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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Fantasy

Wie man die Welt rettet

johnson_weltretten_1.jpgWIE MAN DIE WELT RETTET (OBWOHL MAN HAUSARREST HAT) von >Pete Johnson< ist die Fortsetzung von >WIE MAN DIE RATSCHLÄGE SEINER ELTERN IGNORIERT<. Trotzdem kann das Buch sehr gut gelesen werden ohne Vorkenntnis des vorherigen Bandes. So liebe ich Fortsetzungen :-)

Markus ist also ein Halbvampir, und er hat seinen Eltern versprochen, nicht mehr zusammen mit Tallulah auf Vampirjagd zu gehen. Leicht gesagt, wenn plötzlich unglaublich tödliche Vampire in der Stadt auftauchen und nur diese beiden sie stoppen können! Außerdem hat Markus ja eine besondere Fähigkeit, die eigentlich schon längst entwickelt sein müsste, die aber noch immer auf sich warten lässt. Während der Junge also versucht, es allen gleichzeitig recht zu machen und ein braver Sohn, guter Schüler, heimlicher Vampirjäger und zuverlässiger Freund zu sein, läuft natürlich wieder alles aus dem Ruder, ... aber er wäre nicht "einer von tausend", wenn er solche Kleinigkeiten wie tödliche Vampirangriffe, die Begegnung mit einem Geist oder gar Hausarrest geschickt meistert ;-)

Und wieder hat mir dieses Hörbuch gefallen, Pete Johnson hat einfach eine unglaublich angenehme Art zu schreiben. Sein Stil ist einfach gehalten, sodass man ihn ohne Anstrengung aufnimmt und sich dabei sehr gut unterhält. Erzählt ist aus Sicht von Markus, der in seinem Blog als Ich-Erzähler Beiträge schreibt.

Markus als Erzähler ist somit natürlich die Person, in die man sich am besten hineinversetzen kann und die am deutlichsten charakterisiert ist. Trotzdem finden auch Mädchen sich sehr gut in die Geschichte ein. Tallulah, seine menschliche Freundin, und Gracie, das Halbvampirmädchen, werden anschaulich geschildert. Seine Gedanken über das Verhalten der beiden sowie deren Auftreten ihm gegenüber schaffen für die Leser ein klares Bild. Ich kann mir vorstellen, wie einige junge Leser sich wünschen, er möge sich doch für die eine bzw andere entscheiden. Was mich betrifft - doch, ich verstehe seine Zwickmühle, beide Mädchen sind toll, und sie sind so verschieden, keine von beiden ist besser oder schlechter, und er hat es wirklich nicht leicht, sich zu entscheiden.

Wie schon im anderen Band gefällt es mir, dass nicht von Beginn an klar wird, wer Freund oder Feind ist. Dadurch, dass man Cyrill, den "Schneemann", den Bauchredner und andere nur aus Sicht Markus´ kennenlernt, bleiben sie wunderbar undurchsichtig. Denn die Gründe für ihr Verhalten sind unklar, sodass manch einer sich ohne böse Absicht verdächtig macht oder sich durch intrigante Spiele als unschuldig darstellt. Ganz toll, denn dadurch wird man nicht nur als Jugendlicher, sondern auch als Erwachsener ganz schön an der Nase herumgeführt, und die Spannung über die wahren Hintergründe hält sich bis zum letzten Moment.

Es werden mehrere Handlungsfäden erzählt, die teilweise ineinander übergehen und manchmal auch gleichzeitig aufgegriffen werden. Dabei bleibt der Autor aber immer geradlinig ohne große Sprünge, sodass auch jüngere Leser der Handlung problemlos folgen können. Da ist einmal die besondere Fähigkeit, die seine Eltern fördern wollen und für die er beständig üben muss. Dann natürlich das Thema Mädchen, Gracie oder Tallulah. Außerdem macht er Jagd auf die tödlichen Vampire. Dazu kommt, dass er selbst einem Geist begegnet und ohne Hilfe herausfinden muss, was es damit auf sich hat (denn Tallulah darf ja nicht wissen, dass er ein Halbvampir ist, und die Eltern dürfen nicht wissen, dass er sich auf Vampirjagd macht statt sich um seine Fähigkeit zu kümmern). Trotzdem verliert man niemals den Überblick und findet sich immer bestens im Buch zurecht.

Durch die geschickte Erzählweise gelingt es Pete Johnson, immer wieder kleine Höhepunkte einzubauen, sodass es niemals langwilig wird und die Handlung stetig vorantreibt bis hin zum großen Finale, bei dem alles zusammenkommt. Das Besondere dabei finde ich: Johnson ist einer der Autoren, die das Schreiben von Büchern aussehen lassen, als wäre es völlig simpel: ein paar tolle Ideen, eine geradlinige Handlung, die typischen Charaktere für die Zielgruppe und ein oder zwei Konflikte, die es zu klären gibt. Erst, wenn man genau hinsieht, erkennt man, was eben den Hobby-Autor "ich hab da mal was geschrieben" vom Profi unterscheidet: eine komplexe Geschichte so wirken zu lassen, als sei sie völlig simpel und als könne jeder es schreiben, das ist wirklich eine Kunst für sich!

Anton Sprick macht seine Sache wieder hervorragend. Obwohl er Jahrgang 1994 ist, klingt er bereits wie einer von den Profis. Angenehme Stimme, er weiß sie je nach Situation zurückzunehmen oder zu variieren, verleiht den Charakteren eigene Persönlichkeit und kann gut die Eigenheiten von Mädchen, Jungen, alten oder jungen Menschen herauspicken und darstellen. Sein Tempo ist ideal, und er passt auch sonst sehr gut zur Figur des Markus.


FAZIT

Pete Johnson hat es einfach drauf. Er weiß, wie man Jugendliche begeistert und zum Lesen bewegt. Mit Witz und Spannung erzählt er von allem, was die Teens bewegt und im Alltag umtreibt. "Pädagogisch wertvoll" kann auch Spaß machen ;-)

Wertung: 9,8 von 10 Gespräche mit der eigenen Hand

SaschaSalamander 08.04.2013, 08.47 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Der letzte Engel

Zoran Drvenkar lese ich sehr gerne. Alles, was ich bisher von ihm gelesen habe, begeisterte mich. Mir gefällt, dass kein Buch dem anderen gleicht und er das Talent hat, immer wieder etwas Neues zu erschaffen. DER LETZTE ENGEL reizte mich inhaltlich sehr. Gelesen, Notizen gemacht, keine Zeit gefunden zum Rezensieren. Weil der Autor es nicht verdient hat, dass ich sein neuestes Werk einfach übergehe, hier also wenigstens meine Notizen:

Beschreibung:
Motte ist sechzehn Jahre alt, als eine anonyme E-Mail seinen Tod ankündigt: Mieser Scherz, denkt er. Doch am nächsten Morgen bemerkt Motte, dass sein Herz nicht mehr pocht und der Spiegel nicht mehr durch seinen Atem beschlägt. Dunkle Jäger und geisterhafte Mädchen folgen ihm und behaupten, dass in Motte etwas Uraltes zu einem Ende kommt. Denn er ist der letzte Engel auf Erden.

