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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Fachbuch

Die heilende Kraft des Schreibens

werder_schreiben_1.jpgSich selbst zu erfahren ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Wir wollen wissen, wer wir sind, was uns bewegt. Wir wollen wissen, warum wir so sind und wie wir anders sein können. Der Mensch will sich selbst begegnen und erfahren. Einer von vielen Wegen dazu ist das Schreiben. Auch dem Mitteilungsbedürfnis wurde damals wie heute Rechnung getragen: das bewährte Tagebuch mit einem kleinen Schloss ebenso wie inzwischen auch Blogs, Twitter, Facebook. Mit dem vorliegenden Buch führen die Autoren dem Leser DIE HEILENDE KRAFT DES SCHREIBENS vor Augen und geben Anleitungen und Informationen zum therapeutischen Schreiben.


AUTORENTEAM

Das Buch ist ein Gemeinschaftsprojekt dreier Autoren: >Lutz von Werder< ist Professor für Sozialisationsforschung und Dozent für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik. Zudem ist er Leiter eines Instituts für kreatives Schreiben in Berlin. Von ihm erschienen bislang zahlreiche erfolgreiche Schreibratgeber sowie Werke aus den Bereichen Philosophie und Pädagogik.

Barbara Schulte-Steinicke veröffentlichte gemeinsam mit Lutz von Werder einige Fachbücher des kreativen Schreibens, sie ist Psychologin und Psychotherapeutin und bildet SchreibwerkstattleiterInnen aus.

Brigitte Schulte ist Germanistin und Studienrätin, bildet ebenfalls SchreibwerkstattleiterInnen aus und ist Dozentin in der Lehrerfortbildung.


AUFBAU

Das Buch ist gegliedert in zwei Themen. Zu Beginn wird die Frage geklärt: was ist Schreibtherapie, was sind ihre Hintergründe? Der Leser erhält in einem kleinen historischen Rückblick Informationen über frühe Beispiele dieser Technik, auch die psychologischen Grundlagen nach Freud, Jung, Adler und Horney werden beleuchtet. Dieser Abschnitt bietet sehr viele interessante Einblicke. Gerade für Kursleiter und Therapeuten ist dieser Teil wichtig zum Verständnis dessen, was auf der Grundlage des Buches mit den Patienten / Teilnehmern erarbeitet werden wird.

Der zweite Abschnitt behandelt Methoden und Techniken des kreativen therapeutischen Schreibens. Und immer wieder geht es um die Basis Erinnern, Wiederholen und Verstehen. Für alle drei Punkte gibt es erst eine Erklärung, dann Übungen und auch Textbeispiele bekannter Schriftsteller und einzelner Schreibwerkstattteilnehmer. Es wird detailreich erklärt, welchem Zweck eine Übung dient und wie man sie ausführen sollte.

Das Erinnern dient dazu, unbewusste Momente hervorzuheben und sich selbst für das Vergessene zu öffnen, den Zugang zu seinen verborgenen Gedanken und Gefühlen zu entdecken. Beim Wiederholen erhält der Leser die Hilfestellung, die aufgedeckte Vergangenheit zu vertiefen, sich der in ihm steckenden Ressourcen bewusst zu werden und Kraft aus seinem früheren Leben zu schöpfen, aber auch sich mit seinem früheren Selbst zu versöhnen, sich anzunehmen und aufgebrochene Wunden zu heilen. Beim Durcharbeiten soll der Leser befähigt werden, seine Vergangenheit, sein gegenwärtiges Selbst literarisch umzusetzen. Das eigene Leben als Märchen, Geschichte oder gar Roman.


ZIELGRUPPE

Noch vor dem Inhaltsverzeichnis findet sich ein Hinweis: das Ausführen der Übungen setzt eine gewisse Belastbarkeit voraus, und gegebenenfalls sollte es nur unter psychotherapeutischer Begleitung erarbeitet werden. Ich möchte dies ergänzen um den Aspekt, dass Kursleiter und Tutoren nicht unbedacht Übungen aus diesem Buch verwenden sollten, falls sie nicht über den therapeutischen Hintergrund verfügen, ihre Teilnehmer entsprechend aufzufangen und mit ihnen weiterzuarbeiten.

Zwar richtet sich das Buch auch an Laien, trotzdem bin ich der Ansicht, dass es für diese nur bedingt geeignet ist. Sind Bücher für Einsteiger eher unterhaltsamer geschrieben und gehen weit kürzer auf fachliche Hintergründe ein, ist DIE HEILENDE KRAFT DES SCHREIBENS doch eher trocken und sachlich gehalten, gespickt mit sehr vielen Fachbegriffen. Was ich nicht als Nachteil sehe, sondern als Hinweis auf die Zielgruppe. Grundkenntnisse über Techniken der Verhaltens-, Gesprächs-, Trauma- und Gestalttherapie sind nicht erforderlich, auch systemisches Arbeiten wird angesprochen, ebenso das Erarbeiten und Überprüfen von Zielsetzungen. Dennoch erleichtert das Wissen um diese psychologischen Hintergründe sehr und sorgt für ein flüssigeres Lesen. Ein in diesen Themen unbedarfter Leser wird das Buch vermutlich schnell unaufgefordert zur Seite legen.


THERAPEUTISCHER ASPEKT, UMSETZUNG

Wer ohne professionelle Begleitung für sich alleine arbeiten möchte, sollte eine gewisse Vorkenntnis haben. Leichtfertig zu sagen "das schaffe ich schon" wäre sehr fahrlässig, denn dieses Buch setzt therapeutische Prozesse frei, die einmal in Gang gesetzt nicht einfach gestoppt oder rückgängig gemacht werden können. Worte können sehr viel bewegen, und nicht umsonst schließt das Buch Haftungsansprüche aus.

Für Therapeuten und Kursleiter mit fachlichem Hintergrund sowie entsprechende Privatpersonen ist das Buch eine kostbare Sammlung von Übungen. Fundiert werden Techniken einzelner Therapieform, die sonst oft nur schriftlich oder in Gruppenarbeit umgesetzt werden, auf das Schreiben für sich alleine übertragen. So setzen die Autoren Imaginationsübungen wie den innere Ratgeber, den sichere Ort, das Krafttier, die Traumreise als Übung des kreativen Schreibens um. Das freie Assoziieren, wie man es aus der Psychoanalyse kennt, wird mittels Cluster, Mindmap und Freewriting erarbeitet. Archetypische Symbole der Tiefenpsychologie werden genannt, beschrieben, im Schreiben umgesetzt. Der Leser begegnet seinem Inneren Kind, muss sich seinem früheren, gegenwärtigen und zukünftigen Selbst stellen.

