt versucht, da noch irgendetwas zu bringen, das die bisherigen Teile toppt. Leider misslungen.


WAS FÜR DEN TEIL SPRICHT

Immerhin, es ist Teil der PA-Reihe. Es gab schächere und stärkere Teile, dies hier war bisher eindeutig der schwächste. Aber sollte die Reihe im fünften Teil einen guten Abschluss finden, gehört es eben einfach dazu. Außerdem ist die Idee mit dem Sensor wirklich klasse, das gefällt. Sie haben versucht, wieder etwas anderes zu machen. Und einige der Spukerscheinungen, Symbole und Elemente (Wasser ua) zeigen, dass die Macher sich tatsächlich mit dem Thema Spuk, Dämonologie usw befasst haben und nicht einfach nur sinnlos etwas zeigen.


PERSÖNLICHE MEINUNG

Zu viele amerikanische billige Klischees, die Protagonisten dumm und naiv, die Potentiale des FIlmes nicht ausgeschöpft. Für den deutschen Zuschauer wenig Identifikationsmöglichkeiten. Erst recht nicht für die eigentliche Zielgruppe, die ja doch etwas älter ist (es sei denn, man will nun das jüngere Publikum auf die Reihe aufmerksam machen. So etwas kann nur in die Hose gehen, wenn man zwei Zielgruppen bedienen will).

Die Macher haben nun zwei Möglichkeiten: entweder, sie schließen die Reihe gut ab und integrieren den eher schwachen Teil gut in die Handlung. Dann ist es eine gelungene Serie. Oder der nächste Teil wird noch unzusammenhängender und sorgt dafür, dass eine weitere an sich gute Reihe dem Kommerz zum Opfer fällt.


FAZIT

PARANORMAL ACTIVITY 4 ist eindeutig der bisher schwächste Teil der Reihe. Wenig Grusel, viele billige Schockmomente. Der Zuschauer wird als Melkkuh der Filmindustrie schamlos ausgenutzt. Es bleibt zu hoffen, dass man sich auf die eigentlichen Werte der Reihe besinnt und den Fans im Oktober 2013 einen guten Abschluss präsentiert.

SaschaSalamander 28.06.2013, 08.55 | (0/0) Kommentare | PL

Das Kind

daskind_1_1.jpgVORAB

Endlich habe ich DAS KIND gesehen. Die ersten Bücher von Fitzek haben mich ja absolut begeistert, er ist ein Meister des Mindfuck und grandiosen deutschen Thriller. Okay, bei den neueren Werken hätte ich mir ausgegorenere Erklärungen für die Geschichte gewünscht, aber man kann nicht nur TopTitel schreiben, ich lese die neuen Sachen trotzdem gerne. Der Ruf nach einer Verfilmung war da also schnell laut.


ÜBER DEN FILM

Im Internet konnte man den Entstehungsprozess und das Crowdfunding mitverfolgen, die Fans wurden mit ihrer Beteiligung in das Projekt eingebunden, von Finanzierung über Plakatgestaltung, Erwähung im Abspann usw. Daher wurde der Film natürlich heiß erwartet und war lange Zeit DAS Thema Nummer eins unter Thrillerfreunden.


MEINE ERWARTUNGEN

Nun ja, was soll ich sagen. Meine Vorfreude: ein Thriller von Fitzek, und noch dazu einer der besten. Meine Sorge: ein deutscher Film, auweia! Leider hat sich die Sorge bestätigt, und ich möchte Fitzek raten, sich lieber auf das Schreiben zu konzentrieren. Obwohl der Film sich sehr um Internationalität bemühte, ist es ein sehr deutscher Film geworden. Und was die Deutschen und ihre Filme betrifft, nun ja, da scheiden sich die Geister, ...


INHALT

Zum Inhalt nur kurz so viel: der 10 jährige Simon behauptet seit der Rückführung, dass er ein Serienmörder sei und noch einmal morden werde. Er kann den Anwalt, der eingeschaltet wurde, sogar zu einem der Opfer führen.


INTERNATIONAL

Der Film stammt aus Deutschland. Es wurde dennoch versucht, ihn international zu gestalten. Das heißt, er wurde in Berlin gedreht (die dreckige Gegend passt so richtig zum düsteren Ambiente, das ist durchaus gelungen, man hat ein paar herrlich dunkle Ecken ausgegraben), aber die Requisiten wurden international gehalten (z.B. ein Schild "Elevator out of order" oder die Schrift an der FlipChart des Psychologen). Auch die Schauspieler wurden nicht nur mit Deutschen besetzt. So wird unter anderem die Rolle des Simon vom jungen Christian Traeumer aus Californien verkörpert, der Anwalt wird von Eric Roberts gespielt. Die deutschen Parts sind mit Ben Becker, Dieter Landuris oder Dieter Hallervorden gut besetzt.