- Autor kann nichts dafür, aber Pfui an den Verlag: ich kann es nicht leiden, wenn ich Bücher lese und vorab keinen Hinweis finde, dass es sich um eine Reihe handelt. Wie wäre es auf dem Cover mit "Teil 1" oder einem Hinweis auf dem Klappentext? Ich fühle mich als Kunde nicht ernstgenommen, wenn man mir solch eine wichtige Information verschweigt

- Buch endet also nicht wirklich. Ist eher eine Art Vorgeschichte und ein Kennenlernen der Protagonisten

- Erzählstil ungewöhnlich, typisch Drvenkar. Viele Sprünge in Raum und Zeit. 1815 beim russischen Zaren, das Arktische Eis, die Gegenwart, vor 50 Jahren, unbekannter Ort vor Äonen von Jahren. Nicht chronologisch erzählt

- sehr viele Charaktere, die nach und nach dazukommen, man muss sich bemühen Überblick zu behalten. Hat das Potential zu einer ganz großen Saga

- Erzählstil wechselt regelmässig von Du über Ich über 3. Person hin zu Allwissendem Erzähler, je nachdem, wer gerade Hauptperson des jeweiligen Kapitels ist

- Alter, Geschlecht, Zeit, all das spielt für den Autor keine Rolle. Wie gewohnt setzt sich Drvenkar über Konventionen hinweg und erschafft einen neuartigen Erzählstil, scheinbar harmlos verpackt in einen netten Roman

. sprachlich kenne ich von Drvenkar weit Besseres als diesen aktuellen Titel

- Engel sind momentan Mainstream. Was den Leser hier erwartet, ist jedoch kein Mainstream, sondern etwas abseits der Norm, höchst Unengelhaft

- Um die Regeln zu brechen, muss man sie kennen. Und Drvenkar kennt sie wohl sehr gut, setzt sich regelmässig darüber hinweg, was Aufbau, Charaktere usw beetrifft

- das Buch ist inhaltlich äußerst spannend. Trotzdem gab es einige Momente, die ich als Längen empfand. Ganz besonders, wenn man nicht weiß, dass es der Beginn einer Reihe ist, wird es zu ausufernd und weitschweifig. Ich fand das Buch spannend, hatte aber niemals das Gefühl "ich kann es nicht weglegen, ich MUSS jetzt sofort weiterlesen"

- Gebrüder Grimm, Söldner, Kriegsschlachten auf Berggipfeln, ein seelenraubender Rabe, Erscheinungen von toten Mädchen, eine geheime Bruderschaft, uralte Archive, moderne Mailkommunikation. Und ein Engel in Boxershorts mit Garfield-Aufdruck. DAS sind die Zutaten für einen ungewöhnlichen Jugendroman

Fazit: sehr gute Grundlage und vom Autor gekonnt gemixt. Trotzdem einige Schwächen, die es zu einem insgesamt netten Jugendbuch, nicht aber zu einem Top Titel machen.


SaschaSalamander 02.04.2013, 08.35 | (0/0) Kommentare | PL

Sokora Refugees

segamu_sokora_1.jpgWieder ein älterer Beitrag, diesmal aber nur ein paar Monate :-)

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Diese Rezension ist nun sehr persönlich. Ich habe lange mit mir gerungen, den Manga zu lesen, und es fällt mir schwer, ihn zu beschreiben. Hier werde ich mir große Mühe geben, es objektiv zu beschreiben, aber die eigene Meinung wird hier trotzdem sehr deutlich rüberkommen ...

Inzwischen gibt es Verlage, die Newcomern auch außerhalb Japans eine Chance geben. Man nennt es noch immer "Manga", aber oft leben die Zeichner in Deutschland, Amerika, Polen, England etc. Besonders tut sich da der Tokyopop-Verlag hervor, der ursprünglich in den USA gegründet wurde, der aber auch Filialen hat in Großbritannien und Deutschland. Außerdem veröffentlichen sie neben Mangas auch Comics, Manhwas, Manhuas, Romane, Novels und und und. Ich finde das eine klasse Sache, denn dadurch werden die Grenzen fließend, und es werden Menschen an neue Medien herangeführt, die ihnen bis dato nicht bekannt waren oder die sie bisher falsch einschätzten.

SOKORA REFUGEES nennt sich Manga, ist im Grunde jedoch ein Comic im Mangastil, gezeichnet von Melissa DeJesus, die in den USA inzwischen eine namhafte Zeichnerin, auch im Bereich Animation, ist. Sie unterrichtet sogar im Comic-Zeichnen. Mit SOKORA hat sie sich das erste Mal an den Bereich Manga gewagt. Die Geschichte dagegen stammt von Segamu, der mit SOKORA seinen fetzigen Erstling schrieb.

Die Geschichte handelt von dem Mädchen Kana, das in der Schule immer ein wenig hinter den anderen steht. Plötzlich wird sie vom neuen Mitschüler im Duschraum der Mädchen in eine fremde Welt teleportiert, wo sie sich mitten zwischen den Fronten eines Kampfes wiederfindet. Es gelingt ihr zwar vorerst, wieder in ihre Welt zurückzukehren, aber danach ist nichts mehr wie zuvor, ...

klassische Geschichte, jede Menge Stoff für eine Comedy, die den Leser nicht zu Atem kommen lässt, ob nun vor Spannung oder Lachen. Für beides ist gesorgt, in rasantem Tempo rasen die Mädels von einem Panel zum nächsten. Die Story ist erste Sahne, sie ist packend und man kann mitfühlen, wie aus dem Lehrbuch in Sachen Storyaufbau und Charakterentwicklung. Die Zeichnungen sind geübt und flüssig, man sieht Melissa an, dass dies nicht ihr erstes Werk ist.