Die Hintergründe der inganggesetzten Prozesse wird sehr ausführlich geschildert. So wird zum Beispiel erklärt, wiesehr Erinnerung sich im Laufe der Jahre verändern kann. Inhalte werden verfremdet oder gar komplett ausgeblendet, doch mittels verschiedener Techniken ist es möglich, sich schrittweise wieder an Vergessenes heranzutasten. So hängen einzelne Erinnerungen zusammen, und Gerüche können Auslöser sein für das plötzliche Auftreten von Bildern, die zurück in die Vergangenheit führen. Der Leser aktiviert verschiedene Kanäle: Gedanken, Gefühle, Gerüche, Orte, Personen legen des Verschüttete frei.


TECHNIKEN

Die Übungen sind teils sehr ernst in der Thematik, andere dagegen wirken locker und leicht. So gibt es eine Übung "ich bin der Schreibtisch von ...", in welcher der Leser angehalten wird, sich in ein unbelebtes Objekt seines Alltags hineinzuversetzen, etwa den Schreibtisch, die Brille, den Stift, den Computer etc. Es mag einfach und vielleicht sogar lustig klingen, kann jedoch sehr viel freilegen.

Die Übungen sind in der Regel einzeln, manche jedoch bauen aufeinander auf. Zudem ist es sinnvoll, sich nach der vorgegebenen Reihenfolge des Erinners, Wiederholens, Verarbeitens zu richten. Es gibt praktische Übungen, die sofortige Ergebnisse greifbar erzielen, aber auch Übungen, die rein den Geist betreffen und den weiteren therapeutischen Prozess ankurbeln, vorerst nicht sichtar in ihrer Wirkung und erst nach und nach spürbar. Der Leser erhält eine neue Sicht auf sein eigenes Leben, wird angeregt sich andere Personen hineinzuversetzen und dadurch seinen verkrampften Blick zu lösen. Es wird Mut gemacht, sich den eigenen Ängsten zu stellen und sich selbst, seinen Körper, seine Krankheit anzunehmen und zu lieben.

Neben den psychologischen Übungen wie das freie Assoziieren, dem Zeitstrahl, dem Genogramm, dem Brief an sein früheres Selbst, dem Traumtagebuch, Freewriting werden auch klassische Methoden des kreativen Schreibens dargestellt: Mindmap, Elfchen, Cluster, Haiku, Akristochon, Anapher, Limerick, Mindmap, Schneball.

Die Aufgabenstellungen sind klar und direkt, sehr leicht verständlich und regen zum Schreiben an.

FAZIT

Keine leichte Lektüre, um nebenbei ein paar neue Schreibtechniken zu lernen. Aber ein sehr gutes Buch für alle, die in der therapeutischen Arbeit als Anleiter oder für sich selbst das Schreiben als zusätzlichen Weg neben Gespräch und Aktion anwenden wollen. Die Autoren verfügen über ein fundiertes Fachwissen, sodass der Leser neben den Übungen auch umfassende Hintergründe erhält. DIE HEILENDE KRAFT DES SCHREIBENS ist ein Basiswerk, das in keiner Sammlung entsprechender Fachbücher fehlen sollte.

SaschaSalamander 29.11.2011, 09.47 | (0/0) Kommentare | PL

Hunde der Welt

Da ich Hunde schon immer geliebt habe, konnte ich bei >BloggDeinBuch< nicht an dem Titel >HUNDE DER WELT< aus dem >Ulmer-Verlag< vorbeigehen. Schon das Cover machte mich neugierig auf den Inhalt. Ich zitiere ausnahmsweise den Klapptentext, da ich bei diesem Bildband keine klassische Inhaltsangabe machen kann wie bei einem Roman.

Seit Jahrtausenden lebt der Hund mit dem Menschen. Er folgte ihm in die entlegensten Winkel der Erde und eignete sich die unterschiedlichsten Fähigkeiten an. Dieser Bildband unternimmt einen Streifzug rund um die Welt und spürt dabei beeindruckende Hunderassen auf. Sloughis in Marokko zum Beispiel, edle Windhunde, die einst Beduinen auf der Falkenjagd begleiteten. Oder Hütehunde in Tibet, die seit je die Nomaden und ihre Herden beschützen.

Das Buch zeigt das Wesen der jeweiligen Rasse und ihre oft exotische Umgebung: die karge Landschaft der Lofoten, wo Lundehunde in den Klippen jagen genauso wie den Dschungel von Papua Neuguinea, wo Dingos um die Dörfer streunen. Nach der Lektüre dieser Reportagen weiß man, dass die enge Bindung zwischen Hund und Mensch ein weltweites Phänomen ist - auch wenn sie sich auf sehr verschiedene Weise äußert.


FOTOS

Das wichtigste bei einem Bildband sind natürlich die Bilder. Ich hatte offen gesagt mit weniger Text gerechnet, war aber umso erfreuter, als ich sah, dass sehr viele Informationen über die einzelnen Hunderassen zu finden sind. Dennoch stehen die Bilder für sich und benötigen im Grunde keiner Worte.

Als ich das Buch aufschlug, sah ich nicht nur Hunde, sondern eine Menge Landschaft, Mensch und Tier, was in mir das Fernweh weckte: ein Zelt in der Tundra Sibiriens, wo eine Mutter und ihr Sohn den Alltag verbringen. Ein prachtvoller Treppenaufgang zu einem Anwesen in Marokko. Eine DoppelseiteLandschaft mit Hütten, Flusslauf und viel Grün in Papua-Neuguinea. Eine Reiterin, welche mit ihrem Pferd über ein Hindernis springt. Ein vollgestopfter Lebensmittelladen in Vietnam. Portraits eines Einwohners des entsprechenden Landes. Spielende Kinder. Weite, Meer, Wüste, Nashörner, Pferde, Rentiere, Schafe. Mal mit, mal ohne Hund.

Den Großteil allerdings machen natürlich die Hunde aus, die entsprechenden Bilder ohne Hunde allerdings zeigen einen Ausschnitt des Alltagslebens und vermitteln einen sehr guten Eindruck davon, wo und wie die Tiere in dem entsprechenden Land leben, mit welchen natürlichen Gegebenheiten sie umgehen müssen, etwa auf einem Baumhaus in West-Papua oder auf den kargen Klippen auf den Lofoten.

