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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Märchen
Tabaluga und die Zeichen der Zeit
Und wieder ein neuer Tabaluga, nach der Reise zur Vernunft, dem leuchtenden Schweigen, dem verschenkten Glück, der Liebe zu Lilly gibt es nun das fünfte Album DIE ZEICHEN DER ZEIT. Es gab stärkere und schwächere Alben. Und leider muss ich sagen, dass das neue leider für mein Empfinden eines der schwächeren ist. Ich finde es okay, wenn die Alben nicht aufeinander aufbauen sondern für sich stehen. Aber in manchen Dingen werden Bezüge gestellt (so etwa zum verstorbenen Vater, die Erinnerung an Lilli, Tyrions Wandel), auf der anderen Seite gibt es ganz vehemente Brüche (die Bedeutung der Drachen, das Wissen um die Liebe, die Vorstellung des Todes, religiöse Anspielungen, u.a.), das empfinde ich als inkonsequent. Es kommt mir so vor, als wolle man auf dem Erfolg der alten Alben basierend nun ein wenig Geld scheffeln, indem man ein paar neue Lieder auf den Markt wirft.
Aber wo ich bei den anderen Alben eine Wärme spürte und manchmal seufzend nickte, fehlt mir hier die Tiefe, die Aussage. Aus dem Drachen, der vordergründig so unterhaltsam und hintergründig so tiefsinnig war, wurde eine leblose Puppe gemacht. Auch die Musik ist kraftlos. Es gab für mich selbst kein einziges Stück mit Wiedererkennungswert, das ich seitdem im Ohr trage, die Refrains luden mich nicht zum Mitsummen ein, ich kann mich an keinen einzigen Text mehr erinnern, und schon wenige Minuten nach Ende eines Songs hätte ich nicht einmal mehr die Melodie nachpfeifen können (naja, außer dem ersten Song, der jedoch inhaltlich nicht allzu viel bieten konnte). Natürlich ist die Eingängigkeit eines Songs nicht ausschlaggebend für die Qualität, trotzdem ist das etwas, das ich bei Tabaluga bisher so angenehm fand: eingängige Ohrwürmer, deren Inhalt das Herz berührt. Diesesmal: kein Ohrwurm. Keine Gänsehaut. Kein Tränchen. Handtaschenweisheiten statt tiefe Wahrheiten. Leere Musik, leere Texte.
Nach dem Hören war ich sehr enttäuscht. Ja, ich weiß, es gibt haufenweise Fans, und wenn ich mich beim großen Onlinehändler umsehe, dann lese ich fast nur Begeisterungsstürme. Doch ich werde mich nicht einreihen. Leider ... und ich möchte auch betonen, dass ich keinem Fan die CD madig machen möchte. Aber da auch ich mich freue, hier und da eine Gegenstimme zu lesen, die meine Ansicht teilt, möchte ich Euch trotzdem davon erzählen. Und natürlich bin ich selbst sehr gespannt, wie Ihr DIE ZEICHEN DER ZEIT fandet :-)
SaraSalamander 07.12.2011, 09.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Sieben Minuten nach Mitternacht
Normalerweise habe ich beim Lesen eines Buches bereits Gedanken im Kopf, was ich in die Rezension schreiben möchte. Dieses Mal nicht, ich fühle mich leer. Das Buch hat mich komplett eingenommen, sodass ich an nichts anderes denken konnte währenddessen. Und ich weiß auch nicht wirklich, wie ich das, was ich nun fühle, in Worte fassen soll. Manchmal fällt es so unendlich schwer, seinen Gedanken Gestalt zu verleihen. Es gibt Dinge, die man selbst erleben muss, weil andere sie nicht erzählen können. Und doch hat der Autor in diesem Buch es geschafft, unaussprechliche Gefühle in klare, kindgerechte Worte zu packen. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Meisterleistung und möchte SIEBEN MINUTEN AN MITTERNACHT als ein ganz besonderes Buch für Leser aller Altersklassen empfehlen.
Die letzten beiden Kapitel dieses Buches musste ich mehrfach unterbrechen. Ich musste sosehr weinen, dass der Text vor meinen Augen verschwamm, und ich hätte gerne laut aufgeschrien über die Ungerechtigkeit, und zugleich fühlte ich mich so erleichtert und frei, als zum Schluss endlich die Wahrheit ausgesprochen wurde und das Buch zwar kein glückliches aber ein erlösendes Ende fand.
VORGESCHICHTE DES BUCHES
Patrick Ness ist Literaturkritiker beim GUARDIAN. Siobhan Dowd war Redakteurin und freischaffende Autorin, sie verstarb 2007 an Krebs. Zuvor erarbeitete sie das Exposé des vorliegenden Buches, doch sie kam nicht mehr zu ihrer Ausarbeitung. Dies hat Patrick Ness für sie übernommen, er erzählt im Vorwort die bewegende Geschichte dieses Buches.
INHALT
Conor hat jede Nacht einen schrecklichen Albträum. Und um 00.07 kommt das Monster, er fürchtet sich. Bis er sieht, dass das Monster nach Mitternacht gar nicht das Wesen aus seinem Albtraum ist. Das Monster macht ihm keine Angst, denn er hat schon viel schlimmere Dinge gesehen, und so beginnt eine seltsame Freundschaft zwischen den beiden. Bald beginnt das Monster Conor drei Geschichten zu erzählen. Der Junge versteht den Inhalt der Geschichten nicht, und die vierte Geschichte soll er erzählen, denn in ihr steckt die Wahrheit. Der Grund, warum das Monster ihn jede Nacht besucht. Doch vor dieser Wahrheit hat Conor Angst:
Conors Mutter leidet an Krebs, sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, doch bald wird sie sterben. In der Schule wird der Junge deswegen gemieden, die Lehrer fassen ihn mit Samthandschuhen an, er wird von Mitschülern gemobbt, seiner Freundin kann nicht verzeihen, dass sie damals den anderen von der Krankheit seiner Mutter erzählte. Er ist alleine, sein Vater ist in Amerika, und seine Großmutter mag er nicht. Das Monster ist gekommen, um ihm zu helfen. Aber helfen wobei? Kann es seine Mutter gesund machen? WOBEI das Monster ihm helfen will, erfährt Conor erst am Schluss, als er endlich in der letzten Geschichte die Wahrheit aussprechen muss.
ERZÄHLSTIL
Die Geschichte ist in sehr schlichten, kindgerechten Worten erzählt. Kurze Sätze, die umso eindringlicher auf den Leser wirken. Keine Fremdwörter, keine komplizierten Formulierungen. Dafür ein umso intensiverer Text, dessen Inhalt sich gerade jüngeren Lesern nicht unbedingt sofort erschließt. Aber das ist in Ordnung, denn auch Conor gibt zu, dass er die Geschichten nicht versteht. Erst am Ende erschließt sich die komplette Bedeutung, als der Leser Conors Albtraum erfährt. Und dieser ist weit schlimmer als das Mobbing, als der nahende Tod, als die mitleidigen Blicke der Lehrer.
