SaschaSalamander

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Manga

Another 01

kyohara_another01_1.jpgANOTHER ist ursprünglich eine Mystery Novel des Autors Yukito Ayatsuji, die bald darauf als Manga mit Zeichnungen von Hiro Kiyohara regelmässig im "Young Ace" Magazin erschien und später in vier Bänden veröffentlicht wurde. Der 12teilige Anime wurde recht erfolgreich, bald soll sogar eine Realverfilmung anstehen. Zur Freude der Fans ist die Reihe nun auch in Deutschland als Manga erhältlich.

Koichi ist neu an der Yomiyama Mittelschule, durch einen Krankenhausaufenthalt konnte er das Schuljahr erst später antreten. Er wird von allen misstrauisch beäugt, und er muss seltsame "Gesetze" lernen, die teilweise an der Schule und teilweise speziell in den einzelnen Klassen gelten. Besonders fällt ihm seine Mitschülerin auf, der er auch schon im Krankenhaus begegnete und die von den Klassenkameraden komplett ignoriert wird. Und dann ist da noch die Legende von dem Schüler, der vor vielen Jahren verstarb und dessen Tod von den Klassenkameraden ignoriert wurde, ganz als sei der Mitschüler noch anwesend. Es sterben unter mysteriösen Umständen Klassenkameraden. Wie hängen diese Dinge zusammen? Was geht an Kochis Schule vor?

Hiro Kiyohara zeichnete bereits >TSUMITSUKI<, HOLIDAY sowie KIZU und CAN YOU HEAR ME. KIZU und CAN YOU HEAR ME gemeinsam (mit Otusuichi), und ich muss sagen, dass diese beiden Bände zu meinen Lieblingsmangas gehören. Abgeschlossene One-Shots mit einer Aussage, sie stimmen nachdenklich und sind mit wunderschönen  Zeichnungen versehen. Immerhin ist ANOTHER in 4 Bänden abgeschlossen, trotzdem überlege ich, ob der weitere Kauf sich lohnt.

ANOTHER erschien als Horror, wobei ich sagen muss, dass ich zumindest den ersten Band nun eher als Mystery empfand, spannend und leicht unheimlich, jedoch nicht als Horror. Mag sein, dass dieser sich im Laufe der Folgebände noch aufbauen wird, hinsichtlich Spannung und Grusel hatte ich mir jedoch etwas mehr erhofft. Zugegeben, ich mag subtilen Horror, hier aber dürfte er für mich gerne etwas direkter sein.

Sechs Farbseiten zu Beginn des Mangas erfreuen den Fan. Mir selbst ist dies recht egal, ich weiß jedoch, wiesehr viele Mangaleser sich über diesen Bonus freuen. Und, zugegeben, der rotbraune Farbton ist sehr stimmungsvoll und bietet eine gute Einleitung für die kommende düstere Atmosphäre. Besonders das farbige Inhaltsverzeichnis sieht wunderschön aus.

Die Zeichnungen sind, wie man es von Kiyohara kennt, atmosphärisch und ansprechend. Außer gelegentlich Gebäuden oder Stadtlandschaft (realistisch und sehr stimmungsvoll eingefangen) findet man kaum Hintergründe, auch Kleidung und Frisuren der Charaktere sind sehr schlicht gehalten, um die Wirkung des Mangas ganz den Gesichtern und der Handlung zu überlassen. Nur vereinzelte Schlüsselobjekte werden liebevoll mit Details versehen und in den Fokus des Lesers gerückt, der durch diese Technik durch die Symbolik des Mangas geführt wird.

Koichi ist ein Sympathieträger, man fühlt sich ihm verbunden, möchte das Geheimnis lösen. Ständig ist da eine gewisse Anspannung ob des seltsamen Verhaltens der anderen, der Grusel ist verdeckt, beim Lesen fast schön körperlich spürbar, dem Verstand jedoch nicht greifbar, langsam baut sich der Horror auf, langsam erfährt Koichi einzelne Teile des Puzzles, langsam erfährt der Leser mehr über Koichis Vergangenheit. Trotzdem fühlte ich eine gewisse Distanz, konnte mich nicht völlig in dem Manga fallenlassen,  gelegentlich fast etwas zu steril wirkt alles (was sich später als Stilmittel herausstellen kann oder aber als Schwäche des Mangas, leider vorerst noch nicht zu beurteilen).

Die anderen Charaktere außer Koichi und seiner Mitschülerin sind Nebenfiguren, die immerhin optisch gut zu unterscheiden sind. Sie treten nur am Rande auf und dienen (zumindest im ersten Band) eher dem Fortgang der Handlung denn der Hauptgeschichte. Ich bin gespannt, wie sich die einzelnen Rollen weiterentwickeln werden.

Der Aufbau des Mangas ist eher langsam. Zugegeben war ich auch etwas enttäuscht, dass der Klappentext und die ersten Seiten des Mangas schon recht viel von der Handlung vorgeben, sodass ich den Anfang als etwas zäh empfand und mir gewünscht hätte, dass es schneller "zur Sache geht". Doch Kiyohara lässt sich Zeit, er baut die Spannung langsam und gemütlich auf, sodass der Horror sich nach und nach entfalten kann, bis es dann am Ende des ersten Bandes zu einem grausigen Ereignis kommt. Ein Cliffhanger, der wieder einmal dafür sorgt, dass man sofort weiterlesen will (und was wie üblich bei Mangas leider nicht möglich ist vorerst).