Ich bin sicher, dass die LeserInnen begeistert sind, es ist geeignet sowohl für Mädels wie auch Jungs. Die Probleme sind klassische für Teenager, mit allem was die Pubertät und das Thema Jungs - Mädels so mit sich bringt, witzig zubereitet. Und der Fantasy-Anteil ist klasse. Deswegen tut es mir schon weh, dass ich die Reihe nicht weiterlesen konnte, denn die Monster sind absolut klasse dargestellt, herrlich blöd und tumb. Das Katzenmädchen (oder so eine amerikanische Waschbärart, Tanuki, schwer zu sagen?) ist total niedlich. Ich mag die Welt, in die die Mädels bald gebracht werden, und ich wünschte, ich könnte sie auch weiterhin begleiten.

Eigentlich kann ich den Manga uneingeschränkt empfehlen. Ich selbst allerdings mag ihn trotzdem absolut nicht. Und ich kann nicht einmal erklären, woran es liegt. Ich kann nur vermuten, woran es liegt, dass ich mich von Seite zu Seite quälte und nach der Hälfte des ersten Bandes dann endgültig aufgeben musste. Vielleicht liegt es daran, dass es zwar als Manga verkauft wird, aber im Grunde doch amerikanisch ist. Teenie-Highschool, wie man es aus bekannten Serien kennt, mit allem was dazugehört. Absolut nicht mein Ding, ich mag weder die Mentalität noch den Stil, könnte aber nicht definieren, was exakt davon und wie sich dies äußert.

Oder vielleicht ist es die Nonstop-Action. Keine Pause, auf jedem Bild wird geschrien, geweint, getobt, gekämpft, gewettert, geflucht, gepoltert, gejammert, das Herz gebrochen, sich vor Scham versteckt, in einem Bild heulend und jammernd, im nächsten wieder flippig witzig die Brüste hervorrecken und keck posieren. Gefühlschaos und Action nonstop. Witzig und gekonnt inszeniert. Aber eben nonstop, fast schon überladen.

Die sekundären Geschlechtsmerkmale gigantisch: aufgeplusterte Lippen, aufgetakelte Haare, dickes MakeUp, Megabrüste, ich mag sowas nicht, da finde ich die stilleren Japaner, die da oft realistischer sind, wesentlich angenehmer in den Zeichnungen. Warum muss man im Westen immer so übertreiben und aus hübschen Brüsten gleich riesen Titten werden lassen, und warum muss überall das Höschen rausblitzen? In den Mangas nennt sich das Fanservice und ist Softerotik, aber bei uns wird sowas als "normal" verkauft und den Jugendlichen als Standart untergejubelt *grml*.

Nein, die Serie ist nichts für Menschen, welche die leisen Töne lieben. Die auch gerne einmal ruhig und gemütlich ein Gefühl über mehrere Seiten bei sich wirken lassen und sich in einem Moment versenken, ihn erspüren und mitfiebern. Dafür aber für alle flippigen, hektischen, wuseligen Youngsters, die es hip, trendy, sexy, mega und chaotisch lieben :-)

SaschaSalamander 28.03.2013, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

Timeline

Cover DVDOktober 2005 habe ich diesen Film gesehen. Er blieb mir in wenig guter Erinnerung. Mein Mann dagegen hatte ihn damals auch gesehen (ohne mich, vor unserer zeit), und er fand ihn richtig gut. Na, so unterschiedlich ist der Geschmack. Hier meine damalige Rezension, die weniger positiv ausgefallen ist ;-)

Das Buch habe ich übrigens nicht mehr gelesen, kann es also nicht beurteilen. Vielleicht wäre die Vorlage ja besser gewesen als der Film selbst ;-)

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Ich habe ausnahmsweise mal wider besseren Wissens den Film vor das Buch gestellt. In der Videothek stieß ich letztens auf den Titel TIMELINE, der recht interessant klang. Bei einem meiner letzten Büchereibesuche stellte ich fest, dass dieser Film auf Michael Crichtons gleichnamigem Roman beruht. Hm, klingt nicht übel: Jurassic Park, Enthüllung, Beast, Beute, vieles mehr ... diesem Mann verdanken wir einige spannenden Filme und Bücher.

Klappentext des DVD-Covers: Eine Gruppe junger Archäologiestudenten arbeitet in Frankreich an einer Ausgrabungsstätte. Als ihr Professor pltzlich auf mysteriöse Weise verschwindet, wagen sie ein spektakuläres Experiment: Sie lassen sich mit einer Zeitmaschine zurück ins raue Mittelalter versetzen. Was sie nicht wissen, sie landen genau in der Zeit des Hundertjährigen Krieges, zum Zeitpunkt der geschichtsträchtigen und blutigsten Schlacht zwischen Briten und Franzosen. Von nun an gilt es nicht nur, den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen, um den Professor zu retten, sondern sie müssen um das eigene Überleben kämmpfen.

Hm ... ja ... äh ... also ... ich hoffe, das Buch wird besser sein. Ich kann leider nicht beurteilen, wieviel geschnitten wurde und inwieweit man auch am Inhalt gefeilt hat. Anfangs erinnerte mich der Film inhaltlich an "Das Jesusvideo" (wobei ich jetzt erst recherchieren müsste, welches von beiden zuerst dawar, aber das ist mir jetzt auch egal, das Thema ist eben beliebt), als sie die Brille und die Handschrift des Professors in einem uralten Tunnel fanden, der seit 600 Jahren nicht mehr von Menschen betreten wurde. Und auch dieses wundervolle Buch sowie seine Protagonisten wurden im Film ja stellenweise doch sehr verunstaltet. Es kann also sein, dass vieles, das ich jetzt (inhaltlich) bemängele, lediglich eine Schwäche des Filmes ist. Das Buch reizt mich noch immer, aber etwas Abstand zum Film möchte ich dennoch.

Die Handlung ist viel zu grob umrissen. Jurassic Park faszinierte mich im Film wie auch im Buch dadurch, dass hochwissenschaftliche Fakten auch Laien sehr einfach verständlich gemacht wurden. Hier wurde die Theorie der Zeitreise überhaupt nicht näher erläutert, es ist in keinster Weise nachvollziehbar. Der Film deutet einige Dinge an, ohne sie näher zu beleuchten, er hätte gut auf das Dreifache der Zeit ausgedehnt werden können. Es treten einige Zeitparadoxien auf, die jedoch nicht erklärt sondern einfach ignoriert werden. Der intelligente Zuschauer denkt sich seinen Teil, der andere übersieht es oder nimmt es als gegeben hin. Auch wirkt der gesamte Film für mich von vorne bis hinten unlogisch und inhaltlich beschnitten.

