SaschaSalamander
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Hieronymus Frosch

Hieronymus Frosch ist ein Erfinderfrosch. So erfindet er zum Beispiel eine Möglichkeit zum Versenden von Geburtstagspost an seine 2999 Geschwister. Oder er heftet seine Notizen zusammen und erfindet somit ein Buch. Dann wären da noch der vollautomatische Erbsenzähler und die Erkenntnis, das man in gefrorenem Wasser nicht schwimmen kann. Er erfindet sogar eine Unsichtbarkeitscreme! Und wie es sich für einen wahren Wissenschaftler gehört, muss er sogar auf eine Expedition, um Neues zu erforschen und seinem Namen alle Ehre zu machen. Ob er damit den Wissenschaftsclub endlich überzeugen kann, dass er kein Forschungsobjekt, sondern ein Forscher ist?

Seine Freunde sind Frau und Herr Butterweck, in deren Garten er wohnt. Und die Spitzmaus Emmi Wackernagel mitsamt ihren kleinen Kindern, den Wackernägeln. Und natürlich hat ein genialer Geist auch einen gemeinen Gegner - in diesem Falle Nick, der Hieronymus seine Ideen stehlen und seinen Platz einnehmen will.

Ich habe das Hörbuch geliebt! Einfach pfiffig, wie der kleine Frosch auf immer neue Ideen kommt. Für Kinder witzig, denn sie wissen natürlich, dass es keine Neuheit ist zu erkennen, dass man bei Sommerhitze im kühlen Wasser nicht schwitzt oder dass viele Zettel in gebundener Form ein Buch ergeben. Aber auch, wenn diese Ideen schon bekannt sind - was Hieronymus kennzeichnet, ist seine kreative Art, sein wacher Geist. Das Streben, immer Neues zu entdecken und nie aufzugeben.

Und während die Kids jede Menge Witziges mit Hieronymus und den Wackernägeln erleben, gibt es auch viel zu lernen. Über Lurche, Alexander Humboldt, Komposthaufen oder ein Dosentelefon. Spielerisch werden Anreize geboten, sich über verschiedene Themen zu informieren. Hieronymus weckt die Abenteuerlust in Kindern und animiert sie, selbst etwas zu erforschen.

Sprachlich ist HIERONYMUS FROSCH sehr einfach gehalten. Zudem gibt es sehr viele Wiederholungen des inhaltlichen Musters. Ich konnte es kaum erwarten, bis es wieder hieß "Denken, Frosch, denken, denken", und dann: "eine Meisterleistung, ein Triumph der Wissenschaft, ein Meilenstein der modernen Technik". Und dann wird "gebohrt, gehämmert und gesägt".

Die Figuren sind allerliebst. Hieronymus ist ein Frosch, den sich jeder zum Freund wünscht. Er denkt positiv und ist hilfsbereit. Und wenn seine Freunde ihn vergessen, dann weint er ganz herzzerreißend. Emmi ist die freundliche Nachbarin, liebende Mutter, sie unterstützt Hieronymus und sagt ihm auch einmal die Meinung, wie es Freunde eben tun sollen. Nick ist herrlich böse, und die kleinen Wackernägel sind so niedlich, dass man sie am liebsten sofort bei sich zu Hause haben möchte.

Stefan Kaminski als Sprecher ist ohne Vergleich. Obwohl er alleine das Buch vorträgt, kann man es beinahe als Hörspiel bezeichnen. Wie alles, was er spricht. Er braucht keine anderen Sprecher und keine Soundkulisse, das kann er alleine. Allein das "Kawumm - Pfiuuuuuw" der Rakete klingt so prima, als hätte man ein echtes Geräusch eingespielt, ich könnte es glatt in Dauerschleife hören, so witzig hat er das gemacht.

Das Booklet bietet eine Anleitung zum Bau eines Dosentelefons sowie eine Auflistung verschiedener Amphibien und macht den Kleinen Lust zum Selbstbasteln, weckt in Erwachsenen Erinnerungen an die Kindheit.

HIERONYMUS FROSCH begeistert Klein und Groß. Man muss den Frosch, Familie Butterweck und die Wackernägel einfach lieben!


SaschaSalamander 28.02.2012, 09.21| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Tip, Kinder, Humor,

Fiete Anders - Reise mit dem Wind - Keentied

INHALT

Das neue Hörbuch FIETE ANDERS von Miriam Koch vereint drei Bücher in einem. Hier eine kurze Übersicht:

FIETE ANDERS ist die Geschichte des Schafes Fiete, das aufgrund seines rot weiß geringelten Fells anders ist als die anderen Schafe. Er fühlt sich einsam und macht sich auf die Suche. Dabei findet er viele Dinge, die wie er rot weiß geringelt sind. Und dann endlich kommt er ans Ziel. Die Schafe sehen zwar immer noch aus wie normale Schafe. Aber hier fühlt er sich zu Hause. Hier ist er nicht mehr anders.

FIETE ANDERS - EINE REISE MIT DEM WIND ist eine zweite Geschichte um Fiete. Gemeinsam mit dem Wind reist Fiete bildlich gesprochen um die Welt, der Leser begleitet ihn bei seinen Erlebnissen.

KEENTIED erzählt von einem kleinen Strandläufer, der trotz seiner goldenen Taschenuhr den Abflug mit den anderen Zugvögeln verpasst hat. Doch als er nun seine Zukunft verloren glaubt, findet er ein neues Glück und eine neue Zukunft.


SPRACHE

Die Sprache der Bücher ist sehr schlicht gehalten, es gibt viele Wortwiederholungen. Die Protagonisten (Fiete und Keentied, andere Charaktere gibt es nicht) werden nicht mit Personalpronomen erwähnt sondern stets mit Namen. Es ist eben im Grunde ein großes Pappbilderbuch (im Original) mit wenigen Sätzen, und wie in Bilderbüchern üblich werden Namen und wichtige Begriffe immer wieder repetiert. Für Kinder ist das sehr geeignet, es vermittelt eine wunderschöne Geschichte in einfachen Worten. Für Erwachsene hat dies in der Hörbuch - Version eine entspannende Wirkung fernab vom Trubel und der Hektik des Alltags.


ZIELGRUPPE

Ich kann nicht einmal genau sagen, für wen FIETE und KEENTIED gedacht sind. Schon sehr kleinen Kindern würde ich es vorspielen, denn die Geschichte ist sehr einfach gestrickt und frei von Action, Erotik, Gewalt. Eben wie ein Bilderbuch für die Kleinsten. Aber die Erzählungen selbst sind auch für Erwachsene geeignet. Liebenswerte Fabeln. Fiete fühlt sich anders (welcher Mensch fühlt sich nicht auf gewisse Weise anders? Ich denke, jeder kann sich damit identifizieren), und er lernt sowohl die "Normalität" der anderen wie auch die eigene Andersartigkeit zu akzeptieren. Und Keentied ist ein Beispiel dafür, wie vermeintlich schlimme Ereignisse doch zu etwas Gutem führen können, es gibt Hoffnung und Kraft. Dabei allerdings sind die Erzählungen doch sehr schlicht gehalten. Mit dem TRÄUMENDEN DELPHIN oder der MÖWE JONATHAN darf man es keinesfalls vergleichen. Wie gesagt: das Original ist eigentlich ein Bilderbuch. Eines, das ich jedem Erwachsenen ans Herz lege ;-)


ENTSPANNUNG

Das Hörbuch ist sehr entspannend und eignet sich auch als Traumreise an einem freien Nachmittag. Robert Misslers Stimme ist angenehm ruhig, er spricht klar und langsam, sehr betont und sanft. Man muss sich nicht stark konzentrieren sondern kann sich dabei gemütlich aufs Sofa legen und sich von ihm auf eine spannende Reise entführen lassen.

Am besten hierfür geeignet finde ich die REISE MIT DEM WIND, diese Tracks werde ich wohl noch oft genießen in Zukunft. Denn sie sprechen alle Sinne an: Fiete riecht das salzige Meerwasser, er riecht fremdartige Gewürze wie Kakao, Orange, Anis, er spürt den Wind, er hört orientalische Musik und das Kreischen von Möwen und das Rauschen des Meeres. Sehr schön sind auch die Synästhesien, etwa wenn er in seinem Traum rot weiß geringelte Musik hört.

Als ich die CD hörte, rechnete ich nicht mit einer solch entspannenden Wirkung. Ich saß morgens um 6 im Bus, grummliger Morgenmuffel der ich bin. Um mich herum der Gestank der Straße, das Lärmen der schnatternden Frauen neben mir, der Lärm der Autos. Morgenpendelverkehr am Hauptknotenpunkt der Stadt. Und im Ohr die Reise mit dem Wind. In mir wurde alles still, ich lauschte der Musik, der sanften Stimme, ich vergaß den Stress um mich herum, glaubte den Kakao auf meiner Zunge zu schmecken, spürte den heißen Wüstenwind auf meiner Haut.

Auch die Musik von Ulrich Maske ist hierfür wunderbar geeignet. Schade finde ich, dass die Stücke sich zu ähnlich klingen, als hätte man nur ein Stück genommen. Andererseits ist dies der Entspannung zuträglich, die Melodie schmeichelt sich ins Ohr und bleibt dort als Ohrwurm lange haften, ich kriege sie seit gestern Früh nicht mehr heraus ;-)


HÖRBUCH

Das Hörbuch besteht aus der Musik von Ulrich Maske, dem Vortrag von Robert Missler sowie sehr gut passenden Geräuschen und Lautuntermalungen. Der Wind, das Meer, die Möwen, der Straßenlärm, alles ist realistisch umgesetzt und lässt den Hörer in eine andere Welt abdriften, als wäre er mitten darin. Die Schafe klingen als Einziges nicht realistisch, man hört, dass es von Menschen imitiert wurde, aber das ist richtig süß. Wenn Fiete traurig "bäh" macht, dann geht es wirklich ans Herz, man möchte ihn sofort knuddeln und trösten.

Robert Missler ist ein bekannter und gerne gewählter Sprecher. Seine bekannteste Rolle dürfte Grobi aus der Sesamstraße sein. Mir ist er vor allem aus der Serie Lady Bedfort bekannt. Er spricht Dr. Wilson aus House, Danny aus King of Queens und viele andere markante Charaktere. Man hätte für FIETE ANDERS kaum eine bessere Wahl als ihn treffen können.

Das Original wie gesagt sind großformatige Pappbücher. Das Hörbuch kann eine solche Besonderheit nicht aufweisen und hat somit andere Mittel gewählt: ein hübsches Papp - Klappcover. Einmal geöffnet ergänzt sich das Bild zu einer Reihe von laufenden Schafen über einer Wiese. Komplett geöffnet findet man das Inhaltsverzeichnis, eine rot weiß geringelte CD und ein liebevoll gestaltetes Booklet mit hübschen Bildern aus dem Buch sowie einer Beschreibung der Autorin und des Sprechers. Da hat sich Jumbo wirklich große Mühe gegeben, die Hülle ist ein Hingucker!

Normalerweise sage ich, wenn man das Buch kennt, braucht man das Hörbuch nicht mehr. In diesem Fall: wer das Bilderbuch mochte, muss sich unbedingt auch das Hörbuch kaufen, er wird es als wunderbare Ergänzung dazu lieben!


FAZIT

Für die ganze Familie, ob groß oder klein. Ein Hörbuch für alle Sinne, vorgetragen mit angenehmer Stimme und untermalt von entspannenden Geräuschen. FIETE ANDERS ist eine kleine Traumreise inmitten des hektischen Alltags, die ich allen Hörern gerne ans Herz legen möchte. Eine Kraftquelle zum Immerwiederhören :-)


SaschaSalamander 27.02.2012, 09.55| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch

Statistik KW 08

GELESEN / GEHÖRT
1 - Die Auserwählten 01 - im Labyrinth (J Dashner)
1 - Virtuosity (J Martinez)
1 - Fiete Anders (M Koch)
1 - Hieronymus Frosch (A Schmachtl)
1 - Lady Bedfort 01 - D Grab i Moor
1 - Lady Bedfort 02 - D Haus a d Witwenkreuzung
1 - Lady Bedfort 03 - Der Tod auf der Weide
2 - Das Tal 2.1. - der Fluch (K Kuhn)
2 - Volltreffer (C Arnold)


GESEHEN
Männer, die auf Ziegen starren
Monster


NEUZUGÄNGE
Charlie - Alle Hunde kommen in den Himmel (DVD)
Schlampen-Yoga (M Moser)
Fünf (U Poznanski)
Shepherd Moons (Enya)
Julians süßes Blut (S R Beck)
Schwanentanz (J Francis)
Toter Besuch (K Reddemann)
Mammoth Book of Paranormal Romance (Antho)
Rebellen der Ewigkeit (G Ruebenstrunk)
Fiete Anders (M Koch)
Hieronymus Frosch (A H Schmachtl)
Virtuosity (J Martinez)
Todesblüten (U Rylance)
Edgar Allen Wallace (Hörplanet)
Mythras 01 + 02 (Hörplanet)
Holger die Hörspielgurke (Hörplanet)
Alice - Neues aus dem Wunderland (Hörplanet)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - begonnen
5 - abgebrochen

SaschaSalamander 26.02.2012, 20.30| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Todesblüten

Erster Satz:
Sie konnte nicht schreien.

Letzter Satz:
Und hoffentlich nie aufhören, dachte ich, während ich mich langsam zu ihm herumdrehte.

Aus: Ulrike Rylance: Todesblüten; dtv 2011


SaschaSalamander 25.02.2012, 14.13| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Virtuosity

martinez_virtuosity_1.jpgINHALT

Carmen ist eine talentierte Violinistin. Und vom Schicksal gesegnet, denn sie hat eine Mutter, die zugleich ihre Managerin ist und sie fördert. Außerdem hat sie reiche Großeltern, die ihr eine Stradivari kauften und stolz auf die Karriere sind. Doch die Fürsorge der Mutter und der Stolz der Großeltern sind ein goldener Käfig, Carmen selbst ist nur eine Marionette zur Erfüllung der Träume anderer. Statt ein normales Teenagerleben zu führen, muss sie von einem Konzert zum nächsten, muss Preise gewinnen und mit strahlendem Lächeln in die Kamera blicken. Ein Freund? Eine normale Schule? Nein, aber dafür Welterfolg. Ein Erfolg, an dem sie zu zerbrechen droht. Bis sie eines Tages Jeremy kennenlernt, ihren härtesten Konkurrenten für den wichtigsten Preis ihrer Laufbahn. Er stellt ihr Leben auf dem Kopf, und sie versucht ihrem Käfig zu entfliehen.


THEMA, GENRE

Das Cover und der Trailer des >Lübbe Verlages< lassen auf eine Teenie-Romanze schließen, wie man sie derzeit an jeder Ecke nachgeworfen bekommt. Dass ich >VIRTUOSITY< dennoch lesen wollte, lag vor allem am Thema: klassische Musik, Konzerte, Geigenspiel. Ich liebe klassische Musik, und als Jugendliche habe ich selbst in einem Jugendsymphonieorchester gespielt, intensiv Unterricht erhalten und im Freundeskreis erlebt, wie eine Musikerkarriere aufgebaut wird (ein Teil meiner damaligen Mitschüler ist heute weltweit bekannt und gefeiert, das ist schon ein seltsames Gefühl). Daher war ich sehr gespannt, wie die Autorin dieses für mich persönlich spannende Thema umsetzen würde. Ich freue mich, dass ich über >BloggDeinBuch< ein Exemplar lesen durfte.

VIRTUOSITY beweist, dass auch ohne Fantasy und magische Wesen ein spannender Jugendroman möglich ist. Die Welt der klassischen Musik, sowohl in ihrer Leidenschaft und Eleganz wie auch in ihrer Verlogenheit und Bestechlichkeit ist sehr schön dargestellt. Wenn Carmen ihre Geige ansetzt und spielt, fühlte ich mich oft an damals erinnert, wenn ich im Konzertsaal saß, die Atmosphäre wurde hervorragend eingefangen. Und auch die Feinheiten der Profimusiker wurden gut beschrieben: immer die Hände schonen, nicht mit den Fingerknöcheln an Türen anklopfen, Körperteile versichern, keine Ringe tragen, der stete rote Abdruck im Gesicht und viele Kleinigkeiten mehr, die nebenbei einfließen aber der gesamten Geschichte sehr viel Echtheit verleihen.

Obwohl das Buch als Romanze vermarktet wird, halte ich es eher für eine Mischung aus Drama und Erwachsenwerden. Der Prozess von Carmens Ablösung ist sehr gut herausgearbeitet und stellt das dominierende Thema des Buches dar. Ihr Gefangensein, ihre Zweifel, die folgende Rebellion und die Befreiung. Zwar ausgelöst durch eine Liebe, diese aber nicht der Knackpunkt sondern das Mittel zum Zweck. Trotzdem - auch der romantische Anteil ist gekonnt dargestellt und lässt das Leserherz höher schlagen. Es ist der Autorin gelungen, verschiedene Anteile geschickt zu verweben, ohne es zu kitischig oder zu dramatisch werden zu lassen.


CHARAKTERE

Carmen ist äußerst gelungen gezeichnet. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und gewährt dem Leser einen ungeschönten Einblick in ihre Welt. Sie fügt sich in die Welt, die ihre Mutter und Großeltern ihr vorgeben, sie kennt es nicht anders, und sie verzichtet dafür auf ein eigenes Leben. Schrittweise wird beschrieben, wie der Erfolg immer mehr zur Belastung wird, bis sie eines Tages nicht mehr ohne Medikamente auf die Bühne treten kann und schrittweise in die Abhängigkeit rutscht. Immer wieder lässt sie den Leser auf die unschönen Dinge ihres Erfolges blicken: der aggressive Lehrer, die viel zu kurze Leine ihrer Mutter, der stete Druck von Presse, Familie und aus sich selbst heraus. Dem gegenüber steht das verletzliche Mädchen, das sich verzweifelt danach sehnt, um seiner selbst willen geliebt zu werden. Als sie rebelliert, steigert sie sich in einen wahren "Rebellionsrausch" hinein, der alles zerstören könnte.

Jeremy ist das genaue Gegenteil von Carmen: er ist frei, lebendig, hat eine liebende Familie, er ist sozial kompetent und hat ein offenes Herz für die Dinge um ihn herum. Seine Vitalität ist ein markanter Kontrast, doch auch sein Leben hat dunkle Momente. Und stets schwebt die erdrückende Frage im Raum: will er Carmen manipulieren, um selbst den Preis zu gewinnen? Oder ist tatsächlich er der eine, der sie um ihrer selbst willen liebt?

Außer den beiden gibt es nur vier weitere Charaktere: Diana, die Mutter, die durch die Nähe zur Protagonistin sehr häufig anzutreffen und sehr gut beschrieben ist. Clark, Carmens Stiefvater, ein Lichtblick zwischen all dem Erfolg und der künstlichen Fassade. Heidi, die junge Privatlehrerin, die das Mädchen in ihrer Rebellion unterstützt und dafür viel aufs Spiel setzt. Und der Lehrer Juri, zweimal die Woche terrorisiert er Carmen und formt ihre Musik. Jede dieser Figuren ist sehr emotionsbeladen und für den Leser direkt greifbar.


WIDERSPRÜCHE

VIRTUOSITY ist ein Buch voller Widersprüche. Einerseits ist das die offizielle Welt der Musik: teure Preise, wertvolle Instrumente, perfekt gestylte Kleidung, eine elegante Performance, Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten. Auf der anderen Seite sind da Heidi und Jeremy, die immer wieder Einblicke in die "andere" Welt normaler Jugendlicher bieten. Als Carmen auf Jeremy trifft, blitzt immer mehr dieser für sie neuen Welt hervor.

Für die Musik empfindet Carmen eine Hassliebe. Sie spielt verträumt die Melodien, genießt ihre regemlässigen Rituale, sie liebt das atmende und singende Instrument und schwärmt von Musik wie andere von ihrem Geliebten. Doch zugleich ist ihr die Musik verhasst, sie ist der Käfig, der sie gefangenhältt, es ekelt sie an, es ist grässlich, widerlich, sie fühlt sich beschmutzt und möchte - wie bereits im ersten Kapitel ersichtlich - am liebsten ihre 1,2 Mio teure Stradivari vom Balkon fallen lassen.

Carmen weiß auch nicht, was sie möchte, sie muss sich ihrer selbst erst bewusst werden. Sie will geliebt werden, wie sie ist. Als das junge Mädchen, als Person, als Mensch. Und doch will sie, dass die Konzertbesucher zu ihr aufsehen, sie wegen ihrer Musik lieben und sie verehren.

Der größte Widerspruch in diesem Buch ist Jeremy. Sie liebt ihn, denn er ist, was sie gerne wäre. Er findet sie hübsch, er besucht nichtmusikalische Veranstaltungen mit ihr, er küsst sie, mit ihm kann sie auch über andere Dinge reden als über Musik. Zugleich aber darf und wil sie ihn nicht lieben, da er ihr Gegner ist. Sicher lenkt er sie nur vom Wettbewerb ab und verfolgt seine eigenen Ziele, sicher will auch er sie nur manipulieren. Sein Verhalten verärgert Carmen. Sie stößt ihn ab und zieht ihn an sich, sie verachtet ihn und verehrt ihn, er ist ihr Retter und ihr Untergang.

Dies sind die meiner Ansicht nach vier wichtigsten Elemente, doch es gibt noch sehr viele weitere. Etwa die Medikamente, die sie zu brauchen glaubt und die sie im Zuge ihrer Rebellion absetzt. Die Figuren ihrer Mutter und des Lehrers, denen sie zwiespältig gegenübersteht. Auch sich selbst gegenüber ist Carmen immer wieder im Zweifel. VIRTUOSITY beschreibt überdeutlich den Prozess der Selbstfindung und Befreiung auf so packende Weise, dass der Leser immer wieder das Gefühl hat, er selbst müsse nun erbrechen, schreien, weinen.


COVER, PASSION

Ausnahmsweise möchte ich einige Worte über die Aufmachung des Buches verlieren: teilweise verdeckte Mädchengesichter sieht man derzeit überall, dadurch hebt sich das Cover leider wenig aus der Masse ab. Doch das verdeckende Element, die Geige, ist sehr schön in den Vordergrund gehoben, sodass der Mensch hinter der Musik verborgen ist, wie auch Carmen hinter ihrer Karriere. Die beherrschende Farbe ist ein dunkles Lila, die Farbe der Passion. Und diese Passion, Leidenschaft ist es, um die es im Buch geht. Gemäß Wikipedia eine starke, inbrünstige Emotion von Liebe und Hass, sie dient der Verfolgung von Zielen, es schwingt ein Beiklang von Zerstörung mit. Besser als mit dem Wort Passion kann man VIRTUOSITY nicht beschreiben.


FAZIT

Die Autorin hat ausder Musik ein mitreißendes Jugenddrama voller Zärtlichkeit und Passion zu erschaffen. Fernab vom Kitsch erlebt der Leser gemeinsam mit Carmen eine Achterbahn der Gefühle, deren Intensität noch lange nachklingt.

SaschaSalamander 25.02.2012, 09.01| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Drama, Jugend, Romantik, Frauen, Tip,

Negative Happy Chainsaw Edge

takimoto_chainsaw_1.jpgVORAB

Insgesamt möchte ich gar nicht zu viele Worte über den Manga verlieren, der mich dann doch wider Erwarten sehr enttäuscht hatte. Tatsuhiko Takimoto ist vor allem bekannt durch seine außergewöhnlichs Werke "Welcome to NHK". Und auch hier versprach die Handlung eine Menge abgedrehter Action. Doch auch ohne die Vorerwartung ist der Manga ein Reinfall. Tokyopop geht seit einiger Zeit dazu über, Doppelbände herauszubringen. Mag toll sein, wenn es sich lohnt. Hier aber fühle ich mich betrogen, denn hätte ich den ersten Band gekauft, hätte ich mir das Geld für den zweiten Teil sicher gespart. Ein weiterer Doppelmanga, der mich eigentlich interessierte, blieb nun letzte Woche im Comicladen liegen, das Risiko ist mir zu groß, ich will mein Geld nicht zum Fenster hinauswerfen und muss nicht alles haben. 7 Euro sind eben doch etwas anderes als 15 Euro ...


KLAPPENTEXT

Als Yosuke in einer kalten Winternacht deprimiert durch die Straßen läuft, stolpert er mitten im Schneegestöber über ein Mädchen. Die hübsche Eri scheint auf jemanden zu warten. Im nächsten Moment stehen die beiden einem unheimlichen Wesen mit riesiger Kettensäge gegenüber. Und bevor Yosuke sich versieht, beginnt für ihn und Eri ein blutiges Abenteuer.


ZEICHNUNGEN

Die Zeichnungen sind gelungen in Proportion und Optik, das mag sein. Aber sie sind zu ernst um komisch zu sein und zu albern um ernst zu sein. Verzerrte Gesichter, überdramatisierte Szenen, das wirkt eher fehl am Platz, besonders die seltsamen Grimassen von Yosuke wirken störend. Dazu kommen eine Menge Pantyshots (das Höschen blitzt unter dem Rock hervor, und nicht oft genug kann sich das Mädel verrenken, um dem Leser Einblicke zwischen ihre Beine zu gewähren). Wer auf Pantyshots steht - unbedingt kaufen! Aber die meisten Leser ziehen doch die Handlung den Höschen vor, ...