Die Fotos sind wunderschön eingefangen, ich könnte mich in dem Buch verlieren, seit ich es habe, blättere ich täglich darin und freue mich an den hübschen Motiven. Die Bilder sind sehr emotional und dürften wohl das Herz eines jeden Hundefreundes höher schlagen lassen. Mal sieht man die Hunde bei der Arbeit in Aktion, mal in der Gruppe gemeinsam beim Tollen, ein andermal mit dem geliebten Menschen, oder auch einfach lässig zwischen einer Menschenansammlung ohne direkten Bezug. Aber, wie gesagt, sie wecken das Fernweh, man sollte gerade nicht zu wehmütig gelaunt sein, wenn man durch die Seiten blättert, sonst verstärkt es das nur (wie mir an diesem Tag leider geschehen, denn die Bilder gehen zumindest für mein Empfinden tatsächlich sehr nahe, sie drücken sehr viel aus und berühren auch ohne Worte).


BERICHTE

Die Berichte sind sehr interessant zu lesen. Ich empfinde HUNDE DER WELT allerdings nicht als "Buch", das ich "lese", sondern ich blättere eher darin. Und wenn mich aktuell ein Bild anspricht, dann lese ich den zugehörigen Text und freue mich über das, was ich neu erfahren habe. Ich genieße das Buch in kleinen Happen, immer wieder.

Ein einzelnes Kapitel ist ungefähr 10 Seiten lang, bestehend aus sehr vielen Bildern und rund dreiseitigen begleitenden Text. Hierin wird die Historie der Hunderassen beschrieben (welchen Zweck erfüllte er damals, welche Geschichten erzählt man sich über ihn) und anschließend die aktuelle Situation (welchen Stellenwert hat er für den Menschen, wie lebt er, welche Aufgaben erfüllt er).

Die Informationen sind sehr unterschiedlich und interessant. Es ist für mich sehr faszinierend, mal einen Blick über den westeuropäischen Tellerrand zu werfen, wo man Hunde als reine Haustiere hält, maximal als Arbeit bekannt für Schafherden, Drogensuche, Katastrophenschutz oder für die Jagd. So bewachen die Hunde in Middle Island zum Beispiel Kolonien von Pinguinen. Lundehunde auf den Lofoten machen Jagd auf Papageientaucher und sind dabei auf den Klippen so kletterfähig wie Gämsen, haben sogar sechs Zehen! In Neuguinea leben die Hunde ganz selbstverständlich zwischen den Menschen, haben jedoch keine Besitzer, sondern sie sind einfach Teil der Gesellschaft. In Marokko gelten Hunde als Unrein, doch eine Rasse, der Sloughi, gilt als edles Tier und genießt einen hohen Status in der Gesellschaft. Und so erfährt man viele kleine spannende Details teils über bekannte Rassen wie den Bernhardiner, Border Collies oder die Welsh Corgies, aber auch über eher bei uns unbekannte Rassen wie den Phu-Quoc-Hund, den Do Khyi, Koochis, Kangals oder andere.

Im Anschluss an die einzelnen Kapitel findet sich ein Anhang, wo die einzelnen Rassen auf fünf Seiten noch einmal knapp zusammengefasst werden.


FAZIT

Ein wunderschöner Bildband, der weniger als Fachbuch über einzelne Rassen gedacht ist sondern vielmehr ein Gefühl beim Leser wecken soll für das Miteinander von Mensch und Hund in anderen Ländern. Es hebt die besonderen Fähigkeiten einzelner Rassen hervor und vermittelt dadurch einen Eindruck von der Vielfalt des Hundes. Die Bilder fangen sehr lebendig den Charakter der einzelnen Tiere ein und berühren den Leser. Ein Buch, das neben einigen ähnlichen Bildbänden einen kleinen Ehrenplatz in meinem Regal bekommt, damit ich immer wieder darin blättern kann. Volle Punktzahl für ein wirklich gelungenes Werk :-)


SaschaSalamander 17.08.2011, 09.34 | (0/0) Kommentare | PL

Abgründe

wilfling_abgruende_1.jpgABGRÜNDE - WARUM MENSCHEN ZU MÖRDERN WERDEN. Wer könnte über dieses Thema besser schreiben als ein Mensch, der regelmässig mit Mördern zu tun hat? Jens Wilfling, Mordermittler in München, inzwischen pensioniert. Er hat den Sedlmayr- und den Moshammer- Fall aufgedeckt, er hat etwa 100 Fälle gelöst. Und nun schreibt er also über seine Erfahrungen.

Eine Inhaltsangabe im klassischen Sinne kann man hier nicht geben, es ist ja kein Roman. Aber eine Umschreibung ist möglich: er schreibt im Vorwort, wie die Sieben Todsünden der Bibel sehr mit den Mordmerkmalen (Heimtücke, Habgier, Wollust u.a.) der heutigen Gesetze ähneln. Er schreibt nun in verschiedenen Kapiteln über einzelne Mordmerkmale. Jedem Kapitel widmet er entweder einen Fall (wenn es um einen konkreten Mordfall geht) oder mehrere Beispiele (wenn er einzelne Aspekte darlegen möchte).

Er sagt schon zu Beginn, dass er die psychologische Seite weglassen will, er ist schließlich kein Psychologe. Über diese Seite der Hintergründe muss man also andere Bücher lesen, wenn einen das interessiert. Und auch die juristischen Aspekte klammert er aus. Hier und da schreibt er zwar seine Meinung (wenn er über einige Möglichkeiten und Grenzen der Gesetzgebung frustriert ist), aber auch dies ist nicht Teil des Buches.

Ihm geht es um den Fall an sich. Er schildert meist, wie ein Fall ablief. Dann wird erzählt, wie er zu den Ermittlungen hinzugezogen wurde und wie er schrittweise dem Täter näherkam. Mal ein akribisches Detektivspiel aus endlosen Zeugenbefragungen, mal war der Täter bekannt aber nicht geständig, mal Kommissar Zufall. Es ist spannend, auch aus dieser Sicht zu erfahren, wie ein solches Verbrechen behandelt wird und welche Maßnahmen erforderlich sind zur Verurteilung.

Dieses Buch hat seine Stärken und Schwächen. Eine Schwäche liegt darin, dass man klar merkt, dass er eben kein professioneller Autor ist. Manchmal hat er einen Schreibstil, der doch sehr umgangssprachlich ist. Aber es passt in diesem Fall, denn es ist ja ein Erfahrungsbericht. Würde er gestelzt schreiben oder sich verbiegen, wäre es nicht mehr sein Buch, wären es nicht mehr seine Erfahrungen. Eine weitere Schwäche finde ich die eher unklare Struktur. Die Kapitel sind klar überschrieben, dennoch gibt es auch hier eine Inkonsistenz, etwa "morden Frauen anders als Männer" ist zwar sehr interessant, aber eben kein Mordmerkmal. Ich hätte dann entweder allgemeine Überschriften genommen oder aber wäre klar in der Linie geblieben (der Lektor sah das anders, ist also nur meine persönliche Meinung). Und bei den Fällen hätte ich es schön gefunden, ebenfalls eine Art klare Linie zu haben. Aber mal schreibt er erst vom Fall, ein andermal erst von dem Täter, das nächste Mal gibt es gar keinen Fall. Macht das Buch abwechslungsreich, aber auch etwas unstet und chaotisch.