Gerade, weil dieses Buch so schlicht geschrieben ist, berührt es so tief. Der Leser, gleichwelcher Altersklasse, kann sich problemlos in Conor hineinversetzen, spürt mit ihm die Hilflosigkeit, die Wut, die Angst. Und noch ein starkes Gefühl, welches ich nicht verraten möchte, weil es erst am Ende zur Sprache kommt. Es hängt unausgesprochen über dem ganzen Buch, der Leser spürt es, will es jedoch ebenso wie der Junge nicht wahrhaben, weil die Wahrheit so schmerzlich ist und weil es ein Tabuthema innerhalb des Themas sterbende Angehörige ist.
BILDER
Die Bilder empfinde ich persönlich als sehr beängstigend aber dennoch kindgerecht, da sie sehr von der jeweiligen Interpretation abhängig sind. Dürre Äste, dunkle Wälder, ein riesiger Baum-Mann, zerstörte Ruinen einer Kirche, alles in Schwarz, Weiß und Grau. Bilder, die direkt aus Conors Albtraum zu kommen scheinen. Keine klar umrissenen Konturen sondern Silhouetten, Schemen, bedrohliche Klauen, die aus der Dunkelheit nach dem Leser greifen. Sie passen sehr gut zu dem entsprechenden Text und unterstreichen die Kernaussage der jeweiligen Kapitel, vermitteln eine sehr gute Atmosphäre.
Manche Bilder sind auf einer kompletten Doppelseite vertreten, andere Bilder sind um den Text herum gemalt, der Text in die Zeichnung integriert, verwoben zu einer Gesamtheit, die Geschichte in einen passenden Rahmen setzend.
PÄDAGOGISCHER ASPEKT
Es ist harter Tobak, auf jeden Fall. Und manch einer wird sagen "das kann man einem Kind nicht zumuten". Kann man nicht? Man kann. Denn einem Kind wird es auch zugemutet, dass die Mutter stirbt, das ist tägliche Realität. Und es ist wichtig, dass Kinder sich mit solchen Themen auseinandersetzen. Conor litt in dem Buch vor allem darunter, dass die Lehrer nur mitleidig wegblickten, dass die Eltern ihm das wahre Ausmaß der Krankheit verschwiegen, dass die Großmutter ihn nicht für seine bösen Taten bestrafte. Und so wie Conor geht es vielen Kindern, die doch eigentlich darüber reden möchten. Die begreifen wollen, was geschieht. Die ihre Gefühle nicht aussprechen können, wenn die Erwachsenen um sie herum die Wahrheit leugnen. Und die Gefühle sind nicht schön, sie sind urgewaltig, glühend und mächtig, so wie das Monster. Kinder brauchen einen Erwachsenen, der sie an die Hand nimmt, der mit ihnen über Schuld, Verantwortung, Trauer, Angst, Wut, Zorn, Hass, Hilflosigkeit redet. Sie müssen erfahren, dass diese Gefühle gestattet sind, und dieses Buch kann ihnen dabei helfen, endlich über das Unaussprechliche zu reden, wofür die Erwachsenen keine Worte haben.
Allerdings sollte man gerade jüngere Kinder nicht alleine mit diesem Monster lassen. Es werden sehr viele Fragen hervorbrechen, und nicht auf alles wird es eine Antwort geben. Die Geschichten sind stellenweise verwirrend, und es wäre vielleicht sogar gut, wenn der Vorleser das Buch zuvor selbst gelesen hat, um den Inhalt der Geschichten im Gesamtkontext zu begreifen und dem Kind Fragen zu beantworten, die erst im späteren Verlauf der Handlung erklärt werden.
FAZIT
Dem Autor ist es gelungen, unaussprechliche Gefühle in greifbare Worte zu verpacken. Siobhans Geschichte, Patricks Umsetzung, das wurde zu einem ganz besonderen Buch, das ich nie wieder vergessen werde ...

SaraSalamander 17.10.2011, 09.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Worte der weißen Königin

DIE WORTE DER WEISSEN KÖNIGIN ist das neue Buch von Antonia Michaelis. Sie hat bereits viele Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die mich begeisterten durch ihre Sprache und Vielfalt, aber der große Wurf ist ihr vor einiger Zeit mit DER MÄRCHENERZÄHLER gelungen. An diesen Erfolg anknüpfend, hat der Oetinger-Verlag wohl auch das Cover gestaltet. Auch die Idee, das "nackte" Buch ohne Schutzumschlag ebenso zu gestalten, das gleiche Motiv nur ohne den Menschen darauf, wurde übernommen. Es ist irritierend für den Leser, denn viele Elemente deuten darauf hin, dass es eine Fortsetzung des MÄRCHENERZÄHLERS sein könnte. Dennoch ist DIE WORTE DER WEISSEN KÖNIGIN ein komplett eigenes Buch.
INHALT
Seine Mutter hat die Familie verlassen, als Lion drei Jahre alt war, seitdem lebt er allein mit seinem Vater. Er lernt sehr viel von ihm, nicht für die Schule, das kann sein Vater nicht, aber fürs Leben. Doch als sein Vater die Arbeit verliert, beginnt er zu trinken, und anstelle des liebevollen Vaters tritt der "schwarze König", der seinen Sohn misshandelt. Lion möchte gerne frei sein wie die Seeadler, und er vermisst die "weiße Königin", die alte Frau, welche den Kindern Märchen vorlas. Doch die alte Frau ist nicht mehr da, und die Seeadler fliegen ohne ihn. Lion beginnt die Schule zu schwänzen, die Seeadler zu zähmen und sich auf die Suche nach Worten zu machen, wie man sie nur in Büchern findet und durch die er sich mit der "weißen Königin" verbunden fühlt. Als die Misshandlungen durch den Vater zunehmen, flieht er von zu Hause und beschließt, mit den Adlern zu leben und die "weiße Königin" zu finden.
GENRE
Für ein Kinderbuch ist dieses Buch meiner Ansicht nach etwas zu ernst. Während Lindgren in den BRÜDER LÖWENHERZ die Dinge wie den Tod umschreibt, ist Michaelis sehr direkt. Ein Kind wird geschlagen, ausgepeitscht, und es es denkt stellenweise daran, den eigenen Vater zu töten. Und dennoch sind die Worte kindgerecht. Für die Kleinsten ist es nicht passend, doch die Altersgruppe Lions, Kinder um die 10 Jahre, dürften bereits Verständnis für dieses Buch haben, wenn man sie nicht alleine damit lässt und mit ihnen darüber redet.