Ich weiß nicht, was noch kommen wird und ob die Gesamthandlung vier Bände rechtfertigt. Momentan habe ich das Gefühl, dass eine gewisse Straffung dem Manga gutgetan hätte. Beurteilen kann ich dies erst am Ende der vier Bände, ob ich die jedoch holen werde, ist für mich vorerst noch unklar, ich schwanke etwas. Ich denke, ich werde die Gesamtveröffentlichung abwarten und mich dann auf die Meinung meiner bevorzugten Magazine und Rezensenten verlassen.

Insgesamt ist ANOTHER ein düsterer Manga, der weniger auf blutigen Horror setzt als vielmehr auf das langsame Ansteigen der Spannung, begleitet von Gänsehaut und Beklemmungen beim Leser. Der erste Band hätte die Geschichte etwas raffen können - Atmosphäre ist wichtig aber sollte nicht vor der Handlung selbst stehen. Ob dies allerdings ein geschickter Spannungsaufbau ist, der sich ab dem zweiten Band kontinuierlich steigert, oder ob es eine insgesamt eher zu langsame Erzählweise handelt, das kann erst nach Abschluss der Serie bewertet werden. Da ich nur den ersten Band kenne - fehlt mir ein kleiner Tick für die volle Punktzahl, daher meine

Wertung: 7 von 10 Regenschirmspitzen

SaschaSalamander 07.08.2012, 08.17 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

My Doll House

yui_dollhouse_1.jpgDer Manga mag ab 16 sein, meine Rezension ist es garantiert nicht. Denn während der Manga Dinge gelegentlich niedlich verpackt, rede ich hier Klartext und nenne die Dinge beim Namen. Zwar rezensiere ich häufiger einmal Dinge ab 18, aber hier hatte ich keine Lust, drumherumzureden. Damit nicht jemand zufällig über diesen Text stolpert und sich daran stört, schalte ich also diesen Text und packe die Rezension in das Kommentar. Wer die Rezension also liest und hinterher verstört ist, möge bitte nicht mir die Schuld dafür geben, ich habe Euch gewarnt ;-)

Vorab schon einmal der Klappentext: Student Mahiro Kagosaka ist in der glücklichen Lage, nicht nur über ein riesiges Haus und drei Firmen, sondern auch über außergewöhnlich wirksame Pheromone zu verfügen, die ihm einen regelrechten Harem eingebracht haben. Seine komplizierte Persönlichkeit und seine verschiedenen Rollen (er jobbt auch als weibliches Model) bereiten ihm zwar Freude, jedoch auch diverse Probleme. Zum Beispiel hat er allerhand zu tun, um die zahlreichen Gespielinnen seiner "Sammlung" zufriedenzustellen.

SaschaSalamander 14.07.2012, 09.12 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Black Sun

ogasawara_blacksun_1.jpgKlappentext: Inmitten der Kreuzzüge bietet sich der Ordensritter Leonard de Limbourg selbst dem Feind als Unterpfand, um seine verbleibenden Männer zu retten. Der berüchtigte Befehlshaber der gegnerischen Truppen, ein Mann namens Jemal Jan, nimmt Leonard als seinen persönlichen Bettgespielen mit in seine Heimat. Und Leonard bleibt in seiner Verzweiflung nichts weiter übrig, als zum Scheitern verurteilte Fluchtpläne zu schmieden ...

Ein Manga, der verschweißt und klar als 18+ deklariert ist. Während das in manchen Fällen einfach nur Werbung sein soll und über Händchenhalten und ein paar Berührungen unter der Bettdecke nicht hinausgeht, geht BLACK SUN eindeutig über Shonen Ai hinaus und ist ein Titel, den ich in seiner Deutlichkeit und Intensität gerne neben FINDER und >CRIMSON SPELL< von Ayano Yamane stelle.

Was die Geschichte in BLACK SUN betrifft - naja, es Yaoi, da erwarte ich nicht allzu viel. Ja, es hat historischen Hintergrund, aber der ist nicht allzu ausgebaut. Die Kulisse hätte schöne Möglichkeiten geboten an Recherche, Kultur und Plot, allerdings beschränkt sich das Thema Okzident und Orient vor allem auf die hübsche Gewandung und gelegentlich etwas Architektur, im Grunde hätte man die Geschichte in jede beliebige Epoche und in jedes beliebige Land versetzen können. Sexszenen und explizite Darstellung des Aktes (dessen Freiwilligkeit eher dem Vaterland dient denn aus freien Stücken geschieht) haben also eindeutig Vorrang vor komplexen Handlungsstrukturen.

Die Zeichnungen sind dafür umso gelungener: zwar sind die Männer hübsch, aber es sind vor allem Männer, keine Bübchen und keine Jungs wie in softeren Titeln üblich. Wer Muskeln sehen möchte und es dabei auch zielstrebig und grob mag, der kann bei BLACK SUN definitiv nichts falsch machen. Die Körper werden dabei mit Händen über dem Kopf gestreckt, gefesselt, schmerzverzerrt und zusammengeschnürt, nackt in der Öffentlichkeit präsentiert oder willig dargeboten - Ogasawara lässt sich einiges einfallen, um mehr als "nur" die typische Körperhaltung zu zeichnen. Und immer sind die Proportionen stimmig, anregend und hübsch in Szene gesetzt. Auch die Tiere sind wunderschön und geschmeidig gezeichnet, etwa die Kriegspferde oder später in der Bonusgeschichte der Panther. Ansonsten ist in diesem Manga nicht wirklich viel zu sehen: Körper, hübsche Gewandung, nette Architektur und natürliche Eleganz. Mehr braucht es nicht, schließlich geht es sowieso nur um das Eine ;-)