Was mir etwas aufstieß war das Kapitel über das Thema "Perversion". Das, was er schreibt, war wirklich sehr heftig, ohne Zweifel. Aber es ging nicht um Morde. Sondern zuerst beschrieb er nur einen Fall, wo man einen Verdacht auf Kannibalismus aus sexuellen Motiven hatte, der sich dann aber einfach nur als Kontaktanzeige herausstellte von zwei Leuten, die zwar sehr heftig aber dennoch konsensuell miteinander agieren, ohne dass es illegal wäre. Danach beschreibt er ein paar Perversionen und Unfälle. Aber eben keine Morde. Dieses Kapitel kommt mir eher vor, als hätte er sich Luft machen wollen, was für seiner Ansicht nach abartige Dinge er schon alles gesehen hat (ob nun nicht strafbare Sodomie oder heftigste Praktiken im SM-Bereich). Passt überhaupt nicht ins Buch, und er wird hier auch sehr unprofessionell. In den anderen Kapiteln schreibt er fachlich aus der Sicht des Ermittlers, hier schreibt er rein als Mensch, welchen Ekel und Abscheu er für dieses Tun empfindet (was er beim brutalen Mord teilweise nicht tat, sondern immer wieder seine Professionalität ins Licht rückte. Sind ungewöhnliche konsensuelle Praktiken abartiger als brutaler Mord?!?).

Ansonsten jedoch gefiel mir dieses Buch sehr, sehr gut. Grade, WEIL es sehr menschlich war in Bezug auf die Mordfälle. Ermittler sind Menschen, keine Maschinen, und sie machen Fehler (dazu steht er und schreibt einige Male auch, dass er hier hätte anders reagieren müssen oder dass er sich hatte überrumpeln lassen oder zu weit ging und fast ein Diszizplinarverfahren bekommen hätte). Sie haben Gefühle, wenn sie einem Mörder gegenüberstehen. Und der vermeintlich süße Triumph weicht dann am Ende einer bitteren Schwere. Auch, wenn er sieht, wie seine harte Arbeit an der Justiz abprallt, welche einen Gewalttäter laufen lassen muss, weil die Beweise fehlen. Oder wenn jemand entlassen werden muss (Sicherheitsverwahrung war bei Jugendlichen damals nicht möglich), von dem man ahnt, dass es zu früh ist, und der kurz darauf tatsächlich erneut eine Straftat begeht.

Dieses Buch liest sich sehr flüssig, die Fälle machen betroffen. Ein wenig Sensationsgier mag bei manchem Leser mitschwingen, aber ganz klar ist dies nicht das Ziel des Buches. Sondern es zeigt dem Leser, welche Gründe einen Menschen zu Mördern machen können, welche verschiedenen Arten von Tätern es gibt und wie ein Ermittler dann mit diesen Erfahrungen bei seiner Arbeit umgeht. Sehr zu empfehlen für alle, die sich gerne mit diesen Themen befassen :-)

SaschaSalamander 18.04.2011, 09.26 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Schwarz auf Weiß

lenssi_blackwhite_1.jpgSCHWARZ AUF WEIß - SEXTIPPS EINES AFRIKANERS. Mal ein anderes Buch aus dem Marterpfahl-Verlag, von dem ich sonst fast nur deftige Romane und Kurzgschichten lese. Ein Ratgeber, da war ich mal sehr gespannt!

In diesem Buch schreibt der Autor K T N Len´ssi aus seiner Sicht als Afrikaner, der in Europa lebt, von den Problemen, die wir Weißen mit der Sexualität haben. Er nennt zwölf Dinge, die in Afrika anders laufen und hier zu Frust statt Lust führen. Danach bietet er entsprechend zwölf Lösungsvorschläge. Grob zusammengefasst kann man sagen, dass er das Konzept der traditionellen Monogamie ablehnt, mangelnden Selbstwert als sehr stark hemmend erlebt, die Geschlechterrollen hier aufweichen sieht und fehlende Offenheit bemängelt. Auch ein paar andere Dinge werden genannt, etwa ungesunde Ernährung, Selbsttäuschung, Stress und andere.

Was mir gefällt ist seine offene, direkte Art. Er sagt es klar heraus, ohne dabei aggressiv zu sein oder anzuprangern. Der sympathische Schreibstil eines Menschen, den ich gerne mal persönlich kennenlernen würde und der durch seine aufgeschlossene Art zu überzeugen weiß. Er schildert klar seine Sicht der Dinge und was er dagegen tun würde. Gewürzt mit passenden Fallbeispielen aus seiner Arbeitspraxis als Berater wie auch aus dem Privatleben. Ich habe sehr oft anerkennend genickt und mir gedacht, wie recht er doch hat. Ja, so manches läuft wirklich schief in unserer Gesellschaft. In manchen Dingen habe ich mich ertappt gefühlt, bei anderen Momenten musste ich lächeln, weil ich dies für mich inzwischen auch erkannt habe aber nicht so offen wie er darüber reden könnte (einfach, weil es eben ein sehr intimes Thema ist, das man nicht einfach mal mit Freunden am Stammtisch bequatscht oder seiner Oma am Telefon erzählt).

Er bringt es klar auf den Punkt: habt Selbstvertrauen, seid kreativ, überdenkt mal die Gründe für Eure Eifersucht, und habt endlich wieder Spaß! Es ist kein Leistungssport, es ist kein Wettbewerb, es geht nicht um Körbchengröße oder Penislänge, liebt Euch selbst und lasst die dummen Ausreden, fangt endlich an! Es klingt so einfach, und doch ist es so schwer.