Durch die poetische Sprache, die zahlreiche Symbolik und die fantastischen Elemente mutet das Buch an wie ein Märchen. In Anlehnung an den Begriff der "Urban Fantasy" möchte ich gerne den Begriff "Urban Fairy Tale" einführen. Ein modernes Märchen, das in der Gegenwart spielt. Und so, wie Märchen grausam sein können, so ist auch dieses Buch auf gewisse Weise grausam und zugleich doch schön. Ein Widerspruch, wie ihn nur Märchen in sich vereinen können.
Das Buch vermischt Märchen und Realität auf faszinierende Weise. Während man in klassischen Märchenbüchern klar weiß, was Realität und Fiktion ist, so sind die Grenzen hier fließend. Kann man einen Seeadler zähmen? Kann ein Kind im Horst eines Seeadlers nächtigen? Auch ist der unsichtbare Freund (hier in Gestalt der jüngeren Schwester, einer Personifikation der nicht gelebten Wut Lions) ein häufiges Thema in realen Geschichten. Doch was, wenn der unsichtbare Freund mit realen Menschen agiert und diese reagieren: vielleicht ist der Freund ja doch real? Oder vielleicht können nur andere Kinder ihn sehen, nicht jedoch die Erwachsenen? Oder vielleicht ist es eine Metapher für das, was eigentlich Lion selbst tut und psychologisch betrachtet von sich abspaltet?
Das Buch richtet sich auch an Erwachsene, denn Kinder werden wohl all die Anspielungen nicht verstehen, können nicht die komplette Tragweite des Buches erfassen. Und ich bin sicher, dass durch die vielen verschiedenen Symbole auch die Erwachsenen das Buch sehr individuell lesen werden, jeder wird etwas anderes darin sehen und die Situationen unterschiedlich deuten. Es gibt unbeantwortete Fragen am Ende, die Antworten finden sich zwischen den Zeilen in einzelnen Umschreibungen. Ich bin sicher, dass das Buch die Gemüter sehr spalten wird. Das gefällt mir, denn es stellt keinen Absolutheitsanspruch, statt dessen regt es zum Nachdenken und Diskutieren an.
GEFÜHL WÄHREND DES LESENS
Dies ist das Einzige, wo ich Parallelen zum MÄRCHENERZÄHLER ziehen möchte. Das Gefühl während des Lesens ist fast das gleiche. Einerseits die wunderbaren Worte, die ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln, die klaren Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen. Und zugleich der dicke Kloß im Hals, der den Leser zum Weiterlesen zwingt, man möchte den Kloß loswerden, man wünscht sich, dass diese Anspannung sich löst. Und doch ist das Buch zu realistisch, als dass es schön sein könnte. Eine dunkle Melancholie legt sich wie eine Decke über den Leser, nur manchmal wagt er einen Blick in den Himmel, wo er mit Lion und den Adlern durch den Himmel gleiten und diese Freiheit erleben möchte. Oft musste ich das Buch für einige Momente unterbrechen und das wirken lassen, was ich eben gelesen hatte. Ich kann nicht davon lesen, wie ein Vater sein Kind mit einem Holzscheit prügelt und dann einfach weiterlesen, als wäre nichts geschehen. Es braucht eine Pause, um dies zu verdauen. Die kindlichen Gedanken und Worte machen das Geschehen umso tragischer, die Verletzbarkeit des Jungen, seine kindliche Unschuld wirken regelrecht greifbar.
DER MÄRCHENERZÄHLER machte mich betroffen, doch dieses Buch steigert diese Gefühl. Denn Anna und Abel sind Jugendliche, die bereits eine gewisse eigene Entscheidungsfähigkeit und Selbstverantwortung tragen. Lion ist noch ein Kind, und er ist den Erwachsenen ausgeliefert. Sein Versuch sich zu wehren und Freiheit zerreißt dem Leser schier das Herz, vor allem, wenn er getriggert wird und Dinge tut, die ein Kind in diesem Alter niemals tun sollte, weil es Dinge weiß, die ein Kind nicht wissen sollte ...
LITERARISCHE BEZÜGE
Wie auch schon in einigen ihrer anderen Bücher bezieht sich Antonia Michaelis auf andere bekannte Bücher. In diesem Fall sind es Kipling (Rikki Tikki Tavi), Exupery (der kleine Prinz) und Astrid Lindgren (Klingt meine Linde, die Brüder Löwenherz). Geschickt hat sie die einzelnen Elemente in die Handlung gebracht und den Inhalten eine neue Bedeutung verliehen. Ich mag diese Bezüge und finde sie sehr treffend, sie passen in das Buch, stellenweise scheint es fast, als wären diese Geschichten Inspiration gewesen und als hätte sie das Märchen von Lion (der nicht zufällig den Namen des Löwen trägt) um diese Elemente herumgewebt.
Auch fällt es auf, wie sie Sprache und Metaphorik sowie die Bezüge zu den anderen Geschichten miteinander verbindet. So ist Olin, Lions unsichtbare Freundin / Schwester namentlich ein Anagram von Lions Namen. Und hat eine klangliche Ähnlichkeit zu dem Mädchen Malin, was ich hier jedoch ohne Spoiler nicht näher erklären kann aber sich dem Leser nach der Lektüre erschließen wird.
THEMEN
Das Buch beinhaltet sehr viele elementare Themen. Einige davon werden klar benannt, andere sind zwischen den Zeilen zu finden. So geht es nicht nur um Kindsmisshandlung, sondern auch um Wut, Hass, Angst. Aber auch Vergebung, Familie, Freiheit, Selbstbewusstsein, Stärke und Mut. Es stellt sich oft die Frage, was wichtig ist im Leben. Lion ist arm, er trägt zerfetzte Kleidung, geht auf eine Förderschule und beneidet andere Kinder um das, was sie haben: MP3-Player, neue Kleidung, ferngesteuerte Autos. Er ist wütend darüber, wie wenig sie ihre Frisur schätzen und wiesehr sie sich gehenlassen. Und doch ist er froh über das, was er hat und sie niemals haben werden: die Freiheit und das Wissen der Seeadler. Es ist ein Buch der großen Gefühle, gekleidet in kleine Worte mit großer Bedeutung. Lion sagt von sich selbst, dass ihm die Worte fehlen, erst durch die weiße Königin lernte er neue Worte kennen, die seinen Horizont erweiterten, doch als die Königin ging, suchte er nach neuen Worten, aber das Buch bleibt mit ihm stehen. Die Worte sind einfach. Die Inhalte sind groß ...