Kurz gesagt: Immer nur Händchenhalten ist langweilig. Manchmal soll es einfach nur Sex sein. Und dafür ist BLACK SUN genau richtig ;-)

Wertung: 9 von 10 Peitschenhieben

SaschaSalamander 11.07.2012, 08.12 | (0/0) Kommentare | PL

Precious Lies

iruma_lies_1.jpgMaa-Chan ist in der Schule eine Außenseiterin, niemand weiß, was hinter dem hübschen aber zurückgezogenen Mädchen steckt. Ihr Freund Mii-Chan alleine kennt ihr Geheimnis. In der Stadt geht ein Mörder um, und außerdem sind zwei Kinder verschwunden, sind sie womöglich dem Mörder in die Hände gefallen? Und was haben Maa-Chan und Mii-Chan damit zu tun?

PRECIOUS LIES ist ein Einzelband. Für einen Thriller ungewöhnlich aber durchaus machbar. Japanische Autoren besitzen häufig das Talent, in nur wenigen Strichen und Sätzen komplexe Zusammenhänge und psychologische Dramen auf wenigen Seiten zu skizzieren und kleine Meisterwerke zu erschaffen. Die Geschichte klang vielversprechend, also habe ich es gewagt. Leider wurde ich enttäuscht.

Die Zeichnungen sind sehr schlicht, es gibt kaum Hintergründe oder andere Details. Dies empfinde ich jedoch nicht als störend, denn es passt gut zum Grundton der Geschichte.

Der Erzählstil leider ist sehr problematisch. Erst wird der Leser einige Zeit im Unklaren gelassen, Spannung wird in dieser Zeit jedoch nicht aufgebaut. Als dann die Situation klar ist, entsteht trotz der gefährlichen Lage nicht das Gefühl "ich muss jetzt sofort weiterlesen", sondern zieht sich über viele weitere Seiten hin. Den Reiz soll wohl die Ungewissheit ausmachen: Was nun mit Maa-Chan los ist und warum sie sich so verhält, erfährt man erst nach und nach, und zwar durch Mii-Chan, der eigentlich der Protagonist der Geschichte ist. Doch währen Maa-Chan, wie schon der Titel sagt, die Gebrochene ist, ist Mii-Chan der Lügner. Daher kann sich auch der Leser nicht sicher sein, was nun Berechnung ist, was Lüge und was Wahrheit.

Pschologisch ist PRECIOUS LIES höchst komplex, aber das Thema wird nur angerissen. Mit einigen Fachbegriffen um sich zu werfen und ein Drama zu inszenieren ist leider wirkungslos, wenn der Bezug zwischen Leser und Charakteren nicht aufgebaut werden kann. Schade, denn die Geschichte hätte Potential gehabt.

Im Grunde also eine durchaus interessante Geschichte, in sich abgeschlossen und gut durchdacht, mit einem dafür passenden Zeichenstil. Doch es fehlt die Spannung, und die Möglichkeiten des Themas wurden nicht genutzt.

2,7 von 5 frühkindliche Traumata

SaschaSalamander 04.07.2012, 08.54 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Rec - Der Tag, an dem ich weinte

makino_rec_1.jpgAoi Makino hatte in Deutschland Erfolg mit dem Manga HAL sowie der Kurzgeschichtensammlung >THE FINAL LOOP<. THE FINAL LOOP hatte mir sehr gefallen, und so habe ich mich auch diesmal wieder an einen Shojo-Manga für jüngeres Publikum gewagt.

Makinos neuester Manga besteht aus zwei Kurzgeschichten: DER TAG, AN DEM ICH WEINTE handelt von Minami, die in der Klasse als Außenseiterin gemobbt wird. Ihr Klassenkamerad Akira ist Schauspieler, nach seinem zuletzt gedrehten Film möchte er die Schauspielerei an den Nagel hängen und sich auf die Schule konzentrieren. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zärtliche Freundschaft, die leider bald von Akiras tragischem Geheimnis bedroht wird. In FLUFFIGE KÜSSE und FLUFFIGE WEIHNACHTEN muss Ako wegen ihrer schlechten Schulleistungen einen Nachhilfekurs besuchen, wo sie den coolen Kento kennenlernt. Sie verliebt sich, und er bindet sie in die Gruppe ein, sie findet zum ersten Mal Freunde. Doch will Kento wirklich etwas von ihr, oder spielt er nur mit ihr?

Ein zuckersüßer Shojo. Zeichnerisch und inhaltlich absolut dem Genre entsprechend. Schön finde ich bei Aoi Makino, dass sie nicht übertreibt mit Zuckerguss und Herzschmerz. Der Inhalt ist kindlich und süß, die Zeichnungen sind niedlich, passen jedoch perfekt zu den Geschichten und wirken nicht übertrieben. Es ist eben Shojo, so soll es sein. Niedlich, das heißt in diesem Fall: große Augen, lange Zöpfe, hübsche Kleidung, ausdrucksstarke Mimik und Blicke. Das Lächeln der Protagonisten ist ansteckend, die Tränen wecken Mitleid, man fiebert mit Minami, Akira, Ako und Kento mit. Der Zeichenstil selbst ist sicher, Makino beherrscht die Proportionen, die Hintergründe und den Panelaufbau perfekt. Auch der Storyaufbau ist gelungen, kein Bild zuviel oder zu wenig.