Das ist auch ein Kritikpunkt an diesem Buch: er scheint es sich in manchen Dingen sehr einfach zu machen. Er kritisiert zwar an den richtigen Stellen, die Lösungen aber sind mir etwas zu simpel. Allein aus dem ersten Kapitel, das er in wenigen Seiten behandelt, könnte man ein komplettes Buch machen. Wenn es so einfach wäre, wenn man nur mal kurz mit dem Partner redet, und schwupps ist alles gelöst. Er hat klare Ansichten, das heiße ich gut. Aber er scheint zu denken, dass man sein Lebensmodell auf viele Menschen überstülpen kann. Es ist einfach nicht möglich, mit einem Fingerschnipp Jahrzehnte an Erfahrungen, Werten und Normen einfach zu ändern. Afrika ist eben doch eine ander Kultur, und wenn dort nacheinander Mutter, Schwiegermutter, Schwestern etc den Haushalt nach der Niederkunft übernehmen, ist sowas hier einfach nicht so leicht möglich. Wenn dort Polygamie erlaubt und anerkannt ist, kann man es hier trotzdem nicht so leicht umsetzen und darf, falls man es lebt, auch nicht unbedingt jedem auf die Nase binden, wenn man sein Ansehen in der Gesellschaft wahren will.

Anfangs musste ich oft zustimmen, doch je weiter das Buch vorangeht, desto mehr habe ich das Gefühl, dass er ein wenig abhebt. Ich musste ziemlich oft schmunzeln. Klar, er hat in vielen Dingen recht, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Und was ich sehr amüsant fand, waren die vielen Anmerkungen des Verlegers. Gerade, wenn der Autor immer wieder die Vorzüge der Polygamie preist, ist ein Verweis auf Verhütung (ob nun mit Kondom oder gar der vom Autor aufgrund der lusthemmenden Chemie verteufelten Pille) einfach notwendig. Ebenso manche recht drastische Pauschalisierung wird dann mit einem kleinen Scherz vom Verleger "entschärft".

Trotzdem, auch wenn er ein wenig übereifrig ist. Und auch, wenn sein Lebensstil und seine Lebenseinstellung sich nicht auf jeden anwenden lässt - es steht verdammt viel Wahrheit in diesem Buch, und es liest sich sehr locker und angenehm. Verglichen mit anderen Sexratgebern, die ich bisher gelesen und wieder genervt in die Ecke gelegt habe ist dies das erste Buch, in dem ich für mich wirklich hilfreiche und passende Tipps finden konnte. Auch, wenn manches nicht so direkt umsetzbar ist, ist es eine sehr gute Anregung, mal das eigene Verhalten zu überdenken und endlich zu handeln statt zu diskutieren.

Wer dieses Buch liest, sollte auf jeden Fall aufgeschlossen sein. "Klassische"Sextipps wie bei Lou Paget gibt es nicht, die Art und Weise des Sex lässt der Autor dem Leser frei (wobei ich schmunzeln muss: trotz seiner Offenheit ist er schon sehr am traditionellen männlichen und weiblichen Rollenbild orientiert). Was er beschreibt ist vielmehr die gesunde Lebenseinstellung, welche zu einer aktiven, lustvollen Körperbetontheit führt. Ihm geht es darum, die Lust zu wecken und zu zeigen, wie man Lustkiller erkennt und ihnen entgegentritt. Und das ist ihm definitiv gelungen.

Jeden seiner Tipps wird man wohl nicht befolgen (können/wollen). Aber ist ja auch keine 1:1 Anleitung, sondern ein Handbuch mit Anregungen. Sex-Ratgeber lese ich wie Kochbücher: ich habe noch nicht ein einziges Gericht nach Rezept gekocht! Dafür aber habe ich mich inspirieren lassen, mir Appettit geholt und mir die Rezepte nach Gusto ein wenig variiert. Und wer diese Art offenen Ratgeber sucht, der wird hier auf jeden Fall fündig. Es gibt Hinweise auf weitere Titel des Autors, und die werde ich mir bestimmt holen, denn ich bin schon gespannt, was er noch aus seinem Schatzkästchen mit uns teilen wird.

SaschaSalamander 13.04.2011, 16.34 | (0/0) Kommentare | PL

Die verblödete Republik

wieczorek_republik_150_1.jpgIch nehme derzeit "die verblödete Republik" zu mir. Das Buch entspricht in etwa dem, was ich erwartet hatte, von daher bin ich wenig enttäuscht. Aber ich weiß nicht so wirklich, was ich davon halten soll.

Der Autor prangert an, wie das Volk von "denen" verblödet wird, er kritisiert dies und jenes, aber meist sehr polemisch auf einem Niveau, welches er anderen Medien gleichermaßen vorwirft. Kleine Bröckchen, aufgepeppt mit ein paar wichtig klingenden Fachwörtern, nicht gerade allzu seriöse Quellen. Dinge, die jemand auf dem Stammtisch von sich gibt, wenn er über "die da oben" wettert.

Schuld sind meist die Neoliberalen, aber auch "gewisse Kreise" oder "die da oben" oder "die Mächtigen", meist irgendwelche verschwommenen Gruppen. Manchmal nennt er auch Namen. Allerdings, wer Talkmoderatoren im Privatfernsehen oder irgendwelche unbekannten aber scheinbar ach so wichtigen Professoren, Fachleute und Wissenschaftler für vertrauenswürdige Quellen hält, der liest dieses Buch vermutlich sowieso nicht und guckt weiterhin in die Röhre und lässt sich von Bild, Bams und Glotze in seiner Meinung leiten.

Von daher frage ich mich, welche Zielgruppe der Autor ansprechen will? Die einen, die er meint, lesen ihn sowieso nicht. Und die, die ihn lesen, erhoffen sich etwas qualifiziertere Aussagen, erwarten Fakten und Infos. Die allerdings nicht wirklich auftauchen. Hier und da ein paar interessante Details, die mir neu waren (zumal ich zugeben muss, politisch sowieso nicht gerade sooo bewandert zu sein. Auch ich gehöre zu den "Verblödeten", weil ich die Namen, die er so lässig in den Raum wirft, teilweise noch nie gehört habe. Weil ich nämlich nicht täglich ein Wirtschaftsmagazin lese und nicht jeden Politiker perfekt der Partei zuordnen kann), auf die ich aber nicht viel gebe. Denn auch der Autor betreibt Meinungsmache auf unterstem Niveau und lässt sich somit hervorragend in die Liste der Verblödung einreihen.

Es ist witzig zu lesen / hören, manchmal nicke ich anerkennend mit dem Kopf, und ich unterhalte mich wirklich sehr gut. Aber das tue ich auch, wenn ich mit meinen Freundinnen beim Kaffee über den neuesten Staatsstreich diskutiere. Schade, denn erwartet hatte ich anhand des Titels und des Covers nichts anderes. Aber gehofft hatte ich dann trotzdem, dass ich vielleicht positiv überrascht würde, wenn das Buch schon so erfolgreich ist (vermutlich fiel ich der Masse und somit der Verblödung anheim. Nicht alles, was Bestseller ist, muss gut sein *g*).  Und so kann ich das Buch als nette Lektüre zwischendurch empfehlen, aber keinesfalls als Werk zur politischen Weiterbildung.