FAZIT
Das Buch hat mich sehr bewegt, und unter den aktuellen Büchern ist es auf jeden Fall eine absolute Empfehlung für Jung und Alt. Kinder ab 12 Jahre sollten es allerdings nicht alleine lesen sondern einen Erwachsenen an ihrer Seite haben. Ältere Leser sollten sich bewusst sein, dass all die ernsten Themen nicht in Absolutheit behandelt werden können und vieles unbeantwortet bleiben muss. Die Worte klingen sanft und still, doch ihre Wirkung ist gewaltig. Ein Buch, für das man Zeit braucht und ein offenes Herz.
SaraSalamander 08.08.2011, 09.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Legende der Wächter
Schleiereule Soren und seine kleine Schwester Eglantine lieben die Geschichten um die Legende der Wächter: Eulen, die über den Frieden wachen und ihr Volk im Kampf gegen die "Reinen" verteidigen. Zu gerne wäre Soren einer von Ihnen.Beim "Nesteln" stürzen er und sein Bruder Kludd vom Baum und werden von fremden Eulen aufgefangen, entführt und zu einer Gruppe von anderen Eulen gebracht, wo sie in die Lager der Sammler und Soldaten gespalten werden. Soren wird zu einem Sammler, sein Bruder wird Soldat. Soren freundet sich mit einer kleinen Eule an, und beide finden heraus, dass sie bei den Reinen gelandet sind und diese einen bösen Plan gegen die Wächter führen. Doch wie soll es den beiden kleinen Eulenkindern, die ja noch nicht einmal richtig fliegen können, gelingen, bis zu den Wächtern zu fliegen und sie zu warnen? Sie machen sich auf eine unmögliche und gefahrvolle Reise, hin zu einem Ziel, von welchem sie nicht einmal wissen, ob es denn überhaupt existiert ...
DIE LEGENDE DER WÄCHTER ist die Verfilmung einer Buchvorlage. Und ich muss leider gestehen, dass ich vor dem Film noch nichts von dem Buch gehört, es somit auch noch nicht gelesen hatte. Trotzdem entschied ich mich dieses Mal, zuerst den Film zu sehen. Er hat mich begeistert. Ob er dies auch getan hätte, wenn ich das Buch zuerst gelesen hätte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall muss ich sagen, dass der Film neugierig gemacht hat und ich die Bücher auf jeden Fall lesen werde!
Ich war während des Filmabends einfach nur begeistert! Die Animationen sind wunderschön, und alle paar Minuten dachte ich mir "was für ein geniales Poster" oder "toller Desktophintergrund". Die Bilder sind sehr detailliert, jede einzelne Feder, jedes Blatt im Wind, jeder Regentropfen, nichts wurde übergangen. Und zwischendurch immer wieder die monumentalen Bilder von Landschaften oder der Weite des Himmels, jedes ein Kunstwerk für sich. Selbst ohne Ton wäre es berauschend gewesen, einfach nur zu sitzen und die Bilder zu betrachten (Und diese Aussage von mir, die ich wirklich kein visueller Mensch bin und Filme meistens nebenbei laufen lasse und nur auf die Worte höre. Das will mal wirklich etwas bedeuten, wenn Bilder mich sosehr berühren wie hier!)
Auch der Sondtrack ist hervorragend. Die Musik stört niemals, fällt nicht als zu laut oder aufdringlich ins Gewicht, ist jedoch immer präsent, untermalt sehr gut die aktuelle Stimmung und hat an den wichtigen Stellen eine wundervolle Melodie, sie ist sehr eindringlich, und der Titelsong am Ende ist ein Genuss. Man möchte den Abspann allein des Liedes wegen bis zum Ende sehen / hören. Hier ist es sogar eine Überlegung wert, ob ich mir vielleicht bald den Soundtrack kaufen werde.
Die Handlung bietet sehr viele Identifikationsmöglichkeiten für unterschiedliche Charaktere, und die einzelnen Figuren sind sehr schön herausgearbeitet. Obwohl die Geschichte sehr stark gerafft ist (gleich mehr dazu), entwickeln sich die Protagonisten deutlich weiter, ihre Aktionen sind nachvollziehbar und bieten eine sehr gute Projektionsfläche für eigene Ängste, Hoffnungen und Wünsche gerade der jüngeren Zuschauer. Für Erwachsene ist da natürlich weniger gegeben, denn die Handlung und die Charaktere sind äußerst "klassisch", und es ist von Anfang an klar, wie es weitergehend wird. Wirkliche Spannung kommt eigentlich nicht auf, denn die Geschichte hat man in unterschiedlicher Form schon viele Male gesehen, wenn auch nicht mit Eulen. Aber es sind eben die klassischen Inhalte, die immer wieder gefallen, und dieser hier ist einfach bezaubernd umgesetzt.
Familienkino im ganz großen Stil. Allerdings halte ich es nicht für ratsam, den Film 6jährige ohne Aufsicht sehen zu lassen. Denn der Film ist ab 12 Jahren konzipiert, und das merkt man ihm inhaltlich auch sehr stark an. Damit er auch für jüngeres Publikum geeignet ist, schnitt man ihn in Deutschland um ganze drei Minuten (leider eine elementare Szene, welche für das spätere Verständnis wichtig ist. Es wird später ein Verrat angeklagt, der jedoch zuvor herausgeschnitten wurde!), doch die gesamte Aussage des Filmes ist und bleibt trotzdem ungeeignet für 6jährige, da sie stellenweise recht grausam und vor allem komplex ist, sodass dem Kind die brutalen Bilder bleiben ohne das Verständnis des Geschehens. Dies ist eine Filmpolitik, die bei mir auf große Ablehnung stößt, aber da stehe ich zum Glück nicht alleine. Filme der Zensur zum Opfer fallen lassen, Handlung zerstückeln und dafür aber eine Freigabe erwirken, die zwar unpassend ist, dafür aber die Kassen klingeln lässt. Nein danke! Zum Glück war die DVD nur geliehen. Kaufen werde ich sie ungeschnitten, und falls das in Deutschland nicht erhältlich ist, dann gerne als Import!
Ein weiterer Nachteil des Familienfilms in diesem Fall ist, dass die tragischen Elemente manchmal nicht zu den albernen Momenten passen. Im Grunde ist DIE LEGENDE DER WÄCHTER ein nachdenklicher, düsterer Film, doch für das jüngere Publikum wurden natürlich Sidehooks eingebaut und witzige Momente gezeigt, die jedoch hier und da die Stimmung stören. Nichts, was den Filmgenuss enorm schmälert, aber eben doch sehr auffällig.