HANDLUNG

Die Handlung scheint meiner Ansicht nach Nebensache. Sie dient nur dazu, möglichst oft Yosukes verzerrtes Gesicht oder Eris Höschen ins Bild zu bringen. Die Handlung mit dem Kettensägenmann ist eher uninteressant und vermag es leider nicht, Spannung zu erzeugen. Wäre ich nicht neugierig auf das Ende gewesen, hätte ich den Manga schon nach dem ersten Drittel wieder beiseite gelegt. Danach habe ich nur noch überflogen, das Ende hat dann aber nicht wirklich überrascht.

CHARAKTERE

Hier hätte der Manga zusätzlich zur vom Thema her spannenden Story punkten können. Die Hintergrundgeschichte von Yosuke ist interessant: er hat seinen Bruder verloren und sehnt sich nun nach einem Sinn in seinem Leben. Durch die Jagd auf das fremde Phantom erkennt er nun endlich einen Sinn, und auch die aufkeimende Beziehung zu Eri gibt ihm neuen Lebensmut. Aber Höschen waren dem Zeichner dann doch wichtiger, als näher auf die Beziehung zwischen den beiden einzugehen oder Tiefgang in die Handlung einzubauen.


FAZIT

Schade, der Manga hatte viel verspochen aber kaum etwas gehalten. Für Ecchi-Freunde (Softerotik), denen es alleine auf große Brüste und möglichst viele Blicke zwischen die Beine des Mädchens ankommt, dürfte der Manga ein gelungenes Festmahl sein. Alle anderen, die sich Action, Humor oder gar Handlung erhoffen, sollten auf jeden Fall die Finger davon lassen.

SaschaSalamander 24.02.2012, 14.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Manga

Talisman Himari

milan_himari_1.jpgKlappentext: An seinem sechzehnten Geburtstag erlebt der Katzenhaar-Allergiker Yuuto die Überraschung seines Lebens: Ein rätselhaftes Mädchen namens Himari taucht plötzlich wie aus dem Nichts auf und bringt sein Leben gehörig durcheinander. Himari scheint Yuuto seit Langem zu kennen und outet sich bald als Ayakashi-Tiergeist, der Yuuto als Leibwächter dienen soll. Dumm nur, dass Himari in Wahrheit ausgerechnet eine Katze ist! Yuuto hat nun neben seiner Allergie noch ein neues Problem, denn er soll in Zukunft Ayakashis jagen und töten ...

Wirklich beeindruckt hat mich TALISMAN Hibari nicht. Aber schlecht ist er auch nicht. Ich verstehe die Fans des Mangas (bzw auch Animes), denn die Story hat Pfiff. Ein klassischer Manga für junge Männer, die auf eine witzige Comedy mit jeder Menge Pantyshots (Höschenblitzer) und riesige Oberweiten stehen: Der Protagonist ist ein junger Mann, der von Mädels wenig Ahnung hat, lediglich seine Sandkastenfreundin will mehr von ihm, was er aber nicht so wirklich registriert. Und auf einmal ist da diese Schönheit, die ihm immer wieder ihren Busen ins Gesicht drückt, sich auf ihn wirft oder sonst wie zufällig ihre körperlichen Reize spielen lässt. Klar ist die bisherige Sandkastenfreundin wenig begeistert und buhlt nun ebenfalls verstärkt. Die anderen Jungs sind neidisch, und die Mädels scheinen jetzt auf einmal alle nur so auf Yuuto zu fliegen. Ein Traum für jeden jungen männlichen Mangafan.

Wenn man die prima Zeichnungen mal weglässt (handwerklich ist absolut nichts gegen den Manga einzuwenden), dann bleibt eine Geschichte, die in dieser und ähnlicher Form schon unzählige Male da war. Ein Klischee folgt dem nächsten, und die Unterhöschen sind so eng, dass man einmal sogar die geschwollenen Schamlippen darunter sieht. Na, wers braucht *seufz* ...

Die Hintergrundstory ist nett aber wenig ausgefeilt. Sie dient im Grunde nur dazu, dass der Protagonist von einem Kapitel zum unzusammenhängend nächstens wieder in eine Situation gerät, die entweder dazu dient ein wenig Action ins Spiel zu bringen oder aber dazu, für weitere "Romantik" zu sorgen.

Die unzähligen Höschen und Riesenbrüste habe ich mal ignoriert, und ohne diese habe ich mich recht gut unterhalten. Einen weiteren Band werde ich mir aber nicht holen. Dazu ist die Story zu wenig originell. Es wird wohl wieder einer der Mangas werden, die man auf 50 Bände ausdehnen kann, ohne tatsächlich die Handlung voranzubringen. Hier eine Episode am Strand, dort ein Kapitel Shoppen gehen, da ein romantisches Picknick. In den nächsten Bänden werden sie vermutlich Eis essen gehen, einen Stadtbummel machen, ein Onsen aufsuchen, einen Jahrmarkt besuchen, in den Zoo gehen, Urlaub in den Bergen machen, und so weiter. Es ist nett, und die Charaktere sind sympathisch, es liest sich also angenehm. Aber die Motivation zum Weiterlesen fehlt mir einfach.

Trotzdem, ich will nicht unfair sein: die Zeichnungen sind einwandfrei, und der Humor ist ansprechend. Wer sich nicht an den Klischees stört, für wen die Handlung nebensächlich ist und wer sich an den erotischen Momenten erfreut, der bekommt einen 1a Manga geboten. Alle anderen: Finger weg.

SaschaSalamander 24.02.2012, 08.51| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Romantik, Erotik, Humor,

Virtuosity

Erster Satz:
Das Balkongeländer fühlte sich kühl an, als ich meine Wange dagegen presste.

Letzter Satz:
Ich hatte die Wahl

Aus: Jessica Martinez: Virtuosity; Boje 2012

SaschaSalamander 23.02.2012, 17.39| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Das Tal 2.1. - Der Fluch

Die Reihe um DAS TAL habe ich begeistert vor einigen Monaten begonnen. Spannende Geschichte, eine prima Sprecherin, ein geheimnisvolles Tal und interessante Charaktere. Aber ich habe langsam das Gefühl, dass die Serie das wird, was LOST war: eine an sich prima Serie, die aber bis zum Erbrechen so lange ausgeschlachtet wurde, dass keiner mehr Lust darauf hatte.

Naja, Lust auf die Serie scheinen noch immer genügend Leute zu haben, ich lese noch immer viel Positives im Netz. Aber auch jede Menge Gegenstimmen, die sich ebenso wie ich langsam verar***t fühlen. Da wird immer wieder eine neue Story um irgendwelche Jugendlichen geschrieben, aber die Geheimnisse des Tals werden nicht gelüftet.

Würde die Autorin die Geschichten solo veröffentlichen und aus dem Tal herausnehmen, das fände ich klasse. Gerade die aktuelle Handlung um die junge Frau und ihre traumatische Vergangenheit war sehr bewegend und für sich betrachtet wirklich klasse, hätte ich sehr gerne gelesen. Aber das Einbetten in das Tal hat es zerstört: der eigentlichen Handlung um Rose wurde zuviel Aufmerksamkeit gezollt dafür, dass es ein Tal-Roman war. Und das Tal kam dafür weit, weit, weit zu kurz. Und ich war am Ende sauer.

Ich frage mich, ob es irgendwann weitergeht, ob der Leser irgendwann mehr über das Tal erfährt. Oder ob sie jetzt pro Jahrgang immer wieder vier Bände schreibt, bis die Schüler alle ihren Abschluss haben. Das wäre Kommerz hoch zehn, und ich bin keine Kuh, die man sinnlos melken kann. Es gibt viele gute Bücher, und ich möchte meine Zeit nicht verschwenden ...

SaschaSalamander 23.02.2012, 15.57| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Jugend, Thriller,

Florentine

wilke_florentine_1.jpgINHALT

Clemens-Hubertus Winterstein (der mit seinem Namen nicht wirklich glücklich ist) ist Einzelkind, seine Eltern sind vielbeschäftigt. Er wohnt in einer Reihehaussiedlung, muss regelmässig in den Klavierunterricht (weil Mama damals gerne Klavier gespielt hätte als Kind) und kommt nie zu spät zur Schule. Dann eines Tages steht ein Schwein im Garten und frisst Mamas Dahlien! Aber seine Eltern hören ihm nicht zu, denn Papa erzählt von seinen Problemen auf Arbeit. Und ab diesem Tag verändert sich alles für Clemens. Er kommt zu spät zur Schule, schwänzt den Klavierunterricht, lernt Erdal kennen und weiß einfach nicht, was er mit dem Schwein machen soll, das ständig hinter ihm herläuft. Erdal hat eine tolle Idee, also bringen sie das Schwein erstmal zu ihm auf den Balkon des Hochhauses. Aber das Abenteuer fängt jetzt erst richtig an!

AUTORIN

Die Autorin >Jutta Wilke< lernte ich erstmals durch das Kinderbuch >Holundermond< kennen, welches mich sehr begeisterte. Ihr eben erschienener Jugendroman >Wie ein Flügelschlag< hat mich sehr bewegt. Und da ich Kinderbücher liebe, war ich natürlich auch neugierig auf Florentine. Ich würde nicht enttäuscht.


KINDERBUCH

Das Buch ist mit einer erfrischend kindlichen Logik geschrieben. Einfache Sätze kennzeichnen den Sprachstil, es ist sehr schön geeignet sowohl zum Vorlesen als auch für junge Leser. Ich liebe Bücher in diesem Stil: Gedankengänge und Schlussfolgerungen, wie sie nur dem Kopf eines kreativen Kindes (oder einer fähigen Autorin) entspringen können. Schweine mögen Matsch - ob man den Balkon in ein Schlammloch verwandeln könnte? Wenn ein Kammerjäger ungewollte Tiere aus der Wohnung vertreibt, würde er womöglich das arme Schwein mit seiner Sprühdose ansprühen und das Schwein würde tot umfallen? Als Erwachsener finde ich es sehr wichtig, mir immer wieder solche Gedankengänge vor Augen zu halten, die Welt nicht mit wissenschaftlich-verklärtem Blick zu sehen (das tun wir eh viel zu oft), sondern die rationalen Erfahrungen einfach einmal zu ersetzen durch Offenheit und Neugier. Klar geht das nicht, aber zumindest dieses Denken sollte man sich bewahren. Die Welt wäre erschreckend langweilig ohne bauchtanzende Schweine oder Außerirdische im Vorgarten ;-)


CHARAKTERE

Ich finde es klasse, wie Jutta Wilke den Charakteren Leben verleiht. Im Vordergrund steht die Geschichte, doch nebenbei erfährt man sehr viel über Clemens, Erdal und deren Familien. Den Opa, der ständig vor dem türkischen Fernsehsender einschläft und seine Heimat vermisst. Sinan, der gerne auf cool macht aber eigentlich ein feiner Kerl ist. Den Onkel, der Clemens sofort ins Herz schließt, einfach nur weil er Erdals Freund ist. Clemens macht eine riesige Entwicklung in diesem Buch durch, die glaubhaft geschildert wird. Er lernt eine komplett neue Welt kennen. Statt Reihenhaus, Einzelkind und Klaiverunterricht kommt er in eine Familie mit 11 Personen. Seine Eltern übersehen ignorieren das Schwein im Vorgarten, Erdals Familie tanzt mit dem Schwein und füttert es mit Pfannkuchen. Was für ein Unterschied! Er ist anfangs absolut überfordert, wie freundlich er von diesen Fremden aufgenommen wird, und es fühlt sich gut an, dies mit ihm zu erleben.


FREUNDSCHAFT

Eigentlich geht es in diesem Buch gar nicht sosehr um Florentine, das entflohene Zirkusschwein. Eigentlich geht es um einen kleinen Jungen, der sich nach dem Umzug seines besten Freundes langweilt und der nun auf ungewöhnliche Weise einen neuen Freund findet. Clemens ist skeptisch, vermutet hier und da immer wieder etwas Böses, er hat Angst vor Erdals coolem Bruder und fürchtet sich im ersten Moment vor dem Onkel. Er versteht ja nicht, was der so aufgeregt ruft, als Erdal sich einfach am Obststand ohne zu fragen Kirschen nimmt! Aber er begreift sehr schnell, dass die Familie ihn mag, dass er schon jetzt dazugehört. Das Besondere an FLORENTINE finde ich, dass diese Handlung sich eher im Hintergrund abspielt, immer das Schwein im Vordergrund. Pädagogik durch die Hintertür, von vorne ein spannendes und lustiges Abenteuer. So muss man Kindern Geschichten präsentieren, damit sie Lust aufs Lesen bekommen. So bekommen Kinder auch Lust, von selbst über Bücher nachzudenken und darüber zu reden :-)


ZEICHNUNGEN

>Patrick Wirbeleit< ist der Illustrator der vielen witzigen Bilder. Einfache Skizzen, die gekonnt die wichtigsten Momente einfangen und beim Lesen einen Augenblick zur Ruhe kommen lassen. Die Bilder strahlen eine Wärme aus, die wunderbar zu der Geschichte um Freundschaft und Familie passen.


FAZIT

FLORENTINE zeigt, dass Freundschaft auch funktionieren kann, wenn man eigentlich völlig verschieden ist. Ein Kinderbuch, das Erwachsene zum Lächeln bringt und Kinder zum Lachen, ideal zum Vorlesen oder Selberlesen.

SaschaSalamander 23.02.2012, 09.04| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch

Volltreffer

Erster Satz:
Als er die Augen öffnete, blickte er wie jeden Morgen auf den Mann, der, seitdem er sich entsinnen konnte, sein Leben bestimmt hatte.

Letzter Satz Ende:
Es war wie mit Esskastanien: Kein Fotoband über leckere Küche kam ohne eine Abbildung von den drolligen Dingern aus, doch essen tat sie in Wirklichkeit kein Mensch.

Letzter Satz konservatives Ende:
(evtl Spoiler?)

Letzter Satz völlig durchgeknalltes Ende:
Zum Glück nicht Arthurs Schicksal.

Letzter Satz Hollywood Ende:
Ende gut, alles gut.

aus: Cedric Arnold: Volltreffer; Heyne 2011


SaschaSalamander 22.02.2012, 17.37| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Die Auserwählten 01 - Im Labyrinth

Seit zwei Tagen höre ich DIE AUSERWÄHLTEN, den ersten Band IM LABYRINTH. Die Story klingt klasse. Und David Nathan als Sprecher ist sowieso erste Sahne (so oft, wie ich ihn inzwischen erwähnte, sollte ich glatt mal Werbungskosten beantragen *ggg*. Aber ich finde ihn einfach toll als Sprecher).

Ich werde es zu Ende hören, weil die Geschichte als solche wirklich klasse ist. Aber die Umsetzung ist nicht mein Ding. Ich werde mit keinem einzigen der Charaktere warm, finde das Verhalten so ziemlich jeder Figur seltsam, habe kein Bild im Kopf von Landschaft oder Personen. Ich weiß, dass es auch wieder nur der Auftakt einer Reihe ist, und wenn nicht einmal der Anfang mit mitreißt, wird es wohl auch mit der Fortsetzung eher mau werden ...

Nein, ich glaube nicht, dass das Ende es rausreißen wird und ich begeistert bin. Ich bin gerade bei CD 4 von 6, das sollte genügen für einen ersten Eindruck.

Wer von Euch hat DIE AUSERWÄHLTEN gehört oder gelesen?
Wie fandet Ihr es?

SaschaSalamander 22.02.2012, 15.48| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Dystopie, Jugend,

Wie ein Stein in mir

vandewijer_stein_1.jpgWARUM DIESES BUCH

An sich lese ich Bücher dieses Genres nicht gerne. Auch ohne, dass ein persönliches Schicksal mit dem dritten Reich verknüpft ist, finde ich das Thema sehr belastend. Ich lese da eher Fachbücher oder besuche Ausstellungen. Filme und Bücher, die in dieser Zeit spielen, finde ich schrecklich. Aber deswegen verschließe ich natürlich dennoch nicht die Augen und greife hier und da zu. In diesem Fall deshalb, weil ich die Person des Janusz Korczak schon immer sehr interessant fand. Auch lese ich gerne Bücher um Kinderschicksale, zum Beispiel von Torey L Hayden. Dieses Buch vereint mehrere Themen: das Schicksal eines traumatisierten Kindes, die Zeit des dritten Reiches 1942, die Pädagogik des Janusz Korczak. Ein Jugendbuch, aber aus genau diesen Gründen dennoch harte Kost, oh ja!

Die Rezension wurde sehr lang, denn in Rezensionen verarbeite ich gelegentlich auch Leseeindrücke. Dies ist hier der Fall: WIE EIN STEIN IN MIR ist ein Buch, das verarbeitet werden muss. Wem das zuviel ist, der kann gerne auf meine >Kurzfassung bei Amazon< zurückgreifen ;-)


INHALT

Esther ist 13 Jahre alt, als sie in das Waisenhaus Dom Sierot des Janusz Korczak gebracht wird. Was sie zuvor erlebte, ließ sie verstummen, kein Wort vermag sie mehr zu sprechen. Der Arzt, die Schwestern und die Kinder nehmen Esther herzlich in ihrer Mitte auf. Schritt für Schritt gewinnt Esther Vertrauen, lernt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und sich in der Gruppe zu integrieren. Doch während im Dom Sierot die Welt Wärme und Liebe verspricht, tobt draußen der Krieg, und auch vor den Kindern wird er nicht innehalten ...


KEIN SPOILER

Ich habe lange überlegt, ob ich spoilern soll oder nicht. Aber ich empfinde es nicht als Spoiler. Denn, mal ehrlich: das Buch spielt im dritten Reich und handelt von realen Personen. Gut, Korczak ist vielen vielleicht nicht so bekannt wie meinetwegen Anne Frank oder andere Menschen, die im KZ verstarben. Dennoch ist er ein bedeutender Pädagoge, Autor sowie Namensgeber vieler Schulen und Straßen. Deswegen sehe ich es nicht als Spoiler, wenn ich im Laufe der Rezension Andeutungen über das schreckliche Ende des Buches mache. Ich spoilere auch nicht, wenn ich sage, dass ANNE FRANK am Ende stirbt oder dass in SCHINDLERS LISTE viele Juden den Tod finden. Und ebenso ist es hier bei WIE EIN STEIN IN MIR. Wer das Buch liest, der sollte wissen, was ihn erwartet. Ich habe das Tagebuch des Dr. Korczak noch nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob das Mädchen Esther eine fiktive Figur aus der Feder der Autorin Vandewijer ist, oder ob sie tatsächlich in seinen Aufzeichnungen vorkommt und das Buch somit eine dramatische Aufarbeitung der realen Ereignisse ist. Doch Esther hin oder her - das Buch behandelt reale Ereignisse und ist somit ein Stück Geschichte. Und Geschichte kann man nicht spoilern ;-)


CHARAKTERE

Die Charaktere des Buches berührten mein Herz. Obwohl alles aus Sicht Esthers geschrieben ist, werden sie doch sehr greifbar und lebendig. Der "alte Doktor" erzählt hier und da aus seiner Vergangenheit, berichtet was ihn bewegt und beschäftigt. Doch er ist mit Ausnahme von Esther die einzige Figur, über deren Leben man etwas erfährt. Der Leser erhält ein sehr gutes Bild über seine Pädagogik, seine Einstellung, seine Liebe zu den Kindern. Die Kinder des Waisenhauses werden nur von außen geschildert und bleiben somit im Hintergrund aber keineswegs blass. Sie alle erhalten Persönlichkeit, Vorlieben, sehr schnell kann der Leser sie alle auseinanderhalten. Den kleinen Geigenspieler, der Gärtner, die quirlige Plaudertasche, den in Esther verliebten Jungen und all die anderen Waisen. Der Leser erlebt sie so innig, dass sie während der Lektüre quasi zu Freunden werden. Und je mehr man sie lieb gewinnt, desto schwerer fällt es, umzublättern, desto größer wird der Kloß im Hals, wenn man sich dem Ende nähert.


AUFBAU

Das Buch besteht aus drei sich abwechselnden Einheiten: eine leere Seite mit einem Zitat von Korczak. Diesen entnimmt man Gedanken über Pädagogik, Kinder oder seine Einstellung zum Leben. Die Zitate sind sehr gut passend zum Buch gewählt. Dann gibt es Aus der Ich-Perspektive das Erleben von Esther. Sie beschreibt ihren Alltag, das Erleben der Umwelt, das Handeln der anderen. Hierin erfährt der Leser viel über das Leben im Heim sowie nach und nach immer mehr über die drohende Gefahr des Krieges. Und dann gibt es Esthers Tagebucheinträge. In diesen schreibt sie das täglich Erlebte aus ihrer Innensicht, hier schreibt sie ihre Gefühle und Gedanken nieder, die im Alltag keinen Platz finden. Die Kapitel sind in der Regel 2 bis 10 Seiten.

Die Bedrohung im Hintergrund ist stetig präsent. Korczak schützt die Kinder, sogut es ihm möglich ist, er hält die Welt von ihnen fern, vermittelt ihnen Liebe und Geborgenheit. Doch durch Esthers frühere Erlebnisse und durch einzelne Aktionen mit der Außenwelt (Verkauf von Büchern, ein Kind kommt zu spät nach Hause und erzählt von seiner Flucht vor den Kontrollen) erfährt der Leser immer wieder kurze, schreckliche Einzelheiten über das Voranschreiten des Krieges.

Anfangs interessiert es den Leser brennend, was nun mit Esther geschehen ist. Das ist ja schließlich eines der Hauptthemen des Buches. Doch je mehr die Handlung voranschreitet, desto unwichtiger wird es. Es ist egal, denn alle haben Schlimmes erlebt. Was nun immer mehr zählt, das ist wie es weitergeht. Obwohl man das Ende kennt, hofft man doch, dass die Kinder diesem Schicksal entgehen können. Es zählt nicht mehr, was Ester damals wiederfahren ist. Es ist nur wichtig, dass sie sich in die Gruppe eingliedert, Freunde findet, dass sie sich wohl fühlt, dass sie wieder Vertrauen fassen kann, dass sie die Schrecken ihrer Vergangenheit ablegt. Und je glücklicher sie wird, desto schrecklicher wird das Buch zu lesen, denn man weiß, dass ihr Glück nicht von Dauer sein wird. Das Buch endet vermeintlich glücklich, denn es ist aus Sicht von Esther erzählt. Der Doktor will die Kinder vor dem Schicksal schützen, und die Kleinen ahnen nicht, was ihnen droht. Und so erlebt Esther den schönsten Tag seit langer Zeit, hat endlich gefunden, was sie suchte, und sie geht strahlend in eine neue Zukunft. Es zerreißt dem Leser das Herz, die glückliche Wahrnehmung des Kindes gegenüber der grausamen Realität zu sehen ...


SPRACHE

Die Sprache ist schlicht gehalten und passt sehr gut zur Person der Esther. Kurze Sätze, selten ein Komma, der Satzbau sehr einfach. Oft nur Gedankenfetzen, die sich dem Leser zeigen. Doch trotz der knappen Worte vermag es die Autorin (bzw zugleich der Übersetzer), die Welt in melodische Bilder zu verpacken.

Ein Beispiel für die Gedankenfetzen: "Ich sammle die Fetzen. Wie die Glieder einer Kette will ich sie aneinanderreihen. Ich darf diese Kette nicht verlieren. Der Junge zieht mich weiter. Am Arm, ungeduldig. Ich sehe mich selbst gehen. Meine Seele hoch in der Luft. Ich weiß nicht, ob mein Körper atmet. Das Haus hier. Welches Haus? Spielende Kinder." Diese knappen Worte lesen sich sehr flüssig, es dauert nur drei bis vier Seiten, bis man sich daran gewöhnt hat.

Auffällig in der Beschreibung der Außenwelt Esthers ist auch die Form der Dialoge: nicht wie sonst üblich mit "sagte" oder "erklärte" und anderen Verben des Sprechens. Sondern der Satz wird in Anführungszeichen quasi hingeworfen, und in Klammern steht dahinter der Name der sprechenden Person. Dies verdeutlicht sehr schön, wie Esther Sätze hört und sie im Nachhinein, verlangsamt noch immer durch ihren Schock, einzelnen Personen zuordnet. Die Aussage. Die Person. Alles andere ist unnötiger Ballast für das Mädchen.

Obwohl das Buch durch viel freies Papier (ein Kapitel beginnt auf einer neuen Seite, die Zitate stehen auf einer eigenen Seite), eine angenehme Schriftgroße und die einfachen Sätze sehr schnell gelesen sein könnte, brauchte ich erstaunlich lange für meine Verhältnisse. Der schwer verdauliche Inhalt führt dazu, dass man es nicht überfliegen möchte. Man sollte sich also Zeit und Muse nehmen für dieses Buch.