SaschaSalamander 18.03.2010, 15.08 | (0/0) Kommentare | PL

Unten Rum

haarmann_untenrum_150.jpg"Ein Aufklärungsbuch von Frauen für Frauen". Braucht es nicht, denn die Frau von heute ist stark, selbstbewusst, emanzipiert. Sie ist gesellschaftlich angesehen, sie ist sexuell aufgeschlossen und weiß was sie will. Ein Aufklärungsbuch ist da doch völlig fehl am Platz!

Sollte man meinen. Aber dass dem nicht so ist, zeigt Claudia Haarmann mit ihrem Buch "Unten rum - die Scham ist nicht vorbei". Es beginnt bereits damit, dass es doch kaum einen Begriff für das weibliche Geschlechtsteil gibt. Das eine klingt zu fachlich, unerotisch. Das nächste kennt man aus amerikanischen Filmen voller Flüche und unanständiger Szenen. Aber gibt es eines, welches die Schönheit und die Weiblichkeit der Frau unterstreicht? Eines, welches man im Gespräch ganz normal aussprechen kann ohne rot zu werden? Oder, kann man überhaupt über "das da unten" reden, ohne dabei rot zu werden? Oder ist es tabu? Weiß eine Frau, wie sie "dort" aussieht, hat sich schon einmal im Spiegel betrachtet? Und falls ja - kennt sie es nur vom Waschen, Rasieren und Tamponwechseln, oder wirklich als erogene Zone, als weibliches Zentrum? Kennt ihre lustvollsten und empfindlichsten Stellen, weiß, wie sie am zärtlichsten erregt werden kann, was ihr beim Sex gefällt? Und wenn sie es weiß - getraut sie sich auch, dies dem Mann zu sagen?

Das Fernsehen lebt es vor: Mann und Frau haben Sex, und beide kommen gleichzeitig. Die Frau kommt natürlich alleine durch seine Penetration auch ohne weiteres Zutun ihrerseits. Sie braucht dafür nicht besonders lange, und sie sieht wunderschön aus, während sie stöhnt und das volle Haar zurückwirft.

Und dann ist da die Realität. Die Frau, die vielleicht nur durch eine ganz bestimmte Technik Lust empfinden kann. Die Frau, die mindestens eine dreiviertel Stunde oder länger braucht. Die Frau, für die Sex einfach nur bedeutet, "ihn ranzulassen", die selbst aber nichts dabei empfindet. Und weil der Mann ja alles tut, was der Mann eben so tut, um eine Frau zu befriedigen, muss es also an ihr liegen wenn sie keinen Spaß dabei hat. Sie schämt sich, sie fühlt sich schlecht. Wie kann sie ihm sagen, dass sie es gerne anders hätte, wenn er sich doch solche Mühe gibt? Also spielt sie es ihm vor. Und der Kreislauf ist geschlossen, denn im Grunde ist es heute kaum anders als damals, zu Großmutters Zeiten und davor ...

Dieses Buch bietet keine Anleitungen, keine Bilder. Es befasst sich weder mit dem G-Punkt noch anderen anatomischen Besonderheiten. Es sagt nicht, was falsch oder richtig ist, es bietet keine Spielpläne und Beschreibungen, wie man beim Sex vorgehen sollte und was eine Frau erregt. Sondern es zeigt in kurzen Texten und einzelnen Interviews, wie Frauen ihre Sexualität empfinden, wie sie ihre Einstellung ändern könnten, was sie bedauern, was sie erfreut. Denn es gibt kein falsch oder richtig. Jede Frau ist anders. Und dies will Claudia Haarmann ihren Lesern vermitteln.

Die Autorin zeigt, wie unterschiedlich Sexualität erlebt werden kann und wie verschieden Frauen ihre Lust empfinden. Sie möchte helfen, das weibliche Geschlecht nicht mehr als Mittel zum Zweck zu betrachten, sondern sich bewusst damit auseinanderzusetzen und auf diese Weise zu einem neuen Selbstbewusstsein als Frau zu gelangen.

Ob und wiesehr sich jede Leserin darin wiederfindet, möchte ich dahinstellen. Natürlich würde ich niemandem hier sagen "lies das, ich bin sicher, Du brauchst das", wie könnte ich mir das anmaßen. Aber ich bin mir dennoch sicher, dass so ziemlich jede Frau unzählige Aha-Erlebnisse haben wird, wenn sie sich einmal damit befasst. "Unten rum" ist kein Buch, mit dem man besseren Sex hat oder wodurch man neue grandiose Techniken lernt. Aber es ist ein Buch, welches Weiblichkeit, Sexualität und das individuelle Frausein hinterfragt. Und als solches möchte ich es allen Leserinnen (und auch aufgschlossenen Lesern) ans Herz legen: als Denkanstoß ...

SaschaSalamander 03.06.2009, 09.57 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Da unten

Ein weiteres Buch, das ich aktuell lese: "Unten rum" von Claudia Haarmann. Ein "Aufklärungsbuch von Frauen für Frauen". Man sollte meinen, dass es solch ein Buch heutzutage nicht mehr braucht, aber beim Lesen habe ich sehr viele Aha-Erlebnisse, und ich muss traurig feststellen, dass sich zu damals gar nicht so viel geändert hat ... damals, als Großmutter noch ans Vaterland dachte und es geschehen ließ ... mal sehen, ob ich Zeit und Lust für eine Rezension haben, aber ich werde mich bemühen. Denn dieses Buch möchte ich vielen Frauen wirklich ans Herz legen ...

ich lese es derzeit in kleinen Dosen. In der U-Bahn mit neugierigen Blicken auf Cover oder Inhalt möchte ich es nicht lesen, und schnell mal zwischendurch zu Hause ist es ebenfalls ungeeignet. Also lese ich in Ruhe abends vor dem Schlafengehen ein paar Zeilen. Es ist absolut simpel zu lesen, aber der Inhalt dagegen braucht, bis er sich setzt ... auf positive Weise ...

SaschaSalamander 20.05.2009, 10.27 | (0/0) Kommentare | PL

Die Spuren der Täter - Mordsache Z

ibendorf_taeter_150_1.jpgDa ich mich derzeit mit Büchern über Kriminalität nur so eindecke, fiel mein Blick im Regal auch auf den Autor Klaus Ibendorf und seine beiden Bücher "Die Spuren der Täter" sowie den Folgeband "Mordsache Z".