Die Geschichte ist sehr stark gerafft. Nach dem Film wünschte ich mir, dass man die Handlung auf drei Teile gezogen hätte. Denn die Entführung und Erziehung durch die Reinen wurde in wenigen Minuten abgehandelt, und doch hätte man da so viel daraus machen können. Der Film ist verständlich, und es stört nicht, dass dieses Thema nur angerissen wurde, aber es war offensichtlich, dass man sehr viel mehr hätte herausholen können. Auch die beschwerliche Reise fühlte sich stark gekürzt an und hätte sehr viel Potential geboten für einen ganzen, eigenen Film. Ankunft, Krieg, Sieg, und das wars, wobei auch hier mehr Zeit ein Gewinn gewesen wäre. Als ich später im Web recherchierte, erfuhr ich, dass genau diese drei Elemente jeweils ein eigenes Buch erhalten hatten. Und so bin ich mir sicher, dass der Film nur die Grundhandlung wiedergibt und die eigentliche Geschichte vermutlich um einiges intensiver ist.
Ich werde also ganz sicher bei Gelegenheit das Buch in der Bib reservieren, um in den vollen Genuss der spannenden Geschichte um die mutige Eule Soren zu kommen. Aber den Film werde ich mir dennoch kaufen, die Bilder sind einfach zu schön ...
Fazit? Empfehlung? Aber sicher! Den Jüngsten rate ich nicht gerade zu diesem Film, aber ab 10 bis 12 Jahre ist die Handlung verständlich, und auch für Erwachsene ist DIE LEGENDE DER WÄCHTER wunderschön anzusehen, ein Film zum Träumen und Abschalten.
SaraSalamander 28.02.2011, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Spice and Wolf
Für eine Rezension ist es definitiv zu früh. Aber schon jetzt bin ich begeistert. Und da es nicht aussieht, als wäre die Serie endlos (sowas nervt mich irgendwann. Ich liebe es knapp und abgeschlossen), kann sie das Niveau bestimmt halten. Bei meinem Streifzug durch den Mangaladen stieß ich auf SPICE AND WOLF. Cover, Klappentext, Zeichnungen auf den ersten Blick absolut ansprechend. Egal, wieviele Bände, wenigstens anlesen und reingucken. Und zu Hause nun die absolute Begeisterung. Ursprünglich ist SPICE AND WOLF eine >Light Novel<. Gibt es hier in dieser Form nicht, kennt man nur in Japan. Dazu kam nun der Manga auf den Markt und auch eine Animeserie. Und ich will am liebsten alles, jetzt und zwar sofort! Wirklich eine Schande, wie sie uns hier in Deutschland anfixen und dann das Zeugs nicht komplett hier veröffentlichen *jaul* ...
Lawrence ist Händler und reist durch Städte und Dörfer. Holo ist eine junge Frau mit Wolfsohren und einem langen, buschigen Wolfsschwanz. Sie behauptet die Erntegottheit des Dorfes Pasloe zu sein und möchte nun mit Lawrence reisen.
Das ist es, was ich bisher weiß, und ich weiß auch nicht, wohin sich die Story entwickelt. Kann mir aber denken, dass so eine Wolfsfrau einige Probleme mit sich bringt, sei es durch ihr Verhalten oder auch die Angst der Menschen ihr gegenüber. Und ein wenig Romance wird besitmmt auch noch folgen, denn die beiden passen einfach hervorragend zusammen! Die Bilder sind wunderschön, ob nun im Manga oder im Anime. SPICE AND WOLF ist kein Hauruck, keine Action, sondern eine ruhige Erzählung, wie ich sie liebe. Langsam, sanft, emotional, inhaltsreich auch ohne große Worte. (Für die, die sich ein wenig auskennen auf diesem Gebiet: ich mag Serien wie z.B. WOLFS RAIN, HAIBANE RENMEI oder ähnliche).
Besonders die Charaktere sind toll. Sie sind mir schon nach wenigen Seiten direkt ans Herz gewachsen. Lawrence, selbstbewusst als Händler und in persönlichen Dingen doch recht schüchtern. Und Holo, keck, gewitzt und frech, aber auch treu und eben doch eine Göttin in ihrer Anmut und Macht. Ein wundervolles Gespann, das ich gerne auf der Reise begleiten werde :-)
Es ist eine von den Geschichten, die ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Und ich kann es nicht erwarten, bis es endlich bei uns erscheint! Wenigstens den Manga kann ich jetzt schon lesen (auch, wenn ich frustriert bin, dass ich bis April auf die Fortsetzung warten muss).


SaraSalamander 24.02.2011, 10.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Angel Sanctuary Deluxe
Mir geht es gerade eher um Marketing. Denn diese Mangaserie ist seit 2000 im Abstand von zwei Monaten in 20 Bänden erschienen (40 Monate, das ging *grübel* knapp über drei Jahre). Oh mann, 2000 war es? Ich fühle mich gerade so alt, da war ich noch zarte 23, jung und unschuldig, noch ganz in der Anfangsphase meiner Mangasucht, da glaubte ich noch an das Gute im ...
ach, egal, zurück zum Marketing. Die Serie wird vermarktet ohne Ende. Soundtracks gibt es in Japan zu kaufen (super Musik, hab ich mir geholt, absolut gelungen, rein instrumental, episch, monumental, grandios!), es gibt ein Hörspiel (leider nur auf japanisch *grml*), einen Anime (auch auf Deutsch, leider Abschreckung für jeden, der auf die Serie neugierig wird, absolut misslungen. Die Stimmen eine Qual, die Umsetzung der Handlung schlecht, und die weibliche Protagonistin möchte man am liebsten erschießen). Unzählige Artbooks sowieso, Poster, Sticker, Postkarten, Taschenkalender, Abreißkalender, Lesezeichenkalender, Schlüsselanhänger, Kartenspiele, Merchandise bis zum Erbrechen.
Und weil nach 10 Jahren die alten Mangas bestimmt zerfleddert sind vom ständigen Lesen (und so fetischlastig, wie der Manga unterschwellig ist, bei manchen vielleicht auch vom ... Themawechsel!!! Die Japaner schaffen es wirklich, solche Sachen ohne Altersbeschränkung auf den Markt zu bringen, man muss es nur tarnen, und mit meinen damals zarten 23 war ich noch jung und unschuldig, wusste nichts davon, erwähnte ich das schon?).
Also, wie gesagt, die Bände der meisten Fans dürften nach 10 Jahren recht zerfleddert aussehen. Und außerdem haben die Fans inzwischen alle Poster, Sticker, Soundtracks, Hörspiele (auch wenn sie kein Wort verstehen), Tassen, Artbooks etc gekauft. Mist, kein Geld mehr damit zu machen!