Wer Shojos mag, kommt wieder einmal nicht an diesem Titel vorbei. Und wer keine Shojos mag - der sollte trotzdem mal einen Blick riskieren, denn inmitten von Kitsch und Niedlichkeit gibt es manchmal auch herzwärmende Geschichten, und dieser Manga gehört definitiv dazu.

SaschaSalamander 30.05.2012, 08.37 | (0/0) Kommentare | PL

Serial Sausage Slaughter

In >GROßSTADTAUGEN< lernte ich David Füleki kennen, bei Facebook habe ich immer wieder kleine Einblicke in seine Gedankenwelt und sein Arbeiten erhalten, >BLUTROTKÄPPCHEN< war mein erster Manga von ihm. Doch schon nach den Großstadtaugen sah ich mich als Fan seiner Werke, er hat einen so ungewöhnlich schrägen Humor, einen so detailreichen und doch abgefahrenen Blick auf die Dinge, dass ich gar nicht anders kann als begeistert zu sein. Es gäbe viel zu erzählen über sein Schaffen, sein Werk, aber das überlasse ich lieber im selbst, er bietet den Fans viel Möglichkeit, ihn kennenzulernen, ob nun bei >Facebook<, auf seiner >Homepage< oder auf anderen Internetseiten wie Deviantart, Animexx und Co. Bei Facebook schreibt er in seinem Profil über sich: "Herr Füleki wurde 1985 auf einem alten Indianer-Friedhof ausgebuddelt und dann nur noch mit Abfällen gefüttert. Kein Wunder, dass er schließlich zum Comiczeichner und gemeingefährlichem Ladendieb wurde." Nein, man muss nicht alles verstehen. Man muss sich einfach darauf einlassen und die herrlich schrägen Inhalte wirken lassen ...

Zum Inhalt möchte ich gar nicht viel sagen. Nur soviel: Ein brutaler Würstchenkettenwürger geht um und hinterlässt ein Blutbad des Grauens an seinen Tatorten. Schirmann ermittelt, er ist ein genialer Kopf, doch er kann den Anblick blutiger Leichen nicht ertragen. Also stellt man ihm den abgebrühten Entoman zur Seite. Schirmann erkennt nach und nach die Verbindungen des Falles, und er muss über sich hinauswachsen und tief in seiner verdrängten Vergangenheit schürfen, um das Rätsel des Würtchenkettenwürgers zu lösen.

Das Besondere an SERIAL SAUSAGE SLAUGHTER IST, dass es sich um ein interaktives Projekt im Internet handelte. Der Autor nahm Vorschläge seiner Fans entgegen und brachte diese in den Manga ein. Erinnert an Improvisationstheater, bei dem das Publikum einfach Worte auf die Bühne ruft. Und ich finde es faszinierend, wie Def (David Füleki) es geschafft hat, trotz teilweise sehr schräger Vorgaben eine in sich stimmige Handlung zu gestalten und spontan zu reagieren, die Handlung entsprechend anzupassen und stellenweise auch eine völlig neue Richtung dabei einzuschlagen. Klar, man darf keinesfalls mit der Logikbrille kommen oder gar mit "uuuunrealistisch" daherkommen, aber das ist ja auch nicht sein Ziel, denn seine Werke stechen hervor durch absurde Komik, Geschmacklosigkeit, Selbstironie und geniale Gedanken hinter den nach außen zusammenhanglosen Szenen.

Wie schon in Blutrotkäppchen ist das Editorial, das Nachwort, die zusätzliche Info eigentlich wieder das Beste am ganzen Manga und sorgt dafür, dass man direkt nach Beenden der Lektüre noch einmal von vorne lesen muss. Hier schildert Def, welche Vorschläge eingereicht wurden, die er in seinen Manga einbaute. Die meisten konnte ich finden, bei ein paar wenigen wusste ich dies nicht mehr, also gleich nochmal auf die Suche gehen. Ein paar Stichworte gefällig?

Et voila: CSI-Käsebällchen, This Cake is a lie, ein Gummihuhn mit Nagel, ein Geisterschwein, ein Vuvuzela-Bläser, Tisch-Man, Handlungsort Chemnitz mit Showdown am Schlossteich, eine Gehhilfe, Titten, eine Anspielung auf Werner-Comics, ein Opa im Tutu, der Companion Cube, Angela Merkel, eine Therapiegruppe zur Resozialisierung von psychopathischen Clowns, ein Sklave in Ketten ... na, reicht das, um zu zeigen, was Euch in SERIAL SAUSAGE SLAUGHTER erwartet? Mal ehrlich, eine Reizwortgeschichte aus diesen Begriffen dürfte jeden Deutschlehrer vor die Herausforderung seines Lebens stellen, aber Def hat es geschafft und daraus sogar tatsächlich eine zusammenhängende, sinnvolle und in sich stimmige Story gestrickt, Hut ab!

Und wie man es von ihm kennt, zeichnet er skandalös, geschmack- und hemmungslos und fernab jeglicher Political Correctness. Eben sein ganz eigener Stil, den man nicht wirklich beschreiben kann. Man sollte auf jeden Fall im Internet über seine Homepage surfen, wenn man ihn nicht kennt, und sich vor dem Kauf erst einmal informieren, was einen da erwartet. Und dann scheiden sich schnell die Lager, denn nicht jeder kann etwas mit seiner ungewöhnlichen Art anfangen. Aber wer die versteckte Kunst hinter Leichen, Titten und Opas im Tutu zu erkennen vermag und dabei gerne ein wahnsinniges Lachen von sich gibt, der wird auch SERIAL SAUSAGE SLAUGHTER wieder lieben.