JUDEN, DRITTES REICH

Immer wieder blitzen Momente des Krieges in die Welt der Kinder. Und auch das Thema Judentum ist stets präsent. So besuchen der Doktor und Esther eine Beerdigung. Auch soll Esther einen Aufsatz schreiben über die Stimme der Steine, wo sie über die Steine auf den Friedhöfen sinniert. Später wird ihr ein Aufsatz über die 36 Gerechten zugeteilt, und im Waisenhaus laufen die Vorbereitungen für das Versöhnungsfest Jom Kippur. In der Gruppe der Kinder ist zudem auch ein Junge, der gerne Witze erzählt von Moschje, dem Rabbi, seiner Religion. Doch abgesehen von solchen Momenten geht es in diesem Buch vordergründig nur um Ester, die Kinder und Korczak. Doch im Hinterkopf des Lesers schwebt das Wissen um das Ende wie ein Damoklesschwert über jeder Seite, über jedem glücklichen Moment.


JANUSZ KORCZAK

Er wurde in WIE EIN STEIN IN MIR wunderbar eingefangen. In vielen herzlichen Situationen erfährt der Leser von seiner Pädagogik. Wie er zuhört, wie er die Kinder behandelt. Das Buch ist kein Lehrstück, kein Sachbuch. Doch zwischen den Zeilen erfährt man sehr viel über das Leben der Kinder im Heim: es gibt eine eigene Zeitung, ja sogar ein Kindergericht. Nicht nur die Erzieher verhängen Strafen über das Fehlverhalten. Sondern die Kinder leben in einer Art eigenem kleinen Staat mit eigener Hirarchie und einem Rechtssystem. Es ist bewegend, mit wieviel Verantwortung und kindlicher Weisheit sie an ihre Aufgabe herangehen.

Neben Esther ist er die einzige Figur, die klar beschrieben ist und von der man mehr erfährt. Ich halte dieses Buch für sehr gut geeignet als Schullektüre: es werden sehr viele Werte vermittelt, es ist höchst pädagogisch und behandelt eine wichtige Zeit unserer Geschichte. Während aber Bücher wie zum Beispiel DER HERR DER FLIEGEN die schlechte Seite der Menschen zeigen und die Verderbtheit von Kindern darlegen, zeigt WIE EIN STEIN IN MIR, wozu Kinder fähig sind, wenn man sie als Erwachsener mit Liebe führt und ihnen hilft, ihre innewohnenden Kräfte zu erkennen und auszuleben.

Über den "alten Doktor" als Person (wie er von den Medien damals genannt wurde und wie er auch einmal im Buch genannt wird) erfährt man in kleinen Brocken viele interessanten Dinge. Etwa über sein Buch KÖNIG MACIUS, seine Tätigkeit als Arzt im Krieg, seine Radioauftritte. Dies ist nicht Hauptbestandteil des Buches, macht interessierte Leser aber sehr neugierig auf mehr von diesem fasziniernden Mann.


FAZIT

Eine bewegende Geschichte, ein ergreifendes Schicksal, ein ungewöhnlicher aber wundervoller Schreibstil: WIE EIN STEIN IN MIR ist eines der seltenen Bücher, das ich uneingeschränkt für alle Leser empfehlen kann.

SaschaSalamander 22.02.2012, 09.34| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Tip, Jugend, Drama, Historisch, Erfahrungen, Biographie,

Cedric Arnold

arnold_volltreffer_1_1.jpgDerzeit lese ich VOLLTREFFER von "Cedric Arnold". Wer Cedric ist? Hier seine Biographie, wie sie im Buch abgedruckt ist:

Cedric Arnold wurde am 23. November 1977 in Waldbröhl im Oberbergischen Land geboren. Er litt als Kind unter unterschiedlichen nervösen Störungen, deren Namen zu lang sind, um sie alle in diesem Text unterzubringen. Nach dem Abitur studierte er Parapsychologie und promovierte mit der Arbeit "Unmotiviertes Kichern beim Rentier". Später machte er sich einen Namen als Motivationstrainer, bis ein Betriebsunfall diese Karriere jäh beendete: Er motivierte einen Kursteilnehmer so erfolgreich, dass dieser an einem einzigen Tag fünf Banküberfälle beging. Das vorliegende Werk wurde von führenden deutschen Literaturkritikern für das beste seit der Erfindung des Buchdrucks befunden. Leider zogen diese kurz vor dem Erscheinungstermin ihre Namen wieder zurück.

Wie man merkt,  also ein überaus wichtiges Buch von literarischem Anspruch und von großer Bedeutung für die deutsche Literaturwelt. Trotz des hohen Anspruches liest es sich bisher sehr erheiternd, ich empfehle einen >Blick ins Buch<. Der Humor gefällt mir wie auch in seinen anderen Büchern sehr. Andere Bücher? Ja, Cedric Arnold hat noch mehr veröffentlicht. Gelegentlich - Vorsicht, Geheimnis, nicht weitersagen! - schreibt er auch unter dem Pseudony Akif Pirincci irgendwelche Tierbücher oder plant rein literarisch den perfekten Mord oder philosophiert über eine Gesellschaft ganz ohne Männer. Sogar verfilmt wurden zwei seiner Titel bereits! Zurück zum Humor: hintergründig, schelmisch und eine gekonnte Karikatur der Realität. Oder, besser gesagt: keine Karikatur, sondern eine detailgetreue Beschreibung der Realität, die, wenn man mal ganz ehrlich zu sich selbst ist, eigentlich schon sehr kurios ist. Man muss nur genau hinsehen ;-)

SaschaSalamander 21.02.2012, 13.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Tip, Krimi, Humor,

Treffpunkt Tatort 04 - Die Schlange

wolf_schlange_1.jpgVORAB

Die ersten drei Bände von >TREFFPUNKT TATORT< habe ich 2007 bereits gehört. Viereinhalb Jahre etwa ist das her. Ich muss doch sehr schmunzeln, wiesehr sich mein Schreibstil in dieser Zeit geändert hat, heute hätte ich meine Gedanken wohl ganz anders geschrieben. Trotzdem spiegelt der alte Beitrag sehr intensiv das wieder, was mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Und dass es auch nach fast fünf Jahren noch immer präsent ist, stellt ein riesiges Lob an den Autor dar! Ich habe einen enormen Durchlauf an Büchern, manche finde ich grandios aber habe sie nach wenigen Wochen wieder komplett vergessen. Nicht so bei Klaus-Peter Wolf, der mit mit FELIX UND DIE KUNST DES LÜGENS und TREFFPUNKT TATORT zwei Serien beschert hat, die für mich persönlich in der Rangliste meiner liebsten Kinderbücher recht weit oben stehen und die mir so präsent erscheinen, als hätte ich sie erst vor wenigen Wochen gehört.


INHALT BAND VIER

Helden der Reihe sind die vier Schüler Tim, Jan, Doro und Lina, die immer wieder in Kriminalfälle verwickelt werden. Im vierten Band DIE SCHLANGE wird Tims Oma von einem Giftpfeil getroffen ins Krankenhaus eingeliefert. Es ist ein Mordversuch in einer Reihe von Angriffen: ein Serientäter schießt auf ältere Frauen und tötet sie mit Schlangengift. Die Polizei tappt lange im Dunkeln, die Kids ermitteln auf eigene Faust. Sie klappern die Zooläden ab, besuchen Sportvereine für Bogenschützen. Was steckt hinter den Morden? Werden die Kids den Fall rechtzeitig lösen, bevor ein nächstes Opfer sterben muss?


WAS IST ANDERS AN DIESER KRIMIREIHE

Obwohl es fast fünf Jahre her ist, dass ich die dritte Folge hörte, war ich sofort wieder mitten im Geschehen, erinnerte mich glasklar an alle Protagonisten. Doch auch ohne die anderen Teile zu kennen, kann man jede Episode für sich hören, die Bände sind in sich geschlossen. Trotzdem genoss ich natürlich das Widersehen mit den vier Freunden und dem Inspektor.

Im Grunde ist es ein Jugendkrimi, wie es viele dieser Art gibt, ob sie sich nun Detektive nennen, Satzzeichen, Bande, Trio, Team, Gang, Freunde oder sich mit den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen begnügen. Klassischer Ablauf: Ein Verbrechen geschieht, die Kids sind auf irgendeine Weise involviert, ermitteln von sich aus, drehen der Polizei eine lange Nase und lösen den Fall mit Bravour. Trotzdem hebt sich TREFFPUNKT TATORT für mich deutlich von der Masse ab:

Es spielt hier in Deutschland, ist modern und vor allem alltäglich. Die Jugendlichen sind keine überzeichneten Charaktere (man denke z.B. an den Pummel, Computerfreak, durchtrainierten Helden und die pfiffige Tierfreundin), die immer ihrem Rollenklischee gerecht werden müssen. Sondern sie sind eben ganz normale Jugendliche, nicht überzeichnet aber dennoch ausgestattet mit Persönlichkeit und Charakter. Ihre Ermittlungsmethoden sind legal, realistisch und nachvollziehbar. Auch wirkt es nicht, als würden Erwachsene im Körper eines Kindes agieren, sondern ihre Verhaltensweisen, Schlussfolgerungen und Ermittlungsmethoden sind altersgerecht.

Klaus-Peter Wolf ist ein Autor, der junge Menschen ernst nimmt. Er beugt sich nicht gönnerhaft zu ihnen herab, sondern er spricht zu ihnen auf Augenhöhe, ohne sich dabei anzubiedern oder sich cool geben zu wollen. Ich denke, mit TREFFPUNKT TATORT kann man auch Lesemuffel an Bücher heranführen. Denn die Titel sind aus der Erlebniswelt der Zielgruppe geschrieben und bieten auch ohne erhobenen Zeigefinger sehr viel Stoff für Diskussionen.

Normalerweise schreibe ich immer darüber, wie ein Buch ist. Hier schreibe ich fast nur, was das Buch nicht ist. Das liegt einfach daran, dass ich Bücher dieses Genres normalerweise nicht rezensiere, weil sie alle gleich sind und ich den 150ten Band der Reihe nicht mehr vorstellen muss. Hier möchte ich jedoch darstellen, was anders ist, das geht eben ausschließlich durch Vergleiche. Aber gut, es wäre ja auch langweilig, wenn alle meine Rezensionen immer gleich gestrickt wären, oder? ;-)


HÖRBUCH

Ein paar Informationen noch zum Hörbuch: Klaus-Peter Wolf ist der Hauptsprecher, seine Stimme ist sehr angenehm, ich höre ihn gerne. Er liest sehr natürlich, als spräche er gerade statt einen Text abzulesen. Autorenlesungen sehe ich meistens skeptisch, in seinem Fall ist das jedoch ein deutlicher Gewinn für das Buch. Auch Maxi Wolf spricht im vierten Teil der Reihe. Ihre Stimme ist ebenfalls sehr gut für das Hörbuch geeignet. Eine szenische Lesung, bei der sich beide abwechseln, hätte mir allerdings gefallen. Ebenso sie als Sprecherin alleine. Hier jedoch wechselten sich die beiden ab, stellenweise mitten im Track, mitten im Absatz. So spricht also einmal der Mann, ein andermal die Frau die Rolle der Jugendlichen, was anfangs eher verwirrend ist: man neigt als Hörer dazu, bei wechselnden Stimmen diese mit bestimmten Charakteren zu assoziieren. Wenn nun also plötzlich ein Junge mit einer Frauenstimme spricht, ist das gewöhnungsbedürftig. Leider ein kleines Manko, an das man sich aber nach einigen Tracks gewöhnt und das man dann gut übergehen kann ...


FAZIT

Alles in allem kann ich TREFFPUNKT TATORT nur empfehlen, ob nun am Stück oder einen beliebigen Band. Ob nun als Jugendlicher oder als Erwachsener. Wer gerne Serien um jugendliche Detektive liest, der kommt an Klaus-Peter Wolf einfach nicht vorbei!

SaschaSalamander 21.02.2012, 09.38| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Deutsch, Reihe, Krimi, Jugend, Tip,

Lady Bedfort - Das Grauen im Nachtexpress

Lady Bedfort betätigt sich fleißig beim Hausputz. Und gerade, als Tim sie noch warnt, fällt sie von der Leiter und prompt darauf in Ohnmacht. Ab da beginnt die eigentliche Geschichte: die Doppelfolge beinhaltet eine Traumsequent. Hierin begibt sich Dora Spools, eine blinde alte Dame, auf eine Fahrt mit dem berühmten Schattenjäger-Zug, schließt erste Bekanntschaften. Ein verurteilter Mörder befindet sich ebenfalls unter den Passagieren. Und schon geschieht der erste Mord, die Lady beginnt zu ermitteln.

Für die Jubiläumsfolge haben sich die Macher etwas Besonderes einfallen lassen. Nicht nur, dass es sich um eine Doppelfolge handelt, sondern hier werden auch alle Sprecher bunt durcheinandergewürfelt, neu gemischt und in eine ungewöhnliche Handlung gepackt. Sie sind allesamt bekannt: Waltraud Habicht, Jürgen Kluckert, Dennis Rohling, Santiago Ziesmer, Bodo Wolf, Carmen Molinar sind das vertraute Team. Auch die anderen Stimmen waren schon oft zu hören. Bert Franzke, Roland Hemmo, Arianne Borbach und Robert Missler bieten ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Doch neu ist die Rollenveretilung: DAS GRAUEN IM NACHTEXPRESS spielt nicht in der heutigen Zeit wie sonst für Lady Bedfort üblich. In ihrem Traum begibt sich die Dame in die Vergangenheit um 1900. Das bekannte Sprecherteam ist also vorhanden, doch dieses Mal in ungewohnter Besetzung. Miller tritt in ihrem Traum als Priester auf, Tim wird zum ermittelnden Inspektor, und auch sonst steht alles Kopf. Es macht Spaß, dabei ein wenig zu analysieren, was in der Lady unterbewusst vorgehen könnte, dass die Rollen gerade auf diese Weise verteilt sind, aber das wäre dann wohl doch etwas zu weit gegriffen. Dennoch ein netter Spaß für Fans und regelmässige Hörer. Es gibt auch hier und da Anspielungen an die "reale" Lady Bedfort, deren Humor Neulingen sich nicht erschließt und der eher als Bonbon für Fans gedacht ist.

Da es sich bei den Sprechern in LADY BEDFORT um alte Hasen handelt, die teils schon viele Jahre im Geschäft sind und bereits unzählige Rollen verkörperten, ist diese Folge für mich ein kleines Highlight. Alle Beteiligten sind mit Freude bei der Sache und schlüpfen geübt in ihre neuen Figuren, man hört richtig, wie sie darin aufgehen und sich einen Spaß daraus machen, dieses Mal nicht die gewohnten Charaktere zu verkörpern. Besonders Jürgen als Inspektor macht seine Sache herausragend, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Was ebenfalls sofort auffällt ist, dass Max in Form des Zugbegleiters Maxwell Butler dabei ist. Einige freuten sich über das Ausscheiden das Charakters, andere betrauerten Max´ Abschied sehr. Ich gehöre zu denen, die ihn mochten. Eine Lady braucht einen Butler, und Max hat das hervorragend verkörpert, durch sein Auftreten den Folgen einen ganz eigenen Reiz verliehen, den ich seitdem vermisse und dessen Lücke auch Vivien und Tim für mich nicht füllen konnten. So freue ich mich über jede Hommage, sei es ein altes Video oder in dieser Folge die Traumsequenz.

Wer die Serie kennt und die Stimmen mit einzelnen Rollen verknüpft, für den dürfte es anfangs sehr ungewohnt und auch etwas schwierig sein. Man findet jedoch flink den Anschluss und ist dann mitten im Geschehen. Schnell mal nebenbei, wie es bei anderen Folgen gelegentlich möglich ist, darf man DAS GRAUEN IM NACHTEXPRESS allerdings keinesfalls hören. Aufgrund der komplexen Handlung und verwirrenden Auflösung ist es sinnvoll, die Folge mindestens doppelt zu hören. Die vertauschten Stimmen, die vielen Charaktere und vor allem deren Mehrfachidentitäten auch im Rahmen des Traumes machen das Hörspiel recht kompliziert. Die Geschichte ist um einiges verwirrender gestrickt als sonst üblich, vermutlich wollte die Lady in ihrem Traum endlich einmal eine richtig verzwickte Herausforderung ;-)

Nachdem ich die Geschichte beendet hatte, legte ich sofort erneut die ersten Tracks ein, um manche Dinge im Nachhinein besser zu verstehen. Dabei fiel mir bereits zu beginn auf, wie clever Marc Freund, der dieses Mal die Story lieferte, die Geschichte verwoben hatte. Das Gespräch, welches die Lady mit Tim vor ihrem Sturz führte, fließt in den Traum ein, unabhängige Einzelstücke werden zu einem großen Ganzen verquickt. Während des ersten Hörens dürften diese Feinheiten vermutlich eher untergehen, da man sich ja selten jedes gesprochene Wort einprägt. Also absolute Empfehlung: mindestens zweimal hören!

Die Musik gefiel mir in dieser Folge sehr gut. Besonders der lange Track zur Einleitung ist sehr schön, stimmt den Hörer auf die kommenden Ereignisse und das für die Serie neue, ungewohnte Setting ein.

Für Neulinge eine spannende Geschichte, aber der wirkliche Reiz gibt sich vor allem für treue Fans der Serie. DAS GRAUEN IM NACHTEXPRESS ist eine ungewöhnliche Idee, die gelungen umgesetzt wurde und eine gekonnte Abwechslung zu den sonst üblichen Folgen bietet. Das typische Bedfort-Feeling ist vorhanden, die Sprecher leisten tolle Arbeit, der Plot ist clever gestrickt. Ideale Zutaten für eine neue Lieblingsfolge :-)

bedfort_51nachtexpress_1.jpg  

SaschaSalamander 20.02.2012, 09.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörspiel | Tags: Krimi, Reihe, Deutsch, Tip,

Statistik KW 07

GELESEN / GEHÖRT
1 - Treffpunkt Tatort 04 - die Schlange (K P Wolf)
1 - Flavia 03 - Halunken, Tod und Teufel (A Bradley)
1 - Florentine oder wie man ein Schwein ... (J Wilke)
1 - Wie ein Stein in mir (I Vandewijer)
1 - Talisman Himari 01 (M Milan)
1 - Lady Bedfort 50-51 - Das Grauen im Nachtexpress
3 - Meditation für Dummies (S Bodian)
3 - Die Känguru-Chroniken (M U Kling)
4 - Das Tal 2.1. - Der Fluch (K Kuhn)


GESEHEN
Planet der Affen - Prevolution
Picco


NEUZUGÄNGE
Ash (M Lo)
Wie ein Stein in mir (I Vandewijer)
Florentine (J Wilke, P Wirbeleit)
Linus Lindbergh (T Elsäßer)
Das große Katzen-Komplott (K Davies)
Lady Bedfort 50 - 51 (Hörplanet)
Silbertod (F E Higgins)
Ein Cent für ein Leben (L Di Fulvio)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - begonnen
5 - abgebrochen

SaschaSalamander 19.02.2012, 20.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Picco

picco_1.jpgEine Rezension kann und mag ich nicht schreiben. Filme sind nicht so meine Welt, ich bevorzuge das Wort dem Bild. Trotzdem sehe ich natürlich gerne Filme. Aber dieser hier ... ich könnte jetzt einen 50seitigen Aufsatz schreiben, aber dazu habe ich keine Zeit. Aber ich sitze gerade hier und ... puh, kann das nicht in Worte fassen. Deswegen keine Rezension. Und ich möchte auch nicht, dass dieser Beitrag als komplette Meinung angesehen wird. Denn dieser Film bietet so enorm viel Stoff für Diskussion, dass ich kaum all meine Gedanken in wenige Worte zu fassen vermag.

Der Film gibt zwar nicht exakt wieder aber ist angelehnt an den "Foltermord von Siegburg" im Jahr 2006, als jugendliche Gefangene einen Mitgefangenen misshandelten und töteten. Erzählt wird die Geschichte von einem Jugendlichen, der nun im Gefägnis seine Strafe absitzen muss. Anfangs Opfer, wird er nach und nach erst zu einem, der wegsieht und dann schrittweise zum Täter. Es gipfelt in ... naja, einem Foltermord eben, was kein Spoiler ist sondern der Kern des Filmes.

Die Darstellung des Filmes fand ich sehr realistisch. Der Alltag der Gefangenen, der Slang untereinander, das Verhalten der Jugendlichen ebenso wie der Mitarbeiter. Eine recht gute Darstellung des Knastalltags, auf typisch deutsche Filmmanier grau in grau mit pseudophilosophischen Dialogen, ohne Musik und recht steril. Fokus rein auf die Charaktere und deren Handeln.

Ich konnte eine recht gute Distanz zu dem Film wahren, ansonsten hätte ich ihn vermutlich spätestens bei der ersten Vergewaltigung abgebrochen. Nein, Gewalt wird nicht zelebriert. Aber sehr deutlich gezeigt. In solchen Momenten schalte ich andere Filme ab. Ich sehe mir Splatter an, und ich liebe sinnlose Gewalt, wenn sie überzeichnet und fiktiv ist. Sobald es aber real wird, sobald Menschen misshandelt werden ... nein, das kann ich nicht sehen. Und ich verstehe all die Zuschauer, die bei der Premiere den Saal verlassen haben. Dass ich den Film ansehen konnte lag einzig an der Distanz und der gedanklichen Analyse der jeweiligen Situationen. Oft habe ich weggesehen. PICCO ist verdammt harter Tobak. Anfangs ist die Gewalt "nur" psychisch, bald wird sie aber physisch. Sie wird eher angedeutet, die Kamera blendet weg, aber am Ende zeigt sie alles, bin hin zum baumelnden leblosen Körper mit all seinen Spuren der vorhergehenden Misshandlung.

Ich will das nicht mal werten. Ob das jetzt ein Stilmittel ist, ob das gut oder schlecht ist. Ob man darauf verzichten könnte oder müsste oder ob es unbedingt so sein muss. Ob der Film ein Kunstwerk war oder nicht. Ich will einfach nur anmerken, dass dieser Film heftig ist. Nein, ein zweites Mal werde ich mir den garantiert nicht ansehen. Und ich bin wirklich ´ne Menge gewohnt!

Da es hier von mir keine Rezi gibt, möchte ich statt dessen ein paar Links anfügen, die ich geeignet finde, falls Ihr mehr über den Film wissen möchtet:

>Monstersandcritics<
>Interview<
>Rezension<
>Filmzeitung.de<
>Aufsatz<

SaschaSalamander 18.02.2012, 20.34| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles

Florentine

Erster Satz:
Das Schwein stand neben dem Blumenbeet.

Letzter Satz:
Die NASA war langweiliger Kinderkram dagegen.

Aus: Jutta Wilke: Florentine - oder wie man ein Schwein in den Fahrstuhl kriegt; Sauerländer 2012

SaschaSalamander 18.02.2012, 08.13| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Lady Bedfort 50 - das Grauen im Nachtexpress

Eigentlich ist Folge 50 erst für Anfang März geplant, doch sie wurde früher fertig, und heute durfte ich sie bereits in den Händen halten. Folge 50 und 51, eine Doppelfolge, Jubiläum, ich kann es kaum erwarten! Und was mache ich? Statt sofort einzulegen und zu hören? Erst mal bloggen. Und heute Abend einen Film gucken, bevor ich dann vermutlich erst morgen hören werde. Bin ich eigentlich irre, dass ich mich selbst soehr quäle und nicht schon längst zu Ende gehört habe? Aber ich liebe es einfach, den Genuss noch ein wenig hinauszuzögern. Folge 50, das muss etwas ganz Besonderes sein, darauf habe ich lange gewartet und mich gefragt, ob es abgesehen davon, dass es eine Doppelfolge sein wird, etwas Neues für die Hörer geben wird.

Gibt es: die Sprecher agieren nicht in ihren gewohnten Rollen, sondern sie sind ungewohnt besetzt. Na, da bin ich gespannt! Die Macher bitten im Booklet um Feedback, das möchte ich in dieser gebloggten Form also gerne bieten. Nur eine Vorabmeinung, die endgültigen Gedanken hierzu dann natürlich in Form einer Rezension ;-)

Wenn ich ein Hörbuch höre, ist es vom Sprecher abhängig, ob ich damit eine bestimmte Rolle verknüpfe. Es gibt Stimmen, die ich in jeder Rolle hören kann, ohne dass ich ein Bild im Kopf habe. Dies ist zum Beispiel David Nathan (Johnny Depp), Andreas Fröhlich (???), Jürgen Kluckert (Benjamin Blümchen), Michael Pan (Data). Das liegt zum Teil daran, dass ich sie einfach schon in viel zu vielen Rollen gehört habe, als dass ich sie noch mit irgend etwas Speziellem verbinden könnte. Zudem sind dies Stimmen, die sich sehr gut in verschiedene Rollen einfügen können, ohne dabei zu stark aufzufallen. Wenn ich eine solche Stimme höre, dann sage ich "super, das ist doch David Nathan!"

Und dann gibt es markante Stimmen, mit denen ich unweigerlich ein festes Bild verbunden habe. Sie haben vielleicht viele Charaktere verkörpert, trotzdem sind einzelne ihrer bisherigen Rollen für mich synonym für den Sprecher geworden, so ist
Kerzel für mich unzertrennlich mit Jack Nicholson verbunden, Oliver Rohrbeck wird für mich immer Justus Jonas sein. Und Santiago Ziesmer ist für mich immer nur Inspektor Miller. Obwohl ich davor  schon unzählige Folgen SpongeBob sehen musste (unfreiwillig), obwohl ich ihn (unfreiwillig) unzählige Male als Steve Urkel hören musste, obwohl ich begeistert zig Folgen von Queer als Folk gesehen habe. Aber wenn ich Santiago höre, dann sage ich "hey, das ist Inspektor Miller". Und auch Waltraud Habicht hat für mich schon nach wenigen Folgen von LADY BEDFORT sofort die Verknüpfung zu ihrer Rolle als alte Lady erhalten.