Kein Problem, also bringt man das Ganze als Hardcover raus. Zwei farbige Bildchen dazugemacht auf glänzendem Papier (Bilder aus dem Artbook, die es als Poster, Kalender etc schon vor Jahren gab, aber eben noch nicht im Manga als Beigabe), und zwei Bände zwischen einen Deckel gepresst. Verlangen wir das Gleiche wie für zwei Bände, denn auch wenn es alt ist, ist es immerhin hübscher als damals.
In Frankreich gab es das auch schon mal, die dortigen Bände fand ich allerdings etwas hübscher, grau und altertümlich gemacht, hier eher in Grün gehalten, was mich sehr wundert. Denn mit Angel Sanctuary verbinde ich immer die Farbe blau auf allen colorierten Bildern.
Was den Manga also unterscheidet: zwei Bände zusammengefasst zu einem. Außerdem Hardcover statt Taschenbuch. Ein Blatt, beidseitig mit buntem Bildchen bedruckt. Ein wunderhübscher Schriftzug mit dem Namen der Autorin sowie dem Wort "Deluxe". 5 Schwarz-Weiß-Seiten mit zusätzlichen Infos z.B. über die Engel, die Namensgebungen, die Figuren, den Manga an sich. Was gleich geblieben ist ist der Preis für zwei Mangas. Außerdem auch die Werbung am Ende.
Ich hätte es schöner gefunden, wenn man es ein wenig günstiger gemacht hätte. 10 Jahre nach Erscheinen dürfte man schon mal etwas reduzieren, so als kleines Dankeschön für die Fans. Auch die Werbung stört mich. In normalen Mangas ist das so üblich, das ist mir klar. Aber wenn ich schon eine super sonder teuer extra special Deluxe kaufe, dann fände ich es schön, wenn ich von Werbung verschont bleibe und einfach nur das kriege, was ich mir gekauft habe.
Muss man diese Ausgabe jetzt kaufen?
Ich wünschte, ich könnte sagen nein. Und im Grunde rate ich davon ab. Denn es ist Kommerz. Geldschneiderei. Eigentlich eine Unverschämtheit. Wer die normalen Mangas im Schrank stehen hat, braucht diesen Sonderband nicht.
Dass ich ihn mir zu Weihnachten selbst geschenkt habe (und damit natürlich auch die Fortsetzungen) tut nichts zur Sache. Das ist was anderes. Ich würde es auch niemals zugeben. Denn ich brauche diese Bände nicht. Aber sie sehen halt so toll aus im Regal *seufz*. Jaja, ich schäme mich, stelle mich in die Ecke. Trotzdem, empfehlen würde ich es nicht. Außer für all diejenigen, die wie ich zu den absoluten Fans gehören.
Warum ich so ein großer Fan dieser Serie bin? Nun ja, schon davor gab es Mangas, aber das waren meist eher Sachen wie Sailor Moon oder DragonBall. Mangafreund der allerersten Stunde darf ich mich also leider nicht nennen, aber das macht nichts. Denn erst später wurden die Werke erwachsener, gingen über Magical Girl und kämpfende Boys hinaus.
Aber Angel Sanctuary war dann mal interessant. Spannende Story, Dark-Fantasy, Engel und Dämonen. Ein Haufen schwarzer Mäntel, Lack und Leder, Peitschen und Hüte, oberschenkelhohe Stiefel, androgyne Figuren, die irgendwo zwischen den Geschlechtern zu finden sind und auch keine Lust haben, sich festzulegen. Nebenbei ein wenig Bondage, jede Menge D/S, ein bisschen Blut und Splatter, qualvolle Folter, unerfüllte verbotene Liebe über die Jahrtausende mit immer neuer tragischer Wiedergeburt, in Schwerter gebannte Seelen, reine weiße Unschuld neben blutverkrusteter dunkler Sünde, ein paar zombieartige Wesen, ein Krieg zwischen Engeln und Dämonen, haufenweise Tentakel, Schläuche und Engelsfedern, Aufhebung von Gut / Böse, dazu ein verrückter Hutmacher, Anspielungen auf unterschiedlichste Mythologien wie Christentum, Islam, Kabbala, Esoterik, Edda, asiat. Mythos und noch mehr.
Von der unglaublichen Komplexität und Tiefgründigkeit der Geschichte (und dies sage ich ohne Ironie) ganz zu schweigen. Als Roman würde es hier bei uns wohl jede Fantasysaga weit, weit in den Schatten stellen, gleich Tolkien oder Rowling wäre sie Maßstab und Wegbereiter. Doch leider haben Mangas bei uns im Westen noch nicht diesen Stellenwert und werden noch zu wenig ernst genommen ...
Und so wurden wir Mangafans dann geschaffen. Seitdem sind wir gezwungen, jeden Monat neue Shonen Ai, Yaoi, Magical Girl, Love-Comedy, Shonen, Shojo, Josei, Seinen und sonstigen Sachen zu kaufen. Angefixt und danach niemals wieder die gleiche Erfüllung gefunden, aber doch ausreichend, um uns bei der Stange zu halten.
Sind wir Mangafans ein wenig krank oder pervers? Sind wir. Na und, wir stehen dazu und sind es gern ;-)

SaraSalamander 22.12.2010, 15.07 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Eine Weihnachtsgeschichte
Weihnachten mag ich nicht, und Weihnachtsgeschichten erst recht nicht. Von der Musik ganz zu schweigen. Alles Humbug. Ich gehöre zu denen, die sich wünschen, dieses olle Fest wäre schnell vorüber. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ich widerwillig gestehen muss dennoch zu mögen. So unter anderem die Weihnachtsgeschichte von Dickens. Klar, im Original gelesen immer noch am besten, aber die aberdutzenden Verfilmungen sind auch nicht ohne. Meine bisherigen Favoriten waren die mit den Muppets und die mit Patrick "Jean Luc Picard" Stewart. Nun kam noch eine dritte hinzu: die animierte Version von Disney.Disney? Die mit den kitischigen Sachen, die früher mal gut waren (vom hausbacken und albern mal abgesehen) und irgendwann keinen Spaß mehr machten, weil sie nur noch Schrott produzierten? Genau die! Denn in den letzten Monaten war ich einige Male sehr irritiert, zuletzt war es >"Oben"<, was mich sehr erstaunt hatte über den Beitrag von Disney.