In diesem Film sterben nach wenigen Minuten die ersten Archäologen und deren Begleiter (Marines übrigens, hochausgebildete Kämpfer) durch feindliche Soldaten. Ein Schwertstreich, hinüber. Kein Tamtam, keine große Abschiedsszene, kein Begräbnis, keine Trauer. Kurz darauf der nächste Marine tot. Dann stirbt der Dolmetscher der Gruppe. Aber wenige Sekunden darauf finden sie den gesuchten Professor und freuen sich, alle Trauer ist vergessen. War ja nur der Dolmetscher.

Dass Archäologiestudenten hervorragend im Schwertkampf, Bogenschießen, Reiten und Faustkampf ausgebildet sind, versteht sich von selbst (Marines sind ein Klacks dagegen, deswegen sterben sie auch sofort). Gehört bereits ins Grundstudium, schließlich könnte man immer mal kurz ins 14te Jahrhundert reisen und in einen Kampf verwickelt werden. Von den sprachlichen Barrieren, die sich aufgetan hätten, wäre man etwas fachlicher vorgegangen, möchte ich gar nicht einmal reden, denn auch hier werden Studenten vorsorglich in allen Sprachen und Dialekten jedweder Zeit geschult.

Die Geräusche und Effekte fand ich stellenweise etwas seltsam. Ein Pfeil trifft das Schild. Der Krieger guckt komisch. Der Krieger merkt "huch, ich wurde getroffen" und reißt das Schild hoch. Seltsamer Zeitablauf, seltsame Koordination.

Die Schauspieler zeigen keinerlei Anzeichen, jemals eine Schauspielschule genossen zu haben. Paul Walker, Gerard Butler, Frances O Connor. Sind das berühmte Namen? Ich gebe zu, dass ich mich mit Schauspielern im Gegensatz zu Autoren leider überhaupt nicht auskenne. Jedenfalls wirken sie in diesem Film einer so steif wie der andere. Der gesamte Film wirkt in Effekten, Vertonung, Schauspiel und leider auch Drehbuch wie eine Laiengruppe auf mich.

Der Film hätte eine Menge Potential geboten. Es gab die klassischen Charaktere (der bebrillte Denker, der Kampftroll und seine Begleiter, der tugendhafte Held, das Weibchen). Es gab eine tolle Story (eine Maschine, die ähnlich einem Faxgerät Objekte teleportieren soll und sich als Medium für ein Wurmloch entpuppt. Klingt abstrus, kann von Menschen wie Crichton, Follett oder Spielberg aber gut verkauft werden). Mit talentierten Schauspielern, einem guten Drehbuch und vor allem besseren Erklärungen von wissenschaftlicher Seite her hätte man wirklich etwas Tolles daraus machen können. Aber so war es für mich nur ein unterhaltsamer Film zwischendurch. Hart an der Grenze zum Grottkult ;-)

SaschaSalamander 19.12.2012, 14.47 | (0/0) Kommentare | PL

Feuer

CoverWeil ich diese Woche keine weiteren aktuellen Rezensionen habe (ooh, aber fürs Wochenende habe ich mir sehr viel vorgenommen, es warten wieder einige neuen Beiträge auf Euch), hier mal wieder etwas Älteres. Witzig, diese Rezension schrieb ich kurz vor STURM, und nun habe ich >STURM< zuerst veröffentlicht, weil ich diese Rezension zu FEUER erst jetzt gesehen habe. Na, macht nichts ;-)

So negativ ich diesen Roman übrigens empfand, muss ich Hohlbein dennoch eines lassen: es ist viele Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Dennoch sind mir sehr viele Szenen und Momente noch immer lebendig vor Augen. Das zeichnet einen wahren Künstler aus! Der in diesem Fall extrem fähig ist aber sein Potential leider selten ausschöpft. Ihm ist Quantität wichtiger als Qualität, und ich bedauere dies zutiefst. Ich wünsche mir von ihm wieder einmal einen richtig guten Roman, der das Zeug zu einem "echten Hohlbein" hat.

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Inzwischen habe ich nach einigen Tagen den Roman "Feuer" von Hohlbein zu Ende gelesen. Irgendwie fühle ich mich jetzt danach ziemlich leer. Allen üblen Kritiken und eigenen schlechten Erfahrungen mit seinen neuen Romanen zum Trotz, ich hatte auf mehr gehofft. Aber erst einmal zur Handlung an sich. Genaugenommen könnte ich in wenigen Sätzen eine komplette Inhaltsangabe bis zum Ende machen, es wäre kaum gespoilert, denn der Klappentext des Schutzumschlages verrät die Handlung bis etwa zum ersten Drittel des Buches, der Rest ist ein absehbarer und nicht wirklich überraschender Showdown:

Will Lokkens verdient sich sich Geld, indem er teure Nobelschlitten für den Zuhälter George stiehlt. Bei einer seiner Raubzüge fährt er ein junges Mädchen an, das in den Keller eines abgebrannten Hauses flieht und ihm danach auf Schritt und Tritt bis nach Hause folgt. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor Will´s Tür, eine sonderbare Frau taucht auf und entführt das Mädchen, an der auch die Polizisten interessiert zu sein scheinen. Das Haus steht in Flammen, Will kann im letzten Moment fliehen und rettet sich zu George. Er versucht dort, Stück für Stück mehr über das seltsame Mädchen, die geheimnisvolle Frau und die mysteriösen Ursachen des Feuers herauszufinden.

Die gesamte Handlung des Buches ließe sich in etwa einem Drittel der Seitenzahlen zusammenfassen. Ich bin ziemlich enttäuscht. Denn eigentlich ist Wolfgang Hohlbein ein schriftstellerisches Genie. Er besitzt die Gabe, einen spannenden Moment lange auszudehenen. Eine Art literarisches "Bullet-Time", wie man das Verlangsamen der Kamera in Matrix und später auch anderen Filmen nennt. Allein der Griff zur Waffe, allein ein einziger Fausthieb kann sich bei ihm über mehrere Seiten erstrecken, die Spannung steigt ins Unermessliche. Sollte sie zumindest. Wenn denn diese Szene eine Momentaufnahme wäre. Der Grundsatz "weniger ist mehr" wurde von ihm leider in den neueren Werken nicht beherzigt, sodass sich das gesamte Buch wie Kaugummi zieht.