Ibendorf ist ein Gutachter, der von verschiedenen Auftraggebern (Richter, Anwälte, Versicherungen, Polizei, Betroffene etc) angewiesen wird, einem Vorfall auf den Grund zu gehen. Autounfälle, Brände, ein gesunkenes Schiff, Mord, mögliche Anschläge und vieles mehr gilt es für ihn zu ermitteln. Er arbeitet mit einem regelrechten Chemielabor, unzähligen Formeln, einem Rasterelektronenmikroskop und ähnlich komplizierten Hilfsmitteln. Er betreibt moderne Detektivarbeit, wie man sie kaum in einem Krimi findet, weil sie für eine leichte Unterhaltung wohl zu anspruchsvoll da technisch detailliert wäre.

Es ist überaus faszinierend, wie Ibendorf seine Fälle schildert. Er beschreibt, wie er an den Fall kam, was diesen Fall für ihn auszeichnete. Das Buch ist keine trockene Recherche an Fakten, wie es für ihn wohl meist der Fall war, sondern gespickt mit kleinen Anekdoten, etwas Frust um die Bürokratie um ihn herum, er erzählt von Kontroversen mit anderen Gutachtern im gleichen Fall und anderen Dingen, die ihm so im Alltag unterkommen.

Ich finde die beiden Bücher hochspannend zu lesen. Das ist Krimi mal anders. Hier kommt es nicht auf das Glück der Ermittler an, die durch einen Zufall plötzlich einen Geistesblitz haben und dann den Täter überführen, sondern hier wird akribisch geforscht, recherchiert und an originalgetreuen Schausplätzen nachgestellt. Mal arbeitet er mit Knetmasse und zieht einen Draht darüber (wegen gleichartiger Morphologie, was immer das heißen mag), mal stellt er hochkomplizierte Rechnungen an, mal ist es der klare logische Menschenverstand, welcher ihm weiterhilft. Er überführt Autoschieber und Mörder, entlarvt vermeintliche Anschläge als kleine Unreinheiten beim Einbau einer Glasscheibe und ähnlich spannende Dinge mehr.

Wirklich absolut mitreißend, ich habe beide Bücher in kürzester Zeit verschlungen. Nichts ist so unglaublich wie die Realität, und kein Krimi ist so verrückt und genial wie das Leben. Trotzdem haben beide Bücher leider ein kleines Manko, bzw eine kleine Schwäche: es ist extrem technisch. Ich kenne ja genügend Leute, denen vor lauter Zahlen, Formeln und komplizierter Berechnungen, warum die Sollbruchstelle nun hier oder dort und warum jene mikroskopisch kleine Veränderung am Metallteil der unumstößliche Beweis dafür ist, dass die Kraft nicht mit dieser Stärke aus dieser Richtung, sondern aus jener Stärke mit anderer Richtung und ach oh weh, wie soll ein Normalsterblicher das verstehen, der nix von Feinmechanik, Chemie, Physik und Zahlen kapiert? *ächz*

Kleines Beispiel gefällig?
"Bei der Röntgenanalyse fand ich heraus, dass die Zink-Legierung auch rund 6,5 Prozent Aluminium enthielt, was die Schmelztemperatur des Fußes auf etwa 385 Grad senkte. Der Fuß war aus dekorativen Gründen zunächst mit einer galvanisch erzeugten Kupferschicht überzogen worden, darüber gab es eine Nickel- und abschließend eine hauchdünne Chromschicht. Kupfer schmilzt bei 1.083 Grad Celsius, Nickel bei 1.453 und Chrom bei 1.857. Keine der drei Schichten war beim Brand geschmolzen". Er nennt in verschiedenen Fällen Begriffe wie Radialriss, Relativbewegung (Scheuermerkmal), Luftfeder, Blattfeder, Reaktionsprodukte und ähnliches. Und selbst, wenn er nicht fachlich spricht, sondern von den Geschehnissen rund um den Fall spricht, kommt es vor, dass sogar ich, die ich mich für recht belesen halte, zwischendurch zum Fachlexikon greife, um ein Fremdwort nachzuschlagen, was mir im Alltag nur noch äußerst selten passiert!

Doch, absolut faszinierend. Wer sich für Hintergründe interessiert und wissen möchte, was hinter den Kulissen geschieht, der ist hier absolut richtig. Ein wirklich besonderer Leckerbissen, ich habe die Bücher verschlungen, sie gefielen mir besser als jeder Krimi. Allerdings habe ich die für mich komplizierten Passagen übersprungen, und das werden wohl auch andere Leser tun. Trotzdem, das tut der Spannung keinen Abbruch, und wer etwas davon versteht, wird es wohl NOCH spannender finden als wir "Normalen" ;-)

SaschaSalamander 04.08.2008, 10.07 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Gehaltlos aber spaßig zu lesen

Nein, eine Rezension werde ich über "das Lehrerhasserbuch" nicht schreiben. Das ist es mir wirklich nicht wert. Aber einige Anmerkungen kann ich mir doch nicht verkneifen. Ich finde das Buch sehr interessant zu lesen. Vor allem, weil es mir Spaß macht, einzelne Argumente zu zerpflücken, zu widerlegen und vor allem ihre Rhetorik (so man sie so nennen mag, aber dafür halte ich sie für zu wenig subtil und geschliffen) auseinanderzunehmen.

Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass sie immer wieder Dinge bekrittelt, die eigentlich dem System "Schule" zuzuschreiben sind. Lehrer sind lediglich ausführende Organe. Und viele Lehrer finden das, was sie tun müssen, auch nicht in Ordnung (Rechtschreibung nicht bis zur dritten Klasse ankritteln, Bewertungen statt Noten, Lehrplan, etc). Aber man hat keine Wahl, wenn man den Job behalten will. Und ich bin sicher, auch Frau Unverzagt aka Kühn würde entsprechend reagieren an Stelle der Lehrer. Dass sie dennoch die Lehrer beschimpft, anstatt das System als solches zu hinterfragen, finde ich extrem kurzsichtig. Sündenbock. Intellektuelle erwachsene Menschen sollten über so etwas profanes wie einen "Sündenbock" erhaben und fähig zur tatsächlichen Diskussion sein ...