Und für mich heißt es nun sehnsüchtig warten, bis im September seine nächstes Veröffentlichung 78 TAGE AUF DER STRAßE DES HASSES erscheint. In der Zwischenzeit amüsiere ich mich im Internet und bin von Tag zu Tag immer wieder ein Stückchen mehr begeistert über seinen Ideenreichtum. Und hoffe natürlich, viele andere Leser mit meiner Begeisterung anzustecken ;-)


SaschaSalamander 23.05.2012, 08.56 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Toriko

shimabukuro_toriko_1.jpgVORAB

Wenn ein Manga in Japan im Magazin SHONEN JUMP erschienen ist, dann ist das normalerweise schon mal ein Zeichen dafür, dass er nicht auf meiner Wellenlänge liegt. Wenn es dann auch noch um Action und Kämpfen geht und jede Manga KAZING, WUSCH, BAMM in den Bildern hat, erst recht nicht. Trotzdem war ich neugierig: Kazé wagt sich nach den Animes nun auch in die Manga-Ecke. Neben >MIDNIGHT SECRETARY< war ich einfach neugierig auf den "neuen alten" Verlag. Und da es in TORIKO vor allem um Essen geht *lechz*, habe ich es versucht.


HUMOR

Wow, Wow, und nochmals: WOW. Wie gesagt, eigentlich nicht mein Genre. Aber dafür habe ich ihn irre schnell verschlungen (passend zum Thema Vielfraß und Gourmet). Der Humor trifft meinen Geschmack (Geschmack? Mist, schon wieder Essen), er ist herrlich schräg und stellenweise sogar recht derb und sehr überzogen. Hier und da ist er mir sogar etwas zu derb, jedoch nur an einer einzigen Stelle (ich mag keinen Fäkalhumor. Aber klar, wer mehr Essen verdrücken kann als Obelix, der hat auch einen entsprechenden Stoffwechsel, logisch).

Ansonsten gibt es Gags wie den verängstigten Koch: "Ich will nicht bereits in der ersten Folge dieser neuen Serie sterben". Und haufenweise schräge Situationen. Es wird zwar auch gekämpft, doch auf witzige Weise, es ist einfach kurios, wie TORIKO immer wieder mit neuen Kniffen die Tiere ausfindig macht, sie überwältigt und sich gegen ihre Angriffe zur Wehr setzt.

Und, was ich dem Manga absolut zugute halten muss, sind auch die Texte: selten schafft ein Manga bei mir den Sprung in die Rubrik "1. und letzter Satz". Aber TORIKO >hat es geschafft<, ich fand bereits den ersten Satz wirklich klasse: witzig, und er macht richtig neugierig. Und der letzte Satz ist ein ganz fieser Cliffhanger zu Band 2.


INHALT

TORIKO ist Delikatessenjäger. Er jagt Tiere, die nicht einmal ein Panzer oder eine Armee von hunderten Männern erlegen können. 300 Jahre alte Aggrogatoren (Riesenalligatoren mit 8 Beinen), Troll-Kongs (Groß wie 10 Elefanten und mit vier Armen) und andere Kolosse. Man könnte ihn auch Chuck Norris nennen. Denn er raucht die Äste des Tabakbaumes, ist immun gegen Schlangengift, zerhackt mit der Hand ein dinogroßes Tier, trink fünf Flaschen Hochprozentiges wie andere Wasser. Sein Ziel: die perfekte Menufolge. Dafür jagt er rund um die Welt nach neuartigen Früchten und Tieren.


THEMA JAGD, BEDROHTE TIERE

Was mir ein wenig schmerzte, war die Tatsache "seltene und besondere Tiere jagen". Wenn es noch dazu aus Japan kommt, dann gefällt mir das gar nicht. Aber: es ist Fiktion, es sind keine real bedrohten Tierarten. Zudem werden diese bedrohten Tiere später von einer Firma gezüchtet, sodass sie nicht aussterben. Und Toriko weigert sich, etwas zu töten, wenn es nicht seiner Nahrung dient, er ist kein Killer. Zudem zollt er dem zu tötenden Tier Respekt, bedankt sich zuvor für die Nahrung. Er ist ein achtsamer Jäger, auch wenn das wie ein Widerspruch klingen mag.

ONE PIECE

TORIKO und ONE PIECE trafen in einem kongenialen Crossover zusammen. Ich finde es schön, wie gerade in der Mangaszene Künstler nicht gegeneinander arbeiten sondern sich unterstützen, zusammenarbeiten und ihre Charaktere gemeinsam auftreten lassen. Und der verfressene Toriko mit seinen Superkräften passt ja auch super mit Vielfraß Monkey D Ruffy und seinen Teufelsfrüchten zusammen.


ZEICHENSTIL

Der Zeichenstil: kerzengerade abgegrenzte Panels, haufenweise Speedlines und Perspektiven zur Verdeutlichung von Action. Mehr KAWUMM, ZACK, SLASH, KRACK, GATSCHINK als eigentlicher Text. Der Hintergrund leer, höchstens hier und da gefüllt mir Rasterfolie. Die Bilder nicht hübsch (sollen sie auch nicht. Ein monstervernichtender Megahulk, der selbst Chuck Norris aussehen lässt wie einen Waisenknaben, der kann nicht auch noch hübsch sein), dafür aber markant, kernig und passend. Und absolut stilsicher: genau in den richtigen Momenten bedrohlich, lustig oder entschlossen.