Und nicht nur von dieser Technik verwendet er zuviel. Auch die Vergleiche, Metaphern, der verstreut ja recht witzige aber auf Dauer eingesetzt nervige Zynismus, ständige Spannungshöhepunkte und die Darstellung jeder einzelnen Situation als nervenaufreibende, nicht mehr steigerbare Klimax, das ist einfach zuviel des Guten. Hohlbein hat inzwischen Übung darin, und so produziert er ein Buch nach dem anderen, scheinbar rein mechanisch, wie am Fließband, seelenlos und weit entfernt von den Ansprüchen seiner treuen Leser (als Neueinsteiger mag man davon noch begeistert sein, bis man allerdings ein paar weitere seiner Werke gelesen hat).

Da er Übung hat und es scheinbar ohne große Gedanken an Stil und Inhalt schreibt (hoffentlich tue ich ihm damit nicht unrecht, doch diesen Eindruck macht seine aktuelle Literatur auf mich), passieren auch viele Wortwiederholungen und wiederkehrende Vergleiche und Metaphern. Wenn der Regen wie Kinderfäuste niederprasselt, kann man sich das als Leser bildlich vorstellen. Wenn der Regen dies im Laufe des Buches jedoch viele Male tut, verliert dieses eigentlich aussagekräftige Bild seine Wirkung und wird zu einem weiteren Punkt in der Liste dessen, was alles negativ auffiel.

Mir fallen Logikfehler und Widersprüche eher selten auf, aber genauso wie anderen Lesern im Internet stieß ich auf ein paar Dinge, die mir seltsam erschienen. Wie kann jemand, dem das Gefühl der Klaustrophobie völlig neu ist, diese kurze Zeit später als "alten Bekannten" begrüßen? Ähnliche Fehler unterliegen Hohlbein mehrfach und fallen sogar dem unaufmerksamen Leser auf.

Die Geschichte wird durch Rückblicke (was es damit auf sich hat, erfährt man gegen Ende zum Showdown, also quasi auf den letzten 150 Seiten, denn so lange dauert er) ergänzt, und Teile der Edda fließen in die Handlung ein. Nette Idee, gut gemacht. Aber kein großer Bringer mehr. Es wirkt, als hätte er das lediglich als kleinen Bonus mit in das Buch gepackt, um dem Ganzen einen Hauch von Mythos zu verpassen, damit es in seine altbewährte und gutverkaufte Fantasyschiene hineinpasst. Er begann als Autor billiger Trivialliteratur und von Heftromanen, und auf dieses Niveau bewegt er sich inzwischen wieder zurück, nur dass seine Bücher immer dicker werden.

Ich finde es schade, dass Hohlbein sich inzwischen sosehr gehenlässt. Es wäre toll, wenn er wieder einmal etwas Neues erschaffen könnte. Inzwischen dürfte er nicht mehr des Geldes wegen schreiben, ein so berühmter Autor wie er hat wohl keine Geldschwierigkeiten mehr. Es tut mir ziemlich weh, wenn ich eine so schlechte Rezension über eines seiner Bücher schreibe, war er doch einmal ein wirklich großartiger Autor; bevor ich Isau und Bemman kannte, in meinen Augen sogar DER aktuelle deutsche Fantasy - Autor. Möge er eines Tages wieder umdenken und das tun, was er wirklich großartig kann: Bücher schreiben, die sein meisterliches Talent repräsentieren.

SaschaSalamander 23.11.2012, 11.30 | (0/0) Kommentare | PL

Sturm

hohlbein_sturm_150.jpgAch je, eine alte Rezension, und ich habe damals glatt vergessen, es zu notieren. Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wann ich das gelesen hatte. Aber es muss wohl um 2006 gewesen sein, als ich gerade die anderen Titel Flut und Feuer gelesen hatte.


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Seine Frau plündert das komplette Konto samt der Ersparnisse und verschwindet eines Tages. Nur seine Tochter ist ihm geblieben. Doch nun ist auch sie verschwunden. Dirk macht sich auf die Suche nach ihr und folgt den Spuren seiner Frau nach Afrika. Er erfährt von geheimnisvollen Mächten und schrecklichen Dämonen. Eine Katastrophe bahnt sich an, und nur er kann sie verhindern ...

Flut und Feuer waren weitere Element-Romane, an denen Hohlbein schrieb und die schon länger im Handel erhältlich sind. Flut fand ich noch recht nett, Feuer veranlasste mich nur zu einem müden Grinsen, und Sturm brach ich nun nach eineinhalb CDs ab. Ich dachte, die gekürzte Version wäre besser als das Buch, aber selbst dies war mir einfach noch zuviel.

Ich weiß nicht, ob ich einfach schon zuviel Hohlbein gelesen habe, oder ob er wirklich von Buch zu Buch schlechter wird. Aber ich habe keine Lust mehr. Früher Garant für spannende Unterhaltung (das war, als die Romane mit seiner Frau herauskamen, da war ich etwa siebte Klasse, finde die Titel nach heutigen Kriterien aber immer noch gut), ist es heute nur noch Langeweile, Aneinanderreihung von Klischees, jede Menge Logikfehler und schlechtes Lektorat in Sachen Inhalt und Grammatik. Mainstreamunterhaltung vom Fließband.

Vielleicht, wenn ich noch nie einen Hohlbein-Roman gelesen hätte, fände ich Sturm (oder davor Feuer) spannend. Aber gibt es noch Fantasy-Fans, die keinen Hohlbein gelesen haben? Okay, irgendwann fängt jeder an, das ist ein Argument ... *gähn* ...

Alles, was ich an stilistischen Problemen in der Rezi >FEUER< beschrieben habe, darf gerne wörtlich hier in diese Rezension übertragen werden. Die Handlung mag sich in Namen und Orten unterscheiden, ansonsten ein Buch wie das andere.

sorry, wenn ich dieses Buch so verreiße, aber ... mehr fällt mir einfach nicht mehr dazu ein. Eigentlich gar nicht mehr wert, überhaupt den Finger für eine Rezension zu rühren. Auf jeder Seite mehrfach Ausdrücke wie "er glaubte, sein Herz bliebe stehen" oder "ein Bersten, dass er schier taub wurde" oder "ein gellender Schrei durch Mark und Bein" oder "mit allerletzter Kraft" ... irgendwann glaubt man nicht mehr, dass dies die letzte Kraft ist und dieser Schrei wirklich so schlimm und das Bersten so laut war, denn es folgt immer wieder eine NOCH MEHR - Steigerung, und die Sprache ist voller Klischees.