Von daher bin ich unglaublich gespannt, wie diese Doppelfolge für mich sein wird und wie ich mich einfinde. Ich habe schon Hörspiele erlebt, in denen ich der Handlung nicht folgen konnte, weil ich eine Stimme, die ich mit einer positiven Rolle verknüpfte, plötzlich als Bösewicht hörte und dadurch ständig in Konflikt kam und nicht mehr der Handlung folgen konnte. Und ich habe auch schon Hörspiele mit zig bekannten Stimmen gehört, in denen ich hervorragend abschalten konnte und es so genießen konnte, wie es gedacht war. Auf jeden Fall ein sehr spannendes Experiment, auf das ich mich riesig freue!


SaschaSalamander 17.02.2012, 19.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles

Wie ein Stein in mir

vandewijer_stein_1.jpgDie Rezension dazu erscheint im Laufe der nächsten Woche. Aber heute habe ich das Buch fertig gelesen, und ... puh! Es fällt mir immer sehr schwer, Emotionen in Worte zu packen, und bei diesem wird es mir erst recht schwerfallen. Dieses Buch zereißt mich fast. Diese Wärme, diese Herzlichkeit. Und zugleich das Wissen, was am Ende höchstwahrscheinlich geschehen wird. Ich hielt es kaum aus, musste immer wieder pausieren.

Wer Korczak kennt, weiß, wovon ich rede. Wer ihn nicht kennt - der kann entweder die Rezension abwarten, das Buch völlig unbedarft lesen und sich dann über diesen Mann informieren. Oder vorher schon mal ein wenig stöbern, wer dieser besondere Mensch ist und was ihn auszeichnet. WIE EIN STEIN in mir ist auf jeden Fall ein Buch, das ich jetzt einfach mal ungefragt auf Euren "To Do" Stapel lege. Wer sich für Kinder- und Jugendbücher aus der Zeit des dritten Reiches interessiert, der muss dieses Buch unbedingt lesen!

(Ich stelle es hiermit neben Anne Frank, Sophies Schlüssel, Als Hitler das rosa Kaninchen stahl, Damals war es Friedrich und andere alte und neue Titel)

SaschaSalamander 17.02.2012, 16.17| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles

Wie ein Stein in mir

Erster Satz:
Fetzen, von denen ich nichts begreife.

Letzter Satz:
Meine Stimme wieder die meine.

Aus: I Vandewijer: Wie ein Stein in mir; Sauerländer 2011

SaschaSalamander 17.02.2012, 13.31| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Das letzte Element

gerwalt_element_1.jpgKLAPPENTEXT

Eigentlich war Naomi Gerber ja Feuilletonistin, also gar nicht zuständig für solche brutalen Mordgeschichten. Doch dann nutzte sie spontan ihren Resturlaub, um für einen Hintergrundbericht über die Morde zu recherchieren - und stieß prompt auf eine Pensionswirtin, die mit der örtlichen SM-Szene recht vertraut zu sein schien, und auf den geheimnisvollen Ralf Schuhmann, der erstaunlich viel über die Morde wusste - vielleicht ein wenig zu viel ...


CHARAKTERE

Obwohl der Leser wenig über das Vorleben und die Hintergründe der Charaktere erfährt, fühlt man sich ihnen doch schnell verbunden. Ulli mit ihrer offenen Art und Naomi in ihrem Tatendrang sind angenehme Protagonisten, die sich vom klassischen Weibchen abheben. Und Ralf lässt sehr schnell durchblicken, dass er nicht gerade alltäglich ist, die Bedrohung in seinem Verhalten ist vom ersten Moment an spürbar. Ob das Verhalten der Personen nachvollziehbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, man sollte dabei auf jeden Fall immer das Genre im Auge behalten. Denn Gerwalt kokettiert nicht mit dem Mode-SM, wie er momentan überall auftaucht, sondern er dringt tief in die Thematik ein und verlangt dem Leser einiges ab.


GENRE

Gerwalt hat keinen romantischen Krimi geschrieben, sondern ganz klar einen BDSM-Thriller. Wer mit dem Thema nichts anfangen kann, der wird auch seine Probleme haben, sich in die Charaktere hineinzuversetzen oder deren Gefühle nachzuvollziehen. Denn der Autor bewegt sich hart an der Grenze zwischen Spiel und Ernst, verlässt dabei einige Male den Bereich des Spiels und driftet ab in eine Welt aus Todessehnsucht und realer Gewalt. Wäre es abgesprochen und harmlos, wäre es kein Thriller. "Normale" Thriller streifen häufig das Thema BDSM, verfälschen jedoch eine Menge und werfen ein falsches Bild darauf. Und BDSM-Titel sind häufig einfach nur Beschreibung von Spielarten, die jedoch die intelligente Handlung vermissen lassen. DAS LETZTE ELEMENT verbindet beides: eine gelungene Beschreibung der Szene und des Spiels, aber auch eine spannende Handlung, die eines Thrillers würdig ist. Und auch die Gefahr, die davon ausgeht, wenn Menschen zu weit gehen.


AUFBAU, ERZÄHLWEISE

Zu Beginn handelt der Thriller nur von Naomi, flink trifft sie aber auch auf Ulli und Ralf, die die einzigen Figuren bleiben. Andere Personen treten nur am Rand auf, etwa der Polizist oder ein Mitorganisator der Party.  Die Geschichte wird wechselnd aus der Sicht von Naomi und Ralf erzählt. Weiterhin gibt es in Kursivschrift eine Ich-Perspektive (was es mit dieser auf sich hat, wird der Leser recht schnell für sich selbst erkennen), die das Geschehen zusätzlich beleuchtet. Je mehr das Buch sich dem Showdown nähert, desto kürzer werden die jeweiligen Passagen, desto mehr fließen sie nahtlos ineinander über, bis alle drei Textpassagen vereint sind und der Leser mitten in einer wortwörtlich atemberaubenden Szene mit den Morden konfrontiert wird.


SPRACHE

Sprachlich hat mich DAS LETZTE ELEMENT sofort überzeugt. Die einzelnen Passagen sind anregend und niveauvoll beschrieben. Obwohl der Inhalt stellenweise sehr drastisch ist, bleibt die Sprache immer gediegen. Mancher Thriller (über dessen Perversion sich niemand aufregen würde, da es ja ein Thriller ist und nichts mit Sex zu tun hat. Ich könnte mich über diese Heuchelei aufregen, aber das ist ein anderes Thema, ich beruhige mich also wieder *tief durchatmet*) ist da weitaus heftiger und brutaler in seiner Beschreibung des Geschehens.

Ich finde es auch gelungen, wie Gerwalt allen Beteiligten ein eigenes Sprachmuster verleiht. Man erkennt anhand der jeweiligen Sätze zum Teil sehr gut, wer gerade spricht, jeder hat seine eigenen Merkmale und Besonderheiten. Und auch in den erotischen bzw gewalttätigen Momenten ist es ein deutlicher Unterschied, ob nun aus Sicht des Täters, aus Sicht von Naomi (die auf ihre Weise eine Neuinszenierung der Morde als lustvoll erlebt) oder aus Sicht des Polizisten geschieht. Es freut mich immer, wenn ich sehe, wie Schriftsteller die Sprache gekonnt als Mittel zum Zweck einsetzen und damit jonglieren.


SONSTIGES

Was den BDSM-Aspekt betrifft, beschreibt Gerwalt hier Praktiken, die man in anderen Büchern oft nicht liest. Es gibt ja doch klassische Spielarten, denen man in jedem 0815 Roman immer wieder begegnet. Hier dagegen werden mal Szenerien aufgebaut, die sich klar von anderen unterscheiden und seinen Einfallsreichtum beweisen. Wem klar ist, dass dies hier keine Realität sondern einfach nur Fiktion ist, dem werden die kribbelnden und gefährlichen Ideen sehr gut gefallen. Auch wird hier Bondage nicht als Mittel zum Zweck benutzt sondern sehr ausführlich beschrieben, wie Ralf die Seile um den Körper legt, wie er sie führt und spürt, das ist selten in Büchern zu finden.

Die Handlung spielt im Schwarzwald, und abgesehen von einer gewissen künstlerischen Freiheit gibt es die Tatorte, das Schloss, die unterirdische Bunkeranlage wirklich, der Autor hat dies in einem Nachwort speziell erklärt. Ich finde es schön, wenn Romane nicht immer im Ausland spielen müssen, und der Schwarzwald scheint mir für die bedrohliche Stimmung des Romanes sehr geeignet. Die Beschreibungen stören nicht den Lesefluss, sind jedoch sehr anschaulich, sodass man Lust bekommt, sich alles vor Ort anzusehen.


WERMUTSTROPFEN

Die Charaktere bieten sehr viel Stoff zur Diskussion, es werden Themen angerissen, die eigentlich eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Buch verlangen. Besonders das Ende lässt sehr viele Fragen offen. Normalerweise störe ich mich nicht an einem offenen Ende. In diesem Buch allerdings halte ich etwas mehr Klarheit für überaus wichtig. Es ist ein ernstes Thema, das angesprochen wird, und im Epilog geschieht etwas, das ich ohne eine Auflösung nicht gutheißen kann. Ja, es ist nur ein Roman, das muss ich mir vor Augen halten. Während andere Bücher jedoch klar als Fiktion erkennbar sind, weil sie einfach Dinge darstellen, die eben nur Kopfkino sind und deutlich überzeichnet, halte ich dieses Buch in seiner Art jedoch für durchaus realistisch, es könnte so passiert sein. Das finde ich prinzipiell gut, das macht es umso spannender und lesenswerter. Aber gerade deswegen fände ich es wichtig, den Leser nicht mit diesen Fragen alleine zu lassen und offene Anliegen aufzuklären. Leider hat dies meinen Lesegenuss am Ende etwas getrübt.


FAZIT

DAS LETZTE ELEMENT ist ein realistisch gehaltener Thriller, der ein bedrohliches Szenario erschafft. Der Leser ist gefesselt und kann sich sehr gut in die Handlung einfinden. Besonders den Aufbau und die sprachliche Präsentation finde ich sehr gelungen, sodass ich das Buch uneingeschränkt allen Freunden der härteren Erotik empfehlen kann. Das Ende allerdings hat mich etwas betroffen zurückgelassen und schmälert den ansonsten hervorragenden Genuss.

SaschaSalamander 17.02.2012, 10.12| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: BDSM, Thriller, Tip,

Ewig Dein

glattauer_ewigdein_1.jpgINHALT

Judith trifft im Supermarkt auf Hannes. Die beiden treffen sich, werden ein Paar. Eigentlich ist Hannes ein Traummann: aufmerksam, er geht auf sie ein, er ist immer für sie da, er tut alles für sie. Aber sehr schnell wird diese Liebe für Judith erdrückend. Hannes nimmt ihre Familie für sich ein, er greift in ihr Privatleben ein, lässt ihr keine Luft mehr zum Atmen. Als sie sich von ihm lösen will, fühlt sie sich von ihm bedrängt und bedroht. Auch ihre Familie ist auf seiner Seite. Bildet sie sich alles nur ein, oder ist Hannes tatsächlich eine Gefahr für sie?


SPRACHE

Die Sprache ist für mich ein großer Kritikpunkt. Ich hatte gehofft, dass ich mich daran gewöhnen würde, aber statt dessen empfand ich es als immer störender. Ich war einige Male dicht davor, das Buch abzubrechen, aber die spannende Story und die gut ausgefeilten Charaktere ließen mich dennoch weiterlesen.

Die Dialoge sind im Fließtext eingebunden statt durch einen extra Absatz hervorgehoben zu sein. Das ist ungewohnt, macht das Lesen schwerer. Dazu kommt, dass es nicht in reguläre Sätze gefasst ist sondern wie im Drehbuch stichpunktartig gefasst. Er: "Text". Sie: "Text". Er:"längerer Text". Sie: "wiederText". Das ist enorm unbequem zu lesen. Manche Leser mögen sich daran gewöhnen, und es ist eine ungewöhnliche Idee, die ich durchaus zu würdigen weiß, aber ich fand es nicht gut. Es hätte hervorragend als Vorlage für ein Hörspiel gepasst, man könnte es auf diese Weise sehr gut vertonen, ohne dass man Arbeit hätte und etwas umschreiben möchte. Aber bitte nicht als Buch.

Auch die restlichen Sätze sind weniger einem Roman typisch, sondern es sind kurze Erklärungen, teilweise schon stichpunktartig. Da kommt wenig Spannung auf, es ist einfach eine Aneinanderreihung von Sätzen. Die wörtliche Rede ist sehr dominant und dazu auch sehr stark österreichisch gefärbt. Es kommen viele Worte vor, die in Deutschland ungewohnt sind. Gerade wenn die junge Mitarbeiterin im Laden spricht, wird es schon heftig, sie verwendet Dialektworte und spricht sehr intensiv Jugendslang.

Ich finde es klasse, dass Glattauer nicht immer das Gleiche schreibt sondern kreativ ist, seinen Stil variiert und auch die Themen in unterschiedlichen Bereichen ansiedelt. Das zeichnet ihn aus. Diesmal allerdings konnte er mich sprachlich überhaupt nicht überzeugen. Macht nichts, den nächsten Glattauer werden ich trotzdem wieder lesen ;-)


CHARAKTERE

Die Charaktere sehe ich zwiespältig. Sie sind sehr knapp dargestellt, man hat jedoch ein klares Bild von ihnen. Sie verhalten sich nachvollziehbar, und der Leser kann sich gut hineinversetzen. Sie haben kein wirkliches Vorleben, keine Hobbies, sie werden rein reduziert auf die jeweilige Situation, in dieser jedoch ausführlich und direkt. Ungewohnt aber sehr gut gelungen, das hat mir gefallen und war mal erfrischend anders.


AUFBAU

Das Buch ist in die einzelnen Phasen gegliedert. Leider nicht benannt in z.B. Kennenlernen, Erstes Date, Verliebtsein, Erste Zweifel. Sondern einfach nur in Phase 1, Phase 2, Phase 3 etc. Diese Phasen sind in sehr kurze Abschnitte unterteilt, ebenfalls wieder in 1, 2, 3 etc. Kurze Kapitel mag ich, das ist angenehm zu lesen auch zwischendurch. Aber dadurch wirkt das Buch zusätzlich zur Sprache sehr steril, fast schon, als wäre EWIG DEIN nur die Vorarbeit zum eigentlichen Buch, wie die Vorabgedanken, bevor er dann zum eigentlichen Schreiben ansetzt.

Von der Sprache abgesehen, ist das Buch herausragend gelungen. Man denkt sich oft, wie schön es wäre, wenn der Partner dies oder jenes täte. Man wünscht ihn sich manchmal perfekt. Und Glattauer beschreibt, wie schrecklich es wäre, wenn er tatsächlich perfekt wäre. Sich für alles entschuldigt, wenn er mal einen Fehler macht. Von allen im Freundes- und Familienkreis geliebt wird. Immer sofort da ist, wenn man ihn braucht. Jede Macke akzeptiert und alles verzeiht. Einen mit Geschenken überhäuft. Einen vergöttert und nicht einen Blick für andere hat, in seinem Herzen nur die geliebte Person trägt. Wie gruslig! Wie beängstigend und erdrückend! Das wurde sehr schön dargestellt, und obwohl ich durch die Sprache sehr distanziert zu den Charakteren war, konnte ich mich trotzdem gut einfühlen.


PHASEN DER BEZIEHUNG

Anfangs ist man zusammen mit der Protagonistin erst erfreut, dann verärgert. Und dann dreht sich die Handlung, der Leser ist hin und her gerissen. Ist Judith paranoid, und sollte sie sich wirklich endlich einmal zusammenreißen und ihn abschreiben, da er sich ja sowieso nicht mehr meldet? Oder ist an all ihren Vermutungen mehr dran, und ist er tatsächlich ein gefährlicher Stalker? Man wird mitgerissen und kann sich dem Sog der Geschichte nur schwer entziehen. Da das Buch sehr kurz ist, hat man es blitzgeschnell gelesen, aber es wirkt einige Zeit nach, Judiths Erlebnisse bringen eigene Erfahrungen zum Klingen.

Auch das Ende ist dem Roman entsprechend eher skizziert als genau überarbeitet. Etwas mehr Hintergrund wäre schön gewesen, aber das ist eben EWIG DEIN: knapp und präzise, kein Wort zuviel.


FAZIT
Überaus spannend, sehr gelungen, Glattauer hat Mut zu einem neuen Stil bewiesen. Die Geschichte weiß zu überzeugen. Die Sprache allerdings ist sehr gewagt und zum Teil störend für mein Empfinden, das Buch wirkt mit seinen Kapiteln und dem Schreibstil sehr "unfertig". Anderen mag es gefallen, man sollte vor dem Kauf also unbedingt ins Buch hineinlesen.

SaschaSalamander 16.02.2012, 13.59| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Romantik, Thriller,

Blutrotkäppchen

VORAB

nach außen hin bin ich brav, da rezensiere ich nur Kinderbücher und Romantik und Liebe, und wenn ich mutig bin, dann auch mal Krimi oder Hardcore. Aber tief in mir drin, da knurrt die Bestie, da wütet die Gier nach krankem, perversen Stoff. Andere Menschen machen dann eine Urschreitherapie oder laufen Amok oder setzen sich in den Sessel und weinen. Und ich fröne statt dessen literarisch dem Wahnsinn, der Gewalt und dem Laster. Irgendwo muss dieser Rotz sich ja entladen. Vergesst Chuck Norris - hier kommt ENTOMAN!!!


DER AUTOR

Ich würde ja gerne eine Menge über David schreiben, aber lest doch einfach mal bei >Wikipedia< rein, da steht eine Menge über ihn ;-)


INHALT

Entoman, Def und Kuh leben in einer Art WG, sie wurden von der Großmutter (einem Wolf) großgezogen. Und während Def und Kuh zur Uni gehen, soll Entoman zur Großmutter und ihr ein kleines Carepaket bringen. Also macht er sich widerwillig auf den Weg, begegnet dem niedlichen Rotkäppchen, und dann gerät so ziemlich alles aus den Fugen. BLUTROTKÄPPCHEN ist eine wahnwitzige, abgedrehte Version des Märchens. Es fließt eine Menge Blut, es gibt haufenweise Monster, da werden Gliedmaßen abgesäbelt und riesige Steine kleingehackt. Schnetzeln, was das Zeug hält.


AUFBAU

Der Manga beginnt damit, dass ein paar Kinder Onkel Füleki um ein Märchen bitten. Aber statt des normalen Rotkäppchens erzählt er ihnen von seinen Erlebnissen mit Entoman. Diese Erzählung ist der Hauptteil des Mangas. Am Ende kehrt Entoman wie zu erwarten siegreich zurück von seiner Schnetzelmission, setzt sich seelenruhig an die Konsole und daddelt. Dann erzählen Def und Kuh ihm von ihren Erlebnissen auf dem Weg zur Uni, und als es dann fast vorbei ist, schlägt ein riesiger redaktioneller Teil mit Metainfo auf die Protagonisten. Bei Büchern und Mangas verzichte ich gerne auf das Impressum und die Zusatzinformationen. Und im Manga besonders auf die obligatorischen Tüddeleien hintendran wie persönliche Infos, Charakterdesign etc, welche die Zeichner noch anfügen. Aber wie bei einem guten Kinofilm - Füleki macht hier sogar den Abspann irre witzig, noch nie habe ich mich so gut bei den Schlussinformationen unterhalten!


ZEICHNUNGEN

Darf ich den Zeichner als krank bezeichnen? Ich meine das in seinem Fall sogar als Kompliment. Nein, ich verstehe seine Zeichnungen nicht. Das ist mir auch egal. Ich finde es einfach genial, wie er sich über so ziemlich jede Konvention und die Regeln der Gesellschaft hinwegsetzt. Er hat etwas so Eigenes geschaffen, dass mir partout keine Schublade dafür einfallen will (wenn ich müsste, würde ich die Worte >Gore<, >Vore<, >Trash< und >Splatter< zur Hilfe nehmen). In manchen Dingen absolut minimalistisch (z.B. Entoman besteht im Grunde nur aus einem gelben Zylinder mit einer gelben Kugel obenauf), in anderen einzigartig genau. Seine Monster, die Schnetzeleien und der Wahnsinn, da zeigt er viel Liebe zum Detail. Ein Monster mit Totenschädelkopf voller zerzauster Haare und irrem Blick, eine lange tentakelartige Zunge, darunter ein knochiger Rumpf mit riesigem Maul im Bauch, darüber faltige nackte Hängebrüste, und ein dritter Mund in Form einer Vagina Dentata. Alles verschlingend, und dann verschmilzt es mit einem weiteren Wesen, sodass das Äußere noch abstruser und irrer wird, von Bild zu Bild steigert sich der Wahnsinn.


SPRACHE, WAHNSINN, HUMOR

BLUTROTKÄPPCHEN ist politisch unkorrekt, freaky, pervers. Und zwar in jeder Hinsicht, sprachlich wie optisch und inhaltlich. Da gibt es ein Pentagramm zur Monsterabwehr, da gibt es absolut unerklärliche Momente (ein Deus ex Machina, dessen Existenz zwar hinterfragt aber nicht erklärt wird), da gibt es einen Wolf und seine neuentdeckte weibliche Seite im Kleidchen. Und was die Sprache betrifft - nö, ich habe keine Lust, drumrumzureden. Und wenn jemand Wert auf Political Correctness legt, sollte er den Manga gar nicht erst öffnen. Denn Entoman nimmt bööööse Wörter in den Mund: Bitches, Schlampen, "drauf geschissen", "na, wer ist jetzt Dein Daddy". Füleki nimmt das nicht so ernst, er pflügt einmal wild durch alles, was Feingeistern die Haare zu Berge stehen lässt. Fröhlich trällert Entoman "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, der Friedhof war sein Ziel. Dort trieb er´s dann mit Leichen, denn er war nekrophil. Doch die Leichen, die war´n Zombies und ham ihn massakriert, aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert." Dabei überzeichnet er alles so stark, dass es jedoch deutlich als Ironie aufzufassen. Ernst nehmen darf man das also nicht, aber dafür kann man so richtig dreckig lachen.


FAZIT

Literarisch wertvoll? Alles andere als das! Abgefahren, verrückt und durchgeknallt? Absolut! Kultig? Aber hallo, sowas von!


SaschaSalamander 16.02.2012, 09.39| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Deutsch, Tip,

Triffst Du Buddha, töte ihn

altmann_buddha_1.jpgUnd auch hier, >wie schon gesagt<, habe ich Probleme, einen Erfahrungsbericht zu rezensiere. Aber ein paar Gedanken dazu möchte ich natürlich trotzdem loswerden ;-)

Kürzlich stieß ich durch sein biographisches Buch >DAS SCHEIßLEBEN MEINES VATERS, DAS SCHEIßLEBEN MEINER MUTTER UND MEINE EIGENE SCHEIßJUGEND< (den Titel kann man ja quasi gar nicht übersehen) auf den Autor, der mir bis dahin unbekannt war und wurde neugierig auf weitere Bücher von ihm. Sein Schreibstil sagt mir zu, er ist wunderbar direkt, und er beschönigt nichts, steht zu dem, was er sagt und tut. Diese Ehrlichkeit gefällt mir.

In seinem Buch TRIFFST DU BUDDHA, TÖTE IHN, berichtet er von seiner Reise nach Indien und einem zehntätigen >Retreat<. Einerseits natürlich die zehn Tage als solche, wie er sie verbrachte, welche Regeln er heimlich brach, was ihm leichtfiel und was ihm Probleme bereitete. Und andererseits natürlich von dem Gedanken, die ihm hierzu kommen, seine Einsichten über Spiritualität und Religion.

Er nimmt dem Buddhismus seinen Glanz, beschreibt Meditation aus rein profaner Sicht. Es geht nicht um Erleuchtung, Absagen vom Ich und um Heiligkeit. Sondern um Rückzug, Selbsterkenntnis und Selbst-Bewusstsein.

Was mir an dem Buch überaus gut gefiel war seine knallharte Ehrlichkeit. Und auch, dass er offen Dinge ausspricht, die andere nicht zu sagen wagen. Er spricht sich aus gegen Heiligenkult und Bigotterei. Benennt Autoren, die ihm mit der aufgedrückten Spiritualität gegen den Strich gehen. Spricht sich aus für das eigene Denken und stellt klar, dass der Mensch für sich alleine verantwortlich ist. Keine höhere Macht, die einen von jeglicher Schuld und Verantwortung befreit, kein Schicksal, welches das Leben vorausbestimmt.