FAZIT

Klasse Einstieg für Kazé auf dem MangaMarkt. Eine Serie, die nicht nur Genrefans überzeugen dürfte. Haufenweise Action und Humor, ein Leckerbissen für alle Fans von DRAGONBALL, ONE PIECE und CO.

SaschaSalamander 26.04.2012, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Viermal danebengegriffen

Manchmal hat man haufenweise Spitzentitel am Stück, und manchmal greift man eben daneben. Naja, nachdem ich jetzt viermal danebengegriffen habe, hatte ich anschließend mit TORIKO wieder einen klaren 5 Sterne Titel. Einzelne Rezis schreiben für die Flops lohnt nicht. Und wäre, da ich alles nach spätestens der Hälfte abgebrochen habe, auch nicht fair. Aber meine Gedanken möchte ich trotzdem mitteilen:


DIE TRAUMFRAU

Ryuta Amazume ist mir bekannt durch >NANA UND KAORU<. Unter allen Mangas, die mein Regal zieren, gehört dieser zu meinen Favoriten. Also hatte ich gar keine andere Wahl, als die anderen Neuerscheinungen ebenfalls zu kaufen. Eine davon ist DIE TRAUMFRAU und hat mich recht enttäuscht. Die Bilder wie immer klasse. Gut, die Brüste etwas überirdisch, die Hintern gewaltig, aber dafür ist es Erotik. Da die Story in NANA UND KAORU sehr kreativ ist, hoffte ich auch hier auf nette Unterhaltung. Aber außer hübschen Bildern wurde für meinen Geschmack nicht viel geboten. Was die Prota an Oberweite hat, macht die Story an Flachbrüstigkeit wieder wett. Mag den Manga nicht schlechtmachen, hat seine Berechtigung. Aber Bilder sind für mich meistens Mittel zum Zweck und lassen mich in vielerlei Hinsicht eher kalt. Die Handlung habe ich schon gefühlte 50 Mal in ähnlichen Variationen in anderen Heften gelesen. Wer große Brüste und nette Zeichnungen mag - welcome, hier ist Dein Manga. Allen anderen kann ich Besseres empfehlen ;-)

amazume_traumfrau_1.jpg      amazume_traumfrau_1.jpg    


LIEBE OHNE DEADLINE

Bevor ich viel schreibe: hier ist es genau der gleiche Fall wie in oben geschilderter Traumfrau: Gekauft weil Ryuta Amazume. Nette Zeichnungen mit großen Brüsten und prallen Hintern, aber eine sehr alibimäßige Handlung. Hat zu Recht seine Anhänger, aber ich zähle mich nicht dazu.


OSIRIS

Nicole Hofmann. Gekauft für 13 Euro unter dem Versprechen "300 Seiten Hentai". Hentai heißt quasi "pfeif auf Romantik, hier gehts richtig zur Sache". Mit großem Vermerk "ab 18". Bekommen habe ich ein romantisch-niedliches Märchen im bunten Genremix. Nicht von einer offiziellen Zeichnerin, sondern einen >Doujinshi<. Ich bin ziemlich angep****, denn ich bin ab-so-lut kein Anhänger von Fanprojekten. Mag keine Fanfictions, Doujinshis oder dergleichen. Wie oben schon gesagt: hat seine Berechtigung, ich will es keinem madig machen. Und ich respektiere und wertschätze die Kreativität und den Eifer der Künstler. Aber ich habe damit nichts zu schaffen und will auch keine 13 Euro dafür zahlen. Die Dialoge sind sehr unerotisch (der ägyptische Gott sagt "wie gehts, wie stehts", und das Krokodil tanzt betrunken den Schwipp-Schwapp-Tanz auf dem Tisch. Erotik hoch zehn!) und passen auch nicht in die Zeit (ägyptische und römische Mythologie). Einmal kam es zum Verkehr, der wurde aber nicht wirklich gezeigt, und ein andermal schlief das Mädel ein und nichts passierte. Ansonsten viel romantische Schwärmerei. Ganz ehrlich? Die Tagesschau hat "ab 18" weit mehr verdient als dieser "Hentai", den ich als romantische Komödie ab 12 angepriesen hätte. Romantische Komödien ab 12 haben ihre Zielgruppe, und dann wäre es okay, dann wüsste ich "nix für mich". Aber für 13 Euro ein Fanprojekt zu kaufen, welches als deftiger Porno vermarktet wird, ist eine Frechheit. Ich fühle mich betrogen! Und es tut mir leid für die Künstlerin, denn auf diese Weise gelangt ihr an sich nettes Werk (das, wenn man es eben nicht als vermeintlichen Hentai eines professionellen Künstlers liest, ganz okay wäre) in falsche Hände und führt zu Lesern wie mir, die stinksauer sind :(

rikudou_deathless_1_1.jpg      


DEATHLESS

DEATHLESS ist ein Manga von Koushi Rikudou. Er ist witzig. Die Zeichnungen sind nicht überragend aber hübsch. Trotzdem hat er mich einfach nicht gepackt. Der Funke sprang nicht über, ich habe gemerkt, dass ich mich quälen musste weiterzulesen, und immer wieder habe ich nach den anderen Titeln geschielt. Also habe ich abgebrochen. Die Grundidee ist nett, und ich mag die schrägen Alten. Alte Hutzelomis und -Opis, die entweder mit Superkräften aufwarten oder aber total senil gar nichts raffen, eine geniale Figur in Mangas und Animes, die immer für Lacher sorgt, auch hier. Aber die beiden haben es nicht geschafft, mich bei der Stange zu halten, die drei jungen Frauen, um die es sich hauptsächlich dreht, sprachen mich einfach nicht an. Könnte nicht sagen warum. Muss ich auch nicht ;-)