Und weil es NOCH MEHR gute Bücher gibt, welche zu lesen es sich lohnt - empfehle ich Neulingen die beiden Azrael-Romane sowie die Bücher gemeinsam mit seiner Frau zum Einstieg. Danach darf man getrost zu anderen Autoren des Genres Fantasy und Horror greifen ...

und wie bei Hohlbein üblich, verweise ich gerne wieder einmal auf mein von mir erstelltes und leider noch nicht patentiertes (aber vom Autor fleißig angewendeten) Baukastensystem: "ich bastel mir einen Hohlbein" >Teil 1 (Baukasten)< und >Teil 2 (Beispiel)<

SaschaSalamander 21.11.2012, 08.37 | (0/0) Kommentare | PL

Schwarzer Mond über Soho

aaronovitch_moon_1.jpgINHALT

Freunde des Buches >DIE FLÜSSE VON LONDON< kennen Peter Grant bereits: Zauberlehrling bei einer Spezialeinheit der britischen Polizei. Auch im zweiten Band der Reihe übt er sich in Magie, versucht ihre Wirkungsweise und Herkunft zu erforschen. Außerdem ermittelt er in einem seltsamen Fall, bei dem erstaunlich viele Jazzmusiker nach ihrem Auftritt scheinbar an Herzversagen sterben. Und dann wäre da noch der Fall, bei dem es aussieht, als hätte jemand den getöteten Männern ihr bestes Stück - abgebissen ...


REIHE, AUFBAU

SCHWARZER MOND ÜBER SOHO ist der zweite Band. Im Gegensatz zu vielen modernen Krimis, die in sich geschlossen sind, rate ich hier dringend zu chronologischem Lesen. Der Autor nimmt sehr viel Bezug auf Teil 1, ohne dies zu erklären. Ohne Kenntnis der Charaktere und Vorgeschichte dürfte das Buch zwar verständlich aber reizlos sein. Der Autor geht direkt in die Handlung und hält sich nicht mit aufwändigen Erklärungen auf. Zugegeben, ich wünschte, ich hätte den ersten Teil nochmals kurz überflogen vor dem Lesen.

Das zweite Abenteuer wirkt auch mich ein bisschen wie ein Lückenfüller. Es werden neue Handlungsfäden begonnen, alte Fragen zum ersten Band werden nicht beantwortet. Auch endet das Buch ziemlich abrupt und bereitet ohne Umwege den Weg zum dritten Band, WHISPERS UNDER GROUND, der auf Deutsch bisher noch nicht erschienen ist.


GENRE, STIL, AUTOR, SPRACHE

Im >ersten Band< habe ich bereits sehr viel zu diesem Buch beschrieben. Ich möchte es nicht ausführlich widergeben, aber wenigstens kurz anreißen: Aaronovitch ist bekannt vor allem als Autor der Serie DR. WHO, und der Reihe um Peter Grant merkt man das Britische sehr schön an. Staubtrockener, intelligenter Humor, manchmal so subtil, dass man genau hinhören muss. Auch die Atmosphäre der Stadt London hat er wunderbar eingefangen, er vermag es Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen. Seine Reihe lässt sich klar der Urban Fantasy zuordnen, und seine Art des Umgangs mit der Magie gefällt mir sehr. Er hat etwas ganz Eigenes geschaffen, das ich seitdem oft zitiert habe und das mir seit dem Lesen des ersten Bandes immer wieder durch den Kopf spukte, sobald in anderen Büchern Magie praktiziert wird.

So humorvoll und unterhaltsam das Buch anmutet, ist es dennoch recht komplex und eignet sich nicht zum Nebenbeihören. Viel hintergründiger Humor (der ja den Reiz des Buches ausmacht) würde verlorengehen, außerdem werden wichtige Schlüsselszenen recht unauffällig dargestellt, sodass auch dem weiteren Verlauf des Buches schwer zu folgen ist, sobald man etwas überhört. Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich beim dritten Band wohl wieder zum Buch greifen werde.


JAZZ

Schon im ersten Band klang sehr viel Jazz an, denn der Protagonist ist Sohn eines berühmten Musikers. Hier wird der Jazz quasi zum Hauptthema der Ermittlungen. Es wird sehr viel über die Musik, die Musiker, die Instrumente, die Stilrichtungen geredet, Variationen einzelner Songs werden auseinandergenommen, auch gibt es einige scherzhafte Anspielungen für Insider, das gesamte Buch eine große Hommage. Ich denke, man muss Jazz nicht mögen, und man muss sich auch nicht auskennen, wenn man dieses Buch liest. Aber es ist auf jeden Fall hilfreich ;-)


SPRECHER

Dietmar Wunder (Adam Sandler, Daniel Craig) wurde als Sprecher für das Hörbuch gewählt, und er passt hervorragend zur Rolle des Peter Grant. Er spricht den Text ruhig und mit der richtigen Prise Betonung an den wichtigen Momenten, auch sein Tempo ist ideal. Wie für Wunder üblich gelingt es ihm, sich zurückzunehmen und alleine den Inhalt wirken zu lassen. Auch, wenn ich zukünftig das Buch ungekürzt und zum Lesen statt Hören für mich wählen werde, hat der Verlag mit diesem Sprecher alles getan, das Bestmögliche aus dem Hörbuch herauszuholen.


FAZIT

Der zweite Band hat mir sehr gefallen, er wird der Reihe gerecht. Trotzdem wirkt er ein bisschen wie ein Lückenfüller für den folgenden Band und ließ mich etwas unzufrieden zurück. Ansonsten aber hat Aaronovitch mit Peter Grant ein kleines Meisterwerk geschaffen, das in vielerlei Hinsicht aus dem Mainstram des modernen Fantasy herausragt.

Wertung: 8,8 von 10 Milliwuff

SaschaSalamander 05.11.2012, 09.24 | (0/0) Kommentare | PL

Ins Herz gestohlen

minden_gestohlen_1.jpgINS HERZ GESTOHLEN ist eine neue Kurzgeschichte von Inka Loreen Minden. Weil sie so kurz ist, bekommt der Leser im Anschluss noch die Geschichte "Nymphenspiele" dazu. Auch, wenn es kein komplettes Buch ist (eigentlich müsste ich extra für Inka die Rubrik "Rezension Kurzgeschichten" einführen, weil ich ihre Titel einfach liebe und nicht anders kann als trotzdem immer wieder ein paar Zeilen dazu zu schreiben), möchte ich Euch die beiden Geschichten kurz vorstellen:

INS HERZ GESTOHLEN hat sich Tyler bei seiner Jugendliebe. Er ist Student und jobbt in dem Supermarkt, wo die sechs Jahre ältere Samantha als Security arbeitet. Als sie sieht, dass er etwas gestohlen hat, muss sie natürlich eingreifen.