Was ich dabei nicht mochte ist allerdings die Überheblichkeit, die ich oft in seinen Worten herauslese. Ich verstehe seine Meinung und teile sie in vielen Dingen. Allerdings vermisse ich manchmal den Respekt vor dem, was anderen Menschen bedeutsam ist. Er knüppelt alles nieder, was nicht in sein Weltbild passt, beschimpft es stellenweise und klingt dabei sehr destruktiv. Wo er auf der einen Seite eine Stärke zeigt, die mich beeindruckt, nutzt er diese auf der anderen Seite nicht zur Hilfe für andere und zur persönlichen Weiterentwicklung sondern ist noch gefangen in Abscheu und Hass auf das, was ihn damals prägte (seine urchristliche Erziehung, siehe der Link zu seiner Biographie). Das tat mir stellenweise weh zu lesen, denn auch wenn ich vieles der einzelnen Religionen und Kulte nicht gutheißen kann, so respektiere ich doch deren Lebensweg, beziehe das schlechte Verhalten einzelner Menschen dieser Gruppe nicht auf die komplette Gruppierung.

Dennoch, ich mag seine direkte Art und seinen Schreibstil, das Buch liest sich sehr flüssig. Auch, wenn ich ihn stellenweise zu aggressiv finde, so tut es doch gut, dieses Buch zu lesen. Seine Erfahrungen sind interessant und informativ. Besonders die Beschreibungen des Landes, wie er es erlebte, berührten mich sehr.

SaschaSalamander 15.02.2012, 15.12| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Deutsch, Erfahrungen, BewusstSein, Religion, Fremde Kultur,

Der Hund, die Krähe, das Om und ich

froehlich_om_1.jpgEine Rezension über ein Tagebuch? Wie schon angedeutet, fällt mir so etwas schwer, da ich nicht die Erfahrungen und Gedanken einer anderen Person bewerten möchte. Deswegen also einfach ein Eindruck, meine Erfahrung mit Frau Fröhlichs Erfahrungen, meine Gedanken über ihre Gedanken ;-)

Unabhängig vom Modetrend wurde ich vor wenigen Wochen auf Yoga aufmerksam, und wenn man das Wort erst einmal bewusst wahrnimmt, stellt man fest, dass es derzeit ja eine richtige Yoga-SCHWEMME gibt. Und da ist Frau Fröhlich natürlich mittendrin dabei. Ich mag ihre Art zu schreiben, auch wenn ich ihren Ansichten (nicht in diesem Buch speziell, sondern allgemein) nicht immer zustimme. Ich habe dieses Mal das Hörbuch gehört. Ihre Stimme, naja, daran muss ich mich immer erst eine halbe CD lang gewöhnen, dann ging es ;-)

Was mir gefällt ist, dass es zwar ein Modethema aufgreift, dieses aber fernab von allen Modetrends aufgreift. Die DVDs sind normalerweise supertoll, die Vorturner superschlank, und man erzählt immer nur von den tollen Aspekten. Hier schreibt die Autorin im Gegenzug davon, wie sie anfangs keine Lust hatte. Was sie daran störte. Welche Vorurteile sie hatte. Welche Probleme es ihr bereitete, welche Übungen sie nicht konnte. Und auch, was ihr dann daran gefiel, warum sie weitermachte und weshalb sie nun begeistert ist.

Einen Großteil ihrer Erfahrung teile ich. Und ich finde es gut, dass Yoga entmystifiziert wird. Nicht mehr nur als Allheilmittel dargestellt, nicht mehr psychedelisch verklärt mit Räucherstäbchen und Chanten (Singen). Es zeigt ganz klar, dass auch völlig normale, unsportliche und unspirituelle Menschen es als Sport für sich nutzen können.

Sie erzählt auch von ungewöhnlichen Arten wie Lachyoga, Gesichtsyoga, Nacktyoga oder Shibari-Yoga, über spirituelle Aspekte und andere Sportarten. Natürlich bringt sie ihre eigene Meinung ein. Während ich einiges ähnlich empfinde und laut lachen musste über ihre Darstellung, so habe ich mich in einem anderen Fall über die oberflächliche und unsachliche Art geärgert. Und ich grinste über mich selbst: als ich zustimmte, fand ich ihre Art witzig und ansprechend. Als ich eine andere Meinung hatte, da fand ich genau die gleiche Art auf einmal nicht mehr lustig. Da sie aber niemals verletzend wird oder andere Menschen und Einstellungen abwertet, sei es ihr gestattet, hier und da mit einem Augenzwinkern zu lästern. Man muss als Leser und Mensch lernen, andere Meinungen stehenzulassen ;-)

insgesamt fand ich das Hörbuch sehr witzig, es hat mich unterhalten und mir gezeigt, dass ich mit manchen Erfahrungen nicht alleine bin. Es tut gut, neben all den perfekten Yogis auch einmal jemanden zu sehen, der meiner Lebenswelt näher ist udn Schwächen teilt, in denen ich mich wiederfinden kann ...

SaschaSalamander 14.02.2012, 14.05| (3/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Erfahrungen, Frauen, Deutsch,

Emma im Knopfland

rylance_emma_1.jpgINHALT

Ein kleines Mädchen fühlt sich von den Erwachsenen nicht verstanden, und plötzlich landet sie in einer fremden Welt. Sie möchte wieder nach Hause, aber wie soll sie das anstellen? Auf ihrer Reise trifft sie viele Freunde, die selbst auf der Suche nach etwas sind und mit ihr gemeinsam zum großen Schloss ziehen wollen, wo sie auf Antworten hoffen. Es gibt Feinde in dieser Welt. Aber gemeinsam können sie es schaffen ...

nein, es handelt sich nicht um Frank Baums ZAUBERER VON OZ oder ALICE IM WUNDERLAND, sondern um >EMMA IM KNOPFLAND<. Und obwohl die Grundzüge die gleichen sind, ist das Buch etwas ganz anderes. Und dabei mindestens genauso herzlich: Emma ist während der Ferien bei ihrem Onkel und ihrer Tante. Ihr Onkel ist der Ansicht, Kinder solle man am besten nur sehen, aber nicht hören. Im Haus der beiden gibt es viele Zimmer, z.B. ein Kuli-Zimmer, ein Schneckenhaus-Zimmer, ein Stein-Zimmer, und unter anderem auch ein Knopfzimmer. Und als Emma die Tür öffnet, wird sie prompt in die fremde Welt hineingezogen. Dort herrschen im Grunde die gleichen Probleme wie bei uns Menschen, nur dass die Welt von Knöpfen bevölkert wird. Emma ist kein Knopf, und so wird sie von der Polizei gejagt. Doch mit ihren Freunden Gustav, Luise, Woody und den anderen gibt sie nicht auf. Sie will auf das große Schloss, um dort endlich die Antwort auf ihre Fragen zu bekommen und nach Hause zu gelangen.


KINDERBUCH

Kinderbücher sind dann gut, wenn sie den Erwachsenen das Gefühl geben, wieder Kind zu sein. Oh ja, und dieses Buch war wirklich sehr, sehr gut. Ich fühlte mich an viele Momente meiner Kindheit erinnert. Sah mich in den Schubladen meiner Oma wühlen, Puzzles zusammensetzen, mit Freunden spielen. Und EMMA IM KNOPFLAND zauberte mir ein riesiges Lächeln ins Gesicht. Es tat richtig gut! Aus Sicht eines Kindes, bezaubernd und wunderbar unschuldig.


DIE KNOPFWELT, DIE KNÖPFE

Bisher waren Knöpfe für mich nichts anderes als ... naja, Knöpfe eben. Aber die Autorin macht sich Gedanken, wo sie herkommen, welchen Zweck sie erfüllten, was sie erlebt haben, wie sie verloren gingen, und was dies in ihnen ausgelöst haben könnte, welche Persönlichkeit sie nun haben. Und besonders nett finde ich die Idee der Dinge, die in den Knopfkisten noch herumliegen, etwa Eurostücke, Büroklammern, Filzstiftkappen, Klettverschlüsse, besonders geformte Einzelknöpfe und vieles mehr. All diese Gegenstände gehören nicht zu den Knöpfen, sind auf der Suche nach sich selbst, nach ihrem Zweck, und Emma kann ihnen helfen, sich zu benennen und kann ihnen einen Sinn verleihen.

Das Metermaß wird zu einer langen Straße, auf der das freundliche Trüppchen Richtung des großen Schlosses marschiert. Nadelkissen werden zu einer weiten Kakteenlandschaft, wo Cowboys (sie waren früher an Lederwesten etc befestigt) am Lagerfeuer Lieder singen.


CHARAKTERE

Die Charaktere sind richtig herzig, besonders der dicke Gustav, er war 34 Jahre an einer Lederhose befestigt und hat viel von der Welt gesehen. Und dann ist da noch der Knopf, der einmal an einem Brautkleid war, doch seine Geschichte ist traurig. Oder der olle Woody, der schon in Woodstock dabei war, die Trägerin seiner Strickjacke damals hieß auch Emma, und Woody ist totaaaal easy, Love and Peace and Harmony und so ;-)

HÖRBUCH

Fritzi Haberland ist einfach umwerfend. Sie hat eine Stimme, perfekt für Kinderbücher. Und sie spricht mit verstellter Stimme, unterschiedlichen Dialekten, verleiht jedem einzelnen Knopf zusätzlich seine eigene Persönlichkeit. Die unsichere, stets auf ihren Wert bedachte Luise. Der dicke, bayerische Gustav. Die adelige Dame. Die eitlen Models. Der gefährliche große K. Der chillige Woody. Und natürlich sehr viele anderen Figuren mehr. Es ist faszinierend anzuhören, wie dieses anfangs scheinbar so zarte Stimmchen plötzlich solch eine Variationsmöglichkeit beweist! Sie schreit, stottert, flüstert, lacht, befiehlt, sie liest nicht mehr vor, nein sie spielt ihre Rolle. Man hätte keine bessere Sprecherin finden können als Fritzi!


FAZIT

EMMA IM KNOPFLAND ist ein zauberhaftes Kinderbuch um das beliebte Motiv der Freundschaft und Identitätsfindung. Wer ein offenes Herz hat, kann dieses Buch nicht hören, ohne danach zu strahlen. Und er wird Knöpfe zukünftig mit anderen Augen sehen ;-)

SaschaSalamander 14.02.2012, 09.08| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Kinder, Märchen, Tip,

Elbenthal-Saga

Die Elbenthalsaga hat mich sehr bewegt, auch aus persönlichen Gründen. Ich habe Bücher dieser Art als Jugendliche geliebt, oft nichts anderes mehr gelesen. Aber was irgendwann nachkam, das war nicht mehr das gleiche. All-Age-Fantasy ist zur Massenware geworden. Die Sprache ist schnell mal hingerotzt, die Handlung ist wenig originell, die Charaktere sind alle gleich, und die Fantasywesen sind inzwischen sehr verwaschen. Seit einigen Jahren lese ich kein Fantasy dieser Art mehr, weil ich es traurig finde, was daraus geworden ist. Damit möchte ich nicht alle Autoren und Bücher schlecht machen, dazwischen gibt es wohl immer mal wieder gute Titel, die ich einfach nicht entdeckt habe. Aber ich wurde einfach zu oft enttäuscht.

Als ich von dem Buch hörte, war ich offen gesagt eher skeptisch. Gut, ich mag das Genre an sich schon, und den Schreibstil des Autors auch. Neugierig bin ich, allerdings rechnete ich damit, dass es halt "nett" wäre, mehr nicht. Und dann war ich wirklich überrascht und bewegt, denn es war genau das, was ich seit vielen Jahren aufgegeben hatte zu suchen. Es tat einfach gut, und es kamen sehr viele Erinnerungen in mir hoch. Nicht an Bücher oder das Genre, sondern an die Zeiten, in denen ich diese Bücher las, und es war für mich eine kleine Zeitreise. Es ist selten, dass ein einfacher Roman so viel in mir auslöst. Und auch die Charaktere haben mich in Gedanken begleitet, auch jetzt noch, besonders die stolze Yrr ist mir sehr ans Herz gewachsen, das unterste Bild hier stellt sie dar.

Ich denke, jeder liest ein Buch auf seine Weise. Und es ist natürlich auch möglich, dass Leute das Buch weglegen und sagen "was fand die nur daran" (wobei ich mir das hier schwer vorstellen kann, denn die Elbenthal-Saga hat das Zeug zum Bestseller, so wie es aufgemacht ist). Egal, für mich war es einfach toll, und ich möchte diese Begeisterung gerne mit Euch teilen.

Zusätzlich zum Buch gibt es auch sehr schöne Bilder, die den Charakteren sehr gut entsprechen und die die Stimmung des Buches detailgenau einzufangen vermögen. Hier zwei Wallpaper, die man sich auf der Hauptseite herunterladen kann. Und die passenden Links:







SaschaSalamander 13.02.2012, 14.18| (2/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Web

Only the flower knows

takarai_flower.jpgZwei junge Männer, auf den ersten Blick sehr verschieden, und sich doch so ähnlich: Arikawa, Jurastudent, quirlig und offenherzig. Misaki, Agrarstudent, eher zurückhaltend und zurückgezogen. Mehrfach treffen sie aufeinander, und Arikawa spricht Misaki daraufhin an, was dieser unangenehm findet und die früheren Treffen leugnet. Zu Misakis Ärger wird Arikawa ihm dann auch noch als Kollege für die Arbeit an der Uni eingeteilt. Langsam, vorsichtig kommen die beiden sich näher.

Ich mochte den Manga auf Anhieb. Die Charaktere sind sehr lebendig und realistisch. Gerade im Boys Love ist es üblich, dass es vor Kitsch nur so trieft, dass Liebe ohne Hintergrund einfach plötzlich da ist, und dass dann nichts anderes mehr zählt. Dem ist hier nicht so. Statt dessen begegnen sich die beiden Männer, lernen sich kennen, es entwickelt sich etwas zwischen ihnen. Im ersten Band findet man keine Küsse, keine Erotik, keine Romantik, keine Liebesschwüre. Dafür aber gibt es innige Momente, in denen zwei empfindsame Menschen sich schrittweise ihrer Gefühle bewusst werden.

Die Zeichnerin erzählt die Geschichte sehr still, sehr sanft. Dazu passen auch die eher zerbrechlich aussehenden Charaktere, die weichen Zeichnungen. Die beiden Protagonisten gefielen mir sehr gut, vor allem Arikawas verwuschelte Frisur und sein unschuldiger Blick sind sehr ansprechend und realistisch dargestellt. Auch der nachdenkliche Misaki wird sehr gut beschrieben. Etwas, das ich in diesem Genre sehr zu schätzen weiß: jeder Charakter hat ein eigenes Gesicht, die Figuren unterscheiden sich voneinander, haben ihre eigene Mimik, ihre eigene Persönlichkeit, ihr eigenes Äußeres.

Es ist ein Manga mit einer eher klassischen Handlung, der Leser bekommt wenig Neues geboten. Die Geschichte ist recht vorhersehbar. Was ich sehr schade finde ist, dass es kaum etwas gibt, wodurch dieser Manga sich von anderen abhebt. Sehr schöne Zeichnungen, eine nette Geschichte, eine angenehme Darstellung. Aber eben dennoch ein Manga unter vielen, so gerne ich etwas finden möchte, das ihn zu etwas Besonderem macht.

Action und heiße Szenen darf man bei ONLY THE FLOWER KNOWS nicht erwarten. Dafür aber eine gefühlvolle Erzählung, die vor allem Freunde der ruhigeren, handlungsorientierten Boys Love zu schätzen wissen.

SaschaSalamander 13.02.2012, 09.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Queer, Romantik,

Statistik KW 06

GELESEN / GEHÖRT
1 - Triffst Du Buddha, töte ihn (A Altmann)
1 - Der Hund, die Krähe, das Om und ich (S Fröhlich)
1 - Das letzte Element (Gerwalt)
1 - Ewig Dein (D Glattauer)
1 - Blutrotkäppchen (D Füleki)
1 - Emma im Knopfland (U Rylance)
1 - Negative Happy Chainsaw Edge (T Takimoto)
3 - Meditation für Dummies (S Bodian)


GESEHEN
/


NEUZUGÄNGE
Blutrotkäppchen (D Füleki)
Die Traumfrau 01 (R Amazume)
Franken Fran 05 (K Kigitsu)
Liebe ohne Deadline 01 (R Amazume)
Talisman Himari 01 (M Milan)
Spice and Wolf 06 (K Koume)
Golden Tales (T Nao)
No touching at all (K Yoneda)
Struwwelpeter (D Füleki)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - begonnen
5 - abgebrochen

SaschaSalamander 12.02.2012, 20.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Die Brautprinzessin

goldmann_braut_1.jpgDIE BRAUTPRINZESSIN von William Goldmann. Ein Buch, das ich schon immer lesen wollte. Weil es zu den Büchern gehört, von denen ich den Eindruck habe, dass jeder außer mir es kennt. Ich hatte keinerlei Ahnung, worum es ging, kannte nur den Titel und wusste, dass es bekannt und beliebt ist. Stieß in Zitaten immer wieder auf dieses Buch, las den Titel als Empfehlung oder irgendwo als Bemerkung in einer Rezension oder in einem anderen Buch. Endlich, endlich habe ich es gelesen.

Ein klassisches Märchen, angesblich geschrieben von S. Morgenstern (den es nicht gibt), überarbeitet vom Autor. Der Autor mixt "das ursprüngliche Werk" und seine eigenen Kommentare. Er beschreibt, wie er durch dieses Buch zur Leseratte wurde, es später seinem Sohn schenkte und dieser gelangweilt war. Als er es dann selbst in die Hand nahm, wer er schockiert: er kannte das Buch nur vom Vorlesen seines Vaters, und sein Vater hatte sehr viele Stellen kindgerecht gekürzt. Also entschloss sich der Autor, das Buch selbst zu überarbeiten, kürzen und kommentieren. Das Ergebnis ist nun DIE BRAUTPRINZESSIN, wie sie der Leser in der Hand hält.

Sehr viel Ironie, das Buch nimmt das Genre der Märchen ziemlich aufs Korn. Ich mag den Humor, den Stil des Autors. Trotzdem kann ich mich den begeisterten Hymnen nicht anschließen. Vielleicht liegt es daran, dass ich aufgrund der unzähligen Vermerke, Verweise, Rezensionen, Begeisterungsstürme einfach zuviel erwartet habe. Ich fand das Buch sehr unterhaltsam, und ich habe einige Male sehr gelacht, habe sehr klare Bilder im Kopf und werde die Figuren und ihr Erleben noch lange im Gedächtnis behalten. Die Protagonisten waren mir nicht sonderlich sympathisch, aber das war wohl auch weniger Ziel des Buches, sie waren bewusst nicht als Sympathieträger erschaffen worden. Dafür mochte ich zwei der Nebencharaktere umso mehr, und auch die Geschichte an sich war sehr gut erdacht.

Doch auch, wenn es mich so gut unterhalten hat - irgendwie will ich einfach keine Worte finden für eine Rezension. Und bevor ich mir das Hirn zermartere - über dieses Buch wurde eh schon genügend geschrieben ;-)

SaschaSalamander 10.02.2012, 17.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Märchen

Ewig Dein

glattauer_ewigdein_1.jpgHeute früh auf dem Weg zur Arbeit fing ich an mit EWIG DEIN von Glattauer. Ein knappes Viertel habe ich bereits gelesen, und ich schwanke ganz extrem. Ein paarmal war ich versucht, das Buch einfach wieder in die Tasche zu packen. Mit der Sprache und dem Aufbau muss ich mich erst noch anfreunden, und ich bezweifle, dass dies bis zum Ende gelingen wird, dazu ist mir alles einfach ZU minimalistisch in vielerlei Hinsicht. Die Handlung allerdings ist sehr spannend dargestellt, die Charaktere sind sehr lebendig, und in wenigen Worten zeichnet der Autor ein solch klares Bild von seinen Figuren, wie es nur selten auf so wenigen Seiten gelingt. Das Buch beschäftigt mich, und ich stelle mir so einige Fragen hinsichtlich des Verhaltens in Beziehungen. Witzig finde ich auch, wie sehr man hier den östereichischen Einschlag in der Sprache spürt, das fiel mir bei seinen anderen Büchern nie so extrem auf wie hier (vielleicht, weil ich alle anderen hörte statt zu lesen). Na, ich warte mal ab, ob ich mich an die Sprache gewöhne oder das Buch weiterhin gemischt widerwillig - fasziniert lese ;-)

SaschaSalamander 10.02.2012, 14.57| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles

Ein mittelschönes Leben

boie_mittelschoen_1.jpg>Ein mittelschönes Leben< beginnt mit dem Abriss einer Biographie: ein Kind mit Hobbies, Heim und Familie, der Heranwachsende, die erste Liebe, die Arbeitsstelle, dann ein Bruch mit seiner Ehefrau, die Arbeitslosigkeit, das Trinken, das Kämpfen, der Sturz bis auf die Straße. Darauf folgen im Wechsel kleine Ergänzungen eines Erzählers und dann verschiedene Fragen von Kindern an drei Mitarbeiter des Hamburger Straßenmagazins >Hinz und Kunzt<.

Kinder stellen Fragen, die Erwachsenen durch den Kopf gehen, die sie aber nicht zu fragen wagen ob ihrer Scham. Dies sind existenzielle Fragen wie etwa "was machst Du, wenn Du krank wirst" oder "weiß Deine Familie, dass Du auf der Straße lebst", aber auch so scheinbar banale und doch erstaunlich wichtige Fragen wie "wo gehst Du denn aufs Klo", "gewöhnt man sich an das Leben auf der Straße" oder "feierst Du Weihnachten". Ich fand die Offenheit der Kinder sehr angenehm. Und ebenso fand ich es mutig und spannend, wie direkt die drei auf die Fragen eingingen. Erwachsene fragen nach Schuld und Verantwortung, daher fand ich es schön, dass man hier die Kinder zu Wort kommen ließ, welche das Augenmerk auf andere Dinge richteten.

Was die Betroffenen aus ihrer jeweiligen Sicht schilderten, fasst der Erzähler noch einmal zusammen, beschreibt beispielsweise die Vernetzung von Einrichtungen wie Straßenambulanz, Obdachlosenunterkünften, Wärmestuben, der Tafel oder dem Straßenmagazin. Sehr schön finde ich auch, dass es drei Gesprächspartner sind, zwei Männer und eine Frau. Dadurch zeigt sich auch, dass es nicht immer klare Antworten gibt und jeder die Situation anders einschätzt. Auf die Frage, ob auch Kinder auf der Straße leben, weichen zwei Antworten sehr stark voneinander ab. Ich denke, das liegt zum einen ander Definition "Kinder" (ich vermute, die Frau dachte eher an Jugendliche, während der Mann eher an Kinder im Alter der Fragesteller vor sich sah), und zum anderen ist Obdachlosigkeit ein schwer zu erfassendes Thema, das sich auch einer exakten Statistik entzieht.

Obdachlosigkeit ist gerade in Großstädten ein wichtiges Thema. Täglich läuft man an den Menschen vorbei, beachtet sie nicht, weicht ihrem Blick aus. Kauft vielleicht mal ein Magazin oder wirft ein paar Cent in den Pappbecher. Aber dann ist das Thema wieder vergessen, dem Alltag gewichen. Beruflich habe ich sehr oft mit den Folgen der Obdachlosigkeit zu tun, und erst letzte Woche habe ich ein Wohnheim aufgesucht, um Kontakte zu knüpfen und mehr über die Hintergründe zu erfahren. Dabei wurde mir bewusst, wie wenig ich trotz der Nähe zu diesem Thema eigentlich darüber weiß, und wie wichtig es vor allem auch ist, nicht die Augen zu verschließen und darauf aufmerksam zu machen.

Produziert für Kinder, ist dieses Hörbuch dennoch auch für Erwachsene geeignet. Denn wie gesagt: Erwachsene wüssten auch gerne, ob ein Obdachloser Weihnachten feiert, aber sie wagen es nicht zu fragen, da andere Dinge wichtiger scheinen. Hier kann man allerhand über das Leben auf der Straße erfahren, aus einem ganz anderen Blickwinkel. Und für Kinder ist die CD sehr gut geeignet, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, vielleicht sogar selbst aktiv zu werden. "Was können wir tun" war eine sehr bewegende Frage. Und mancher Erwachsene wird ob der Antworten wohl schlucken und gute Vorsätze fassen. Möge es nicht nur bei den Vorsätzen bleiben!

SaschaSalamander 10.02.2012, 09.02| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörspiel | Tags: Deutsch, Kinder, Erfahrungen,

Eigenständiges Denken

Dass Leser sich unter falschen Voraussetzungen Bücher anschaffen, darüber habe ich >hier< bereits erzählt. Schade, aber kommt vor. Was mich allerdings sehr verwundert, das sind die Erwartungen, die grundlos in eine falsche Richtung gehen. So erlebt aktuell bei DER HUND, DIE KRÄHE, DAS OM UND ICH oder auch TRIFFST DU BUDDHA, TÖTE IHN. Beides lese ich aktuell, und da Spoiler hier irrelevant sind, lese ich auch schon mal ein paar Rezensionen vorab. Und beide Male schwanke ich zwischen Kopfschütteln und Lachen.