SaschaSalamander 20.04.2012, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Midnight Secretary

KAZÉ

Ein neuer Verlag, natürlich bin ich neugierig auf das Programm. Wobei - ein Neuling ist Kazé nicht, bisher jedoch beschränkten sie sich auf die Veröffentlichung von Animes. Dragonball, One Piece, Detektiv Conan und viele andere berühmten Titel. Nun werden sie auch auf dem Manga-Sektor aktiv, und dies mit einigen interessanten Titeln. Als erstes schnappte ich mir MIDNIGHT SECRETARY. Die Story klang interessant. Und das, obwohl es - wieder einmal *gähn* - um Vampire geht. Aber was Tomu Ohmi daraus gemacht hat, kann sich wirklich sehen lassen!


INHALT, THEMA

Kaya steigt auf zur Chefsekretärin von Kyohei Toma. Ein Workaholic und Frauenheld, der sehr zu Kayas Leidwesen ein eher unsozialer Mensch ist. Doch sie nimmt sich vor, ihn von ihren Fähigkeiten als Sekretärin zu überzeugen. Und obwohl er der Ansicht ist, dass sie sich zu streng kleidet und nicht wirklich hübsch aussieht, muss er ihre Fachkompetenz anerkennen. Kaya entdeckt zufällig das Geheimnis ihres Chefs: er ist ein Vampir, und seine Treffen mit den Frauen dienen nur einem Zweck, der Nahrungsaufnahme, bei der jedoch niemand zu Schaden kommt. Von nun an beschließt Kaya, ihren Chef vor allen Widrigkeiten von außen zu schützen. Sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst, und dadurch wird sie immer unverzichtbarer für Toma. Und natürlich muss er bald erkennen, dass hinter dem "hässlichen Entlein" eine hübsche Frau steckt.

Die Grundgeschichte klingt ausgelutscht und langweilig, die Umsetzung mit Chef und Sekretärin dagegen recht interessant. Eigentlich habe ich mir den Manga nur geholt, weil ich die Zeichnungen auf dem Cover hübsch fand und - das ist peinlich, aber ich bin so ehrlich - weil ich die Farbkombination aus Schwarz und zartem Lila sehr gelungen fand. Ich war einfach neugierig auf einen der ersten Kazé-Mangas, also warum nicht diese romantishe Komödie mit dem hübschen Cover?

Und dann war ich wirklich begeistert! Wow! Zugegeben, der Manga ist kein Meisterwerk der Erzählkunst, und er ist auch kein Meilenstein der endlosen Vampirstories. ABER: es ist eine herrlich inszenierte romantische Komödie, die mich in jeder Hinsicht überzeugen konnte. Ungeduldig warte ich auf den nächsten Band und kann es nicht erwarten, bis der Manga endlich nach sieben Heften abgeschlossen ist.


ZEICHNUNGEN

Kaya ist wirklich hübsch gezeichnet. Toma ist mir ein wenig zu kantig, aber er passt ins Gesamtbild und sieht insgesamt ebenfalls sehr gut aus. Schön finde ich, dass es Ohmi wirklich beherrscht, unterschiedliche Charaktere zu erschaffen, die jeder eigene Merkmale und Charakteristika aufweisen. Etwas, das gerade im Shojo-Bereich nicht selbstverständlich ist. Hintergründe sind kaum vorhanden, meist ist der Panel mit gepunkteter Rasterfolie oder gelegentlich ein paar Linien oder Mustern gefüllt. Der Fokus liegt also klar auf den Figuren, und ich finde, dadurch werden die Emotionen Kayas sehr schön dargestellt, ich habe vom ersten Moment an mit ihr gefiebert.


CHARAKTERE

Die Darstellung der Charaktere ist es, die mir besonders zusagt und weshalb mich MIDNIGHT SECRETARY begeistert. Der Manga ist aus Sicht Kayas gezeichnet. Ihre Gefühle und Gedanken werden dem Leser anschaulich dargestellt. Sie kleidet sich so streng, weil sie ein eher kindliches Gesicht hat und als Repräsentantin der Firma nicht unprofessionell wirken möchte. Auch hat sie aufgrund ihres kindlichen Äußeren einige Komplexe, ist eher schüchtern und zurückhaltend. Ihr Chef dagegen ist anfangs ein arroganter Weiberheld, doch je besser Kaya ihn kennenlernt, desto mehr versteht sie die Gründe für sein Verhalten. Anfangs eine rein berufliche Beziehung, entwickelt sich aus der professionellen Fürsorge heraus eine Zuneigung, die wunderschön eingefangen wurde und sehr glaubhaft dargestellt wird. Hach, ich fand die Story zwischen den beiden wirklich romantisch. Und das, obwohl ich wirklich ein Romantik-Muffel bin! ;-)


HANDLUNG, VAMPIRTHEMA

Eine Handlung im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Kaya findet heraus, dass ihr Chef ein Vampir ist. Danach gibt es keinen roten Faden, etwa dass die Firma bedroht wäre oder ein Außenstehender den Vampir vernichten möchte oder derlei Dinge mehr. Einzig was zählt ist die Beziehung zwischen Kaya und Toma, die schrittweise aufgebaut wird in einzelnen Episoden, die Elemente enthalten wie zum Beispiel "Kaya besucht einen Geschäftskunden", "ist auf einer Weihnachtsfeier eingeladen", "muss die Termine mit den Frauen koordinieren und deren Geschenke besorgen" oder "lernt die Familie ihres Chefs kennen".