Sie betont häufig das "heute". Um wohl auch darauf hinzuweisen, dass es damals nicht so war. Wenn man sie den heutigen Schulalltag beschreiben hört, könnte man meinen, damals sei es anders gewesen. Damals hätten die Schüler Lust am Lernen, Freude an der Schule, Respekt vor dem Lehrer usw gehabt. Wenn sie dies tatsächlich glaubt, dann empfehle ich ihr die Schriften der alten Römer, welche über die damaligen Jugendlichen und deren Sittenverfall klagen. Auch damals kämpfte bereits die Front Lehrer - Schüler gegeneinander ... und damals wie heute haben einige vieles gelernt und andere sogut wie nichts ...

Ich habe einige Male Eindruck, dass sie die schulischen Probleme alleine den Lehrern zuschieben möchte. Sie beschreibt zwar immer wieder, was sie alles für ihre Kinder tut (was eigentlich Job der Lehrerin wäre), betont aber immer wieder, wieviel Arbeit die Eltern auf die Lehrer abwälzen. Sie scheint meiner Ansicht nach zu den Eltern zu gehören, welche die pädagogische Verantwortung komplett in die Hände der Lehrer legen. So beschreibt sie, dass die Lehrerin ihrer Tochter einen Brief nach Hause schrieb, in welchen Bereichen der engl. Sprache die Kleine ihre Probleme hätte und was verstärkt gelernt werden sollte. Zudem der Vermerk, evtl Nachhilfe in Angriff zu nehmen oder einige von ihr empfohlenen Bücher zu kaufen. Daraufhin antwortete sie mit einem Schreiben an die Lehrerin, welche Schwierigkeiten die Tochter zu Hause habe, und dass die Lehrerin mit ihr in der Schule bitte den Müll hinuntertragen, einen gepflegten Umgangston erlernen, etc solle. Mit anderen Worten: "Mischen sie sich nicht in meine Angelegenheiten, ich mische mich auch nicht in ihre, tun sie mal schön, wofür sie bezahlt werden". Für sie scheint Schule zu bedeuteten, dass die Kinder von 8 bis 13 Uhr lernen, und außer Hausaufgaben hat sich die Sache damit erledigt ... wofür werden die Lehrer sonst so übermäßig bezahlt ... dass eine Lehrerin leider keine 30 Mal Einzelunterricht für jeden Einzelnen machen kann, übersieht sie dabei ...

Sie neigt auch dazu, sich einige Dinge zu drehen, wie es ihr gefällt. "Wer kein Haar in der Suppe findet, der schüttelt so lange mit dem Kopf, bis eines hineinfällt". Obiges Beispiel etwa. Hätte die Lehrerin keinen Brief geschrieben, so hätte sie bestimmt gewettert, dass sich die Lehrer nicht individuell um die Kinder kümmern, sondern alle in einen Topf werfen. Auch die Geschichte vom Regenbogenfisch, die sich sehr schön interpretieren lässt, deutet sie negativ als Gleichmachung aller, niemand darf sich hervortun, wer "besser" ist wird niedergedrückt und so grau werden wie alle anderen. Solche Argumente bringt sie oft an. Natürlich ist es immer eine Sache der Interpretation, aber sie neigt extrem häufig (sozusagen immer) dazu, alles ins Schlechte zu ziehen ..

Sie stellt Kinder als lernwillige, liebe Engelchen dar, die jederzeit lernen würden, wenn sie nur die Chance hätten. Kinder sind neugierig und aufnahmebereit, Lehrer verderben all dies. Dass es zwischen all diesen liebenswerten Engelchen auch Rotzgören gibt, die vor nichts und niemandem Respekt haben, keine Erziehung genossen haben und selbst den härtesten Pädagogen an den Rand des Nervenzusammenbruches führen können, und wie schwer es ist, einem nicht-deutsch-sprechenden Kind etwas zu vermitteln, und wiesehr Gruppendynamik gerade in großen Klassen wirkt, davon wird kein Wort erwähnt. Schließlich sind Kinder von Natur aus brave Engel ...

Sie spricht stellenweise tatsächlich wichtige Dinge an, die der Verbesserung bedürfen. Mit ihrem Umgangston leider verbaut sie es sich und findet vermutlich nur Gefallen bei denen, welche Stammtischdiskussionen bevorzugen. Denn trotz all ihrer Fremdwörter und intelligenten Zitate diverser Philosophen und Gelehrten ist der Text leider nicht haltbar oder gar verwertbar. All diese Lehrer, die sie beschreibt - ich habe noch keinen einzigen solchen erlebt. Mag sein, dass es vereinzelt solche traurigen Exemplare gibt, aber Ausnahmen gibt es überall ... ebensowenig, wie sie wünscht, dass ihre Kinder gleichgemacht und über einen Kamm geschoren werden, sollte sie dies auch den Lehrern gegenüber tun. Aber innere Widersprüche in Handeln und Tun habe ich in diesem Buch leider schon einige entdecken können ...

Ich würde gerne einmal direkt und privat mit dieser Frau reden, wäre bestimmt interessant, ...

SaschaSalamander 06.06.2006, 14.04 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Unvoreingenommenheit ist nicht immer leicht

Als nächtes nehme ich mir das "Lehrerhasserbuch" vor. Eines gefällt mir gar nicht: ich habe meine Meinung bereits, bevor ich das Buch gelesen habe, denn allein Titel, Aufmachung, Klappentext und erste Blicke auf einzelne Absätze wirken mir sehr ... nun ja, ich kann das Buch bisher nicht wirklich ernstnehmen. Allein der Untertitel "eine Mutter rechnet ab" lässt mich an "Stop! Oder meine Mami schießt!" denken. Deswegen verstehe ich auch nicht, weshalb viele sich so über dieses Buch ärgern. Es müssen wohl wirklich schlimme Anschuldigungen sein, die sie da hervorbringt, und vielleicht trifft sie sogar ab und an ins Schwarze, denn warum sonst sollten sich so viele über ihre Behauptungen ärgern?

Ist dieses Buch reine Provokation in dem Bestreben, ein paar Menschen aufzurütteln und dadurch vielleicht sogar tatsächlich etwas zu bewirken? Will sich die Autorin einfach nur einmal Dampf machen und in einem Rundumschlag für ihre Katharsis sorgen? Hat sich das Berufsbild des Lehrers seit meiner Schulzeit vor etwa 10 bis 20 Jahren sosehr geändert, dass ein solches Buch notwendig geworden ist, um auch den Letzten wachzurütteln? Oder ist dieses Buch einfach nur der Versuch, mittels Presserummel eine Menge Geld zu machen?

Na, ich werde sehen. Und ich werde mir große Mühe geben, unvoreingenommen an dieses Buch heranzugehen ...

SaschaSalamander 01.06.2006, 19.04 | (4/3) Kommentare (RSS) | PL



 






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