Fröhlichs Titel ist eine Art Tagebuch. Es ist keine Anleitung, es ist keine Verkörperung irgendeiner Lehre. Sondern einfach nur ihr Bericht: wie sie dazu kam, welche Probleme sie zu Beginn hatte, was ihr auffiel, warum sie weitermachte, was es bei ihr auslöste. Da finde ich es sowieso seltsam, ein Buch mit Sternchen zu bewerten. Ist ein Tagebuch schlecht? Gut, natürlich ist es aufbereitet als käufliches Produkt, aber dennoch beinhaltet es kein Wissen, keine Weisheit, kein unumstößliches Dogma, sondern einfach nur die Gedanken und Erlebnisse einer Person. Da gibt es Leute, die finden es negativ, dass die Autorin andere Erfahrungen schildert als sie selbst hatten. Oder sie stören sich daran, dass es immer wieder um das Thema Moppel ging, obwohl sie doch Erfahrungen über die gesundheitlichen und spirituellen Aspekte lesen wollten. Oder weil sie ein Lehrbuch erwarteten (woher nahmen sie diese Erwartung?) und nach der Lektüre immer noch nicht wissen, wie diese Yogastellung funktioniert. Manchmal frage ich mich, welchen Zweck Klappentexte erfüllen? Und ob die Leute vor dem Kauf eines Buches vielleicht mal im Buch blättern, was ja inzwischen auch im Internet möglich ist?

Ebenso Altmanns Erfahrungen. Nun ist Altmann ja eh eine Person, die die Gemüter spaltet. Toll, ehrlich, direkt, geradlinig und erfrischend finden ihn die einen. Arrogant, selbstherrlich und ungebildet finden ihn die anderen. Wer ihn nicht mag, kauft seine Bücher trotzdem und wundert sich dann, warum auch dieses ihm nicht gefällt. Und es gibt tatsächlich Leute, die seine Meditationserfahrungen kaufen und sich dann wundern, warum da keine Weisheiten drinstehen sondern nur Meinungen. Wäre Altmanns Buch ein Roman, dann gäbe ich Punktabzug, wenn der Protagonist sich nicht weiterentwickelt und am Ende trotz Meditation und seiner Suche immer noch mit leeren Händen dasteht. Aber sein Buch ist ein Erfahrungsbericht. Und wenn Leser finden, dass er trotz Meditation immer noch ein arroganter Einfaltspinsel ist - dann ist das eben seine Erfahrung, ja und?

Manchmal muss ich schmunzeln. Und ich denke, wenn man ein Buch liest, dann sollte man genau überlegen, was man da zur Hand nimmt. Eine Biographie muss nicht zwangsläufig ein Happy End haben. Ein Tagebuch darf auch gerne Einstellungen beinhalten, die meinen entgegenstehen. In einem Erlebnisbericht ist es nicht erforderlich, dass der Schreiberling danach ein neuer Mensch ist. Und in einem Erfahrungsbericht zum Thema XY darf ich nicht die Lehre des XY an sich erwarten.

Ich liebe Tagebücher und Erfahrungsberichte. Es ist eine spannende Sichtweise hinter die Stirn anderer Menschen. Und wenn sie andere Meinungen als ich vertreten, dann kann ich vielleicht daraus lernen. Oder aber meine eigene Meinung reflektieren und festigen. Ich kann es auch weglegen und sagen "was für ein Schrott, mit der Person mag ich nichts zu tun haben".

Was ich kürzlich in der Rezension >Psycho Shots< schrieb, möchte ich gerne auch auf andere Genres übertragen: ich wünsche mir selbstbewusste Leser. Leser, die fähig sind, ihre eigenen Werte zu hinterfragen. Die die Meinung eines Autors stehenlassen können und sie als das erkennen, was es ist: eine Meinung unter tausend anderen Meinungen. Doch in Zeiten des wachsenden Medienkonsums habe ich immer mehr das Gefühl, dass es viele Leser gibt, die das eigenständige Denken verlernt haben. Bücher, die anders sind, überfordern sie. Ich wünsche ihnen das Selbstvertrauen, beim Lesen den eigenen Kopf zu gebrauchen und immer zu differenzieren zwischen Fiktion, Erfahrungsbericht, Sachlichkeit und Meinungsmache. Und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen für das eigene Vorankommen :-)

SaschaSalamander 09.02.2012, 14.29| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

Psycho Shots

schiller_psycho_1.jpgB C Schiller ist das Autorenpseudonym des Ehepaares Barbara und Christian Schiller. PSYCHO SHOTS ist eine Sammlung von vier Kurzgeschichten rund um ungewöhnliche Tode. Für 99 Cent flink geladen ohne großen Verlust, und zwischendurch ein paar Minuten sehr gut unterhalten. Ich finde, das ist in Ordnung, das Ebook hat sich auf jeden Fall gelohnt

DIE AUFLÖSUNG ist eine Geschichte um einen One-Night-Stand mit tödlichem Ende. Doch was der Protagonist dann mit der Leiche anstellt, ist zwar nicht neu, aber morbide und herrlich eklig beschrieben.

DER PFLEGER handelt von einem jungen Ich-Erzähler, der eine Stelle als Pfleger eines kranken Mannes annimmt. Er hat nichts zu tun als nur stillzusitzen. Leicht verdientes Geld. Aber woher nimmt der Alte nur die Energie, die ihn immer jünger und frischer werden lässt?

DIE ADRESSE ist herrlich schräg, der Protagonist will unbedingt eine bestimmte Wohnung, da die Adresse ihm eine sichere Karriere beschert. Mit dieser Adresse MUSS man einfach Erfolg haben, und dafür ist er bereit, alles zu tun. Sogar ungelesen die Vertragsbedingungen der Mitbwohnerin zu unterzeichnen.

DIE HAUPTROLLE erzählt von einem Schauspieler, der sich nun auf seine neue große Hauptrolle vorbereiten muss. Doch es gibt kein Drehbuch! Dennoch versucht er sich vorzubereiten, auch wenn er nicht weiß worauf. Sein Zustand wird täglich wahnhafter, und die Warnungen einer Kollegin schlägt er in den Wind, sie will bestimmt nur seine Rolle!

Wenn man diese Kurzgeschichten liest, sollte man als erstes jegliche Logik über Bord werfen. Die Stories lassen sich in kein Genre pressen, es ist nicht einmal klar erkennbar, ob sie nun in der Gegenwart, Zukunft oder einer Parallelwelt spielen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Ich möchte nicht so weit gehen, die Geschichten als kafkaesk zu bezeichnen; dennoch wird der Leser in eine unerwartete, unrealistische Situation geworfen, die er einfach hinzunehmen hat. Ein Mann ist bereit, alles für eine Adresse zu tun, er streichelt seine Visitenkarte und alle beneiden ihn darum, so ist es eben. Es werden Drinks und Pillen geschluckt, die futuristisch anmuten (denke gerade an eine Folge Dr Who, in der die Menschen ihre Realität mit Pillen betäubten), ansonsten wirkt alles wie im Hier und Jetzt. Keiner handelt so, wie ein normaler Mensch handeln würde, weder die Protagonisten noch die Nebencharaktere. Die Frage nach dem WARUM stellt sich nicht, hier ist es einfach so, weil es eben so ist. Der Leser wird absolut alleine gelassen mit dem Geschehen. Das mag vielen Lesern aufstoßen, denn es ist eher ungewöhnlich und recht gewagt. Man sollte, finde ich, als Leser eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein mitbringen, um nicht wie sonst üblich am Rockzipfel des Autoren zu hängen und von ihm Erklärungen oder gar Antworten und sinnvolle Zusammenhänge erwarten. Die Geschichten sind vergleichbar einem modernen Kunstwerk, das man eher für sich selbst begreifen und interpretieren muss.

Vier kurze Geschichten. Stellenweise verwirrend und verstörend, auf jeden Fall aber aufwühlend und kreativ, alleine DIE ADRESSE ist den Kauf des Ebooks wert und lässt auf weitere Kurzgeschichten der beiden Schillers hoffen.

SaschaSalamander 09.02.2012, 09.22| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Thriller, Mindfuck, Horror, Deutsch,

Elbenthal-Saga 01 - Die Hüterin Midgards

pala_midgard_1_1.jpgINHALT

Svenya lebt auf der Straße, als sie plötzlich gejagt wird. Von Wölfen! Und dann wird sie entführt, man offenbart ihr, dass sie die Hüterin Midgards sei. Dazu gehört natürlich Unterricht in Strategie, Geschichte, Kriegskunst und vielen wichtigen Themen mehr. Bald ist es soweit, und Svenya soll ihre Prüfung ablegen, doch ist sie überhaupt bereit für diese Aufgabe? Welche verborgenen Kräfte schlummern wohl in ihr? Wer sind die Gegner, vor denen sie Midgard beschützen muss? Und warum darf sie nicht nach ihrer Herkunft oder ihren Vorgängern fragen?


AUFBAU

Die Geschichte beginnt mitten in einer actionreichen Szene und ist eine sehr gute Einstimmung auf den Rest des Buches. Von der ersten zur letzten Seite kommt man kaum dazu, Luft zu holen. Rasant wirbelt der Autor über die Seiten: nach der spannenden Einleitung, in welcher der Leser mit einem Lichtelb, einem Titanschwert, einem Interkom, verschiedenen Schusswaffen konfrontiert wird, schwingt der Focus auf Svenya, die wieder einmal auf der Flucht ist, ein sicheres Plätzchen sucht und ihr Leben auf der Straße für sich alleine meistern muss. Nach der Entführung im oberirdischen Dresden wird sie ins unterirdische Elbenthal gebracht, wo man ihr ihre neue Aufgabe als Hüterin erläutert. Zwischendurch gibt es einen Blick nach Aarhain, wo der gegnerische Laurin seine Ränke schmiedet.

Aber natürlich hat alles einen Haken, und dem unermesslichen Reichtum der Elben steht der goldene Käfig gegenüber, dem die neue Hüterin entfliehen will, und wieder wechselt der Schauplatz, wieder wird der Leser zu Lande, zu Wasser und in der Luft von einer Gefahr zur nächsten katapultiert. Trotz der Action bleibt das Buch übersichtlich, wirkt in keinem Moment überladen. Es ist gut gegliedert, die Kapitel sind sehr übersichtlich gestaltet. Durch das hübsche Drachenemblem und eine freie Seite wird der Leser eingeladen, einen Moment innezuhalten, aufzuatmen, und erst nach einem kurzen Moment der Ruhe weiterzulesen. Die Kapitel haben eine sehr angenehme Länge, sodass man zwischendurch gut unterbrechen kann, allerdings strotzt das Buch nur so vor Cliffhangern, sodass man eigentlich gar keine andere Wahl hat, als es am Stück zu lesen ;-)


MEHRTEILER

Das Buch ist der Auftakt einer mehrteiligen Saga. Dennoch ist die Geschichte in sich geschlossen und könnte bis auf einige offene Fragen sehr gut als Einzelwerk für sich stehen. Man muss also nicht frustriert auf die Fortsetzung warten, sondern kann getrost jetzt schon zugreifen und sich nach dem Schließen der Buchdeckel zufrieden zurücklehnen, ohne sich um das Ende betrogen zu fühlen.

Aber es wurden sehr viele Themen angeschnitten, die auf eine Fortsetzung drängen: eine Liebesgeschichte bahnt sich an, der Held ist vorerst geschlagen aber noch nicht endgültig vernichtet. Es gibt Andeutungen über die besondere Rolle der Hüterin, und auch eine offene Prophezeiung gibt Anlass zu interessanten Spekulationen. Und natürlich die große Frage nach dem Geheimnis um die Herkunft birgt noch sehr viel Potential für die folgenden Bände.


CHARAKTERE

Die ELBENTHAL-SAGA enthält sehr viele Charaktere, eine Auflistung der Personen wäre hilfreich gewesen. Nun, ich habe mir eben selbst eine erstellt während des Schreibens, habe auch einige Male darauf zurückgreifen müssen. Kann aber auch daran liegen, dass ich mit Namen eher ein Problem habe. Erst recht, wenn wie in diesem Buch die Namen bereits vorab mit einem Hintergrund besetzt sind: Hagen von Tronje, Alberich, Fafnir, Laurin und einige andere, sie bekommen neue Rollen zugewiesen, sind zwar den entsprechenden Figuren der Edda, Nibelungen oder Elbengeschichten entlehnt, werden jedoch in einen neuen (bzw alten, ursprünglichen) Kontext gestellt. Ich denke, Leser ohne entsprechenden Hintergrund haben sogar einen Vorteil, da sie das Buch unbedarft lesen und nicht eine zusätzliche Geschichte im Hinterkopf haben. Wer die entsprechenden Mythologien kennt, freut sich hier über eine Erzählung, die zurück zu den Anfängen geht und sich dadurch angenehm von den modernen, verwaschenen Fantasy-Erzählungen abhebt.

Ich habe die Charaktere allesamt sehr schnell lieb gewonnen. Ich hätte anders gehandelt. Und ich fand es nicht immer gut, was Svenya, Yrr, Hagen und Alberich getan haben. Aber es ist nachvollziehbar und verständlich. Ihre Persönlichkeit wurde hervorragend ausgearbeitet, sodass ich beim Lesen immer ein klares Bild der Person im Kopf hatte und auch die Handlungen vorhersagen konnte, da sie aufgrund ihrer Persönlichkeit, ihrer Eigenheiten oft gar nicht anders handeln konnten.

Neben Menschen und Elben gibt es auch unzählige Wesen wie Gargoyles, einen Leviathan, pferdegroße Fledermäuse und andere Kreaturen. Ja sogar zwei magische Schwerter, die über eine eigene Persönlichkeit verfügen und denen eine tragende Rolle zuteil wird. Diese Idee fand ich sehr faszinierend, sie ist nicht neu aber noch recht unverbraucht. 

Was mir ebenfalls gefiel: Elben gelten oft als hehres, edles Volk. Dabei übersehen manche, dass Elben ursprünglich arrogante Wesen sind, die sich ihrer Überlegenheit deutlich bewusst sind und dies andere spüren lassen. Eigentlich ist mir Schadenfreude fremd, doch hier habe ich mich diebisch gefreut, als Svenya die Elben mit ihren eigenen Waffen - spitzfindigen Worten - schlug und demütigte.

Die Protagonistin ist ein Charakter, mit dem wohl gerade viele Jugendliche und junge Erwachsene sich sehr gut identifizieren werden. Sie hat viel erleiden müssen, hat viele Schicksalsschläge erlebt, sie ist stark, mutig, strotzt vor Energie, doch ihre schlechten Erfahrungen ließen sie hart und kalt werden. Aber sie entwickelt sich im Laufe des Buches immer ein Stückchen weiter, bis am Ende kein unerfahrenes Mädchen mehr spricht, sondern eine junge Frau, die mit Würde und Stolz ihre Entscheidungen fällt und sich ihrer Verantwortung als Machtinhaberin bewusst ist. Diese Wandlung ist dem Autor sehr überzeugend gelungen.


SPRACHE

Die Sprache ist dem Buch in allen Punkten angemessen. Ivo Pala zeigt hier, wie er geschickt mit Worten jongliert: ein etwa 2000 Jahre alter Elb wird in anderen Worten geschildert als das 17jährige Mädchen von der Straße. Ein blutrünstiges Schwert, eine strahlende Elbenkriegerin, ein mächtiger Drache, ihnen allen legt er einen eigenen Wortschatz in den Mund, es ist stets klar zu erkennen, wer gerade spricht. Mal sind die Worte wohlfeil, gehoben und altertümlich, ein andermal lauernd und gefährlich, natürlich auch rotzig, frech und unerfahren. Und doch ist alles aus einem Guss, fügt sich nahtlos in einander, stehen ein gehobener Satz und eine dreiste Antwort auf zwei Zeilen gegenüber, ohne dass es abgehackt und künstlich klingt. Das Buch liest sich auch aufgrund der Formulierungen, des Satzbaus und der Wortwahl sehr flüssig, an manchen Stellen fliegt der Leser geradezu über die Seiten.


GESTALTUNG DES BUCHES

Normalerweise ist die Gestaltung eines Buches etwas, das ich nicht in eine Rezension einfließen lasse, da es für die Qualität des Buches irrelevant ist. Aber für den ersten Band der ELBENTHAL-SAGA möchte ich doch einige Worte darüber verlieren: Das Cover fällt mit seiner metallisch glänzenden Optik sofort ins Auge, das strahlende Blau passt hervorragend zur Atmosphäre des Buches, die Burg im Hintergrund vermittelt einen sehr schönen Eindruck der imposanten Festung. Die Heldin ist - was leider heutzutage bei Buchcovern selten geworden ist - bis auf eine Kleinigkeit exakt den Beschreibungen des Buches angepasst: Haare, Rüstung, Schwert, ja sogar Farben, alles stimmt mit dem Buch überein und ist wunderschön gelungen.

Wenn man das Buch aufschlägt, blickt man auf eine Landkarte, welche das Elbenreich von Leipzig über Meißen, Dresden, Freiberg, Chemnitz bis ins Fichtelgebirge und nach Tschechien hin aufzeigt, dazu ein wunderschönes Drachenemblem und hübsche Zeichnungen einzelner Festungen. Auch die Gliederung der einzelnen Kapitel ist sehr schön gestaltet mit besagtem Drachenemblem.


FAZIT

Bereits im ersten Satz wird der Leser in den Bann des Buches gesogen und kann sich bis zur letzten Seite nicht mehr entziehen. Ivo Pala hebt sich mit der ELBENTHAL - SAGA deutlich von anderen Büchern des Genres ab und bietet ein ganz besonderes Leseerlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte!

SaschaSalamander 08.02.2012, 09.37| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Deutsch, Tip, Fantasy, Jugend, Reihe,

Wie ein Flügelschlag

wilke_fluegel_1.jpgAUTORIN

Nachdem mich >HOLUNDERMOND< bereits begeistert hatte, war ich sehr gespannt auf ihren Jugendkrimi WIE EIN FLÜGELSCHLAG. Jutta Wilke ist eine sehr aktive Autorin, die sich bei >Facebook< wie auch mit einem eigenen >Blog< präsentiert und gerne auf ihre Leser eingeht. Sie schreibt sehr viel über ihren Schreibprozess, verteilt kleine Appettithäppchen vor der Veröffentlichung, macht neugierig und zeigt sich vor allem sehr menschlich mit ihren Stärken und Schwächen. Normalerweise könnte ich ja jetzt ein wenig über ihre Person schreiben, aber - ach, das steht im Klappentext, bei Amazon, im Internet, im Blog, bei Facebook, wer neugierig ist, dem empfehle ich einfach, sie dort selbst kennenzulernen ;-)


INHALT

Jana hat aufgrund ihrer Leistungen als Schwimmerin ein Stipendium erhalten. Doch in der Klasse ist sie wenig anerkannt. Nur die von allen umschwärmte, beliebte Melanie freundet sich mit ihr an. Und dann wird Melanie eines Tages ermordet. Jana beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, sie will nicht glauben, dass ihre Freundin an Herzversagen starb, für sie deutet alles auf einen Mord hin. Doch sie stößt auf eine Mauer des Schweigens, kämpft scheinbar alleine, bis in dem Bruder Melanies endlich ein Verbündeter erscheint. Was die beiden herausfinden, würde einen Skandal verursachen. Und Skandale sind an dieser Schule unerwünscht, das bekommt Jana sehr hart zu spüren.


CHARAKTERE

Jutta Wilke ist ein wundervolles Charakterdesign gelungen. Das Buch ist in der Ich-Form aus Janas Sicht geschrieben. Dadurch erfährt der Leser sehr viel über die Beweggründe des verschlossenen Mädchens. Figuren, zu denen Jana einen starken positiven oder negativen Bezug hat, etwa ihr Trainer, ihre Mutter oder Mika, sind sehr deutlich beschrieben, wirken plastisch und dreidimensional. Randerscheinungen wie die Klassenkameraden oder der Schuldirekter verblassen dagegen, doch sie sind auch nicht wichtig. Was hervorragend gelungen ist, das ist die Darstellung des Täters. Ich muss zugeben, dass ich nicht aufgrund der Hinweise (die es nicht gab, zu geschickt ist die Intrige gewoben), sondern aufgrund der Erzählweise ihn / sie von Beginn an in Verdacht hatte.

Jana schildert ihre Welt so plastisch, dass man am liebsten in das Buch hineinkriechen möchte. Man möchte sich gegen den schrecklichen Trainer auflehnen, will ihm trotzen, hat aber doch Angst vor ihm, erkennt die Ausweglosigkeit gegenüber dieser Autoritätsperson. Janas Mutter ist ebenfalls eine sehr emotionsgeladene Figur, und immer wieder habe ich innerlich geschrien ob der Ungerechtigkeit, welche die Heldin erlebt. Ihre Mutter sorgt sich so wenig um ihre Tochter, ist sosehr gefangen in ihrer egozentrischen Welt, dass sie sogar die schreckliche Niederlage Janas als Festtag feiert, da diese Niederlage für sie nur Vorteile birgt, blind gegenüber dem Leid ihres eigenen Kindes.

Selten habe ich mich so intensiv in Figuren einfühlen können, mich so gut mit der Protagonistin identifiziert, sosehr die anderen Charaktere "real" erlebt, es hat mich aufgewühlt und bewegt.


AUFBAU

Das Buch beginnt mit einem klaren Satz: "Wenn ich hier fertig bin, bringe ich sie um". Da MUSS man ja weiterlesen. Man will ja schließlich wissen, wer sie sosehr verärgert hat. Auf neun Seiten erlebt der Leser, wie Jana über den Sportplatz joggt, frustriert, verärgert, gedemütigt, trotzig und willensstark. Schon auf diesen wenigen Seiten fühlt man sich ihr verbunden. Dann sieht sie die Tote. Und das erste Kapitel endet mit dem Satz "Und ich - habe sie umgebracht". Wie sollte man dieses Buch da bitte weglegen können?!?

Im nächsten Kapitel springt die Geschichte drei Wochen in die Vergangenheit. Jana erzählt, wie sie an die Schule kam, erzählt von den Trainings, dem Schulunterricht, der Theatergruppe, dem Mobbing durch die Mitschüler, und insbesondere von ihrer Freundschaft zu Melanie. Den Leser treibt die Frage, wie all dies zum Mord an Melanie geführt haben könnte und warum Jana Schuld daran trägt oder zu tragen glaubt. Und dann im letzten Teil ist Jana in der Gegenwart angekommen, der Leser versucht mit ihr die Hintergründe der Tat offenzulegen.

Und zwischen einzelnen Abschnitten finden sich gelegentlich Einschübe, geschrieben aus der Ich-Perspektive des Täters. Er platziert die Figuren wie Billardkugeln auf dem Spieltisch, stößt an, die Kugeln kommen ins Rollen, er beobachtet den Verlauf, man erahnt, dass er auf ein schreckliches Ende steuert, fragt sich während des Lesens immer wieder, wer diese Person sein könnte. Es gibt mehrere Verdächtige, aber wer von ihnen hätte wirklich einen Grund?

Das Motiv - das fand ich sehr schön: es gab - außer Hinweisen in der Erzählstruktur - keinen Hinweis auf den Täter, er spielte sein Spiel sehr geschickt. Bis zum Ende blieb das Motiv unklar. Trotzdem wirkt es am Ende weder "aus dem Hut gezaubert" noch "schnell irgendwie zu Ende gebracht", sondern man erkennt klar, dass es von Beginn an sehr gut durchdacht war.

Was mir ebenfalls sehr gut gefällt: das Buch hat nur 280 Seiten. Und mehr brauche ich nicht. Das genügt. Es scheint in Mode gekommen, Bücher unnötig aufzublähen. Fortsetzungen zu schreiben, sinnlose Füllsel einzufügen, einfach nur um ein größeres Werk zu veröffentlichen. Das hat Jutta Wilke nicht nötig. Sie packt in 280 Seiten sehr viel mehr als mancher Autor in die doppelte Seitenzahl. Kein Wort ist zuviel, keine Szene unnütz. Und doch ist das Buch komplett, ich habe nichts vermisst. Hier und da bleiben einzelne Fragen offen. Aber da es aus Janas Sicht geschrieben ist - ist das genau richtig. Denn Jana ist keine allwissende Erzählerin, sie kann nicht alles wissen, für sie ist der Fall abgeschlossen. Natürlich hätte ich gerne mehr gelesen - aber das hätte dem schlichten, präzisen Stil des Buches eher geschadet, und so bin ich froh, dass sich die Autorin auf das Wesentliche beschränkt hat.


SPRACHE

Trotz der wenigen Seiten ist das Buch in einer sehr malerischen Sprache gehalten. Die Metaphern sind wunderschön, sie scheinen zu glänzen, zeigen dem Leser das zerbrechliche Innere des nach außen so toughen Mädchens. Ich empfinde das Buch trotz des Genres Jugendkrimi und trotz des Mordes, trotz der Spannung als sehr still und sanft. Jana ist eine stille Person, sie kann sich nur schwer verteidigen, sie frisst vieles in sich hinein, ist kein Mensch großer Worte.

In kleinen Momentaufnahmen bekommen einzelne Figuren Leben eingehaucht, werden Orte wie der alte Friedhof, Janas Zuhause, die Schwimmhalle, das öffentliche Schwimmbad lebendig. Kleine Erwähnungen nur, die jedoch sofort vollständige Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen, alles wirkt greifbar und plastisch.