Auch das Vampirthema wurde eher nebenbei angerissen, großartig Recherche oder eine eigene Welt steckt nicht dahinter. Er ist eben Vampir und hat dadurch einige Eigenheiten. Er kann Kreuze tragen, Essen zu sich nehmen, sich im Spiegel betrachten. Besonders witzig hierbei sind Kayas anfängliche Versuche, seine Schwäche herauszufinden und mehr über sein Vampirdasein zu erfahren, er sieht dies gelassen und findet es sogar amüsant. Aber es gibt der Story einen netten kleinen Kick, etwa weil er doch gewisse Nachteile erleiden muss, die ihn von Kayas Organisationstalent abhängig machen. Es ist zu komisch, wie sie immer wieder versucht, ihn vor Schaden zu bewahren und dabei in Kauf nimmt, sich manchmal ziemlich zu blamieren.

Zugegeben, ich frage mich, wie man aus diesem Manga sieben Bände machen möchte. Ob vielleicht wirklich noch eine Handlung folgen wird, die über die Beziehung der beiden Protagonisten hinausgeht. Aber selbst, wenn nicht - der Humor trifft meinen Geschmack, und die langsam aufkeimende Romanze zwischen ihnen beiden (er, der sie nicht hübsch findet. Und sie, die unbedingt professionelle Distanz zum Chef wahren will. Ein traumhaft schönes Paar!) ist wirklich zum Schmachten schön. Es zerriss mir fast das Herz, als sich Kaya eingestehen muss, dass es ihr immer schwerer fällt, Termine mit anderen Frauen für ihn zu organisieren :-)


FAZIT

MIDNIGHT SECRETARY ist ein Manga, in dem Romantik, Humor und Zeichnungen sich in einem perfekten Mischungsverhältnis ergänzen. Die Story selbst ist nichts Besonderes, aber die Umsetzung ist gelungen und hat mich von der ersten Seite an sofort überzeugt. Es ist einer der wenigen Mangas, die den dauerhaften Weg in mein Regal finden, und ich kann ihn Freunden des Genres wärmstens empfehlen.


SaschaSalamander 12.04.2012, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Golden Tales

nao_goldentales_1.jpgDrei Kurzgeschichten völlig unterschiedlicher Art: ein strafversetzter Polizist findet seine Erfüllung in einem kleinen Dorf abseits der Großstadt. Die Glöckenwächterin eines kleinen aber reichen Dorfes kämpft mit ihren Vorurteilen. Und zur dritten Geschichte möchte ich nichts verraten, da sie sehr kurz ist und ich nichts spoilern möchte.

Tsukiji Nao hat die Fans in Deutschland bereits mit >ADEKAN< verzaubert. Mir persönlich war ADEKAN jedoch etwas zu überladen, zumal das Genre nicht wirklich Fisch noch Fleisch war und ich mich schwer einfinden konnte. Was ich in ADEKAN allerdings bemängelte, stört in GOLDEN TALES keineswegs. Die Geschichten sind inhaltlich unterschiedlich, in sich aber sehr gut geschlossen. Dadurch ist es Nao möglich, sich auf den verschiedenen Gebieten auszutoben, ob nun mit einer zarten Romanze, abenteuerlicher Historie, moderner Komödie. Hier finden sich niedliche Mädchen, hübsche altmodische Kleider, aber auch ein Mann in oberschenkellangen Latexstiefeln sowie ein junger Mann in schicker Uniform, eben für jeden Geschmack etwas dabei.

Man sollte auf jeden Fall einen ausgefallenen Humor lieben, wenn man diesen Manga liest, denn sowohl Zeichnungen als auch Inhalt lassen sich nicht in ein vorgegebenes Schema pressen. Es gibt sehr viele überspitzte Zeichnungen und Textpassagen, die von dem skurillen Witz des Mangas zeugen. Dazu kommt, dass die Zeichnungen extremst detailverliebt sind. Es ist nicht möglich, den Manga nebenbei flink zu überfliegen, sondern man muss sich Zeit dafür nehmen und sich bereitwillig darauf einlassen. Ob nun die reich verzierten Gewänder der Protagonisten, die weiträumige Landschaft, die wallenden Locken der weiblichen Charaktere, das reiche Angebot auf dem Obstmarkt oder die liebevoll gestalteten Gebäude, der Leser kann sich kaum an den Bildern sattsehen.

Die erste Geschichte ist actionlastig in den Zeichnungen sowie im Inhalt, die zweite legt mehr Wert auf eine romantische Note und legt mehr Wert auf die Charakterdarstellung. Die dritte Geschichte ist der kurze Manga, den Tsukiji Nao bei einem Wettbewerb vorlegte und der den Weg als Mangaka ebnete, man erkennt klar die Entwicklung, die von damals bis heute erforderlich war.

Abschließend kann ich für diesen Manga eindeutig eine Empfehlung aussprechen. Er hebt sich durch seinen ungewöhnlichen Humor und die filigranen Zeichnungen deutlich aus der Masse ab und bietet dem Leser etwas ganz Eigenes. Unterhaltsames Lesevergnügen ist garantiert :-)

SaschaSalamander 29.03.2012, 09.01 | (0/0) Kommentare | PL

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