NYMPHENSPIELE erzählt von dem Dämon Kosh, der die zierliche Nymphe Lynabella liebt. Sie soll in einer Zeremonie zur Hüterin der Quelle werden, doch dann wäre sie für ihn unerreichbar. Er muss sich etwas einfallen lassen ...

Die Geschichten sind wirklich sehr kurz, aber das stört nicht. Wer regelmässig bei mir liest, weiß ja, wiesehr ich Shortstories liebe :-)

Mmh, INS HERZ GESTOHLEN hat mir sehr gefallen. Schlicht, einfach, und von vorneherein durchschaubar. Ich musste einige Male schmunzeln, weil ich bereits ahnte / wusste, während Samantha sich dagegen ständig grundlos sorgte. Sehr erotisch, ein köstliches kleines Intermezzo. Ein junger, intelligenter Mann und eine etwas ältere, bodenständige Frau, dazu ein bisschen verspielte Bestrafung - tolle Mischung, die es in erotischen Werken viel zu selten gibt.

NYMPHENSPIELE fand ich sehr schön zu lesen, wurde wohl mit einem Augenzwinkern geschrieben. Ich habe einige Male gelacht, und ich liebe diese humorvollen Geschichten der Autorin ganz besonders. Sie beherrscht es vor allem in ihren Märchen und Fantasygeschichten meisterlich, mit den gängigen Klischees zu spielen, sie zu überspitzen, die Geschichten durch ihren Witz und Charme aufzulockern, die Erotik dennoch stilvoll zu präsentieren.

Beide Geschichten sind sprachlich recht soft in ihrer Wortwahl, passend zu den Inhalten. Der Aufbau ist knapp, zielstrebig und direkt, genau richtig für eine kurze Episode. Ich hatte meinen Spaß mit Tyler, Sam, Kosh und Lynabella. Und besonders Tyler würde ich nur zu gerne wiedersehen ...

Kurz gesagt: zwei Kurzgeschichten mit jeder Menge Erotik und einem verschmitzten Grinsen :-)

SaschaSalamander 01.11.2012, 09.26 | (0/0) Kommentare | PL

Wie man die Ratschläge seiner Eltern ignoriert

INHALT

Marcus ist ein Halbvampir, und gerade jetzt erklären seine Eltern ihm, dass er demnächst zwei "Blutfieber" - Attacken erleiden wird. Deswegen soll er in den nächsten Wochen unbedingt eine Flasche Blut mit sich tragen. Bitte in der rechten Hosentasche, die linke hat nämlich ein Loch! Und dann wäre da noch Marcus´ Klassenkameradin Tallulah, die auf Vampirjagd geht (sie weiß natürlich nicht, dass er ein Halbvampir ist). Um sie zu beschützen, spielt er mit und besucht die ältere Dame, die im Internet vorgab, mehr über die dunklen Wesen zu wissen. Außerdem ist da das junge Halbvampir-Mädchen Gracie, das sich ebenfalls in der Wandlung befindet und dem Marcus auf Bitten seiner Eltern hin ein bisschen Aufmunterung zukommen lassen soll. Und als wäre all das nicht schon genug, vereinbart sein Kumpel auch noch ein Doppeldate mit dem Ziel, Marcus mit der hübschen Julie zu verkuppeln. Na, wenn das mal nicht alles schiefgeht ...


AUTOR, BUCH, GENRE

WIE MAN DIE RATSCHLÄGE SEINER ELTERN IGNORIERT ist der dritte Teil einer Vampir-Reihe, wie ich nun im Nachhinein erfahren habe, steht allerdings komplett für sich und erfordert keinerlei Kenntnisse über die anderen Titel, auch ist es in sich geschlossen und lässt keine weiteren Fragen offen. Im Original heißt das Buch THE VAMPIRE HUNTERS, wurde für Deutschland jedoch in Anlehnung an andere erfolgreiche Titel des Autors (WIE MAN SEINE ELTERN ERZIEHT, WIE MAN IM CHAOS ÜBERLEBT u.a.) umbenannt.

Ein Jugendbuch, und wieder einmal Vampire. Klingt abgedroschen und langweilig, aber >Pete Johnson< ist nicht umsonst so erfolgreich: Er hat erneut ein faszinierendes Buch geschaffen, das sogar ich als Erwachsener kaum beiseite legen konnte.

Was das Buch für mich zu etwas Besonderem macht ist nicht der Humor oder der Vampir-Aspekt, sondern der realistisch geschilderte Alltag des Jugendlichen. Ganz normale Probleme, witzig verpackt und mit dem aktuell beliebten Thema Vampire versehen, das ist genau DIE Mischung, mit der man Lesemuffel wachkitzelt. Denn eigentlich ist dieses Buch ein ganz normales Werk über das, was einen Jungen in Marcus´Alter beschäftigt: die Veränderungen des Körpers und die Unsicherheit gegenüber anderen. Mädchen sind nicht mehr nur doof sondern werden plötzlich interessant. Und obwohl man schon längst groß ist, behandeln einen die Erwachsenen noch immer wie ein Kind und kommandieren einen herum, geben irgendwelche Ratschläge und wissen alles besser. Dabei fühlt man sich, als könnte man Bäume ausreißen und die Welt verändern! Zumindest solange, bis einem der "neue" Körper und die eigene Impulsivität einen Strich durch die Rechnung machen und man sich so richtig blamiert.


CHARAKTERE

Marcus und seine Freunde bieten als Identifikationsfiguren beste Vorlage. Durch Gracie und Tallulah werden auch typische Mädchen-Probleme benannt, und ihre beiden Charaktere bieten abwechslungsreiche Projektionsflächen. Nebenfiguren wie die alte Dame, Marcus´ Eltern, sein Kumpel und der böse Vampir werden dabei aber nicht vernachlässigt. Sehr schön finde ich, dass gut und böse hier von Beginn an nicht überzeichnet werden sondern viel Freiraum für Interpretationen lassen und der Geschichte dadurch sehr viel Spielraum für Entwicklung und spannende Wendungen lässt.