VERFILMUNG

Nein, eine Verfilmung ist natürlich noch nicht angedacht. Aber ich möchte es erwähnen: ich bin kein visueller Mensch. Meine Welt sind Worte, nicht die Bilder. Doch WIE EIN FLÜGELSCHLAG löste in mir sehr viele Bilder aus, so als hätte ich einen Film gesehen. Ich sehe jede einzelne Figur vor mir, kann einzelne Personen so exakt beschreiben, als würde ich sie persönlich kennen. Und ich sehe auch die Kulisse vor mir, der "Film" ist in hellen, fast blendenden Farben gehalten, sehr viel Weiß, Silber und Hellblau, gelegentlich durchzogen von schwarzen oder dunkelvioletten Elemnten / Accessoires. Der Film hat nur sehr wenige Dialoge, er basiert vor allem aus der Beobachtung durch Janas Augen, es gibt sehr viele Nahaufnahmen einzelner Gesichter. Verschlossene, kalte Gesichter der Mitschüler, Melanies leuchtende Maske, Janas Melancholie, der beinahe gebrochene Kampfgeist, ihr aufkeimender Überlebenswille. Die Musik ist ruhig, fließend, perlend, passend zum klaren Wasser, weitgehend instrumental. Und sehr viele Aufnahmen im Wasser, von Jana, die im Wasser "fliegt". Ich bin sicher, andere Leser werden andere Bilder gesehen haben, werden sich den Film anders vorstellen. Das ist gut so, denn die Autorin spricht mit ihren Worten sehr eindringlich archaische Gefühle an, die jeder auf seine Weise mit eigenen Erfahrungen verknüpft, sich auf seine ganz eigene Weise verbunden fühlt. Zu gerne würde ich einen Film sehen, erleben, wie andere Leser dieses Buch wahrgenommen haben.


FAZIT

Ein wunderbarer Jugendkrimi. Präzise, lyrisch und überaus bewegend. Die Autorin hat ihre Worte knapp und präzise gewählt, und jedes dieser Worte berührt den Leser im Inneren. WIE EIN FLÜGELSCHLAG bietet ein sehr emotionales Leseerlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

SaschaSalamander 07.02.2012, 09.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Tip, Jugend, Krimi,

Die Eisläuferin

muenk_eislaeuferin_1.jpgINHALT

Die Regierungschefin eines im Buch nicht näher genannten Landes genehmigt sich einen unerlaubten Urlaub. Bei der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn fällt ihr ein großes Schild auf den Kopf - und sie verliert die Erinnung an die letzten 20 Jahre ihres Lebens. Nun heißt es in einer Krise solchen Ausmaßes für die Beteiligten das Schlimmste abzuwenden. Rücktritt? Sie als Marionette benutzen? Ihr eine Auszeit genehmigen und das Gedächtnis "zurückholen"? Während andere Politiker nun jeweils versuchen, sie für ihre Zwecke zu missbrauchen, versucht sie auf ihre ganz eigene Weise, den Alltag zu meistern. Sie hält Ansprachen, trifft sich mit Landesoberhäuptern, steht Rede und Antwort beim Tag der offenen Tür. Und will sich nebenbei die Träume ihrer Jugend erfüllen, um dadurch wieder den Zugang zu sich selbst zu finden. Ob das lange gutgehen kann?


STORY

Die Story ist hervorragend! Im Grunde hat man als Bürger doch oft das Gefühl, als wären die Politiker alle austauschbar. Man fragt sich, was gespielt ist, was echt ist, was von "oben" vorgegeben wurde und was die wahre Meinung der Menschen hinter der Kamera ist. Wer hat bei all den Intrigen und Skandalen noch den Überblick? Was ist Wahlversprechen, und was ist wirklich ernsthaftes Vorhaben? Da ist es eine grandiose Idee, die "oberste Regierungschefin" (natürlich wissen wir auch ohne Nennung der Namen, von wem hier die Rede ist, allzu viele weibliche Staatsoberhäupter in verschiedenfarbigen Blazern gibt es nicht) einfach mal ihres Gedächtnisses zu berauben und dann zu sehen, wie die Sache sich entwickelt. Ein amüsantes Was-wäre-wenn Szenario.


UMSETZUNG DES THEMAS

Ein spannendes Thema, aus dem man leider sehr viel hätte herausholen können, das aber erstaunlich blass blieb, vom ersten bis zum letzten Track. Es gibt Seitenhiebe auf einzelne Politiker der oberen Ränge, national wie international. Namen werden nicht genannt, doch von Beginn an ist dem Leser klar, um wen es sich handelt. Was Katharina Münk sehr gut gelingt: sie ist ironisch, gelegentlich sogar herrlich spitzzüngig. Hinter der Fassade teilt sie ordentlich aus. Doch ihre Scherze gehen niemals unter die Gürtellinie und bleiben immer humorvoll. Zugegeben, manchmal hätte ich mir sogar ein wenig mehr Esprit und Schärfe gewünscht, es gab sehr gute Vorlagen hierfür. Doch statt dessen handeln die Figuren alle sehr unemotional und fast schon leblos, man ist als Leser nicht beteiligt. Ich empfand keinerlei Wut über die bewusst inszenierte Manipulation. Ich litt nicht mit dem Ehemann, der nun eine schwere Bürde und große Verantwortung trug. Ich bangte nicht mit Herrn Bodega (die einzige Person, die mir doch etwas sympathisch war) um das Wohlergehen der Regierungschefin. Es war mir auch egal, als die Politiker über die Entscheidungen der Chefin hinwegtrampelten und ungefragt dementierten, Fakten verdrehten und Videoaufzeichnungen verschwinden ließen.

Was ich allerdings sehr schön fand: es wurde ein menschliches Gesicht der Politik gezeigt, wie sie sein könnte. In dem Moment, wo die Regierungschefin bei Fehlern erwischt wurde, begannen die Oberen zu leugnen, sie jedoch stand dazu. Welch Chaos, welch Drama, wie kann ein Regierungsoberhaupt nur einen Fehler zugeben! Doch sie tat es - und wurde dem Volk (und auch dem Hörer) sympathisch. Ja, das ist es, was die Bürger sich oft wünschen: Politiker, die zu ihren Schwächen stehen, die auch einmal einen Fehler zugeben können. Die auch mal leidenschaftlich einem Hobby frönen, die nicht nur maskenhaft vor der Kamera stehen sondern auch lebendig greifbar unter ihnen sind. Das wurde hier sehr schön deutlich, und das waren die positiven Momente des Hörbuchs, in denen ich gebannt lauschte.

Auch die Passagen, in denen sie ihre Rolle erfüllen musste, gefielen mir sehr gut. Journalisten stellten ihr Fragen, in denen sie keinerlei Sinn erkennen konnte, da ihr natürlich der Zusammenhang fehlte. Doch mit leeren Worthülsen stellte sie alle zufrieden und gab ihnen das Gefühl, sie hätte nun Worte von großer Wichtigkeit gesagt. Wie oft hört liest man in der Zeitung solche Phrasen, fallen in Interviews solche inhaltslosen Sätze. So fernab der Realität schien das Szenario an manchen Stellen gar nicht zu sein ;-)

Leider waren diese Momente im Buch eher selten, meist schleicht es träge vor sich hin. Etwas hat mich sehr fasziniert: normalerweise hat ein Buch, selbst ein ruhiges, handlungsarmes, einen gewissen Spannungsaufbau. Momente, in denen man mitfiebert. Ein Ziel, auf das alles hinsteuert. Einen zu lösenden Konflikt. Gut, den Konflikt (Gedächtnisverlust) und das Ziel (Gedächtnis zurückholen) gab es, aber es war nicht umgesetzt. Müsste ich eine Spannungskurve aufzeichnen, so würde ich mit dem Lineal eine gerade Linie zu Papier bringen. Das ist etwas, das ich nur schwer verstehe, denn ein Buch mit diesem Thema müsste eigentlich eine Berg- und Talfahrt sein, durch die der Leser geworfen wird, von der Ehekrise bis hin zur nationalen Katastrophe. Was für eine grandiose Vorlage! Und was für eine enttäuschende Umsetzung.

Schade finde ich auch, dass nicht gelegentlich auf die Punkte eingegangen wurde, die sich verändert hatten. In 20 Jahren hat sich in Deutschland sehr viel getan. Aber statt gelegentliche Fettnäpfchen einzubauen oder die Protagonistin immer wieder über vereinzelte Neuerungen stolpern zu lassen, wurde als einziges immer wieder der demokratische Aufbrauch genannt, in welchem sie damals aktiv war. Einmal stolperte sie über die Frage, ob ein Land nun bereits zur EU gehöre oder nicht, aber darin erschöpft es sich weitgehend.


CHARAKTERE, SPRACHE

Ein großes Minus ist die Sprache, die leider absolut unauffällig bleibt. Gute, klare Sätze, nicht zu lang, nicht zu kurz. Aber extremst unpersönlich. Nicht nur die Beschreibung der Charaktere ist unpersönlich, nicht nur die jeweilige Anrede, sondern auch die Sprache weißt keine Besonderheiten oder hervorstechenden Merkmale auf. Kein Wortwitz, aber auch keine Kanten, an denen man sich stören könnte. So glatt und künstlich wie die Politiker, die man täglich vor der Kamera sieht. Insofern sehr gut passend für den Roman. Nur, wenn die Sprache nicht beeindruckt, wenn die Charaktere flach bleiben, wenn die Handlung keinen Spannungsbogen aufweist - was bleibt?


HÖRBUCH

Da ich nur das Hörbuch gehört habe, kann ich das Buch nicht beurteilen. Vielleicht lag es an der Sprecherin, dass ich das Buch als zu glatt empfand. In diesem Fall lag man bei der Wahl der Sprecherin leider sehr daneben. Maren Kroymann hat eine sehr angenehme Stimme, der ich gerne in anderem Kontext lausche. Ich könnte sie mir wunderbar vorstellen als Erzählerin eines Buches von Dora Heldt oder Virgina Ironside, oh ja! Sie ist ideal für ein einfach gestricktes Buch zur Unterhaltung, mit wenigen Charakteren, am besten als Ich-Erzählerin einer Dame mittleren oder reiferen Alters.

Für DIE EISLÄUFERIN wäre eine Sprecherin erforderlich gewesen, die den vielen Charakteren Persönlichkeit verleiht. Die ihre Stimmen variiert, die Emotion in die Sätze legt. Die Spannung erzeugt, die den Hörer mitzieht. Auf diese Weise hätte man das Buch zusätzlich zur an sich spannenden Story und den netten Momenten aufwerten können.

Das heißt nicht, das Maren Kroymann schlecht ist, im Gegenteil, sie gefiel mir sehr gut. Nur ist sie eben unpassend. So, wie man in einem Film die Besetzung der Hauptrolle beachten muss, um etwas glaubhaft darzustellen (man denke etwa an den alten Gerard Depardieu in den Rollen junger, ausgemergelter, vom Schicksal gebeutelter Helden), so muss auch der Sprecher eines Hörbuches mit seiner Stimme, Melodie und Variationsmöglichkeit geeignet sein für den Inhalt des Hörbuches.

Statt dessen gibt sich Maren Kroymann ebenso glatt, unemotional und flach wie die Geschichte. Sie spricht sehr monoton, und man hört nicht einmal, ob der gesprochene Satz nun wörtliche Rede oder Erzählung ist. Mann, Frau, Politiker, Bürger, Deutscher, Ausländer, Kind, alle sprechen mit gleicher Stimme, nämlich mit der Stimme einer unbeteiligten Erzählerin. Einzig der russische Therapeut bekam von ihr eine eigene Sprachmelodie verliehen, was ich überaus angenehm fand. In einem Buch kann der Leser den gelesenen Worten seine eigenen Bilder und Klänge verleihen. Im Hörbuch dagegen ist der Hörer auf den Sprecher angewiesen, der ihn führt und anleitet.


FAZIT

DIE EISLÄUFERIN bietet ein faszinierendes und sehr schön erdachtes Szenario, das mit einigen herausragenden Momenten glänzt. Leider aber bleiben die Charaktere leblos, vermögen die Ereignisse nicht zu fesseln. Es fehlt ein Spannungsaufbau, der den Hörer durch die Geschichte führt, und auch der Sprecherin will dies trotz ihrer an sich angenehmen Stimme leider nicht gelingen. Schade, denn an einigen Stellen zeigte sich die tatsächliche Größe, die in der Geschichte steckt und die immer wieder an die Oberfläche drängte aber niemals wirklich zugelassen wurde.

SaschaSalamander 06.02.2012, 09.00| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Humor, Deutsch,

Statistik KW 05

GELESEN / GEHÖRT
1 - Manhole (T Tsutsui)
1 - Die Eisläuferin (K Münk)
1 - Wie ein Flügelschlag (J Wilke)
1 - Only the flower knows (R Takarai)
1/5 - Berlin Gothic (J Winner)
1 - Psycho-Shots (B C Schiller)
1 - Ein mittelschönes Leben (K Boie)
2 - Die Brautprinzessin (W Goldmann)
2 - Elbenthal-Saga 01 - Die Hüterin von Midgard (I Pala)
4 - Der Hund, die Krähe, das Om und ich (S Fröhlich)


GESEHEN
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen


NEUZUGÄNGE
Nachts im Museum 2 (R Williams)
Wie ein Flügelschlag (J Wilke)
Young Bride´s Story 02 (K Mori)
Angel Sanctuary Deluxe 6 (K Yuki)
Blutmaske (M Heitz)
Berlin Gothic 01 (J Winner)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - begonnen
5 - abgebrochen

SaschaSalamander 05.02.2012, 20.32| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Kleinkrieg zwischen Verlagen, Autoren, Lesern

Abgesehen davon, dass vor einiger Zeit die Wellen hochschlugen, als eine Bloggerin von einem Autor angegriffen wurde (bzw der Autor sich von einer Bloggerin angegriffen sah), und abgesehen davon, dass immer wieder einmal einzelne Autoren gegen Laienrezensenten schimpfen, gibt es etwas, das mich viel mehr ärgert: der alltägliche Kleinkrieg untereinander. Da kämpfen Rezensenten gegen Rezensenten, Autoren gegen Autoren, Verlage gegen Autoren, Autoren gegen Verlage, Autoren gegen Rezensenten, aber auf eine hinterhältige Weise, die einfach nur feige ist. So unschön die oben genannte Szene war, wenigstens kannte man die Beteiligten, sei es nun mit Real- oder Nickname. Aber absolut kindisch finde ich das lächerliche Verhalten vieler Feiglinge, die Autoren und Verlagen schaden. Oder aber einfach nur sich selbst im besseren Licht sehen wollen und dafür bereit sind, Rezensenten oder Autoren zu schaden.

Da verschwindet einfach mal ein TopSeller Produkt bei Amazon, weil es angeblich gegen die Richtlinien verstößt. Was nicht der Fall ist, aber irgendein Feigling hat es angeschwärzt. Der betreffende Autor verliert seinen Rang, muss das Buch neu einstellen und fragt sich natürlich auch, ob tatsächlich ein Regelverstoß vorlag und wie dies zukünftig zu vermeiden ist, Amazon lässt sich natürlich nicht in die Karten blicken, der Verräter wird nicht genannt. Der Schuldige? Vielleicht ein neidischer Kollege, der selbst gerne weiter oben in den Verkaufszahlen stünde. Oder eine stalkende Privatperson. Vielleicht auch ein Verlag, der sauer ist über die Gegenwehr eines unrecht behandelten Autoren. Ich schreibe hier bewusst sehr allgemein, aber ich rede von konkreten Situationen, und wer sich angesprochen fühlt, tut dies vermutlich zu Recht.

Ja, Verlage können Autoren ungerecht behandeln. Sie können zum Beispiel bei den Abrechnungen Dinge "vergessen". Sie können offene Pseudonyme einfach vergeben und damit dem Ruf des bekannten Autoren schaden. Sie können verdeckte Pseudonyme offenlegen und dadurch einem in anderen Genres schreibenden Autor schaden (weil er sich z.B. gegen eine unrechtmäßige Behandlung wehren wollte). Verlage können da sehr ungerecht sein, ich habe schon eine Menge gehört, das mir einfach die Sprache verschlug!

Dann gibt es da noch die Autoren, Lektoren und Rezensenten, die von Verlagen abgelehnt werden. Sie finden das ungerecht, denn dabei sind sie doch SO gut, warum will das niemand erkennen? Statt sich anzustrengen und besser zu werden, oder statt selbstbewusst einfach woanders anzufragen in dem Wissen, dass es mit einem so guten Titel bestimmt klappen muss, wird um sich geschlagen. Sei es durch Blogeinträge mit negativen Rezensionen zu Veröffentlichungen des entsprechenden Verlages oder Autors. Sei es durch Trollrezensionen bei Amazon. Oder auch durch Abwertung aller positiven Rezensionen anderer User auf Amazon.

Es gibt auch Autoren, die anderen den Erfolg nicht gönnen. Sie heizen andere Jungautoren an, eine bestimmte Person schlechtzumachen, indem sie gemeinsam Trollrezis schreiben, Gerüchte verbreiten, Rezensionen abwerten, und wer nicht mitmacht wird ebenfalls gemobbt. Es gibt Autoren, die sich zusammenschließen und in gefakten Blogs oder Facebookaccounts oder oder oder über andere herziehen, um gezielt Personen zu verleumden.

Dann gibt es da noch die Rezensionen bei Amazon, die sind auch so ein Thema für Feiglinge. Wer einem ungeliebten Autor schaden möchte, der schreibt Trollrezensionen. Manche so geschickt, dass sie aussehen wie reale Rezensionen, indem zum Beispiel Textstellen aus dem Zusammenhang gerissen und zitiert werden. Wer das Buch nicht kennt, der kann sich auch kein eigenes Urteil bilden, und immerhin klingt die Kritik sachlich und konkret, also kann sie ja nur ehrlich sein, oder? Alle positiven Rezensionen erhalten Kommentare a la "das waren mal wieder Freunde des Autors" und dazu ein paar "nicht hilfreich".

Eines finde ich absolut faszinierend: wenn ich eine Rezension bei Amazon einstelle, dann weiß ich mit sehr genauer Sicherheit, ob sie "hilfreich" oder "nicht hilfreich" sein wird. Es gibt Autoren, denen wohl einige Leute den Erfolg nicht gönnen. Wenn ich dort eine Rezension einstelle, dann dauert es nur wenige Minuten, bis ich sofort ein "nicht hilfreich" erhalte. Manchmal auch zwei oder drei. Ich wage zu behaupten, dass dies nicht an meiner Rezension liegt, sondern an dem Autor und seinen Neidern. Denn wären es Zufallsklicks, die meine Rezension tatsächlich nicht hilfreich finden, dann wäre es schon sehr erstaunlich, wenn ich die Rezension einige Wochen später lösche, kurz darauf neu einstelle und wenige Minuten später SOFORT erneut die exakt gleiche Anzahl "nicht hilfreich" habe wie davor, und zwar immer bei den gleichen Autoren. Auffälliger geht es ja nicht mehr!

Und dann sind da noch die Genres. Es gibt Genres, die bevorzugt von den Bloggern gelesen werden, die gerne Reziexemplare abgreifen und sich selbst auch in ihrem Rang bei Amazon pushen wollen (nein, ich schimpfe nicht gegen Litblogger, bewahre, wir sind alle in einem Boot. Aber es gibt überall schwarze Schafe. Die finden sich selten bei der Fachliteratur, den Biographien, Krimis, Thrillern oder Mangas, sondern bevorzugt im All-Age-Fantasy und Romance-Bereich). Wenn ich in einem solchen Genre ein aktuelles Buches rezensiere, dann kann ich recht gut "hellsehen". Und in der Tat: alle Rezensionen haben eine oder zwei "nicht hilfreich" (je nachdem, wieviele selbsternannten KriegerInnen es aktuell bei diesem Titel gibt), und sobald ich einstelle, dauert es nur wenige Stunden, schon ist mein Beitrag ebenfalls abgewertet. Ein Schelm, wer Böses denkt, wenn alle außer einer Rezension abgewertet wurden. Dass in diesem Fall nicht dem Autoren geschadet werden sollte, sondern einfach nur andere Rezensenten abgewertet, das erkennt man daran, dass bei späterer Neueinstellung nicht mehr abgewertet wird, da ist der Titel dann schon "um die Ecke", der eigene Rang schon etwas gefestigter. Wenn jemand dagegen dem Autor schaden möchte, wird das wesentlich genauer beobachtet und verfolgt und geschieht etwas systematischer, da wird auch noch Wochen und Monate später sofort geklickt, da wird akribisch überwacht.

Eigentlich wäre Amazon eine tolle Sache, man könnte Meinungen vergleichen und sich informieren. Aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass es mehr Fakes gibt als Reale. Ob eine Meinung hilfreich ist, hängt nicht mehr von der Qualität der Rezension ab, sondern davon, ob der Klicker den Autor oder den Verlag mag oder davon, ob der Klicker selbst eine Rezension geschrieben hat und gerne im Rang aufsteigen möchte.

Wer bei Amazon eine Rezension liest und glaubt, er bekäme objektive Hinweise - MUHAHAHA! Übrigens, der Storch bringt kleine Kinder, ganz ehrlich!

Wer glaubt, ein Autor verdient eine Menge Geld, weil der Verlag ihm brav regelmässig all das ihm zustehende Geld ordnungsgemäß überweißt - LOOOOL und Schweine können fliegen!

Wer glaubt, eine bei Amazon hilfreiche Rezension sei tatsächlich hilfreich (oder umgekehrt) - der glaubt auch an den Weihnachtsmann!

Wer glaubt, Autoren seien erwachsene, kritikfähige Menschen ... und wer glaubt, Rezensenten seien objektive, vernünftige Personen - der sollte leider immer auch ein Auge auf die andere Seite haben.

Es gibt immer zwei Seiten. Verlage, Autoren, Blogger, Rezensenten. Es gibt Arschlöcher, Neidhammel, Feiglinge, Ignoranten und Dummköpfe. Aber es gibt auch Verlage, die sich intensiv mit ihren Kunden auseinandersetzen, den Autoren gute Bedingungen bieten und sich mächtig ins Zeug legen. Es gibt Autoren, die den Kontakt zu ihren Lesern suchen und Kritik als Anregung für ihr nächstes Werk betrachten, die anderen Kollegen den Erfolg gönnen und sich mit ihnen freuen, austauschen, gegenseitig anspornen. Und es gibt Blogger und Rezensenten, die sachlich bewerten, recherchieren, vor einer negativen Bewertung sich Gedanken machen über ihre Wortwahl und auch die Auswirkungen auf den Verlag und den Autor. Man kann einfach nicht alle über einen Kamm scheren.

Und warum ich diesen Beitrag schreibe?
Weil vier befreundete Autoren jeweils entweder unter einem unfairen Verlag leiden, einen neidischen Stalker haben oder durch unfaire Kollegen im Rang ihrer Werke gedrückt werden sollen. Weil ich selbst mich zwar nicht ärgere aber die lästigen Kindergarten - Spielereien der Rezensenten auf Amazon einfach nur lächerlich finde. Es ist eine Schande, wie auf dem Rücken Unbeteiligter solche Kriege ausgetragen werden! Was kann der abgewertete Rezensent dafür, wenn jemand den Autor nicht leiden kann? Was kann der Autor dafür, wenn der Verlag ihm Rechte unterschlägt? Was kann der Autor dafür, wenn jemand nach einer Absage dem Verlag schaden will und dafür die Neuerscheinung trollt und abwertet?

Ich frage mich, wie manche Feiglinge sich morgens in den Spiegel sehen könnten. Ich stelle mir vor, wie jemand vor dem Spiegel steht und sich denkt "HA, heute hab ich wieder 50 Rezensionen "nicht hilfreich" bewertet, ich bin ja soooo cool! Ich habe fünf Verlagen, die mich abgelehnt haben, so richtig eins reingewürgt mit meinen Rezensionen, HA!!! Und ich habe der Kollegin, die besser ist als ich, endlich mal den Tag versaut".

Mein Rang bei Amazon ist mir egal, es juckt mich nicht, wenn mich jemand als "nicht hilfreich" klickt. Denn ich denke, zwischen den Leuten, die nur auf Ranglisten und Sternebewertungen achten, gibt es auch Leser, die sich eine Rezension durchlesen. Der Blog ist weitgehend nur für mich, aber Amazon mache ich zu einem großen Teil auch für Autoren. Ich möchte deutsche Autoren fördern, ihnen unter die Arme greifen. Zwischen dem amerikanischen Mainstream finde ich es einfach gut, wenn sich auch Kleinverlage und junge deutsche Autoren hervortun. Und denen möchte ich an dieser Stelle einfach ein dickes DANKE sagen:

DANKE für die Mühe, die Ihr in Eure Bücher steckt, in die Kommunikation mit den Lesern. Für das Herzblut, die Recherche, die Arbeitszeit. Es wird immer Neider, Stalker und Trolle geben, nehmt Euch das nicht zu Herzen, sondern zieht Eure Kraft aus den Fans, die Eure Werke lieben und Euch ehrlich kritisieren, loben und Eure Werke kaufen :-)

****************

am 15.04.2012 ergänzt: ein interessanter >Beitrag der BZ< zum Thema Amazon und Rezensionen

SaschaSalamander 04.02.2012, 17.52| (5/5) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

Berlin Gothic

winner_gothic_1.jpgImmer wieder stieß ich auf BERLIN GOTHIC von Jonas Winner. Kindle-Produkt für 99 Cent, für zwischendurch finde ich das immer eine prima Sache. Ein mehrteiliges Projekt, die Teile erscheinen in regelmässigen Abständen. Etwa die Hälfte des ersten Bandes habe ich gelesen, und ich kann verstehen, was andere daran finden: der Inhalt ist klar und direkt, sprachlich wie inhaltlich provokant, hebt sich deutlich ab vom Mainstream.