Ich denke, über den Inhalt muss ich nichts mehr erzählen. Oder doch? Nagut, hier die Kurzform: der böse, hartherzige, kalte, geizige, verbitterte usw Ebenezer Scrooge ist so böse, hartherzig, kalt usw, dass er sogar an Weihnachten böse, hartherzig usw ist. Kein freier Tag für die Mitarbeiter, böse Worte an Spendensammler, keine Kohle zum Heizen, nichts. In der Weihnachtsnacht erscheint ihm der Geist des verstorbenen Kollegen Marley, welcher ihm drei Geister ankündigt. Der erste zeigt Scrooge, wie er Weihnachten damals erlebte, bevor er einsam war. Der zweite zeigt ihm, wie gegenwärtig die Menschen in seiner näheren Umgebung Weihnachten feiern und über ihn denken. Und der dritte zeigt, was passieren könnte, wenn sein böses, hartzherziges usw Herz sich nicht erweichen lässt. Scrooge bekommt Angst, und schwupps wird er ein guter Mensch.
Albern, Humbug, mir ist das zu kitschig. Trotzdem mag ich die Geschichte, weil ich die Idee dahinter klasse finde. Der Weihnachtskram nervt mich, vor allem der zweite Geist ist schrecklich mit seinem Lachen, in jeder Verfilmung, auch im Original nervt er mich. Aber egal, gehört dazu. Was ich mag, sind die Geister, der Gedanke dahinter. Es ist zwar in eine kitschige Weihnachtsstory verpackt, doch die Idee ist grandios, und es ist spannend zu sehen, wie aus dem kleinen Jungen ein solch harter Mann werden konnte, und wie er nun seine Zukunft selbst in die Hand nimmt. Und wenn Patrick Stewart oder die Muppets mitwirken, erst recht.
Und nun eben auch Disney. Animiert in 3D. Ich konnte es nicht fassen, als ich den Vorspann sah, er war grandios, und ich musste an manchen Stellen schon sehr genau hinsehen, ob es nicht ein realer Film war. Er wird beworben mit Jim Carrey, Bob Hoskins, Colin Firth und anderen Schauspielern, und man erkennt im Film sehr deutlich, wer von ihnen wer ist, die animierten Figuren gleichen den Menschen aufs Haar. Jede noch so kleine Geste, jedes Stirnrunzeln oder Fingerzeigen, alles ist perfekt animiert.
Die Bilder sind unglaublich gestaltet, sowohl in ihrer Animation wie auch in ihrer Symbolkraft. Noch nie hat mich diese Geschichte so enorm beeindruckt wie gestern! Es gibt einige sehr kleine Abweichungen zum Original, die ich sofort verzeihe, weil sie hervorragend umgesetzt sind. Und eine grandiose Verfolgungsjagd, die im Buch in dieser Form keinesfalls vorhanden ist, aber auch hier drücke ich alle Augen zu, denn es war perfekt passend in den Film! Ich möchte keines der Bilder missen, die ich im Kino sah, und ich werde mir diese Version auf jeden Fall auf DVD holen.
Pechschwarze Pferde, welche der Hölle entsprungen scheinen, mit feuerglühenden Augen, die sogar mir abgebrühtem Cineasten einen grausigen Schauer über den Rücken jagten. Ein turmhohes Uhrwerk, welches im Hintergrund tickt und die Zeit vorantreibt, die Vergänglichkeit der nahen Zukunft bewusst macht. Ein in Ketten gelegter Geist, eine von Geistern gesäumte Straße, der dritte Geist so unheimlich wie noch nie zuvor. Unwissen und Not verschreckend und beängstigend in ihren ausgemergelten Körperchen und verhärmten Gesichtern.
Es ist zudem ein Film, für den man Popcorn und alles Störende weglassen sollte, ich habe es später bereut. Denn abgesehen von einer actionreichen Szene ist es sehr still, die Musik gering dosiert, die Sprache ruhig, alles wirkt alleine durch die Bilder und knappen Dialoge. Ich halte ihn in seiner Gesamtheit für ein wirklich einzigartiges Meisterwerk, wie es in dieser Form nur sehr wenige gibt.
Allerdings, Disney hin oder her, für junge Kids würde ich ihn keinesfalls empfehlen. Ab 12 etwa, denn es gibt einige schon recht schaurigen Bilder. Wie gesagt, auch wir Erwachsenen saßen im Kinosessel und waren recht erschrocken darüber, wie düster Disney geworden ist. Früher kannte ich dies nur (in abgeschwächter Form, nicht so extrem wie hier) von Don Bluth (Anastasia, Nimh, Feivel, Littlefoot, Titan A.E. etc), doch so langsam beeindruckt Disney mich. Und dass sie noch immer niedliche abendfüllende Kinderfilme machen, zeigen sie ja zusätzlich dieses Jahr mit "Küss den Frosch".
Einziges Fazit: unbedingt ansehen. Und zwar im Kino in 3D!
SaraSalamander 07.11.2009, 12.59 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Hansel und Gretel
Die Märchen der Gebrüder Grimm sind weit über den deutschen Kulturschatz hinaus bekannt und beliebt. Immer wieder sind sie Grundlage für Varianten an Märchen, Fantasy, Horror. Mal leicht abgewandelt, mal dicht an der Vorlage. Mal kindgerecht, ein andermal bluig oder sexuell für Erwachsene. Neben Rotkäpchen zählt Hänsel und Gretel zu den Märchen, die am häufigsten hierfür verwendet werden. Ich kann gar nicht zählen, wie viele ausländische Filme und vor allem Mangas ich bereits über Variationen der Gebrüder Grimm gelesen habe!Eine besonders gelunge Version, die ich heute vorstellen möchte, ist "Hänsel und Gretel". Das Grundmotiv bleibt erhalten: Kinder im Wald, ein böser Mensch, die Kinder begehen Rache.
Eun-Soo fährt gerade zu seiner kranken Mutter, als er im Wald einen Unfall hat. Hilflos irrt er durch das Gehölz, als ihm ein hübsches Mädchen begegnet und ihn zu ihrem nahegelegenen Elternhaus führen will, wo sie mit Vater, Muter und zwei Geschwistern lebt. Alles dort erscheint ihm seltsam, aber er hat keine Wahl, als die Nacht dort zu verbringen. Am nächsten Tag bricht er mit einer Wegbeschreibung auf und will zurück zu seinem Auto, doch er landet am Abend wieder in dem seltsamen Haus. Noch hält er das für einen Zufall. Doch als ihm dieses mehrere Male immer wieder passiert, ahnt er, dass etwas nicht stimmt. Und plötzlich verschwinden die Eltern der drei Kinder und bitten ihn auf einem Notizzettel, für diese Sorge zu tragen. Immer seltsamer wird das Verhalten der Geschwister, immer bedrohlicher die gesamte Situation. Ein weiteres Ehepaar baut einen Unfall und wird von dem Bruder nun ebenfalls in das Haus geführt, kann nicht mehr entkommen. Die beiden Erwachsenen scheinen Böses zu planen, und Eun-Soo schwankt in seinem Verantwortungsgefühl für die Kinder und seiner Sorge um die eigene Familie zu Hause, für welche er seit Tagen verschollen gilt. Die Lage spitzt sich zu, und wenn er den Wald verlassen will, muss er zuvor das schreckliche Geheimnis der Kinder lüften ...