AUFBAU

Die Geschichte beginnt an einem ganz normalen Schultag, als Marcus von seinem bevorstehenden Blutfieber erfährt. Natürlich schlägt er die Warnungen in den Wind, außerdem hat er andere Sorgen. Einige Probleme kündigen sich bereits an, immer steigert sich das Chaos. Das Buch ist sehr gut geplottet, bietet kleine Hinweise auf Kommendes und baut gut aufeinander auf, sogar mich vermochte es zu überraschen. Alltagsprobleme werden geschickt mit der fortlaufenden Handlung um die Suche nach dem Supervampir verbunden.


SPRECHER

Anton Sprick macht seine Sache prima, passt sehr gut zu dem jugendlichen Darsteller und vermag die witzigen Momente gut hervorzuheben, ohne das Buch albern werden zu lassen. 1994 geboren, ist er noch einer von den jungen Sprechern. Ich finde es schön, wenn gerade für Jugend- und Kinderhörbücher bevorzugt frische Stimmen genommen werden. Und es freut mich, wenn ich neue Stimmen für mich entdecke statt immer nur die gleichen bekannten Sprecher zu hören.


FAZIT

WIE MAN DIE RATSCHLÄGE SEINER ELTERN IGNORIERT ist ein pfiffiges Hörbuch für Jugendliche, das mir große Freude bereitet hat und das ich sehr gerne weiterempfehle.


SaschaSalamander 08.10.2012, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

Three Wolves Mountain

naono_3wolves_1.jpgINHALT

Jirou und sein älterer Bruder Tarou sind Werwölfe. Sie wurden von ihren Eltern aus dem Haus geworfen und müssen nun auf eigenen Beinen stehen. Da treffen sie den Café-Inhaber (und außerdem Friedhofswächter) Kaya. Nachdem sie seinen Kühlschrank leergefuttert haben, arbeiten sie ihre Schuld ab, indem sie ihm im Café zur Hand gehen. Schnell verliebt sich Jirou in Kaya, doch dieser hat anderes im Sinn: er muss das Grab seines verstorbenen Bruders bewachen. Außerdem stehen plötzlich die Eltern vor der Tür und wollen, dass die beiden Brüder nach Hause kommen. Und dann wäre da noch Tarous Verlobte, die ebenfalls für einigen Wirbel sorgt.


AUFBAU, GENRE

Hier vergibt die Zeichnerin leider einiges Potential. Wie schon aus der Inhaltsangabe ersichtlich, werden mehrere Handlungsstränge angerissen und aufgebaut, keiner davon wird allerdings so richtig vertieft. Eine klare Handlung im eigentlichen Sinne ist nicht geboten. Vielmehr bekommt der Leser einzelne kleine Episoden präsentiert, die sich einem neuen Thema widmen und zudem gelegentlich Elemente der vorherigen Episoden enthalten.

Das finde ich sehr schade, denn das Thema Werwolf ist zwar nicht gerade die Erfindung des Rades, aber Bohra Naono zeigt, dass sie es auf witzige und ansprechende Weise umzusetzen vermag. Mit viel Witz und hübschen Zeichnungen ist der Leser vom ersten Moment an gefesselt, ich konnte den Manga nicht mehr aus der Hand legen. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man mindestens eine dreiteilige Serie, vielleicht sogar noch mehr Bände daraus macht. Und dafür dann intensiv auf die einzelnen Aspekte eingeht. So wird der Hintergrund des Werwolf-Clans sogut wie überhaupt nicht beleuchtet, auch der tote Bruder bekommt nur eine Nebenrolle. Allein die Idee rund um den Friedhof und die Grabräuber würde ebenfalls Stoff für einen eigenen Manga bieten. Von den Yaoi-Elementen zwischen Jirou und Kaya ganz zu schweigen.

Durch die verschiedenen Handlungsebenen ist es auch schwer, das Genre einzusortieren. Klar, es ist ein Yaoi. Aber es ist zugleich auch eine Komödie, enthält außerdem Mystery und Horror-Elemente. Eine faszinierende Mischung, und einige Male musste ich an meinen Lieblingsmanga YAMI NO MATSUEI denken, der auf ähnliche Weise bei mir punktet. Doch leider bleibt es hier beim Yaoi, und leider ist die "Handlung" mehr als dünn.


ZEICHNUNGEN, YAOI

Die Zeichnungen gefallen mir ausgesprochen gut. Gelungen finde ich die Szenen, in denen Jirou teilweise als Wolf zu sehen ist. Er kann sich im Gegensatz zu seinem Bruder nicht komplett verwandeln, mal sind es nur Ohren und Schweif, ein andermal geht er auf zwei Beinen und hat den Oberkörper eines Wolfes. Gerade in den erotischen Momenten gibt das einiges an Spielart her, etwa wenn der buschige Schweif geschickt eingesetzt wurde, um dadurch nicht allzu explizit werden zu müssen. Die Körperproportionen wurden hier sehr gut dargestellt, ich finde die Körper realistisch und teilweise auch ziemlich lecker.

Meistens begnügt sich die Zeichnerin mit Rasterfolie und einfachen Mustern zur Gestaltung des Backgrounds. Wenn jedoch einmal die Wohnungseinrichtung oder eine Landschaft zu sehen ist, dann ist diese sehr schön gezeichnet. Nicht so detailliert, dass ich lange darin versinken würde, aber dennoch ausreichend, um für eine dichte Atmosphäre zu sorgen und die jeweilige Szene zu intensivieren.

Was mich sehr stark stört sind ein, zwei Artworks, auf denen Jirou als Kind dargestellt wird (nicht im expliziten Kontext, sondern neutral). Das geht in den Bereich Sh*ta-Con, was mir zutiefst zuwider ist, und ich frage mich immer noch, weshalb solche Zeichnungen in Deutschland in Yaoi-Mangas veröffentlicht werden.


FAZIT

Der Manga hat mich sehr gut unterhalten, die Zeichnungen waren sehr schön, und ich hätte zu gerne mehr davon gelesen, liebend gerne würde ich sechs oder gar sieben Punkte vergeben. Da die Handlung allerdings trotz der schönen Vorlagen sehr vernachlässigt wurde und wegen des angedeuteten Sh*ta-Aspektes muss ich auf jeden Fall einen Punkt abziehen. Schade, denn eigentlich ein wirklich toller Manga, der bei mir nun auch im Regal steht und den ich sehr gerne ein weiteres Mal lesen werde.

Wertung: 3,6 von 5 Grabräuber

SaschaSalamander 02.10.2012, 09.15 | (0/0) Kommentare | PL



 






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