SYNCHRONISATION

Dadurch entsteht ein typisch deutsches Filmproblem: Synchronisation. Ich weiß nicht, wie die Deutschen das schaffen, aber die meisten Filme scheitern meiner Ansicht am Ton. Es wird genuschelt, geflüstert, geschrien, aber immer so, dass man kein Wort versteht. Egal, wiesehr ich mich anstrengte, mindestens ein Drittel der Dialoge war kaum zu erfassen. Dazu kommt in diesem Fall, dass der Film auf Englisch gedreht und im Deutschen nachsynchronisiert wurde. Was dazu führt, dass die Lippensynchronität trotz deutscher Schauspieler und deutscher Stimmen etwas seltsam wirkt.


SCHAUSPIELER

Eigentlich wurde der Film mit vielen Größen besetzt. Umso mehr wunderte ich mich, wie hölzern und gestellt viele Szenen wirken. Besonders Eric Roberts als Anwalt wirkte absolut künstlich. Mal schreit er überzogen und unangemessen, ein andermal haut er völlig trocken böse Drohungen raus, und seine Mimik wirkt dabei stets gespielt. Sunny Mabrey als seine Freundin kam scheinbar keinerlei Funktion zu als lediglich die, danebenzustehen, blond und sexy zu sein.

Ben Becker, das mag jeder anders sehen, er hat viele Fans, aber ich gehöre nicht dazu. Was man ihm aber lassen muss: er wirkt absolut authentisch und kommt gut an, er wirkt nicht aufgesetzt sondern direkt aus dem Leben. Landuris hatte nur eine kurze Rolle, konnte diese aber überzeugend darbieten. Und Dieter Hallervorden - viele haben ein Problem damit, dass er einen Bösewicht spielt. Ich fand das allerdings großartig. Er hat seine Rolle sehr überzeugend gespielt (und als einziger konnte er mir wirklich eine Emotion abringen, während ich den Rest des Filmes unbeteiligt danebensaß), er hat so gut gespielt, dass man gar nicht anders konnte als seine Rolle zu hassen. Ich finde es großartig, wenn ein Schauspieler das fertig bringt, und ich ziehe meinen Hut davor, dass Hallervorden den Mut zu dieser undankbaren Rolle bewiesen hat. Doch außer Hallervorden, Landuris und Becker - Leere und Emotionslosigkeit.


VERGLEICH ZUM BUCH

Der Vergleich zum Buch gehört hier nicht her. Das Buch ist äußerst komplex, und Fitzek ist ein großartiger Autor, der viele Zwischentöne in seine Bücher einbaut. All das in einen Film von gerade einmal 102 Minuten zu packen, das ist nicht möglich. logisch gibt es Abstriche. Dass der Film aber so direkt zur Sache kommt und dann alles zackzack durchackert ohne Punkt und Komma, das hat der Stoff nicht verdient. Vor allem am Ende wird alles so schnell abgehandelt, dass man kaum hinterherkommt, und dann plötzlich ist alles wieder Friede Freude Eierkuchen.

Einige Male habe ich lachen müssen. Das lag nicht in der Absicht des Filmes, aber ich fand ihn an vielen Stellen unfreiwillig komisch. Meine "liebste" Stelle:

SPOILER
Exfrau hat ihn belogen. Eigener Sohn wurde an den Pornoring verkauft. Mehrere Leute sind gestorben. Ein Kind wurde zum Mörder. Viele Kinder wurden missbraucht. Jetzt im Augenblick stirbt ein Kind in seinen Armen (zwar in schöner Umgebung aber viel zu dicht an all den anderen Ereignissen). Kind: "Sei nicht traurig". Er: "Es ist der schönste Tag meines Lebens" *muahaha* entschuldigung, aber da fehlt mir jeglicher Sinn für Kitsch, Dramatisch oder Schmonz, aber ich finde das einfach nur unfreiwillig komisch. Der Zuschauer hatte noch nicht einmal eine Minute Zeit, all die Dramen um den Pornoring zu verarbeiten, schon folgt ein solcher Satz.
SPOILER ENDE


FAZIT

Ein großartiges Buch. Ein nicht einmal mittelmäßiger Film. Der Versuch, ihn international zu gestalten, hat viel von der Atmosphäre zerstört, die er hätte haben können. Weniger Geld in ausländische Schauspieler, dafür mehr Geld in Drehbuch, Dialoge und deutsche Schauspieler investiert hätte diesem Titel gut getan. Fitzek ist eben ein Deutscher: Filme drehen kann er nicht. Aber er kann schreiben wie kein anderer.


WERTUNG: mit ganz viel Extrabonus für den Autor und die ursprüngliche Story geraaaade noch 4 von 10 Engel am Strand

SaschaSalamander 18.06.2013, 08.20 | (0/0) Kommentare | PL



 






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