Erst recht spät gegen Ende des Filmes werden die Bezüge zum ursprünglichen Märchen "Hänsel und Gretel" sichtbar, und je deutlicher sie werden, desto faszinierter war ich von der Geschichte, welche die Koreaner hier gewoben haben! Der Film behandelt quasi die Frage was mit Hänsel und Gretel geschehen wäre, wenn sie nicht am Ende ihre bösen Eltern aufgesucht, sondern sich an allen grausamen Erwachsenen gerächt hätten.
Es ist kein "reinrassiger" Horrorfilm, aber dennoch ist er sehr unheimlich. Ohne Schockeffekte, ohne literweise Blut, ohne gruslige Effekte kommt der Film aus, und doch brennen sich die Bilder in ihrer Intensität ins Gedächtnis. Surreale Schauplätze bilden die Kulisse, schaurige Orte werden verzerrt und spielen mit den Urängsten der Menschen. Der Dachboden ist ein Labyrinth ohne Ausgang, der Wald steckt voller düsterer Geheimnisse, und die aufgesetzte Niedlichkeit des Hauses wirkt umso bedrohlicher, je bunter und zuckriger die Bilder werden. Kleine Holzpüppchen beginnen wie im Märchen zu fliegen und mit den Kindern zu spielen, ein Weihnachtsmann lässt Wünsche wahr werden.
Ein zauberhaftes Märchen, ein ernster Hintergrund. Die Handlung ist am Ende nicht leicht zu verkraften, und wie bei Asiafilmen üblich erfährt der Zuschauer, dass Gut und Böse nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen ...
Ich kann diesem Film nur jedem empfehlen, der offen ist für neue Eindrücke. Nichts für nebenbei, sondern tiefgründige Unterhaltung, bei der man sich in Ruhe auf das Geschehen am Bildschirm konzentrieren sollte. Ein Film, auf den man sich einlassen muss ...
SaraSalamander 28.09.2009, 09.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Die Nacht der Zaubertiere
Als ich das Buch damals mit etwa 15 Jahren in den Händen hielt, war ich begeistert. Genau das, was ich gerne las (und auch heute noch gerne lese). Koontz war mir kein Begriff, das Horrorgenre noch weitigehend fremd. Aber für Fantasy war ich schon immer zu haben. Und dieses Buch sah aus wie ein MUSS!Der alte Spielzeugmacher Vater Isaak stirbt. Und nun soll seine Fabrik der lebenden Zaubertiere an den nächsten übergeben werden. Doch Vater Isaak starb zu früh, und nun ist es die Aufgabe der verzauberten Stofftiere, allen voran der mutige Teddybär Amos, Martha Miller in der Stadt aufzusuchen und ihr von dem geheimnisvollen Laden mit seinen lebenden Spielzeugen zu erzählen und ihr die Nachfolge zu übergeben. Die Zeit arbeitet gegen die sechs mutigen Helden, und getrieben von böser Energie strebt bereits der frisch aus der Haft entlassene Zacharias Zack auf das alte Haus zu, um die Firma zu übernehmen und grausames, bösartiges Spielzeug zu erschaffen. Können die freundlichen Tiere rechtzeitig Martha auffinden und den Kampf gegen das Böse gewinnen?
Ach, wirklich süß. Ein Kinder- und Jugendbuch, absolut kein Horror. Leider hat das Buch im Internet ziemlich viele schlechte Bewertungen bekommen, weil die Leser als Fans von Koontz natürlich etwas anderes erwartet hatten. Und statt dessen erhielten sie - ein niedliches Fantasyabenteuer ohne spannende Wendungen. Es ist einfach ein nettes Märchen, dessen Ausgang bereits klar ist. Eben ein wunderschönes Vorlesebuch für ältere Kinder. Es gibt einige "schaurige" Elemente, etwa den hässlichen "Jack in the Box" Schratz oder die gemeine Hornisse, je nach Alter und Erfahrungsstand werden die Kinder aber problemlos damit umgehen können (manche Grimms-Märchen sind grausiger, finde ich).
Das Buch hat mich damals nicht mehr losgelassen, und ich mochte die Figuren alle sehr. Den tapferen Bären Amos (der immer jawollja sagt, das habe ich mir von ihm angewöhnt und bis heute beibehalten *hihi*), den weisen "Alten", den frechen Hasen Hupf, den etwas realitätsfremden Elefanten Einstein, die sanfte Hündin Karamell und der eitle gestiefelte Kater.
Und was ich diesem Buch ganz besonders zugute halte: ich hatte es im Urlaub dabei, als ich auch meine Schwester traf, etwas jünger als ich. Sie war damals nicht wirklich eine Leseratte, Bücher hatte sie immer bewusst ignoriert. Aber ich habe ihr solange von dem Buch erzählt, bis sie es dann doch einmal in die Hand nahm. Und nicht mehr weglegen konnte, bis sie es fertiggelesen hatte! Und seitdem nahm sie öfters mal ein Buch in die Hand, bevorzugt Dark Fantasy oder später dann auch Horror. Ich frage mich manchmal, ob sie sich ebenso an dieses Buch erinnert wie ich, war es doch für ihre Verhältnisse das erste wirklich richtige Buch?
Erwachsene Leser, die es komplexe Geschichten lieben und auch in der Fantasy gerne reifere Elemente haben, werden wohl recht enttäuscht sein. Aber junggebliebene Leser und Freunde einfacher, fantasiereicher und witziger Märchen müssen dieses Buch einfach lieben, jawollja! ;-)
SaraSalamander 30.04.2008, 10.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ich bin verzaubert
Momentan lese ich "die Nacht der Zaubertiere" von Dean R. Koontz. Eigentlich ja ein Horrorautor, aber hier hat er mal einen Abstecher in die Kinder- und Jugendecke gemacht. Einen wirklich gelungenen, möchte ich sagen. Bin froh, dass ich Koontz damals noch nicht kannte, sonst hätte ich das Buch nicht gelesen, denn Horror hin oder her, mag ich ihn ansonsten nicht sonderlich.Aber DIESES Buch hier, ach, das musste sein. Ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf, und wenn ich ein Buch nach 15 Jahren noch immer in den Gehirnwindungen mit mir herumtrage, dann muss ich es irgendwann einfach noch einmal lesen *nick*. Heute finde ich die Sprache etwas seltsam, frage mich, was die Übersetzerin da nur angestellt hat (oder war es der Autor?), aber das Buch selbst ist noch immer so schön wie damals, ...
ich bin verzaubert!
SaraSalamander 24.04.2008, 15.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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