Aber sprachlich kam ich selbst weniger gut damit zurecht: Umgangssprache und Hochsprache mischten sich (z.B. "wumpern" und "touchieren" in kurzer Folge hintereinander), Satzbau und -konstruktion, Wortwiederholungen, zuviele Metaphern, sehr actionlastig und maximal. Das ist eben einfach Geschmackssache.

An diejenigen, die es bereits kennen: ich bin neugierig, hat es Euch gefallen? Was reizt Euch daran? Oder was nicht?

SaschaSalamander 04.02.2012, 14.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Thriller

Lady Bedfort 49 - Die Weisheit des Cicero

bedfort_49cicero_1.jpgINHALT

Tim Denham wird von seinem alten Freund Kent auf dessen Landsitz eingeladen, natürlich in Begleitung von Lady Bedfort. Doch bereits zum Einstieg gibt es bereits die erste Leiche (auch auf natürliche Weise verstorben). Doch dann wird ein Mord verübt, kurz darauf ein Mordversuch unternommen. Tim und die Lady ermitteln ...


NEUER AUTOR

Thorsten Beckmann hat für diese Reihe sein Debut abgeliefert, und natürlich beleuchtet man da sehr genau, wie gut sich die Geschichte in die restlichen Teile einfügt. Interessant ist auch, wie lange Thorsten die Geschichte bereits in sich trug, wie oft er sie abändern musste und wie sie nun am Ende für den Hörer präsentiert wird. Im Booklet ist sehr schön beschrieben, wie DIE WEISHEIT DES CICERO nach und nach Gestalt annahm. Es ist interessant, wieviel Arbeit oft in solch einer kurzen Story steckt

Folge 49 ist deutlich im Stil der alten Edgar Wallace Filme gehalten. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Personen (außer der Lady und Tim agieren der alte Kent, seine drei Söhne, seine Schwiegertochter und deren Vater). Diese sind untereinander sehr stark verwickelt und verwoben, sodass dem Hörer beim ersten Genuss der CD wohl einige Feinheiten der Beziehungen entgehen könnten, ein zweites Hören ist ratsam. Ein adoptierter Sohn, eine Fehde zwischen den beiden Patriachen, die Schwiegertochter zwischen den Stühlen, das ausstehende Erbe um die materiellen und finanziellen Güter sowie die zukünftige Oberhand über die Großfamilie. Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, es wird intrigiert, und diese Stimmung hat der Autor hervorragend eingefangen.

Was allerdings die an sich sehr geschickt inszenierte Story ein wenig schmälert, sind einige Längen im Mittelteil. Die Dialoge wirken in manchen Szenen etwas schwerfällig (was teilweise an den Dialogen selbst, zum Teil aber auch den Sprechern liegt). Die Ermittlungen laufen träge dahin, statt Ermittlungen gibt es sehr viele Infos über die Familienbande und Streitigkeiten untereinander.

Was mir aber gefiel: Tim Denham bekommt hier eine recht große Rolle. Normalerweise steht er mehr im Hintergrund, und hier kann er sich sehr schön beweisen. Weniger schön allerdings: dafür rückt die Lady stark in den Hintergrund. Sie ist es normalerweise, die der Serie ihren Flair verleiht, die mit ihren Schnüffeleien und liebenswert - bissigen Kommentaren immer haarscharf auf dem Drahtseil des Erlaubten tanzt, die Inspektoren und Verdächtigen gerne provoziert, die Hörer unterhält. Dies vermisst man leider in Folge 49, statt dessen bekommt man Einblick in einen großen Familienclan und Tims sympathische aber doch eher träge Wesensart (die nur zur Nebenfigur genügt, nicht jedoch zum Handlungsträger einer Geschichte). Es ist nicht schlecht und zur Abwechslung einmal nett, auf Dauer jedoch wäre dies der Serie eher abträglich.


SPRECHER, MUSIK

Peter Weis war bereits viermal dabei, Oliver Feld hören wir hier zum dritten Mal, beide zuletzt in Folge 48. Wie bereits gesagt, in der letzten Folge haben sie ihr Können besonders unter Beweis gestellt, hier jedoch wirkte manches auf mich etwas künstlich und bemüht. Jaqueline Svilarov trat in Folge 48 erstmals auf und war auch heute wieder dabei, auch hier wieder eine eher zwielichtige, undurchsichtige Rolle, die sie recht gut verkörperte. Schön ist, dass Familie Kluckert hier gleich dreimal vertreten war. Nicht nur Jürgen, der den Part den Tim Denham innehat, sondern auch seine Söhne Fabian und Tobias.

Die Musik gefällt mir seit den letzten Folgen sehr gut, der neue Stil passt hervorragend zur Serie, lockert die Spannungen auf und verleiht wichtigen Momenten eine gewisse Dramatik.

FAZIT

Die Geschichte war sehr gut ausgefeilt mit all den Verdächtigen und ihren Verwicklungen, auch wirkte das Setting mit den vielen Personen an einem quasi abgelegenen Ort sehr spannend. Die Charaktere der Beteiligten wurden sehr gut herausgearbeitet. Trotzdem gibt es hier und da Längen und Schwächen in den gesprochenen Dialogen. Eine nette Lady Bedfort - Folge, die auf weitere Krimis aus der Feder von Thorsten Beckmann hoffen lässt, wenn auch beim nächsten Mal bitte mit ein wenig mehr "Biss" ;-)

SaschaSalamander 04.02.2012, 09.16| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörspiel | Tags: Krimi, Reihe,

Wie ein Flügelschlag

Erster Satz:
Wenn ich hier fertig bin, bringe ich sie um.

Letzter Satz:
Und ich bin auf der anderen Seite gelandet.

Aus: Jutta Wilke: Wie ein Flügelschlag; Coppenrath 2011

SaschaSalamander 03.02.2012, 15.32| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch

Dustland 01 - Die Entführung

young_dustland_1.jpgINHALT

Saba lebt mit ihrer Familie abgelegen in der Wüste, als eines Tages Reiter kommen, ihren Vater töten und den Bruder entführen. Ihren Bruder Lugh, ihr Ein und Alles. Also gibt es für Saba nur eine Möglichkeit: sie muss sich auf den Weg machen und Lugh finden. Im Schlepptau hat sie ihre kleine Schwester, mit der sie kaum etwas anfangen kann, und immer wieder stellen sich ihr lästige bis sogar tödliche Hindernisse in den Weg. Sie findet auch Verbündete, die ihr bei der Befreiung des Bruders helfen wollen. Doch wem kann Saba überhaupt trauen?


RÜCKBLICKEND

Ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat und das ich dank meiner Lieblingssprecherin Laura Maire so flüssig gehört habe wie schon lange kein Hörbuch mehr. Es ist rund zwei Wochen her, dass ich das Buch beendet habe. Manche Titel bleiben sehr lange im Gedächtnis, und noch nach vielen Monaten könnte ich die Rezension schreiben, als wäre es gestern gewesen. Bei anderen Büchern habe ich schon nach wenigen Tagen Probleme, meine Gedanken zusammenzufassen. In diesem Fall ist zwar ein sehr gutes Gefühl geblieben, doch ohne die direkt nach dem Lesen geschriebenen Notizen wäre es mir wohl nun eher schwergefallen. Dies liegt wohl an den Schwächen des Buches, auf die ich nachher noch eingehen werde. Schade, denn im Grunde hat DUSTLAND mich sehr begeistert, und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Aber es fehlt ein klein wenig "das gewisse Etwas", um es zu etwas Besonderem zu machen. Ein Buch, das volle Punktzahl bekommt, muss in mir "nachklingen", und das ist das einzige, was ich an DUSTLAND zu bemängeln habe: es klingt nicht nach in mir.


CHARAKTERE UND CHARAKTERENTWICKLUNG

Die Heldin Saba ist stark, mutig und charismatisch. Dies zu ihren guten Eigenschaften. Aber sie ist auch sehr egoistisch, unsozial und stur. Die Meinung anderer kümmert sie sehr wenig, und sogar zu ihrer eigenen kleinen Schwester ist sie anfangs rau und kalt. Einzig Lugh ist ihre Bezugsperson. In allem erwartet sie Angriff und Bosheit, kann sich nicht auf andere Menschen einlassen. Einerseits ist das verständlich, andererseits finde ich diesen Charakterzug auf Dauer sehr anstrengend.

Doch zum Glück zieht sich dies nicht bis zum Ende: die Charakterentwicklung in diesem Buch ist eine der großen Stärken. Saba und die anderen Beteiligten erfahren viele Dinge, die ihr Leben verändern. Diese Veränderungen geschehen nicht von heute auf morgen, sondern sie sind schrittweise langsam zu erahnen und werden erst nach und nach sichtbar. Besonders in der Beziehung zwischen Saba und ihrem Freund (nein, kein Spoiler, schon bei der ersten Begegnung spürt der Leser sofort, worauf es hinauslaufen wird) ist dies deutlich erkennbar. Während in anderen Büchern erst Abneigung herrscht und dann wie durch ein Wunder ein einzelnes Ereignis oder scheinbar über Nacht plötzlich Liebe entsteht (wie glaubwürdig *haha*), ist es hier wirklich ein langfristiger Prozess, in dem die beiden Protagonisten sich vorsichtig näherkommen, immer wieder kleine Rückschritte erleben und sich erst vorsichtig annähern müssen. Das Kribbeln zwischen den beiden ist spürbar und sehr angenehm, ist erfreulicherweise frei von Kitsch und Schmalz und vermag doch zu berühren.

Auch die Nebenfiguren sind sehr schön dargestellt. Je nach der Bedeutung für ihre Geschichte erhalten sie mehr oder weniger Gewicht.


SPRACHE, HÖRBUCH

Da ich das Hörbuch gehört habe, kann ich zur Sprache im Buch nichts sagen. Jedoch habe ich anderen Berichten entnommen, dass wohl auf Anführungszeichen verzichtet wird und sehr viel Umgangssprache geschrieben wird. Im Hörbuch fällt dies natürlich nicht auf. Was im Hörbuch jedoch auffällt, sind grammatikalische Patzer, die in einem normalen Buch ein NoGo wären, hier jedoch beabsichtigt sind. Trotzdem zuckte ich jedes Mal zusammen, wenn der Genitiv wieder einmal mit "vom" gebildet wurde oder dem Wörtchen "wegen" ein Akkusativ folgte. Diese beiden schmerzhaften Formulierungen gibt es sehr oft, hier und da fallen noch weitere Dinge auf, die jedoch dank Laura Maires angenehmer Erzählstimme und des flüssigen Vortrages kaum ins Gewicht fallen. Wer also Probleme mit der Schriftsprache in DUSTLAND hat, dem kann ich ganz klar das Hörbuch empfehlen

Laura Maire spricht wie gewohnt hervorragend. Für mich persönlich ist sie unter den Frauen das Gegenstück zu Rufus Beck. Natürlich kann sie ihre Stimme nicht ganz so extrem verstellen, aber sie legt ebensoviel Emotion und Subtext. Sie spricht nicht nur mit Worten, sondern auch mit Stimmungen, Betonungen, man hört den Sätzen an, dass hinter den Worten sehr viel mehr liegt als nur der ausgesprochene Sinn. Sie weint, lacht, tobt, schreit, fleht, beschimpft, bedroht und lässt die breite Palette ihres Könnens erleben. Die Figuren werden für den Hörer lebendig, ob nun das kleine Mädchen, die junge Frau, die erwachsene Kämpferin, der unter dem Pantoffel stehende Narr, das hinterhältige Weib, der arrogante Herrscher, der stolze Einzelkämpfer oder viele andere Personen, denen Laura eine eigene Persönlichkeit verleiht.


SCHWÄCHE DES BUCHES

Was ich sehr schade finde: es werden kaum Hintergründe erklärt. Das Buch ist klar eine Dystopie, schwimmt also auf der Welle von Titeln wie TRIBUTE VON PANEM und Co. Ich liebe dieses Genre, besonders weil Autoren sich kreativ mit möglichen Zukunftsvisionen auseinandersetzen und dabei realistische Bilder entwerfen von einem "was könnte sein". Hier allerdings bleibt dieser Aspekt sehr flach. Zwar gibt es immer wieder Andeutungen auf die Abwracker (das sind wohl wir, mit unserem "Technokram" und unseren Müllbergen), aber dabei bleibt es dann. Wie es dazu kam, warum die Welt des Buches so trostlos und leer ist, und welche gesellschaftlichen Strukturen sich daraus gebildet haben, das bleibt leider sehr blass. Es wirkt, als hätte die Autorin einfach eine nette Kulisse gesucht, ohne den Hintergrund hierfür auszumalen. Wäre es ein Manga, würde ich sagen, dass die Charaktere und Story toll sind, die Zeichnungen aber Details vermissen lassen, sodass alles etwas leer wirkt.


FAZIT

Das Buch ist eine Reihe, der erste Teil ist in sich sehr gut geschlossen, und man fiebert nun nicht mit einem fiesen Cliffhanger auf den nächsten Band. Trotzdem freue ich mich auf die Fortsetzung. Denn ich hoffe vor allem auf erklärende Hintergründe, die mir die Welt Sabas näherbringen und der Geschichte dadurch den Tiefgang verleihen, den sie eigentlich verdient hätte. Doch ohne diese Hintergründe ist es leider nur eine spannende Geschichte, die mich zwar grandios unterhalten, nicht jedoch komplett überzeugt hat. 

SaschaSalamander 03.02.2012, 15.30| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Dystopie, Tip, Jugend,

Lesen mit dicken Handschuhen

Es ist wirklich eisig kalt, wenn ich morgens zur Arbeit gehe. Wem sage ich das. Jedenfalls sind die Busse und U-Bahnen tagsüber zwar geheizt, aber grad wenn im Bus ständig die Tür aufgeht, ist es trotzdem kalt. So kalt, dass ich die Handschuhe im Bus anbehalte.

Ein Buch lesen ist schwer. Aber mit dem Kindle sind auch dicke Handschuhe überhaupt kein Problem ;)

SaschaSalamander 02.02.2012, 20.42| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

Ganz schön kribbelig

Es kann einen ganz schön kribbelig machen, wenn man so gerne über etwas berichten möchte, aber wenn man entweder noch nicht darf oder aber einfach noch warten muss. Ich will ja nicht zig Rezis auf einmal posten, sondern täglich höchstens eine.

Nächste Woche blogge ich dann meine Rezension zu WIE EIN FLÜGELSCHLAG von Jutta Wilke. Gestern musste ich aufhören, und dafür habe ich heute gelesen an Orten und Zeitpunkten, an denen man eigentlich nicht lesen sollte, aber ich konnte nicht anders, es war einfach ZU packend, sehr bewegend. Ein stilles Buch, das umso lauter im Inneren des Lesers klingt.

Morgen lest Ihr meine Meinung zu LADY BEDFORT 49 - DIE WEISHEIT DES CICERO vom Hörplanet. Ich liebe diese Serie, und auch, wenn diesmal ein paar kleine Schwächen für meinen Geschmack drin waren, hat es mir wieder sehr gut gefallen.

Noch nicht ganz aber fast fertig bin ich mit ELBENTHAL 01 - DIE HÜTERIN VON MIDGARD von Ivo Pala. Da das Buch so dick ist, passt es leider schlecht in meine Handtasche, sodass ich es nur zu Hause lese. Gedanklich fluche ich seit ein paar Tagen, dass zu Hause gerade so wenig Zeit war, ich lese soviel als möglich, will es nicht mehr weglegen, die Protagonistin reißt mich mit sich. Und wenn ich es wieder zur Hand nehme, dann bin ich sofort beim ersten Satz wieder in der Handlung drin, ohne Vorlauf. Ich werde es dann am Wochenende abschließen und kann es auch hier kaum erwarten ...

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SaschaSalamander 02.02.2012, 19.41| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles

Die Flüsse von London

aaronovitch_fluesse_1.jpgINHALT

Peter Grant arbeitet bei der Londoner Polizei. Bei einem Einsatz trifft er plötzlich auf einen Geist, der ihm einiges über den Tathergang erzählt. Er beginnt eigene Nachforschungen anzustellen, und dabei zieht er die Aufmerksamkeit des seltsamen Thomas Nightingale auf sich. Dieser ist Englands letzter Zauberer und sieht in dem jungen Mann nun einen geeigneten Lehrling und vielleicht sogar Nachfolger. Also tritt Grant nun in Nightinggales Dienst und lernt die Gründzüge der Magie, befasst sich mit rivalisierenden Flussgöttern und trifft auf Vampire und andere unheimliche Wesen.


CHARAKTERE

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, sogar bis in die kleinste Nebenrolle. Vor den Augen des Lesers werden Flussgötter, Menschen, Besessene, Magier, Geister "lebendig", erhalten einen glaubwürdigen Hintergrund und werden ausgestattet mit liebenswerten Macken und Eigenheiten. Besonders die Personifikation der beiden Flussgötter mitsamt ihrer Familie fand ich sehr gelungen. Ich kann nicht einmal sagen, welcher Charakter mir am meisten ans Herz gewachsen ist, ich fühle mich ihnen allen verbunden und freue mich, bald mehr von ihnen zu erfahren in den folgenden Bänden.


BEDEUTUNG DER MAGIE

Was mich sofort begeisterte: Ben Aarovonitch setzt hier viele geniale Ideen um. Nein, es ist nicht einfach nur eine eigene magische Welt. In anderen Büchern neigt der Autor dazu, eine Welt und Magie zu erfinden, die jedoch einfach als gegeben hingenommen wird. Der Held dieser Geschichte allerdings will die Magie erforschen. Es genügt ihm nicht, einfach nur die Anwendung eines Feuerballs zu lernen. Nein, er will auch wissen, woher die Magie kommt, woraus die Energie gezogen wird, warum technische Geräte dadurch beeinflusst werden, in welchem Maß und in welchem Radius die Magie wirkt und welche Nebenwirkungen sie auf den menschlichen Körper haben kann. Es ist einfach köstlich, wenn er experimentiert, für die Beteiligten lästige Fragen stellt und immer tiefer in die Materie eindringt. Hier werden Wissenschaft und Magie nebeneinandergestellt, Newton gilt als Begründer nicht nur der Scientia sondern auch der Magie. Wirklich eine tolle Idee!


VERY BRITISH

Der Humor ist typisch britisch: sehr trocken, hier und da ein wenig anzüglich, und auf jeden Fall rabenschwarz. Und nicht nur der Humor, auch das Flair könnte britischer nicht sein. Die Handlung ist äußerst modern. Dennoch gebe ich zu, dass ich trotzdem oft das Gefühl hatte, einen Roman aus der viktorianischen Zeit zu lesen, einfach aufgrund der atmosphärischen Dichte, die ich sonst eher in diesem Genre gewohnt bin. Man meint regelrecht die Themse vor sich zu sehen, den aufsteigenden Nebel auf den kopfsteingepflasterten Straßen, und immer wieder scheinen mir die Handies, Autos und anderen Neuheiten wie Anachronismen in dieser ansonsten so traditionellen Welt. Dies wird vor allem verstärkt durch den altmodischen Nightinggale. Er ist ein alter Magier, der sich von Technik distanziert (vor allem, da diese ja wie bereits erwähnt Schaden durch das Anwenden von zaubersprüchen nimmt) und die alten Werte hochhält. Seine Kleidung, sein Verhalten, seine Sprache, ja auch sein Anwesen, es wirkt alles wie ein Relikt aus alten Zeiten.

Ein kleines Easteregg für Dr. Who Fans: in einer Szene meint Grant, er wisse nicht mehr, woher er so genau über den Kleidungsstil in jener Zeit Bescheid wisse, es könne wohl an einer alten Folge Dr. Who liegen. Dies ist insofern witzig, als Aaronovitch bereits zwei Folgen für die bekannte britische Serie geschrieben hat ;-)


SPRACHE, GENRE

Die Sprache liest sich angenehm flüssig. Manchmal war ich ein wenig irritiert: mal wirkt es altmodisch, ein andermal sehr modern. Ein Widerspruch, an den man sich jedoch sehr schnell gewöhnt und der durch die Handlung sehr gut begründet ist. Einige Sätze wirken etwas flapsig, ironisch, der Autor nimmt sich und sein Buch nicht bitterernst sondern lässt manchen Seitenhieb fallen.

Die Übersetzung vermag ich nicht zu beurteilen. Aber sie hat mir große Lust auf das Original gemacht, die folgenden Bände werde ich auf Englisch lesen. Denn an vielen Sätzen hatte ich sofort die englische Variante vor Augen, die Übersetzung schien mir so gelungen, dass ich zu wissen glaube, wie es im Original heißen musste. Dadurch wirkt die Sprache stellenweise ein wenig ungewöhnlich, ich empfinde dies jedoch als eigenen, britischen Charme und sehr gelungen.

Das Genre ist ein wilder Mix verschiedenster Bereiche. Es wird sehr viel Wissenschaft eingebaut, aber im Grunde ist es ein klarer Krimi. Die Charaktere sind eindeutig im fantastischen Bereich zu finden, die Spannung und die drastische Darstellung der blutigen Momente mutet an wie in einem Thriller. Der Humor ist gehobene Unterhaltung, und eine ordentliche Prise Viktorianisches findet sich ebenfalls. Ach, ist es nicht egal, in welchem Genre man ein Buch einordnet, solange es einfach gefällt? ;-)


FAZIT

Obwohl das Buch der Auftakt einer Reihe ist, ist es in sich abgeschlossen und ist bedenkenlos auch ohne die Fortsetzungen lesbar. Humor, Sprache, Stil sind eigenwillig und gewöhnungsbedürftig, wissen Fans des britischen Stils jedoch sofort zu überzeugen. Eine klare Empfehlung für alle, die sich nicht von einem wilden Genremix mit ungewöhnlichen Charakteren schrecken lassen :-)

SaschaSalamander 02.02.2012, 09.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Krimi, Fantasy, Tip,

Parodie der Liebe

honjoh_parodieliebe_1.jpgAoto lebte nach dem Tod seiner Eltern bei seiner älteren Schwester und deren Ehemann. Als die Schwester nun stirbt, lebt er alleine mit seinem Schwager. Dieser muss auf Geschäftsreise und bittet seinen Freund Masayuki, auf den "Kleinen" aufzupassen. Masayuki verliebt sich in Aoto, und schwupps ist eine verzwickte Dreiecksgeschichte in Gang. Denn eigentlich liebt Aoto ja seinen Schwager, aber dies könnte er seiner Schwester wegen niemals zugeben ...

PARODIE DER LIEBE war mein erster Manga von Rie Honjoh. Und wird wohl auch mein letzter sein. Statt einer einzelnen Geschichte waren zwei weitere Kurzgeschichten enthalten. Keine der drei konnte mich fesseln. Die erste ist die titelgebende. Die zweite handelt von einem der Nebencharaktere, die dritte spielt wieder um die Protagonisten der Hauptgeschichte. In keiner der drei Stories kam Romantik auf, die Handlung war ein Alibi für etwa 5 oder 6 Seiten Sex, es gab keinerlei Tiefgang weder bei Charas noch bei der Handlung.

Die Zeichnungen sind auf den ersten Blick nett, aber wenn man genau hinsieht sind sie eher skizzenhaft. Die Figuren sind im Gesicht alle ähnlich und unterscheiden sich nur durch Frisur und Kleidung (und das, obwohl teilweise ein ordentlicher Altersunterschied zwischen ihnen liegt). Ich brauche keine Romantik, wirklich nicht. Aber ich habe trotzdem meine Grenzen, wenn ein älterer Mann einen kleinen Jungen (gut, er ist 17, aber ich sah ihn trotzdem als kleinen Jungen) einfach nach seinem Gutdünken schnappt und loslegt, obwohl der Junge weint und nein sagt. Nicht in einem Manga, der als "Romantik" betitelt ist bitte! Es gibt Mangas, da mag ich das, z.B. >Crimson Spell<, aber da passt dann auch die Geschichte zu dieser eher brutalen Handlung.

Der Manga ist in Story und Zeichenstil deutlich ein niedlicher Shojo, den junge Mädels anhimmeln. Die Sexszenen dagegen (die wenigen, kurzen) sind explizit und zeigen sehr deutlich den Akt und die Geschlchtsteile ohne Zensur. Junge Leserinnen werden damit wohl überfordert sein. Ältere Leser dagegen wollen in der Regel doch etwas mehr Handlung und ausgefeiltere Charaktere. Oder aber nur den erotischen Aspekt, und keine Alibihandlung drumherum. Von daher frage ich mich, wer als eigentliche Zielgruppe von Rie Honjoh gedacht ist?

Rie Honjoh hat viele Fans in Japan, und auch in Deutschland. Ich gebe zu, ich kann das nicht nachvollziehen. Aber gut, jedem sein eigener Geschmack, und ich muss nicht alles verstehen ;-)

Meine ausführliche Rezension bei AnimeY findet sich >hier<.

SaschaSalamander 01.02.2012, 09.50| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Erotik, Romantik, Queer,



 






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